#LifeReflect â verschwendest du dein Leben?
Hast du manchmal das GefĂŒhl, du kommst in deinem Leben nicht voran und sitzt irgendwie fest? Oder du vertrödelst zu viel Zeit? Vielleicht ist es auch eine andauernde Unzufriedenheit, ohne dass du genau weiĂt, warum. Ich fand mich in der Situation wieder, zu viel zu wollen, aber fĂŒr nichts Zeit zu haben und so entstanden die Fragen: Woraus entsteht das GefĂŒhl? Und wie kommt man da wieder raus?
Im Folgenden beschreibe ich nach ein paar Grundlagen ein Werkzeug, eine Herangehensweise, mit der das gelingen könnte, auch wenn dieser Artikel weder wissenschaftlich fundiert ist, noch eine Fingerschnippslösung bietet. An einigen Stellen wird es dir vielleicht zu mathematisch oder du fragst dich, warum man ĂŒberhaupt so viel Zeit darin investiert. Und warum so umstĂ€ndlich?
Gewiss hat jede_r eigene AnsĂ€tze, sein und ihr Leben zu regeln. Ich erwarte nicht, dass jemand alles exakt wie beschrieben umsetzt, zumal ich unten die Schwachstellen dieser Methode aufzeigen werde. Aber vielleicht kannst du ein paar Impulse und Ideen mitnehmen. Diese Zeit investieren wir aus dem gleichen Grund, warum wir z.B. ein Auto zur Durchsicht bringen, anstatt nur damit zu fahren: Wir investieren Zeit, um zukĂŒnftig Zeit zu sparen, weil wir so zum Beispiel EffektivitĂ€t oder Motivation gewinnen können oder uns einfach besser fĂŒhlen.
Schon hier sprechen wir vom Investieren von Zeit. Sie ist die unverĂ€nderliche Ressource, die uns den ganzen Schlamassel einbringt. Da sie begrenzt ist, mĂŒssen wir sie uns einteilen. Daher werden wir viel mit ihr rechnen. Ist das Ziel also ein tĂ€glicher Zeitplan, damit wir den Ăberblick haben, was wann gemacht werden muss?
Ganz so starr wird es nicht, um sich nicht dauerhaft zu viel Zeit fĂŒr die Planerstellung nehmen zu mĂŒssen. Wichtig ist zudem, nicht das GefĂŒhl der Fremdsteuerung durch diese Herangehensweise zu erzeugen. Wir wollen Stress abbauen und nicht erschaffen durch das GefĂŒhl, uns an neue starre Regeln halten zu mĂŒssen, selbst wenn sich hinter jedem âmussâ eigentlich ein âmöchteâ verbirgt.
Da viel gerechnet wird, nehmen wir uns Excel zu Hilfe. Eine Datei zum AusfĂŒllen kannst du hier herunterladen. In den folgenden Kapiteln sind immer wieder Ausschnitte daraus zu sehen.
Diesen Artikel kannst du auĂerdem kompakt im PDF-Dokument hier herunterladen.
  Schritt 1: Geplant oder spontan?
 Kein Werkzeug nĂŒtzt uns, wenn es uns in Ketten legt. AuĂerdem gibt es Menschen, die lieber planen und Menschen, die lieber aus dem Bauch heraus entscheiden. Trotzdem soll das BauchgefĂŒhl uns nicht nur faulenzen lassen. Mir persönlich ist es wichtig, beide Welten zu vereinigen: Die Gewissheit, durch eine gute Planung meine Ziele erreichen zu können, aber mein Leben nicht starr bis zum Ende durchzuplanen und Platz fĂŒr Ăberraschendes und Neues zu lassen.
Zuerst sollten wir also festlegen, wie viel Zeit ungeplant bleiben soll. Diese Zeit ist unser âUrlaubâ vom Zeitplan; die Zeit, in der wir nichts âmĂŒssenâ; in der wir ohne schlechtes Gewissen tun und lassen können, was wir gerade wollen und die uns psychische Erholung schafft. Sie ist der heilige Gral, den wir im weiteren Prozess nicht mehr anfassen werden. Sie ist der erste Parameter, den du auf dich individuell anpasst:
-> Welchen Anteil (in Prozent) deiner Zeit soll spontan bleiben?
_____________%
NatĂŒrlich kannst du diese Zeit auch dazu nutzen, deine Projekte und Ziele weiter zu verfolgen oder Sport zu machen, wenn du Lust dazu hast. Aber du verpflichtest dich dazu nicht. Das ist der Kernzweck.
FĂŒr mich ergibt sich eine gute Balance, wenn ein Tag pro Woche frei bleibt. AuĂerdem sollte mein Urlaub mir ermöglichen, vom Alltag abzuschalten und Feiertage sollen ebenfalls dazu zĂ€hlen. ZĂ€hle ich all diese Tage ĂŒber ein Jahr zusammen, komme ich fĂŒr mich auf ca. 25 %. Daher werde ich in folgenden Beispielen mit dem Wert rechnen, aber du kannst dir einen anderen festlegen.
Es gibt weitere Zeiten, die uns fĂŒr unsere Zeitplanung nicht zur VerfĂŒgung steht. An unserem Schlafbedarf können und sollten wir nicht rĂŒtteln. Er steht fest, egal was wir planen. Aus dem Grund nehmen wir ihn ebenfalls aus der Betrachtung heraus.
-> Wie viel Schlaf (in Stunden) benötigst du durchschnittlich pro Tag?
__________h
Hier geht es nicht darum, mit wie viel Schlaf du fĂŒr einzelne Tage minimal auskommst. Stell dir vor, du wĂŒrdest ein Jahr lang jede Nacht genau so lange schlafen, wie oben angegeben. Ist das realistisch? Es könnte helfen, fĂŒr einen Monat ĂŒber eine Zeitmesser-App zu ermitteln, wie lange du schlĂ€fst und aus den Tagen den Durchschnitt zu bilden. Im Beispiel rechne ich mit 7,5 h.
