Auch ich mache dieses Jahr noch mal Urlaub zwischen Edgenow und Edgewitz
Möglicherweise denkt die oder der geneigte Leser:in, mein Leben würde sich nur um Mobilfunknetzabdeckung, Handy-Lademöglichkeiten und Kartenzahlung drehen. Dabei stimmt das, naja - also zumindest nur zum Teil. Auf jeden Fall bin ich also im Urlaub.
Als Vorteil an einem Urlaub im Zelt sehe ich, dass ich die Akkuladung des Handys sorgsam einteilen muss. Elektronen (also zumindest diejenigen auf der richtigen Seite des Spannungsgradienten) bleiben auch dieses Jahr wertvoll, und da ich sie benötige, um zum Beispiel nach dem Wetter oder dem Weg zu schauen, werde ich deutlich seltener verlockt, nur mal kurz nach Mails zu gucken.
Aber der Reihe nach: Der Spreewald ist wunderschön, das Wetter ist nur die ersten beiden Tage regnerisch, und da der handytägliche Wetterbericht zumindest keine Gewitter und auch baldige Aufklarung des Himmels verspricht, schmälern auch die Pfützen auf der Wiese vor dem Zelt die gute Stimmung kaum. Die Fließe im Spreewald sind zahlreich, wir haben eine Karte (mit gegen das Wasser beschichteten Seiten) dabei. Das Handy wird zur Orientierung mit dem Kanu auf dem Wasser kaum benötigt und kann meist im Paddelsack bleiben, da dankenswerterweise häufig Schilder mit Namen der Fließe montiert sind.
An dem Tag, an dem ein Sohn abends voraus paddelt und dann aber nicht - wie eigentlich abgesprochen und erwartet - am Biwakplatz ist, als wir dort ankommen, werde ich etwas nervös, denn ich stelle fest, dass er sein Handy in meinem Paddelsack hat - er ist also ohne Karte, ohne Handy, ohne warme Kleidung und ohne Essen unterwegs. Ich versuche, mir nicht vorzustellen, wie man sich in den Fließen der Spree ohne Karte und andere Hilfsmittel verirren kann; aber denk mal nicht an einen rosa Elefanten. Auf jeden Fall gibt es da also ein paar Krimis, die sich um dieses Motiv ranken, und ich bin entsprechend froh, als er sich etwas später doch am - inzwischen aufgebauten - Zelt anfindet; er ist also nur noch eine extra Runde gepaddelt, weil er noch Energie hatte. Wir verabreden, dass er das nächste Mal auf so eine Tour sein Handy mitnimmt um meine Nerven zu schonen.
Strom bekommen wir meistens über Steckdosen irgendwo auf einem Zeltplatz, manchmal in Gemeinschaftsräumen:
Foto: Ein Handy wird in einer Gemeinschaftsküche auf einem Zeltplatz geladen
Manchmal auf einer Terrasse:
Foto: Eine Powerbank wird an einer Steckdose auf einer Terrasse eines Biwakplatzes geladen
Wir sind nicht die einzigen, die diese Möglichkeiten gerne für Handys oder Powerbank nutzen.
Foto: Nochmal zwei Handys an einer Steckdose in einer Gemeinschaftsküche auf einem Campingplatz
Die Verlockung, vielleicht doch mal Mails anzugucken, wird, außer durch den Mangel an Akkuladung auch dieses Jahr noch durch den Mangel an Handyinternet geschmälert. Das überrascht mich, in meiner subjektiven Wahrnehmung ist das Handyinternet auch in abgelegenen Orten in den letzten Jahren deutlich besser geworden. Aber bis hier, nach Brandenburg, hat sich das offenbar noch nicht so herumgesprochen.
Ich hatte zu Hause auch noch ein paar Leseproben auf meinen Kindle geladen. Zu einer würde ich gerne das ganze Buch im Anschluss an die Leseprobe lesen, kann aber mangels mobilem Internet nun nicht das ganze E-Book über den Handy-Hotspot herunterladen.
Screenshot: Amazon teilt mir mit, dass das ohne Internet so nicht klappt
Auch das tägliche Abrufen des Wetterberichts am Handy ist mit etwas Warten und meistens mehreren Versuchen verbunden.
Screenshot: Auch die Wetterapp hält sich ohne Internet mit ihren Prognosen zurück
Und Bezahlen am Zeltplatz, naja, das geht auch dieses Jahr oft noch nur mit Bargeld.
Foto: Keine Kartenzahlung
Was mich überrascht, da die Übernachtungspreise auf Zeltplätzen gar nicht mal so niedrig sind und wir im Ergebnis also mit mehreren hundert Euro Bargeld in den Paddelbooten unterwegs sind - ein ungewohntes Gefühl für mich.