Ich sitze hier.
Und wieder einmal weiĂ ich nicht, wohin mit all dem, was in mir tobt.
Es ist kein Schmerz, der schreit oder tobt.
Es ist dieser leise, zÀhe Schmerz, der bleibt, wenn alles andere lÀngst gegangen ist.
Diese Mischung aus Schwere und Sinnlosigkeit, aus Sehnsucht und Erschöpfung, die mich jeden Tag begleitet wie ein Schatten, der sich weigert, zu verschwinden.
Ich frage mich, warum ich ĂŒberhaupt hier bin.
Warum ich es nicht schaffe, zu sein wie andere.
Warum ich mich immer nach NĂ€he sehne, nach diesen kleinen, unscheinbaren Momenten, die fĂŒr andere selbstverstĂ€ndlich sind:
ein Kaffee zu zweit, ein gemeinsamer Morgen, ein stilles LĂ€cheln, wenn sie verschlafen aus dem Schlafzimmer kommt.
Ich vermisse es, aufzustehen, leise zu sein, um sie nicht zu wecken, mich anzuziehen, rauszugehen, Brötchen zu holen, diese winzigen Dinge zu tun, die zeigen: âIch denke an dich.â
Ich vermisse dieses GefĂŒhl, gebraucht zu werden.
Ich vermisse es, ein âWirâ zu sein.
Und stattdessen sitze ich hier und verliere mich in meinen Gedanken.
Ich denke nach ĂŒber alles, was falsch gelaufen ist.
Ăber Menschen, die gegangen sind.
Ăber Dinge, die ich gesagt oder nicht gesagt habe.
Ăber Fehler, die ich nicht rĂŒckgĂ€ngig machen kann.
Und je mehr ich darĂŒber nachdenke, desto leerer werde ich.
Es ist, als wĂŒrde jeder Gedanke ein StĂŒck von mir mitnehmen, bis nichts mehr ĂŒbrig bleibt als ein Körper, der noch funktioniert, aber lĂ€ngst nicht mehr lebt.
Seit ich in dieser Tagesklinik bin, fĂŒhle ich mich nicht besser.
Im Gegenteil â es ist, als hĂ€tte jemand einen Spiegel vor mich gestellt, in dem ich mich selbst nicht mehr erkenne.
Ich sehe einen Menschen, der mĂŒde ist.
Nicht nur von NÀchten ohne Schlaf, sondern von Jahren, in denen er versucht hat, zu kÀmpfen.
Ich sehe jemanden, der nicht mehr weiĂ, wie man lacht, ohne dabei innerlich zu zerbrechen.
Jemanden, der jeden Tag eine Maske aufsetzt, damit niemand merkt, wie leer er geworden ist.
Diese Traurigkeit ist nicht einfach nur ein GefĂŒhl.
Sie ist eine Substanz, die mich durchdringt.
Sie sitzt in meinen Knochen, sie liegt auf meiner Brust, sie zieht mich nach unten, egal, wie sehr ich versuche, wieder aufzustehen.
Manchmal fĂŒhlt es sich an, als hĂ€tte sie ein Eigenleben entwickelt â als wĂŒrde sie sich von mir ernĂ€hren, StĂŒck fĂŒr StĂŒck.
Ich weiĂ nicht mehr, wie man sich ârichtigâ verhĂ€lt.
Ich weiĂ nicht mehr, wie man "richtig" fĂŒhlt.
Ich weiĂ nicht, was ich sagen oder tun soll.
Ich weiĂ nicht einmal mehr, was von mir erwartet wird.
Alles, was ich tue, fĂŒhlt sich falsch an.
Und egal, wie sehr ich mich bemĂŒhe â es scheint nie zu reichen.
Vielleicht ist das das Schlimmste an allem:
Diese stÀndige Frage, ob das Leben mich jemals wirklich gewollt hat.
Ob es fĂŒr jemanden wie mich ĂŒberhaupt einen Platz gibt â einen Ort, an dem ich nicht nur geduldet werde, sondern wirklich sein darf.
Denn im Moment fĂŒhlt es sich nicht danach an.
Es fĂŒhlt sich an, als wĂ€re ich ein Fremdkörper in einer Welt, die ohne mich besser funktionieren wĂŒrde.
Und doch bin ich noch hier.
Nicht, weil ich voller Hoffnung bin.
Nicht, weil ich glaube, dass morgen alles besser wird.
Sondern weil ein Teil von mir einfach nicht weiĂ, wie man aufhört.
Weil da tief in mir ein Rest von etwas ist â vielleicht nicht Mut, vielleicht nicht Glaube, aber ein winziger, unzerstörbarer Funke, der sagt: âBleib.â
Vielleicht ist es dieser Funke, der mich morgens aufstehen lÀsst.
Der mich atmen lÀsst, auch wenn jeder Atemzug schwer ist.
Der mich durch Tage trĂ€gt, die sich anfĂŒhlen wie endlose Wiederholungen derselben Leere.
Vielleicht ist es dieser Funke, der mir zuflĂŒstert, dass ich trotz allem noch nicht verloren bin.
Ich weiĂ nicht, ob ich je wieder so werde wie frĂŒher.
Vielleicht ist ein Teil von mir fĂŒr immer verschwunden.
Aber vielleicht â nur vielleicht â kann aus dem, was ĂŒbrig ist, trotzdem etwas entstehen.
Etwas, das nicht perfekt ist.
Nicht stark.
Aber echt.
Und vielleicht reicht das irgendwann aus.