26. Juli 2019
Markus in Klagenfurt, ein Traum auf dem technischen Stand der 1980er Jahre
In meinem Traum ist Markus Winninghoff mit einem Text bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt. Ich habe den Text schon gesehen (auf Papier mit handschriftlichen Markierungen), er ist sehr gut. Auf keinen Fall will ich die Übertragung verpassen, aber das ist so schwer im Haushalt der Großmutter, auf deren Fernseher es kein ... mühsam erinnere ich mich: 3sat!, auf deren Fernseher es kein 3sat gibt. Von der Existenz des Livestreams weiß mein Traumbewusstsein offenbar noch nichts. Mit einer komplizierten Fernbedienung wechsle ich durch 200 sinnlose Sender und dann ein zweites Mal, erfolglos. Jemand nimmt mir die Fernbedienung aus der Hand und findet 3sat natürlich sofort, auf Platz 1.
Es hat aber noch nicht angefangen und fängt auch noch lange nicht an. Ich werde so unruhig, dass ich in der Zeitung nach dem Fernsehprogramm zu suchen beginne. In der Zeitung steht unendlich viel Zeug, vor allem Sport und Todesanzeigen, aber ein Fernsehprogramm ist nicht zu finden. (Es ist mindestens zwanzig, wenn nicht dreißig Jahre her, dass ich wach zuletzt ein Fernsehprogramm in einer Zeitung konsultiert habe.)
Dann muss ich meine Mutter zum Bus bringen und dies und das, und bis ich zurückkomme, ist die erste Viertelstunde der Lesezeit von Markus schon vorbei und er hat noch nicht mal angefangen, sondern redet noch auf die Jury ein. In der Jury wird gemurmelt und schließlich laut protestiert. Markus hat einen viel zu langen Text eingereicht, er plant daraus nur einen Ausschnitt zu lesen, und jetzt sagt man ihm, dass das so nicht geht. Markus ist gestählt durch Sachverständigenauftritte vor Gericht, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und stellt Gegenfragen. Aber die Zeit, die Zeit!
(Kathrin Passig)


















