Online-Einkauf in der Pandemie: Mal geht's einfach, mal geht's einfach nicht
Die Coronavirus-Pandemie und der so genannte Lockdown fĂŒhren nicht nur dazu, dass die meisten GeschĂ€fte geschlossen sind. Sondern auch dazu, dass seit dem Beginn der Pandemie im FrĂŒhjahr vergangenen Jahres immer mehr EinkĂ€ufe ĂŒber eine groĂe US-Online-Einkaufsplattform abgewickelt wurden, deren EigentĂŒmer inzwischen der reichste (vielleicht, evtl möglicherweise auch nur der zweitreichste) Mensch der Erde ist. Andererseits leiden gerade die kleinen, örtlichen GeschĂ€fte unter den BeschrĂ€nkungen â Grund genug, denen mal mit dem kontaktlosen Einkauf ein wenig Einnahmen zu verschaffen.
Nun findet sich zwar fast immer eine Möglichkeit, online auch bei einem der kleinen LÀden einzukaufen. Bisweilen klappt das ungeachtet erster Skepsis hervorrangen, bisweilen bleibt das aber recht theoretisch. Drei aktuelle Beispiele meiner Online-KÀufe in den vergangenen Tagen:
Seit einiger Zeit schwören wir auf Puy-Linsen, die auch in Deutschland angebaut und von einem MĂŒhlenladen in Baden-WĂŒrttemberg als Plochinger Linsen vertrieben werden. Der verkauft vor allem in der Region rund um Stuttgart und lieferte bis vor kurzem auch nach Berlin â der schwĂ€bische (manche sagen allerdings: Hohenloher) SpezialitĂ€tenladen machte allerdings vor kurzem dicht. Also musste eine neue Lieferquelle her, am besten direkt vom MĂŒhlenladen.
Und der hat einen der am meisten handgeklöppelten Online-Shops, die ich bisher gesehen habe: Es gibt eine Seite mit den Fotos der - verpackten - Produkte aus dem Angebot. Und es gibt ein Bestellformular, löblich im Open Source-Format ods (Open Document spreadsheet). Der Bestellvorgang mutet altbacken an, verglichen mit den integrierten Webshops groĂer Anbieter, aber: er funktioniert.
DafĂŒr muss der KĂ€ufer zunĂ€chst das Bestellformular herunterladen, mit einem Open Office/Libre Office Programm öffnen (Microsoft-Produkte sollen das inzwischen auch können) und bei den Spalten mit dem jeweiligen Produkt die gewĂŒnschte Menge eintragen.
Am Ende stehen der Gesamtpreis der eingetragenen Artikel, die Versandkosten und die Gesamtsumme. Und dann muss ich das Spreadsheet nur noch speichern und per E-Mail oder, auch das wird angeboten, ausgedruckt per Fax an den Laden schicken.
Das klingt ein wenig nach Internet vor zehn oder mehr Jahren, aber es funktioniert. Ein paar Tage spÀter, verzögert durch den Feiertag Hl. Drei Könige, bekomme ich mein Paket mit Linsen.
Mehr nach heutigem Standard sieht der Webshop eines groĂen Elektronikhandels aus, dessen zahlreiche Filialen in den gröĂeren deutschen StĂ€dten natĂŒrlich auch geschlossen sind. Der Einkauf dort macht aber gleich den gröĂten Nachteil solcher Spezialisten-LĂ€den im Web deutlich: FĂŒr manche Elektronik-Kleinteile gibt es mehrere hundert Seiten mit Varianten der einzelnen Artikel. Wenn ich nicht sehr genau weiĂ, was ich suche und brauche, verzweifele ich als Laie recht schnell. Und einen VerkĂ€ufer kann ich ja nicht fragen.
Ich beschrĂ€nke mich deshalb auf die Produkte, die ich zweifelsfrei benennen und identifizieren kann: eine fingernagelgroĂe 256GB-Speicherkarte und ein paar Halogenbirnen, deren genaue Bezeichnung ich vom durchgebrannten GlĂŒhmittel abschreiben kann. Und der Rest lĂ€uft problemlos, die am Sonntagnachmittag online bestellte Ware wird am Dienstag geliefert.
Und dann gibt es noch die groĂe EnttĂ€uschung bei einem Produkt, das ich sehr genau benennen kann: Bei einem Buch. Ich weiĂ die Autorin, ich weiĂ den Titel, ich weiĂ sogar die ISBN-Nummer. Und ich erinnere mich an die Werbung vieler kleiner BuchhĂ€ndler, immer wieder gesehen: Wir besorgen jedes lieferbare Buch. Sollte ich angesichts der Privilegien, die das Kulturgut Buch in Deutschland genieĂt, wie Buchpreisbindung oder reduzierter Mehrwertsteuersatz, auch erwarten können.
Da in Berlin die Buchhandlungen auch im Lockdown offen bleiben dĂŒrfen, bin ich zunĂ€chst ganz optimistisch; ich hab ja auch zuvor schon BĂŒcher beim kleinen Buchladen um die Ecke online ausgewĂ€hlt und vorbestellt, und spĂ€testens nach zwei Tagen kam die E-Mail, das ich das Buch abholen könne.
Diesmal scheint das nicht so rund zu laufen. Im Webshop des kleinen Buchladens ist das gewĂŒnschte Buch weder mit Autorin noch mit Titel aufzufinden. Auch mit der ISBN-Nummer nicht. Also anrufen und gleich die Nummer des gewĂŒnschten Produkts mitteilen.
Und dann die EnttĂ€uschung: Dieses Buch, sagt die BuchhĂ€ndlerin, könne sie mir leider nicht besorgen. Der ZwischenhĂ€ndler fĂŒhre das nĂ€mlich nicht. Eine direkte Bestellung beim Verlag sei möglich, könne aber Wochen dauern.
Also sollte ich, frage ich vorsichtig, dieses Buch dann doch beim groĂen, im deutschen Buchhandel nicht sehr beliebten Online-Versandhaus bestellen? Die BuchhĂ€ndlerin antwortet mir nur: Ja.