Die nĂ€chsten und letzten beiden GröĂen sind vielleicht Ă€nderbar, aber je nach Situation nur in geringem MaĂe, da sie direkter auf unser Ăberleben Einfluss nehmen als andere Lebensinhalte. Ich habe sie beispielhaft âHauptberufâ und âHaushaltâ genannt. Unter âHaushaltâ fasse ich unter anderem das Einkaufen, Zubereiten und Verspeisen von Lebensmitteln, sowie GesundheitsmaĂnahmen zusammen. Die Arbeitszeit ist meist âpro Wocheâ festgelegt, wovon sich Urlaubs- und Feiertage wieder abziehen. Mehr dazu spĂ€ter. Unser Werkzeug wird den beiden Kategorien mathematisch wahrscheinlich weniger Zeit zuweisen, als wir in sie investieren mĂŒssen. Dies ist ein kleiner Nachteil der Methode, dessen Ausgleich wir bereits jetzt einplanen sollten.
An dieser Stelle frage ich noch nicht nach dem konkreten Zeitaufwand fĂŒr âHauptberufâ und âHaushaltâ, weil es eine interessante Erkenntnis ist, welches Ergebnis herauskommt, wenn wir unser Werkzeug selbst einen Zeitbedarf einschĂ€tzen lassen. Erst danach korrigieren wir die Werte. ZunĂ€chst rechnen wir mit festen â0 Stundenâ.
Schritt 1: Angabe der festen GröĂen
Mit dieser Vorbetrachtung können wir ermitteln, wie viel Gesamtzeit uns fĂŒr unseren Zeitplan im Jahr zur VerfĂŒgung steht. Schaltjahre planen wir nicht bewusst ein. Sie liefern uns einfach einen Tag mehr spontane Zeit.
Erst ziehen wir also den Schlaf ab. Der steht uns selbst fĂŒr Freizeit nicht zur VerfĂŒgung.
Auf das Jahr hochgerechnet:
Dann wird der Heilige Gral spontaner Zeit abgezogen. Wenn 25 % abgezogen werden, bleiben 75 % ĂŒbrig, also:Â 6.022,5 h â 0,75 = 4.516,875 h
 Schritt 2: Welche BedĂŒrfnisse hast du?
 Alles, was wir machen, hat einen Grund, auch wenn uns dieser nicht immer bewusst ist. Es gibt etwas, das uns antreibt und sei es nur unser BedĂŒrfnis nach Unterhaltung. Davor stehen weitere BedĂŒrfnisse, die Abraham Maslow Mitte des 20. Jahrhunderts ausgearbeitet hat. Stichwort: BedĂŒrfnishierarchie.
Dynamische BedĂŒrfnishierarchie; Originalgrafik von Philipp Guttmann; CC BY-SA 4.0; Wikimedia
Wenn du diesen Text liest, heiĂt das, du hast die Möglichkeit, dir ĂŒber dein individuelles Leben in Ruhe Gedanken zu machen. Deine GrundbedĂŒrfnisse, wie Sicherheit, ein Dach ĂŒber dem Kopf oder ErnĂ€hrung sind bereits erfĂŒllt. Ansonsten wĂŒrdest du jetzt ganz andere Dinge tun. Daher zielt die folgende Frage mehr auf die âhöherenâ BedĂŒrfnisse ab (soziale, IndividualbedĂŒrfnisse und Selbstverwirklichung).
Wenn wir uns unausgeglichen oder mit unserem Leben unzufrieden fĂŒhlen, liegt das meist an unerfĂŒllten BedĂŒrfnissen. Daher ist es wichtig, sich die eigenen BedĂŒrfnisse bewusst zu machen:
 -> Welche BedĂŒrfnisse hast du? Was treibt dich an?
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 Hier einige Beispiele:
Geld / Ressourcen
persönliche Weiterentwicklung
Familienleben
Erholung
Ehrenamt / etwas bewirken
Kultur
SpaĂ
Achte darauf, dass du hier noch keine konkreten AktivitĂ€ten aufschreibst. AktivitĂ€ten beschreiben, was du machst, wĂ€hrend BedĂŒrfnisse beschreiben, warum du etwas machst. Versuche zudem fĂŒr die Ăbersichtlichkeit, deine BedĂŒrfnisse auf 6 oder 7 HauptbedĂŒrfnisse zusammenzufassen.
Ganz auĂer Acht lassen können wir die GrundbedĂŒrfnisse nicht, aber ich fasse sie im Beispiel etwas unterreprĂ€sentiert unter âGeld / Ressourcenâ zusammen. Das reicht fĂŒr unser Modell aus. Doch ihre ErfĂŒllung steht an erster Stelle und die zugehörigen AktivitĂ€ten sind zeitaufwĂ€ndig. Auch aus diesem Grund haben wir im Schritt 1 bereits vorgesehen, den âHauptberufâ und âHaushaltâ gesondert zu behandeln.
Schritt 2: Angabe der BedĂŒrfnisse
  Schritt 3: Womit verbringst du deine Zeit?
 Nachdem wir mit den BedĂŒrfnissen das âwarumâ geklĂ€rt haben, ist der nĂ€chste logische Schritt, zu erfassen, was du tust und tun möchtest.
-> Womit verbringst du deine Zeit? __________________________________
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 -> Womit möchtest du deine Zeit verbringen? __________________________
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 Beispiele wĂ€ren die Teilnahme an Seminaren zur persönlichen Weiterbildung, die Eltern zu besuchen, in Konzerte zu gehen, natĂŒrlich seinem Beruf nachzugehen, Serien zu schauen, Sport machen, usw.
Unsere Tabelle hÀlt noch einige weitere Beispiele bereit.
Schritt 3: AktivitÀten ermitteln
An der Stelle lĂ€sst sich eine weitere interessante Frage einwerfen: Bist du vom Typ âGipfelstĂŒrmerâ oder âWandererâ? GipfelstĂŒrmer versuchen, in ihren AktivitĂ€ten die besten zu werden, also diese zur Perfektion auszubauen. Das benötigt natĂŒrlich Zeit und man hat davon weniger fĂŒr andere AktivitĂ€ten, sodass man sich auf wenige festlegen muss. Als Wanderer versucht man hingegen viele verschiedene Dinge zu sehen bzw. zu tun. Durch diese Ausgewogenheit erreicht man natĂŒrlich keine so hohe Profession.
