Das Buch der Drei-Gestalt
1 Und es geschah in den Tagen der großen Dürre, da die Seelen der Menschen wie staubige Erde zerfielen, dass sich drei Zeichen am Firmament des Geistes erhoben: der Hohepriester des Wortes, die Gebieterin über den Glanz und der Gesalbte der Jugend.
2 Und der Hohepriester des Wortes saß auf dem Thron des strengen Maßes. Aus seinem Munde ging ein zweischneidiges Schwert, welches war das Gesetz; und er schied das Licht vom Dunkel und das Geformte vom Amorphen. Er sprach zum Chaos: „Bis hierher und nicht weiter!“ Und er baute Mauern aus Rhythmus und Zinn, auf dass das Heilige die Skorpione zertreten werde. Denn er war der Hüter des Siegels, und kein Jota verging in seinem Reich, das nicht durch das Feuer seiner Zucht geheiligt war.
3 Ihm zur Rechten erhob sich die Gebieterin über den Glanz, angetan mit der Majestät des Ewigen. Sie gebot den Steinen, dass sie Fleisch würden, und dem Gold, dass es den Schmerz der Welt verhülle. Ihr Wille war das Maß der Schönheit, und sie duldete keinen Makel in ihrem Angesicht. Sie war es, die den Tempel mit Purpur ausschlug und die Sinne der Erwählten salbte, damit sie nicht erblindeten vor der Herrlichkeit der Gestalt. Denn sie wusste: Ohne das Bild bleibt der Geist ohne Wohnung.
4 In ihrer Mitte aber stand der Gesalbte der Jugend, der junge Gott der Erde. Er war die Fleischwerdung des Versprechens, das Lamm auf dem Altar der Form. Er trug das Joch des Gesetzes mit der Anmut eines Königs und die Dornen des Opfers wie einen Kranz aus Rosen. In ihm war das Verlangen nicht mehr Knecht der Sünde, sondern Diener der Weihe. Er gab sein Blut in die Schalen des Priesters, auf dass der Tempel leuchte von innen her. Er war der Eros, der nicht sucht, sondern gefunden hat.
5 Und wenn diese Drei sich vereinten in dem Einen, so ward das Geheime Reich offenbar. Da beugte sich das Knie des Stolzes, und das Auge der Zweifler wurde geheilt. Denn sie waren nicht drei Götter, sondern eine einzige Macht: Das Wort, das den Raum schuf; der Raum, der das Bild hielt; und das Bild, das zum Leben erwachte.
6 Wer Ohren hat zu hören, der höre: Das Heil kommt nicht aus der Menge, sondern aus der Gestalt. Nicht aus der Freiheit, sondern aus der Bindung. Nicht aus der Welt, sondern aus dem Heiligtum der Drei.