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Passt der Trainingsplan fĂŒr den Badenmarathon?
Die entscheidende Frage heute: âPasst die Zielzeit zum Trainingsplan?â Und die zweite, vielleicht viel wichtigere Frage: âSchaffe ich es beim Badenmarathon ĂŒberhaupt ins Ziel?â
12 Wochen Vorbereitung liegen hinter mir, und am Tag vor meinem ersten offiziellen Halbmarathon machen sich erste Zweifel breit. Habe ich hart genug trainiert? Schaffe ich den Lauf in der geplanten Zielzeit von weniger als 2:15 h? Habe ich mich richtig ernĂ€hrt? Was mache ich, wenn ich einbreche? Lauter Fragen, von denen ich glaubte, dass sie aufgrund meiner disziplinierten Vorbereitung erst gar nicht auftauchen wĂŒrden. Trotzdem schleichen sich die Zweifel ein â je nĂ€her der Tag kommt.Â
Irgendwann gebe ich mich meinem Schicksal hin und hoffe einfach auf kĂŒhleres Wetter, nachdem ich oft genug in der sommerlichen Gluthitze meine Einheiten âdurchgezogenâ habe.Â
Samstag: Startunterlagen abholen und Maultaschenparty
Um mich schon einmal ein biĂchen zu orientieren, fahre ich am Vortag zum Ort des Geschehens und hole meine Startunterlagen in der Europahalle ab. Da die Halle nicht mehr den aktuellen Brandschutzbestimmungen entspricht, darf sich nur eine begrenzte Anzahl an Menschen gleichzeitig dort aufhalten. Kontrolliert wird das mit einem Plastikchip, den jeder, der die Halle betritt in die Hand gedrĂŒckt bekommt und beim Verlassen wieder abgeben muss. Können keine Chips mehr ausgegeben werden, muss gewartet werden. Heute am Samstagnachmittag geht alles gechillt zu. Wenn aber am Sonntag ĂŒber 4.000 Halbmarathonis und mehr als 1.000 MarathonlĂ€ufer quasi gleichzeitig ihre Startunterlagen abholen wollen, wird es eng in der Butze. Das gleiche gilt fĂŒr die aufgestellten ToilettenhĂ€uschen, wo man heute noch die Qual der Wahl hat und sich die schönste Kabine fĂŒr sein GeschĂ€ft aussuchen kann. EinigermaĂen gesittet geht es auch beim âMaultaschenfassenâ zu. Zum kostenlosen Kartoffelsalat gesellen sich drei kleine BURGER-Maultaschen auf dem umweltfreundlichen Holztellerchen. Obwohl in mehreren Varianten im Angebot (Fleisch / vegetarisch) geht der Kantinenmann hinter dem Tresen grundsĂ€tzlich davon aus, dass alle LĂ€uferinnen und LĂ€ufern FLEISCH wollen. So fragt er gar nicht mehr, sondern schöpft unermĂŒdlich aus dem gleichen Pott nicht weniger â aber auch nicht mehr â als 3 TeigtĂ€schchen mit den begleitenden Worten âFleisch. Gell?â Ja, bei mir paĂtÂŽs schon.Â
Sonntag: Szenenwechsel
Wird zeitlich schon reichen, denke ich, als ich um ca. 09:10 Uhr die Szenerie von gestern wieder betrete. Der StartschuĂ soll um 09.30 Uhr erfolgen. Die Schlange der Menschen, die in der Europahalle nur ihr GepĂ€ck abgeben wollen, ist endlos. Der Kaffee treibt und ich reihe mich irgendwo kurz vor der TĂŒr â aber nicht so, dass es wie DrĂ€ngeln aussieht â geschmeidig in die Reihe ein. Hinten anstellen ging aus zwei GrĂŒnden heute ausnahmsweise nicht
1. wĂ€re mir zwischenzeitlich die Blase explodiert und 2. wĂ€re sie mir nicht explodiert, hĂ€tte ich spĂ€testens vor einem der vielen KlohĂ€uschen jemanden umbringen mĂŒssen, um rechtzeitig -und entspannt gleichermaĂen- ins Rennen starten zu können