Egal, zu welchem Typ du gehörst, unser Modell unterstĂŒtzt bis zu 20 verschiedene AktivitĂ€ten, aber weniger sind auch in Ordnung.
Schritt 4: ErfĂŒllen deine AktivitĂ€ten deine BedĂŒrfnisse?
 An diesem Punkt stellen wir deine AktivitĂ€ten deinen BedĂŒrfnissen gegenĂŒber: Verbringst du Zeit mit Dingen, die dir eigentlich gar nichts nĂŒtzen?
Um diese Frage zu beantworten, unterstĂŒtzt uns erstmalig unser Werkzeug und wir tragen in der Tabelle ein, welche AktivitĂ€t zu welchem BedĂŒrfnis beitrĂ€gt. Zur weiteren Berechnung ist es wichtig, hier die Ziffern 1 fĂŒr âjaâ und 0 fĂŒr âneinâ zu verwenden. Falls du dir nicht sicher bist oder eine AktivitĂ€t nur minimal zum BedĂŒrfnis beitrĂ€gt, ohne dafĂŒr gedacht zu sein, kannst du eine 0,5 eintragen. Es ist durchaus möglich und legitim, dass eine AktivitĂ€t mehrere BedĂŒrfnisse erfĂŒllt und ein BedĂŒrfnis von mehreren AktivitĂ€ten erfĂŒllt wird.
Schritt 4: Zuordnung der AktivitĂ€ten zu den BedĂŒrfnissen
Wichtig ist, dass du auf dich persönlich zugeschnitten antwortest. Nimmst du zum Beispiel persönlich an Seminaren teil, die dich beruflich weiter bringen und dir irgendwann ein höheres Einkommen bescheren, kannst du eine 0,5 oder 1 bei âGeld / Ressourcenâ (oder deinem entsprechenden BedĂŒrfnis) eintragen. Sind die Seminare fĂŒr einen anderen Zweck und schaffen keinen finanziellen Vorteil, ist fĂŒr dich eine 0 der richtige Eintrag.
AnschlieĂend ermöglicht uns die Ăbersicht einige wichtige Kontrollen: Gibt es BedĂŒrfnisse, die von exakt denselben AktivitĂ€ten erfĂŒllt werden? Die also die gleichen Nullen und Einsen erhalten haben? Wahrscheinlich laufen diese beiden BedĂŒrfnis-Begriffe auf dasselbe hinaus. Vielleicht ist fĂŒr dich SpaĂ immer mit Erholung verbunden und umgekehrt. Dann ist es ein einziges BedĂŒrfnis und wir fassen es zusammen, indem wir zurĂŒck zu Schritt 2 gehen und eine Spalte wieder frei machen.
FĂŒr die nĂ€chsten Kontrollen zĂ€hlt die Tabelle am Ende jeder BedĂŒrfnis-Spalte zusammen, wie viele AktivitĂ€ten zu diesem BedĂŒrfnis beitragen und am Ende jeder AktivitĂ€ten-Zeile wird zusammen gezĂ€hlt, wie viele BedĂŒrfnisse eine AktivitĂ€t erfĂŒllt.
Gibt es eine AktivitĂ€t, die ausschlieĂlich Nullen erhalten hat, also auch die Summe â0â, scheint sie keines deiner BedĂŒrfnisse zu erfĂŒllen und nimmt dir nur Zeit weg. Du könntest dich von ihr verabschieden. Aber Vorsicht: Dies ist die beste Gelegenheit, noch mal in dich zu gehen und dich zu fragen: Hast du vielleicht ein BedĂŒrfnis ĂŒbersehen? Warum hast du damals mit der AktivitĂ€t angefangen? Was steckt dahinter?
Wenn du solch ein unbewusstes BedĂŒrfnis findest, trag es einfach nach und nimm auch hierfĂŒr die Zuordnungen vor. Wenn nicht: Raus mit der AktivitĂ€t aus der Tabelle und aus deinem Leben! ;-)
Bist du nun in AufrĂ€umlaune und möchtest auch die AktivitĂ€ten erfassen, die redundant sind, also zu BedĂŒrfnissen beitragen, die bereits von anderen AktivitĂ€ten erfĂŒllt werden, warte noch bis zum nĂ€chsten Kapitel. Dort entfaltet unser Modell seine vollste mathematische Wirkung und wir gehen unter anderem genau dieser Frage nach.
Es kann manchmal vorkommen, dass keine der AktivitĂ€ten ein BedĂŒrfnis von dir erfĂŒllt. Hier hast du vielleicht eine Ursache gefunden, warum sich dein Leben unausgefĂŒllt oder unausgeglichen anfĂŒhlt und kannst ĂŒberlegen, welcher AktivitĂ€t du zukĂŒnftig nachgehen kannst, die dieses BedĂŒrfnis erfĂŒllt.
 Schritt 5: Das Ergebnis und was es bedeutet
 Endlich ist es soweit und wir schauen uns das Ergebnis an. Damit es seine Wirkung richtig entfaltet, sind aber einige ErklĂ€rungen wichtig â zunĂ€chst ohne die mathematischen HintergrĂŒnde, um nicht die HĂ€lfte der Leser abzuschrecken. Die genauen Berechnungen sind im letzten Kapitel erklĂ€rt.
Schritt 5: Wie viel Zeit fĂŒr welche AktivitĂ€t?
Im Endeffekt schlĂ€gt dir das Modell vor, wie viel Zeit du pro Jahr fĂŒr welche AktivitĂ€t aufwenden solltest (hellgrĂŒne Spalte). Dieser Jahreszeitraum ist fĂŒr die meisten AktivitĂ€ten aber zu groĂ gewĂ€hlt und schwer ĂŒberprĂŒfbar. Daher solltest du dir die Angabe auf einen geeigneten Zeitraum herunter rechnen lassen, z.B. pro Woche. Dies macht die Tabelle, wenn du in der hellgelben Spalte den entsprechenden Zeitraum durch das AufklappmenĂŒ auswĂ€hlst. Das Endergebnis steht in der grĂŒnen Spalte dahinter.
