2. Januar 2021
Ich bin zu jung fürs Lesen des ALDI-Prospekts! Es muss auch anders gehen (mit einem Lochkarten-Bonustrack)
Beim Frühstück schiebt mir die Mutter den ALDI-Prospekt zu, der zusammen mit der Zeitung geliefert wurde, und sagt “Schau einmal, ob wir da was brauchen.” – “Sicher nicht”, sage ich. “Doch, zum Beispiel Glühbirnen sind da drin.” – “Du hast noch Glühbirnen für 30 Jahre im Keller!” – “Schau halt trotzdem einmal.” Ich verkünde, dass ich noch nicht in dem Alter bin, in dem man den ALDI-Prospekt liest und dass das überhaupt nur zu sinnlosem Erwerb von Dingen führt, die man gar nicht braucht.
Abends stellt sich heraus, dass im Wohnzimmer ein Halogenlämpchen fehlt. Der ALDI-Prospekt wird wieder erwähnt. “Nein!”, sage ich, “davon haben wir ganz bestimmt mehrere!”, und gehe in den Keller. Dort liegen mehrere Halogenlampen, die genau so aussehen. Leider haben sie statt einem GU10-Stiftsockel einen GU5.3-Stiftsockel.
Links: richtiger Sockel, aber defekt. Rechts: Funktionierend, aber falscher Sockel.
Ich entsteige dem Keller und nehme den ALDI-Prospekt zur Hand. Darin gibt es das Gesuchte, nämlich eine LED-Lampe, die so tut, als sei sie ein kleiner Halogenstrahler mit passendem Sockel.
Andererseits will ich unnötige Supermarktbesuche schon aus Coronagründen vermeiden. Außerdem sind ALDI-Besuche für mich noch keine tagesstrukturierende Maßnahme und auch kein unterhaltsamer Ausflug. Vielleicht wird es eines Tages so weit kommen, und ich gebe zu, dass ich im vergangenen Jahr ein rentnerinnenhaftes Leben geführt habe, aber zum Spaß in einen Supermarkt, dafür ist es noch zu früh. Ich suche bei conrad.de nach der Lampe und lege sie in den Warenkorb. Die Lampe kostet 3,79 €. Das Porto kostet 6,65 €. Ich schließe die Seite wieder.
Später am Abend beschließe ich, endlich das neue Handy zu kaufen, über das ich seit Monaten nachdenke, weil sich in das alte der Strom nur noch mühsam hineinpressen lässt. Bei Kälte geht es gerne mal aus, ein Android-Update hat es schon seit drei Jahren nicht mehr bekommen, GPS fällt immer wieder aus, und um die Kamera-App zu starten, brauche ich so viele Versuche, dass ich nur noch Immobilien, Schnecken und Geologie fotografieren kann. Weihnachten ist vorbei und die Logistikunternehmen sind jetzt wahrscheinlich nicht mehr ganz so überlastet.
In der Techniktagebuch-Redaktion wurde in letzter Zeit der Kauf gebrauchter Handys bei Refurbished-Anbietern wie refurbed.de, backmarket.de oder rebuy.de gelobt, wegen der Nachhaltigkeit. Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, dass das Ressourcen spart, denn damit ich mir gebraucht ein Handy kaufen kann, das noch ein paar Jahre funktioniert, muss ja jemand anders erst mal ein fast nagelneues Handy abgelegt haben. Und dieser Jemand kauft sich dann bestimmt wieder ein ganz neues. Im Prinzip war ich aber willig, es auszuprobieren und habe seit Wochen die Angebotslage bei allen drei Anbietern verfolgt. Das Handy, das ich will, ist bei keinem der drei aufgetaucht.
Ich bestelle das Handy, die Lampe und eine Hülle für das Handy bei Mediamarkt. Jetzt ist der Versand portofrei.
Beim Bezahlen begegne ich zum zweiten Mal einem neuen Sicherheitsverfahren. Das erste Mal habe ich es am 28. Dezember gesehen, war aber nicht geistesgegenwärtig genug für einen Screenshot. Zuerst bekomme ich einen sechsstelligen Zahlencode als SMS zugesendet:
Dann soll ich aus einer Liste mit Buchungen die eine auswählen, die von mir stammt:
Hier bin ich zunächst versucht, “I don’t recognize any of these transactions” zu wählen. Aber dann fällt mir wieder ein, dass ich bei “Patrick Fry Studio Ltd” zwei Exemplare eines Buchs über Lochkarten gekauft habe. Und so wird es in diesem Haushalt schon in zwei Wochen – denn so lange plant Mediamarkt für die Lieferung zu brauchen – ein Leuchtmittel mehr geben.
Update: Am nächsten Tag merke ich beim Lesen dieses Beitrags, dass das bestellte Handy zu billig ist. Das Handy, das ich eigentlich wollte, ist zwar auch billig, aber nicht so. Ich muss beim Bestellen an was anderes gedacht haben, vielleicht schon an den zu schreibenden Beitrag. Die Bestellung lässt sich nur durch einen Anruf bei der Mediamarkthotline stornieren. Zehn Minuten lausche ich der Warteschleifenmusik und denke darüber nach, wie schön es jetzt bei Amazon wäre.
(Kathrin Passig)