So stehe ich keine zwei Minuten spĂ€ter â dieses Mal ordnungsgemÀà eingereiht â hinter meinen Mitstreitern und tippele mich nervös immer weiter nach vorne, bis ich endlich Erlösung finde. Als ich schlieĂlich so alleine in der blau schimmernden Zelle sitze, schweift mein -zwischenzeitlich gelöster- Blick auf meine Uhr. 09:28 Uhr. Waaas? Da hat mich die NervositĂ€t schlagartig wieder und schnurstracks laufe ich â nicht ohne mich davon zu ĂŒberzeugen, dass alles wieder da sitzt, wo es sitzen soll â zu den anderen fĂŒntausendirgendwas Marathonis und stelle mich irgendwo zwischen Block C und D einfach in die Menge. Zwischendurch verdrĂŒcke ich noch schnell eine Banane. Habe gehört, das soll so. Meinetwegen kannÂŽs jetzt los gehen.Â
Startverschiebung auf der SchnellstraĂe zur Hölle
Leider wird aus dem 9 Uhr 30 -Start nichts, da noch immer viele Teilnehmer in einer der beiden Endlosschlangen vor der Halle und/oder vor oder vielleicht auch IN der Toilettenkabine feststecken. Es gibt noch 5 Minuten NervositĂ€t oben drauf. Ich bereite schon mal die Musik auf meinem Smartphone vor, die mich zumindest auf den ersten Kilometern begleiten soll. WĂ€hrend beim Startschuss aus den Lautsprecherboxen âHighway to Hellâ von AC/DC dröhnt, was ich besser nicht als böses Omen verstanden haben will, starte ich in meinem Kopfhörern meine Musik vom Luther-Pop-Oratorium. OK. Kontrastprogramm, denke ich. Doch der aufgepeitschte LĂ€ufermob grölt laut den Refrain âIÂŽm on the Hiiiiighway to Hell, Hiiiiighway to Hellâ, der fĂŒr den einen oder anderen wohl bald unerwartet Wirklichkeit werden wird. Also rein ins VergnĂŒgen und ab auf die Strecke. Doch es dauert noch weitere lange sechs Minuten, bevor ich endlich die rote Zeitmessmatte ĂŒberschreite, mehr Bewegungsfreiheit gewinne und die sogenannten Nettozeit â sozusagen zeitgleich mit mir â zu laufen beginnt.Â
Langsamkeit ist Trumpf â jedenfalls zu Beginn
Nicht so schnell, nicht so schnell. Im Ăberschwang der GefĂŒhle und auch, um das ins Körper geschossene Adrenalin schnell wieder loszuwerden, ist der Drang einfach zu groĂ, gleich mit Tempo auf die Strecke zu gehen. Ich zwinge mich also, langsamer zu laufen, auch wenn ich â gefĂŒhlt â immer weiter zurĂŒck falle. Dabei vergesse ich, dass wir ja nicht alle zeitgleich die Matte ĂŒberschritten haben. Damit ist das, was tatsĂ€chlich auf der Strecke passiert, kein Spiegelbild eines tatsĂ€chlichen Rankings. Dennoch benehmen sich viele so und meinen, wenn sie einen mehr ĂŒberholt haben, stehen sie am Ende auf der Ergebnisliste weiter oben. Das mag fĂŒr die ersten Kilometer vielleicht stimmen, aber hey, 21 Kilometer können verdammt lang sein. Irgendwann verlĂ€uft sich das Feld.Â
LĂ€uft bei mir
Nach einer halben Stunde habe ich in etwa meinen Laufrhythmus gefunden und genieĂe die tolle Strecke auf der breiten Strasse, auf der ich wochentags so oft im nervtötenden Stop-and-Go-Verfahren unterwegs bin. Ich fĂŒhle mich gut und könnte durchaus mehr auf die Tube drĂŒcken. Aber sechs Kilometer sind deutlich weniger als die HĂ€lfte. Also lass ich das schön bleiben. Sofern ich mich bei der Kilometer 10,54 noch genauso fit fĂŒhle, kann ich das Tempo ja immer noch anziehen â testweise. Also trabe ich weiter. Bei jedem Kilometer lasse ich mir die aktuelle Pace und die durchschnittliche Pace ansagen und liege voll im Plan, besser: ich liege mehr als nur im Plan und freue mich auf eine unglaubliche Bestzeit, die deutlich unter der liegen sollte, fĂŒr die ich trainiert hatte. Ich muss das Tempo also gar nicht erhöhen und plane, meinen Rhythmus einfach beizubehalten. Die Begeisterung der Zuschauer und der Aktionismus am Streckenrand motiviert und setzt weiter KrĂ€fte frei. Trommelmusik, Tanzeinlagen und Akrobatik wechseln sich ab, wĂ€hrend andere einfach nur klatschen und uns krĂ€ftig anfeuern. LĂ€uft bei mir!