Neben gelĂ€ufigen ZeitrĂ€umen, wie pro Jahr, pro Monat, pro Woche und pro Tag, gibt es einige weitere âbesondereâ ZeitrĂ€ume. Warum das Herunter-Rechnen wichtig ist, was die ZeitrĂ€ume bedeuten, warum es so viele gibt und  warum wir bisher auf das Jahr gerechnet haben, folgt gleich. Bevor ich aber die Aufmerksamkeit der ersten Leser_innen verliere, möchte ich die Gewissheit vermitteln, dass die Zeiten, die hier errechnet werden, wirklich das Ergebnis sind, das du möchtest. Sonst kann schnell das GefĂŒhl entstehen, du verbringst nicht genug Zeit mit den wichtigen Dingen. Dann fĂŒhlt sich das Leben wieder unausgeglichen an.
Warum stellen die Zeiten also den perfekten Ausgleich dar? Die Berechnung stellt deine AktivitĂ€ten deinen BedĂŒrfnissen gegenĂŒber und gewichtet sie entsprechend. Wird ein BedĂŒrfnis durch mehrere AktivitĂ€ten erfĂŒllt, wirkt die einzelne AktivitĂ€t nicht so stark, als wenn es nur wenige AktivitĂ€ten fĂŒr das BedĂŒrfnis gibt. ErfĂŒllt eine AktivitĂ€t mehrere BedĂŒrfnisse, steigt die Gewichtung wieder an und zwar wiederum abhĂ€ngig davon, wie viele weitere AktivitĂ€ten zu den weiteren BedĂŒrfnissen beitragen. Am Ende ist also sichergestellt, dass jedes BedĂŒrfnis gleich stark erfĂŒllt wird, wodurch sich die perfekte Balance ergibt. AnschlieĂend wird die zur VerfĂŒgung stehende Zeit anhand der Gewichte auf die AktivitĂ€ten aufgeteilt. Zusammengefasst hat diese Berechnung also zwei Vorteile:
Du wendest fĂŒr jedes BedĂŒrfnis Ă€hnlich viel Zeit auf (auch wenn die Zeit fĂŒr die AktivitĂ€ten unterschiedlich ist) -> perfekte Balance
Du nutzt die zur VerfĂŒgung stehende Zeit komplett und optimal aus, egal wie viele AktivitĂ€ten und wie viele BedĂŒrfnisse du hast.
Wenn du dich also an den Plan hĂ€ltst, wird keine Zeit verschwendet, selbst wenn du gerade das BedĂŒrfnis zum Relaxen und Nichtstun erfĂŒllst. Gleichzeitig kannst du dir sicher sein, nichts zu verpassen und dass BedĂŒrfnisse nicht vernachlĂ€ssigt werden.
An dieser Stelle können wir neugierig auf die AktivitĂ€ten Hauptberuf und Haushalt schauen: Hierzu bitte als Zeiteinheit âerrechnete Arbeitswocheâ und âWocheâ (nicht Haushaltswoche) einstellen. Ăberrascht dich das Ergebnis? Im Screenshot sieht man beispielsweise nur 3 ÂŒ  Stunden fĂŒr den Hauptberuf pro Woche. Hier zeigt sich, dass die BedĂŒrfnisse nicht alle gleich gewertet werden dĂŒrfen, sondern dass es bestimmte BedĂŒrfnisse gibt, die stĂ€rker verfolgt werden mĂŒssen. Aber vielleicht ist es irgendwann, wenn es bedingungsloses Grundeinkommen gibt, eine durchaus sinnvolle Angabe. Bis dahin gehen wir zum Schritt 1 zurĂŒck und tragen die notwendige Zeit fĂŒr Hauptberuf und Haushalt ein.
ZurĂŒck zum Herunterrechnen: Eine Angabe pro Jahr bedeutet, dass man erst am Ende des Jahres vergleichen kann, ob wir unser Ziel geschafft haben. Eine ĂberprĂŒfung nur einmal im Jahr ist aber zu wenig, zumal wir ĂŒber 300 Tage lang keinen Motivationseffekt haben, weil wir gar nicht wissen, ob wir gut in der Zeit liegen. Besser ist es, mit Zeitangaben zu arbeiten, die wir sowieso im Alltag nutzen. Sich einmal pro Woche fĂŒr vier Stunden bei der Feuerwehr engagieren? Jeden Tag eine Stunde Joggen? Einmal im Monat ins Konzert? Das lĂ€sst sich leichter ĂŒberprĂŒfen und hier sehen wir, warum wir mehrere Auswahlmöglichkeiten brauchen: Jede AktivitĂ€t erfolgt unterschiedlich hĂ€ufig und unterschiedlich lange âam StĂŒckâ. In eine Oper wird man nicht fĂŒr eine halbe Stunde pro Tag gehen. Hingegen macht Sport einmal im Monat fĂŒr 10 Stunden keinen Sinn, wenn man danach 29 Tage nichts tut. Manche tĂ€gliche AktivitĂ€ten gehen nur werktags, andere nur am Wochenende. Daher die vielen Auswahlmöglichkeiten:
