Liste: Konzerte, die ich 2023 besuchte
Drei Jahre alte Erinnerungen zu publizieren scheint nun gerade im Fall der Präsenz-fixierten Kunstform Konzert irgendwie abwegig. Bei Metallica saßen im Hamburger Volksparkstadion beflissene Presseschergen mit Laptops auf den Rängen, um ihre Eindrücke möglichst ungefiltert niederzuschreiben, vielleicht sogar als Ticker eine Art vermittelter Teilnahme zu ermöglichen, zumindest aber den Text schnellstmöglich zusammenzufügen, nicht nur um bei frühzeitigen Google-Suchen direkt treffbar zu sein, sondern - so scheint es - auch, als könne ein schnell verfasster Text noch am Moment partizipieren, zumindest bei entsprechend zügiger Lektüre.
Auch ich saß dereinst mit meinem Konzertkompagnon an zwei Morgen in einer Nürnberger Burger-King-Filiale, um die Impressionen des je vorherigen Rock-im-Park-Tages möglichst zügig ins Internet zu bannen, wende mich also gar nicht grundsätzlich gegen das Tempo, und so ganz subjektiv bleibt ja auch zu sagen: Erinnerungen gewinnen mit der Zeit selten an Schärfe. Minuten nach Vergehen des Konzerts verstolpert man sich schon in der gerade noch aufgeregt analysierten Setlist, intensive Momente verflüchtigen sich in ein diffuses Gefühl und drei Jahre später fällt es schon schwer, die passenden Konzerte überhaupt noch ins richtige Jahr zu sortieren.
Was auch daran liegen mag, dass so ein Konzertjahr fast immer Würfelwerk ist. Manches ist geplant, folgt einer neuen Offenheit für Orte, Themen und Vergangenheiten, anderes passiert halt einfach. 2023 schloss ich jedenfalls einige Lücken (Björk, Iron Maiden, Metallica), ging dafür wieder in die großen Hallen und Stadien (z.B. für Depeche Mode), hing aber auch bei kleinen (Release-)Shows ab (Hendrik Otremba, Near Stranger) und verabschiedete nicht zuletzt zwei alte Bekannte, die mich in meinen frühen Zwanzigern geprägt haben. Im Fall meiner Post-Covid-und-Ermüdungs-Rückkehr zum Maifeld Derby ist mir das erst rückblickend bewusst, im Fall des nur zufällig von mir bemerkten Hans Unstern Konzerts in den postfeudalen Gewächsen des Münsteraner Kulturbetriebs schon schmerzlich, als ich mit mulmeligem Bauch letztes Merch erwerbe.
Diese Momente und Stimmungen sind auch auf dreijährige Distanz noch gut sichtbar. Aus dem Jahr 2023 zählen dazu auch James Hetfields auf dem Mikrofon abgelegte Nase, seine Ansage mitten in "Fade To Black", nebenbei auch meine kurzzeitige Rückkehr zu BlaBlaCar sowie meine überraschende Aussöhnung mit "Kill 'Em All" im Zuge der Hamburger Konzerte, die beiden unerwarteten Maifeld-Derby-Highlights (Sevdalizas unberrechenbares, zwischen Rave und Pop-Größenwahn changierendes Set und Phoenix' weltumarmende Indie-Feier), sicher auch mein spontanes Einklinken in eine schwedische 2000er-Nostalgie, die ich freilich so gar nicht miterlebt habe, in der sich aber umso schöner baden ließ. Anderes, wie etwa meine gemischten Gefühle Spiritbox als Liveband betreffend, hat sich mittlerweile mehrfach relativiert und wäre an dieser Stelle höchstens noch von historischem Interesse (oder gar biografischem, wie jener Umstand, dass ich ein Drangsal-Set in Berlin verpasste, nicht nur, weil ich mich im oberen Teil der betreffend Bar verquasselte, sondern auch, weil das Set nach einer knappen Stunde offenbar schon beendet war, oder dass sich das Cro-Publikum weiterhin beharrlich verjüngt, was mich zwangsläufig mittlerweile gen Elternalter schiebt, oder dass ich Jochen Distelmeyer kaum sehen konnte, weil ich hinten im maximal uncharismatischen Vortragsraum des LWL-Museums saß - aber okay, auch der Umstand, dass Distelmeyer überhaupt in eben diesem Raum spielte und ein Publikum Ü-50 mit eigentlich ja guten, aber in dieser Situation arg betulichen Songs sitzend zu animieren versuchte, gibt dann doch über mehr als meinen bloßen Sitzplatz Auskunft ...).
Zu erzählen wäre von all dem also vielleicht doch gewesen. Doch der Verweis geht nicht umsonst in tiefere Schichten der Vergangenheit: Detaillierte Beschreibungen meiner Entfremdung beim rotglühenden Death-Grips-Auftritt auf dem Maifeld Derby zwischen 200 glühköpfigen Männern um die 30, dem Gefühl gemeinschaftlich runtergeschlungener Pizzen in Hamm und des Schleichens durch eine halbleere Siegerlandhalle werden noch bis zur Veröffentlichung der Brennen-Muss-Die-Liste-Chroniken warten müssen. Fürs erste bleibt es bei folgender, rein registrierenden Liste:
Hendrik Otremba, 30.03.2023, (Keller einer Berliner Bar, Name vergessen und nicht mehr recherchierbar)
Near Stranger, 01.04.2023, Gleis 22
Metallica, 26. & 28.05.2023, Volksparkstadion
Depeche Mode, 04.06.2023, Merkur Spiel Arena
Maifeld Derby, 16.-18.06.2023, Maimarkt Gelände
Spiritbox, 20.06.2023, Skaters Palace
Vainstream, 24.06.2023, Hawerkamp
Campus Festival Siegen, 29.06.2023, Siegerlandhalle
Hans Unstern, 30.06.2023, Haus Rüschhaus
Iron Maiden, 25.07.2023, Westfalenhalle
The Hives, Mando Diao & The Sounds, 05.08.2023, Mölleplatsen
Cro, 25.08.2023, Strandbad Losheim
Dirk von Lowtzow, 25.09.2023, Schauspielhaus Bochum
Jochen Distelmeyer, 20.11.2023, LWL Museum
Björk, 21.11.2023, Barclays Arena