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Liquid-Energy-Gel und die Folgen
Mir war bewusst, dass die angefutterten Kohlehydrate von gestern in meinem Körper fĂŒr einen Lauf dieser LĂ€nge nicht ausreichen wĂŒrden. Da hĂ€tten drei Maultaschen mehr gestern wahrscheinlich auch nix genutzt. Auch nicht die mit Fleisch, gell? Ich musste also so oder so Energie âzufĂŒtternâ, wenn ich weiterhin mein Tempo halten und mein gestecktes Ziel erreichen will. Bei der HĂ€lfte der Strecke packt mich der Ehrgeiz. Jetzt soll es nicht mehr ums reine âFinishenâ gehen, sondern darum, in einer deutlich besseren Zeit durchs Ziel zu kommen als eigentlich geplant. Es geschieht zwischen Kilometer 13 und 14 als ich merke, dass meine durchschnittliche Pace signifikant in den Keller geht. Noch ist alles top. Und auch, wenn ich jetzt etwas langsamer werde, kann ich noch ein gutes Ergebnis erreichen. Zeit fĂŒr mein Energie-Gel. Auf der Strecke liegen jetzt schon viele solcher leergedrĂŒckten Gelverpackungen in der Gegend herum. Wie weite manche ihren Dreck wegwerfen können? Erstaunlich! Ok, scheint wohl auch fĂŒr andere LĂ€ufer ein kritischer Moment zu sein. Also rein mit dem Zeug. Schmeckt nicht wirklich gut, aber die auf 60 Milliliter komprimierten Kohlehydrate mĂŒssen fĂŒr die restlichen 6 Kilometer reichen. Was habe ich nicht alles ĂŒber die Energiewunder gelesen. Rezensenten solcher KĂ€ufe sprechen von EnergieschĂŒben, die sie quasi auf Sieben-Meilen-Stiefeln ins Ziel getragen haben. Andere vergleichen die Energie mit einer Rakete auf deren RĂŒcken sie wie von selbst durchs Ziel geschossen sind. FĂŒr wieder andere glich die Zufuhr des Gels einer Offenbarung, die sie plötzlich neu beflĂŒgelte. In Erwartung groĂer Dinge laufe ich einfach nur weiter und schĂŒtte mir an der nĂ€chsten Verpflegungsstation einen Becher ISO-Drink in den Hals, um den Geschmack des Liquid-Gels etwas zu neutralisieren. Im Eifer des Gefechts landet das Gesöff mehr im Gesicht als im Mund. Jetzt kann sich auch meine Gesichtshaut an den Isotonen erholen.Â
Es passiert wenig bis nichts
Zugegeben, ein paar Minuten spĂ€ter habe ich etwas mehr Luft und nutze den Energieschub, um wieder meine âalteâ Form zu finden. Der vermeintliche Schub entpuppt sich schlieĂlich nur als lasches EnergieschĂŒbchen. Denn weitere zehn Minuten spĂ€ter ist schon wieder SchluĂ mit der Energie. SchlieĂlich packe ich bei Kilometer 15 noch ein halbes PlĂ€ttchen Traubenzucker mit Geschmacksrichtung Magnesium quer in die Backen und hoffe, so noch etwas mehr Energie in meine Muskeln zu saugen. Kurz darauf hat sich nicht nur der Traubenzucker in Nichts aufgelöst sondern auch meine erhoffte Zielzeit. Immerhin liege ich jetzt GENAU im Plan. Ich rechne mir im Kopf schon aus, wie langsam ich noch werden darf, um immer noch im Rahmen meiner trainierten Zeit ins Ziel zu kommen. Passt noch alles. Kilometer 18 hĂ€lt noch eine UnterfĂŒhrung mit fieser Steigung parat. Ich werde immer langsamer. Jetzt zwickt auch noch die Wade. Doch die wird, nein MUSS einfach halten. Zwei Kilometer vor dem Ziel motivieren viele Zuschauer mit ihren Anfeuerungsrufen meine letzten Reserven. Zur Melodie von Roland Kaisers âSanta Mariaâ singt eine Gruppe Zuschauer âZwei Kilometer, es sind nur noch zwei Kilometerâ. ScheiĂe, ist es nicht doch nur noch ein Kilometer gewesen? Falsch gedacht. Egal. Jetzt gib alles, sage ich zu mir. Und tatsĂ€chlich schaffe ich es bis zum Zieleinlauf fast wieder auf meine Anfangsgeschwindigkeit.Â