2 Wochen: Manchmal errechnet sich fĂŒr eine wöchentliche AktivitĂ€t wenig Zeit. Dann macht es keinen Sinn, sie in jeder Woche zu verfolgen, sondern man lĂ€sst jeweils eine Woche aus und geht ihr jede zweite Woche nach. Tag (6 von 7): Hast du eine tĂ€gliche AktivitĂ€t, aber einmal pro Woche darf Faulenzen sein oder der Tag soll unverplant bleiben? Dann gehst du ihr also nur an 6 von 7 Tagen in der Woche nach. Trotzdem brauchst du fĂŒr die sechs Tage eine Zeitangabe âpro Tagâ. DafĂŒr ist diese Einstellung. Tag (5 von 7): Das Prinzip ist das gleiche wie bei âTag (6 von 7)â, nur dass du der AktivitĂ€t an fĂŒnf Tagen pro Woche nachgehst, beispielsweise nur werktags. Tag (2 von 7): Das ist das Wochenend-Ăquivalent zur Werktagseinstellung im vorherigen Punkt. Arbeitswoche: Dieser Eintrag bewirkt, dass die zugehörige TĂ€tigkeit nicht die verplanbare Zeit nutzt, denn in Schritt 1 haben wir die feste Arbeitszeit bereits abgezogen. Stattdessen zeigt dir die Tabelle hier die feste Arbeitszeit aus Schritt 1 an. errechnete Arb.wo.: Die errechnete Arbeitswoche nimmt deine wöchentliche Arbeitszeit nicht aus der Angabe im Schritt 1, sondern errechnet sie wie alle anderen TĂ€tigkeiten aus der verplanbaren Zeit. Im Unterschied zur normalen Woche bezieht sich dieser Eintrag auf die wöchentliche Arbeitszeit aus dem Arbeitsvertrag. Er rechnet also Urlaub und Feiertage heraus. Dennoch wird der Wert weit unter dem liegen, wie lange du tatsĂ€chlich arbeiten musst, um genug Geld zu verdienen. Haushaltstag: Jeden Tag fallen HaushaltstĂ€tigkeiten an und wenn es nur die Aufnahme von Mahlzeiten ist. Auch hier wird die Tabelle wahrscheinlich weniger Zeit berechnen, als man tatsĂ€chlich benötigt. Daher die Angabe im Schritt 1. Folglich verbraucht diese TĂ€tigkeit nichts aus der noch verplanbaren Zeit, sondern es wird die in Schritt 1 angegebene Zeit angezeigt. Haushaltswoche: Die Haushaltswoche ergibt sich aus dem 7-fachen des Haushaltstages â fĂŒr eine flexiblere Aufteilung. Auch hier wird die verplanbare Zeit nicht reduziert.
 Schritt 6: Den Zeitplan umsetzen
 Nun weiĂt du, wie viel Zeit du fĂŒr eine optimale Balance fĂŒr jede TĂ€tigkeit aufwenden solltest. Wie setzt man die Theorie nun in die Praxis um?
Das wichtigste Element ist es, Zeit zu messen. Jede TĂ€tigkeit braucht eine Stoppuhr, die gestartet wird, wenn du mit ihr beginnst und die gestoppt wird, wenn du sie unterbrichst oder beendest. NatĂŒrlich möchte man nicht mit einer handvoll Stoppuhren herumlaufen. DafĂŒr gibt es nĂŒtzliche Smartphone-Apps.
Uhr-App auf Android
Ich kann an dieser Stelle aufgrund meiner eigenen Erfahrung nur fĂŒr die Android-Welt sprechen, aber auf iOS wird es sicher Ă€hnliche Apps geben. FĂŒr die Grundanforderung reicht die meist vorinstallierte Uhr-App bereits aus. So kann man mehrere Timer anlegen und unabhĂ€ngig voneinander starten, pausieren und zurĂŒcksetzen. Ist die Zeit rum, macht die App ĂŒber einen Klingelton darauf aufmerksam. Ein groĂer Nachteil ist, dass man Zeiten nicht nachkorrigieren kann, wenn man beispielsweise vergessen hat, den Timer zu starten oder zu stoppen.
Eine gute Alternative zum Timer ist die App Boosted. In der kostenlosen Version kann man bereits mehrere âProjekteâ anlegen und hierzu Timer unabhĂ€ngig voneinander starten und stoppen. Der groĂe Vorteil ist, dass die App eine Historie anlegt. Man kann nachverfolgen und â noch wichtiger â nachkorrigieren, wann man welcher TĂ€tigkeit nachgegangen ist. AuĂerdem bietet sie eine Statistikansicht.
Timeline- und Report-Ansicht der App Boosted
Der Nachteil ist hier, dass die Timer jeden neuen Tag wieder von 0:00:00 beginnen und man ĂŒber die Statistik die Wochen-, Monats- oder Jahreswerte anzeigen lassen muss. AuĂerdem muss man selbst erkennen, wenn die erforderliche Zeit abgelaufen ist, da der ZĂ€hler aufwĂ€rts lĂ€uft und es keinen Klingelton gibt.
Solltest du eine noch bessere App zum Tracken der AktivitÀtszeiten finden, schreib sie mir gern. Ein besonderes Bonbon habe ich aber noch in der Hinterhand: Letztendlich ist das Umsetzen des Zeitplans eine GewohnheitsÀnderung und die fÀllt in der Regel schwer. Hier gibt es eine App, die sich genau der Aufgabe, bei Gewohnheitswechseln zu helfen, verschrieben hat und dies mit einem spielerischen Aspekt kombiniert:
In der App Habitica bist du ein Rollenspielcharakter und startest auf Level 1. Deine Quests sind allerdings nicht, durch die Welt zu streifen und dort Missionen zu erfĂŒllen, sondern deine eigenen, selbstdefinierten Aufgaben zu erledigen. Jede erledigte Aufgabe gibt dir Erfahrungspunkte, die dein Level steigen lassen. AuĂerdem kannst du dabei verschiedene GegenstĂ€nde finden. Jede nicht erledigte Aufgabe fĂŒgt dir Schaden zu. Mit jedem Levelaufstieg heilst du dich wieder. SpĂ€ter kannst du auĂerdem TrĂ€nke kaufen.
