16. Dezember 2022 und 1987
Das ErfĂŒllen von FotowĂŒnschen frĂŒher und heute
Nachts bekomme ich ĂŒber WhatsApp eine Nachricht meines Bruders:
Er schickt ein Foto von der Chorreise mit dem Jugendkammerchor Ingolstadt 1987 in die schottische Partnerstadt Ingolstadts Kirkcaldy. Das hat eine eine MitsÀngerin auf ihrem Smartphone dabei, mit der er gerade zum jÀhrlichen Weihnachtstreffen zusammensitzt.
Ich freue mich sehr ĂŒber die Erinnerung, denn an dieser Chorreise habe ich teilgenommen, und revanchiere mich mit dem GegenstĂŒck in Farbe: DafĂŒr hole ich ein Fotoalbum aus dem Schrank (in diesem eingeklebt Fotos aus meinen Kleinkinderjahren von 1970 bis kurz vor meinem Studienjahr in Wales 1991) und fotografiere mit meinem Smartphone den Papierabzug ab. Versand ĂŒber WhatsApp an meinen Bruder, der es auf seinem Smartphone in der Runde herumzeigt. Das alles dauert nicht mal drei Minuten.
Mir fĂ€llt ein, wie mĂŒhselig ich seinerzeit zu der Kopie gekommen bin, die ich jetzt schnell mal verschicke. 1987, in den Jahren davor und bis zur Verbreitung der Digital-Fotografie lief das in meinem Umfeld ungefĂ€hr so:
Wer Fotos von einer Gruppenreise, einer Veranstaltung, einem Treffen aufgenommen hatte (und das waren nur wenige, denn Fotoapparate waren teuer und eher etwas fĂŒr Erwachsene), lieĂ den Film entwickeln und gleich PapierabzĂŒge davon anfertigen. 1987 musste man dafĂŒr schon nicht mehr in FotofachgeschĂ€fte gehen: Es gab DrogeriemĂ€rkte, in denen man den Auftrag selbst abwickelte. Es lagen PapiertĂŒten aus, die man mit Name und Adresse beschriftete, das gewĂŒnschte Fotoformat fĂŒr die AbzĂŒge ankreuzte (je gröĂer, desto natĂŒrlich teurer â ich erinnere mich auch an die Möglichkeit, "nur die Guten" draufzuschreiben, dann wurden offensichtlich unbrauchbare Aufnahmen gleich aussortiert). Die Filmkapsel legte man hinein, klebte den Umschlag zu, riss einen Beleg mit Bestellnummer vom Umschlag ab und warf den Umschlag in einen SammelbehĂ€lter.
Hier ein Exemplar von 1998, als bereits auch KaufhÀuser und SupermÀrkte solche Fotodienste anboten.
Nach ein paar Tagen holte man denselben Umschlag wieder ab, der in einem Regal namentlich alphabetisch sortiert bereit stand. Er enthielt jetzt entwickelte Negativ-Filmstreifen und Positiv-PapierabzĂŒge. An der Kasse zeigte man den abgerissenen Beleg als Identifikation vor und zahlte.
Das war natĂŒrlich bei allen Fotoarbeiten so, doch als Fotografin bot ich den an der Reise oder der Veranstaltung Beteiligten ĂŒblicherweise AbzĂŒge dieser Fotos an. Ich versah die RĂŒckseiten der Papierfotos mit den Nummern vom Filmstreifen (die Negative waren nummeriert). Auf einem Blatt Papier listete ich die Nummern auf. Den Stapel Fotos und die Nummernliste lieĂ ich unter den Beteiligten rumgehen, die ihren Namen neben die Nummer des Fotos schrieben, von dem sie einen Abzug wollten. (Variante: Ich lieĂ nur die Fotos rumgehen, AbzugwĂŒnsche per Name auf der RĂŒckseite.)
Waren alle durch, zĂ€hlte ich die EintrĂ€ge zusammen. Mit dem Ergebnis beschriftete ich in der Foto-Ecke des Drogeriemarkts wieder einen Umschlag: Name und Adresse, diesmal aber neben der Nummer des Negativs die Anzahl der bestellten AbzĂŒge. In den Umschlag kamen die Filmstreifen.
Nach Abholen sortierte ich diese AbzĂŒge in UmschlĂ€ge mit Namen der Besteller*innen und legte die Kosten um â nach meiner Erinnerung kostete ein Abzug 15 bis 25 Pfennig, je nach GröĂe. Diese UmschlĂ€ge bekamen die Besteller*innen, ich lieĂ mir das Geld geben.
(die Kaltmamsell)