Die letzten Meter in den âLĂ€uferhimmelâ
Nein, nicht mit letzter Kraft sondern mit der unbĂ€ndigen Energie der Freude und des Stolzes gehe ich auf die letzten Meter und komme glĂŒcklich und vor allen Dingen verletzungsfrei im Ziel an. Die Wade hat gehalten. Und was ist nun meine Nettozeit? Erst mal egal. Ich brauche etwas zu trinken und zu essen. AuĂerdem muss ich mich dringend setzen. Statt âHighway to Hellâ jetzt in den âRunnerÂŽs Heavenâ, in dem es an nichts mangelt:
[notification type=âinfoâ]
Verpflegung im âRunnerÂŽs Heavenâ
13.500 Flaschen Bier â natĂŒrlich alkoholfrei und nochmal so viele Flaschen mit anderen Drinks.
5.000 Bananen, wovon ich mindestens drei gegessen habe
5.000 Ăpfel
7.500 Einbackbrötchen
7.500 Laugen-Party-Brötchen
1.500 Vollkornscheiben mit Guacamole-Aufstrich  [/notification]
Gut gestĂ€rkt genieĂe ich jetzt einfach die AtmosphĂ€re, entspanne mich und feuere meinerseits im Zielbereich die ankommenden LĂ€ufer an. WĂ€hrenddessen vibriert mein Handy. Auf WhatsApp finde ich meine Netto-Zielzeit. Wie jetzt? Noch bevor ich mich selbst darum kĂŒmmern muss, wird mir meine Zeit von meiner mitfiebernden Verwandtschaft aufs Handy gepostet. Hey, das nenne ich prompt. Im Internet können Zwischenzeiten und Zielzeiten live eingesehen werden. Technik, die begeistert! Mit meiner Finishermedaille um den Hals, mache ich mich langsam auf den Heimweg und freue mich auf ein deftiges Mittagessen im Oktoberfestzelt, das an diesem Wochenende in unserer Gemeinde ĂŒber die BĂŒhne geht.Â
Half der Trainingsplan, die gesteckten Ziele zu erreichen?
Ganz klares JA! Der Trainingsplan war auf eine Zielzeit von < 2:15 h ausgelegt. Meine persönliche Zielzeit war: 02:13:29. So gesehen hat alles wunderbar gepasst. Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Auch wenn es ânurâ ein Halbmarathon war. Der Aufwand und die Strecke ist nicht zu unterschĂ€tzen. Ganz ohne Training und Vorbereitung kann ich so ein Projekt nicht empfehlen.Â
Jetzt der Marathon?
Ich denke im Nachhinein, dass ich vor dem ganzen Marathon noch mehr Erfahrung benötige. Dazu werde bestimmt noch einmal auf die 21,09 km gehen mĂŒssen â sozusagen als Vorbereitung auf das âganz groĂe Dingâ. Jetzt aber erst mal regenerieren. Doch irgendwie juckt es schon wiederâŠ
Bleibt motiviert und vor allen Dingen gesund!
Danke an die Organisatoren des Badenmarathon und den tollen Film, den Ihr fĂŒr jeden einzelnen LĂ€ufer erstellt habt! Klickt einfach auf das Video, um meinen Lauf zu sehen:
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Fotos: Daniel BÀr ©
Laufbericht: Badenmarathon (Halbmarathon) Passt der Trainingsplan fĂŒr den Badenmarathon? Die entscheidende Frage heute: "Passt die Zielzeit zum Trainingsplan?" Und die zweite, vielleicht viel wichtigere Frage: "Schaffe ich es beim Badenmarathon ĂŒberhaupt ins Ziel?"