Dein Charakter in der App Habitica â hier mit Haustier und Barden-AusrĂŒstung
Ein wenig mĂŒssen wir tricksen, um die App auf unseren Zeitplan anzupassen, denn darin gibt es zunĂ€chst nicht viel Zeitbezug. Gewohnheiten und ToDoâs beispielsweise werden einfach abgehakt, wenn sie erledigt wurden, egal wann sie erledigt wurden. FĂŒr uns ist das Definieren der Tagesaufgaben relevant. Diese Art der Aufgaben sind fĂŒr regelmĂ€Ăig wiederkehrende TĂ€tigkeiten gedacht, die an einem Tag erledigt werden können, auch wenn sie seltener auftreten können. Das ist ein kleiner Nachteil, denn unsere wöchentlichen, monatlichen und jĂ€hrlichen AktivitĂ€ten sind dauerhaft aktiv und nicht nur an einem Tag. Aber hier helfen wir uns spĂ€ter mit einem Trick. ZunĂ€chst sollten wir fĂŒr jede AktivitĂ€t einen Eintrag anlegen. Die Notizen nutze ich fĂŒr den Vermerk, wie viel Zeit ich pro Zeiteinheit die TĂ€tigkeit aufwenden sollte, z.B. 4:06 h / Woche. Ăber die Schwierigkeit sollten wir nicht nur die eigentliche Schwierigkeit der TĂ€tigkeit berĂŒcksichtigen (bzw. wie viel Motivation wir aufwenden mĂŒssen), sondern auch die LĂ€nge. Eine TĂ€tigkeit, die pro Monat gemessen wird, bringt uns nur einmal im Monat Erfahrungspunkte, aber eine TĂ€tigkeit, die tĂ€glich gemessen wird, jeden Tag. Demzufolge sollte die monatliche TĂ€tigkeit grundsĂ€tzlich mehr Erfahrungspunkte bringen, was sich ĂŒber die âSchwierigkeitâ einstellen lĂ€sst. Meine Empfehlung:
âTrivialâ oder Einfachâ (je nach Schwierigkeit der TĂ€tigkeit) fĂŒr tĂ€gliche Aufgaben
âEinfachâ oder âMittelâ fĂŒr wöchentliche Aufgaben
Mindestens âMittelâ fĂŒr monatliche Aufgaben und
âSchwerâ fĂŒr jĂ€hrliche Aufgaben
Tagesaufgaben und der Einstellungsbildschirm dazu in der App Habitica
Nun zum Zeitlichen: âTĂ€gliche Aufgabenâ sind immer nur fĂŒr einen Tag aktiv. Werden sie an dem Tag erledigt, bringen sie Erfahrungspunkte und sind abgehakt. Werden Sie an dem Tag nicht erledigt, bringen sie Schaden, wenn man sich am nĂ€chsten Tag einloggt. Hier ist die erste Stolperfalle: Loggt man sich am nĂ€chsten Tag nicht ein, wird auch an den Folgetagen kein Schaden verrechnet. Hier kann man leicht schummeln und sich selbst sabotieren. Hast du eine tĂ€glich gemessene TĂ€tigkeit, stellst du bei âWiederholt sichâ den Wert âtĂ€glichâ ein. Die Aufgabe ist jeden Tag aktiv und muss jeden Tag abgehakt werden, um keinen Schaden zu verursachen. Bei allen selteneren Wiederholungseinstellungen ist die Aufgabe die meiste Zeit ĂŒber nicht aktiv. Du kannst sie zwar abhaken und dafĂŒr Erfahrungspunkte bekommen, aber ein Nicht-abhaken verursacht keinen Schaden. Hier ist die nĂ€chste Stolperfalle: Erreicht die Aufgabe den Tag, an dem sie aktiv ist, wird sie zurĂŒckgesetzt, egal ob sie im inaktiven Zeitraum abgehakt wurde oder nicht. Bist du einer wöchentlichen AktivitĂ€t also schon bis zum Freitag komplett nachgegangen und das Habitica-Aufgabenelement wird erst am Sonntag aktiv, so ist die Aufgabe am Sonntag nicht abgehakt. Hakst du sie dann noch einmal ab, erhĂ€ltst du den Bonus noch einmal. Um dich nicht selbst zu manipulieren solltest du eine Aufabe, die inaktiv ist, also nicht abhaken. Aber wie unbefriedigend ist es, eine erledigte Aufgabe nicht abhaken zu können? DafĂŒr nutzen wir die Funktion der Unteraufgaben: Lege zu jeder Aufgabe eine Unteraufgabe âerledigtâ an. Diese kannst du bereits wĂ€hrend des laufenden Zeitraums abhaken, ohne dass sie beim Aktivwerden der Hauptaufgabe zurĂŒckgesetzt wird. Wenn dann der Tag kommt, an dem alle Hauptaufgaben aktiv sind, ĂŒbertrĂ€gst du die Haken der Unteraufgaben eines nach dem anderen auf die Hauptaufgaben und kassierst die Belohnungen. Einen weiteren Vorteil gibt es auĂerdem: Abgehakte Unteraufgaben tragen dazu bei, dass du hĂ€ufiger Items findest. Das belohnt dich dafĂŒr, die Aufgabe nicht erst auf den letzten DrĂŒcker erledigt zu haben.
Noch ein Wort zum Starttermin: An diesem ist die Aufgabe das erste Mal aktiv. Auch wenn es widersprĂŒchlich klingt: Der Zeitraum deiner AktivitĂ€t begann bereits vorher und der âHabitica-Startterminâ ist eigentlich der letzte Tag deines AktivitĂ€tenzeitraums. Bei wöchentlichen AktivitĂ€ten empfiehlt es sich, den Starttermin auf einen Sonntag zu legen, weil das der Tag ist, an dem man die Aufgabe abhaken kann. Am Folgetag geht der Zeitraum von vorn los und es wird ggf. Schaden verrechnet: Neue Woche, neues GlĂŒck. Monatliche und jĂ€hrliche AktivitĂ€ten habe ich hingegen auf das Startdatum des jeweils 1. gesetzt, da ich mir nicht sicher bin, wie die App mit dem â31.â umgeht, wenn ein Monat nur 30 Tage (oder 28) hat.
Auf jeden Fall verfehlt die App ihre Wirkung nicht, kann ich aus eigener Erfahrung berichten. Dass ein Spielercharakter Schaden oder Bonus bekommt, ist ein viel direkteres Feedback als das GefĂŒhl, nicht genug Zeit fĂŒr eine AktivitĂ€t aufgewendet zu haben. So geht man seinen AktivitĂ€ten schon aus der Motivation heraus nach, im Spiel keinen Schaden zu erhalten und wenn man etwas doch nicht schafft, ist es nicht so schlimm: Man hat zunĂ€chst genug Lebenspunkte und davon ein paar zu verlieren ist kein Weltuntergang. Hauptsache, man schafft es ĂŒber erledigte TĂ€tigkeiten frĂŒh genug ins nĂ€chste Level, bevor man alle Lebenspunkte verliert.
 Was dieses Modell nicht kann
 Dir ist sicherlich aufgefallen, dass das Modell einige Kompromisse macht, um nicht noch komplexer zu werden. Eine praktikable Lösung ist oft hilfreicher, als eine perfekte. Dennoch soll hier kurz erwÀhnt werden, wo die SchwÀchen liegen.
 Die BedĂŒrfnishierarchie nach Maslow wird hier nur angeschnitten. Unser Zeitmodell achtet nicht darauf, dass die BasisbedĂŒrfnisse zuerst erfĂŒllt sein mĂŒssen, bevor andere erfĂŒllt werden können, sondern mogelt sich mit nur zwei abstrakten Blöcken (âArbeitâ und âHaushaltâ), fĂŒr die feste Zeiten angegeben werden, um diese Bedingung herum. FĂŒr eine exaktere Betrachtung mĂŒssten zusĂ€tzlich alle GrundbedĂŒrfnisse erfasst, fĂŒr jedes BedĂŒrfnis eine Hierarchieebene eingestellt werden können und ein mathematisches Modell gefunden werden, wie die Ebene auf die Zeit Einfluss nimmt. Einfache mathematische Lösungen, wie ein Multiplikator auf die BedĂŒrfnisse (bzw. Quotient auf die âSpaltensummeâ; siehe nĂ€chstes Kapitel) in unserem Modell, funktionieren nicht, denn diese Werte wirken nur, wenn sie fĂŒr alle BedĂŒrfnisse in einem Ă€hnlichen Zahlenbereich liegen. Hebt man ein BedĂŒrfnis auf eine viel höhere Zahl, hat dies ab einem bestimmten Punkt keine Auswirkung mehr.
 Das Modell geht davon aus, dass nur einer AktivitĂ€t gleichzeitig nachgegangen werden kann. Gerade das Smartphone erlaubt es aber oft, mehrere Dinge parallel zu machen: Private Mails checken, wĂ€hrend man zur Arbeit fĂ€hrt? Mit Freunden telefonieren, wĂ€hrend man Essen zubereitet oder ein Video gucken wĂ€hrend man isst? Den Rechner ein Backup durchfĂŒhren lassen, wĂ€hrend man parallel am Instrument ĂŒbt? Dem kann man begegnen, indem man die Zeit gerade der AktivitĂ€t zuschreibt, auf der der Hauptteil der Aufmerksamkeit liegt, aber dieser kann schnell wechseln. Wie soll man das so oft und so schnell erfassen? Auf der anderen Seite ist es gesĂŒnder, sich immer eine AktivitĂ€t gleichzeitig vorzunehmen und Wartezeiten auszuhalten. Das reduziert den Stresslevel und sorgt fĂŒr mehr Ausgeglichenheit. Betrachten wir diese ModelleinschrĂ€nkung also als Chance. Oder man lĂ€sst die Timer beider AktivitĂ€ten parallel laufen und hat in Folge mehr unverplante Zeit zur VerfĂŒgung.
 Dieses Modell ist auf Ausgeglichenheit bedacht und ĂŒbertrĂ€gt es auch auf die Arbeitszeit, wenn man sie nicht starr vorgibt. Das kann eine Chance sein, sich vom inneren Zwang zur 40-Stunden-Arbeitswoche zu lösen und das eigene Stresslevel zu reduzieren, aber die meisten Menschen befinden sich gar nicht in der Lage, daran etwas zu Ă€ndern. Das Modell nimmt weder RĂŒcksicht darauf, ob das Einkommen ĂŒberhaupt ausreicht, noch ob man geringere Arbeitszeiten ĂŒberhaupt aushandeln kann. Letzteres wĂ€re mehr fĂŒr SelbstĂ€ndige interessant, aber hier wiegt die Einkommenskomponente schwerer. Anders sĂ€he es aus, wenn es ein bedingungsloses Grundeinkommen gĂ€be. Dann zeigt das Modell nĂ€mlich, dass es keinesfalls darum geht, gar nicht mehr zu arbeiten, sondern Arbeit in die eigene Lebensbalance zu integrieren.
 Es gibt auf AktivitĂ€ten basierende Zeitmanagement-Werkzeuge, die keinen Unterschied zwischen Beruf und Privatem machen. Berufliche und private AktivitĂ€ten werden auf gleiche Weise verwaltet, was bedeutet, dass man zwischen mehreren beruflichen AktivitĂ€ten unterscheidet. Das tut dieses Modell nicht, sondern Arbeit wird als ein monolithischer Block, als Black-Box betrachtet. Durch den Kompromiss mit der unverĂ€nderlichen Wochenarbeitszeit als einzigen Parameter gibt es keine Chance, die âSonderbehandlungâ Arbeitszeit noch auf mehrere ArbeitsaktivitĂ€ten aufzuteilen, geschweige denn eine Balance zwischen ihnen zu errechnen. Die Alternative wĂ€re, auf den Parameter der festen Arbeitszeit zu verzichten und die zugehörigen ArbeitsaktivitĂ€ten wie alle anderen AktivitĂ€ten zu behandeln, sodass die Tabelle zugehörige Zeiten errechnet aber hier besteht wieder die Gefahr, dass die Gesamtzeit aller errechneten ArbeitsaktivitĂ€ten nicht ausreicht, um die Arbeitszeit abzudecken.
Die Mathemagie des 5. Schritts
 Jetzt schauen wir noch einmal unter die Haube, welchen Weg die Zahlen eigentlich nehmen. Die groĂe feste Konstante ist das Jahr mit 365 Tagen, also 8760 Stunden an Zeit, die uns fĂŒr alle AktivitĂ€ten zur VerfĂŒgung steht. Egal, was wir machen, mehr Zeit bekommen wir nicht und wenn wir die Zeit mehr in eine AktivitĂ€t investieren, steht weniger Zeit fĂŒr eine andere zur VerfĂŒgung. Mathematisch mĂŒssen wir diese Konstante also nur in verschiedene Anteile aufteilen, deren Summe immer gleich ist. Welche Anteile sind dies also?
ZunĂ€chst erfolgt eine grobe Aufteilung in Zeitanteile, die wir im weiteren nicht mehr beachten werden, da wir sie nicht beeinflussen können oder wollen: Schlaf, unverplante Zeit, feste Zeit fĂŒr den Hauptberuf und feste Zeit fĂŒr den Haushalt. Das ziehen wir vom Jahr ab und arbeiten mit dem Rest weiter. Hier arbeiten wir mit dem Formelzeichen t fĂŒr Zeit und p fĂŒr prozentualen Anteil. Etwas knifflig wird, dass wir schon hier mit verschiedenen Einheiten und BezĂŒgen arbeiten, um intuitive Angaben verwenden zu können: Schlaf pro Tag, Prozent von der aktiven Zeit, usw. Unsere Grundeinheit werden Stunden und die Reihenfolge ist wie folgt: Erst wird der Schlaf abgezogen, um die aktive Zeit zu erhalten, dann wird auf die BezugsgröĂe âJahrâ hochgerechnet, dann die unverplante Zeit abgezogen, um die planbare Zeit zu erhalten und dann werden davon der feste Anteil Hauptberuf und Haushalt abgezogen:
Die Haushaltszeit pro Jahr ergibt sich aus dem Hochrechnen der Tagesangabe:
Die Arbeitszeit wird aufgrund der intuitiven Wochenangabe und Feier-, sowie Urlaubstagen komplexer. AuĂerdem rechnen wir hier mit dem weniger exakten Wert der 52 Wochen pro Jahr, weil wir durch jahresabhĂ€ngig verschiedene Feiertagslagen sowieso keine exakte Genauigkeit garantieren können und dort mit einem Mittelwert freier Tage arbeiten:
Da ein Feier- oder Urlaubstag uns aber keine 24 Stunden Arbeitszeit erlĂ€sst, sondern nur den Anteil, den wir sonst pro Tag arbeiten wĂŒrden, mĂŒssen wir diesen Anteil mit einflieĂen lassen. Das Formelzeichen n steht hierbei fĂŒr die Anzahl:
FĂŒhrt man alles zusammen, ergibt sich die Formel:
Wir sehen also, es gibt viele verschiedene ZeitbezĂŒge und man muss mit den Einheiten aufpassen. Dazu kommt, dass die Umrechnung von Zeiteinheiten nicht ganz genau ist: Nicht jedes Jahr hat 365 Tage (hier sagten wir bereits, dass wir den Zusatztag als zusĂ€tzliche unverplante Zeit interpretieren und auĂen vor lassen) und kein Jahr besteht aus exakt 52 Wochen. Manchmal gibt es eine 53. Woche. Nicht jeder Monat hat 31 Tage, sodass man fĂŒr Monatsaufgaben mal mehr und mal weniger Zeit zur VerfĂŒgung hat. Wie rechnet man also zwischen den Zeiteinheiten um? Daher ist es am einfachsten, zunĂ€chst das Jahr als gemeinsame Basis zu nehmen und erst am Ende die Umrechnung auf die anderen Zeiteinheiten vorzunehmen.
Der nĂ€chste Schritt mit Mathematik ist der vierte, in dem die Zuordnung von AktivitĂ€ten zu BedĂŒrfnissen erfolgt. Eine volle Zuordnung bedeutet 1, eine vielleicht- oder nicht-sicher-Zuordnung bedeutet 0,5 und keine Zuordnung bedeutet 0. Die Werte sind bewusst gewĂ€hlt, um das Konzept âZuordnungâ in mathematische ZusammenhĂ€nge bringen zu können. Wenn spĂ€ter Werte addiert werden, fallen nicht zugeordnete TĂ€tigkeiten durch den Wert 0 heraus und vielleicht- oder nicht-sicher-Zuordnungen zĂ€hlen nur zur HĂ€lfte im Vergleich zur vollen Zuordnung. Genau nach dem Schema wird in diesem Schritt bereits durch Addition ĂŒberprĂŒft, ob eine AktivitĂ€t keine BedĂŒrfnisse erfĂŒllt (Zeilensumme 0) oder ein BedĂŒrfnis durch keine AktivitĂ€ten erfĂŒllt ist (Spaltensumme 0). Erstere sind ĂŒberflĂŒssig, zweitere unterversorgt und brauchen eine AktivitĂ€t.
Mathematisch am spannendsten ist im Schritt 5 die Ergebnisberechnung. ZunĂ€chst werden anhand der Zuordnungen Gewichte ermittelt, welche AktivitĂ€t wie stark zu einer balancierten BedĂŒrfniserfĂŒllung beitrĂ€gt. Wenn ein BedĂŒrfnis durch mehrere AktivitĂ€ten erfĂŒllt wird, zĂ€hlt eine einzelne dieser AktivitĂ€ten nicht so stark, wie wenn sie als einzige das BedĂŒrfnis erfĂŒllt. Hier spielt also die Summe der zugeordneten AktivitĂ€ten eine Rolle (Spaltensumme). Wenn eine einzelne AktivitĂ€t aber mehrere BedĂŒrfnisse erfĂŒllt, zĂ€hlt sie wieder entsprechend stĂ€rker. Wir ermitteln also fĂŒr jede AktivitĂ€t die Zeilensumme, aber gewichten die einzelnen Summanden (die fĂŒr die Zuordnung dieser AktivitĂ€t zu den einzelnen BedĂŒrfnissen stehen) entsprechend, wie bedeutsam die AktivitĂ€t fĂŒr dieses BedĂŒrfnis ist, also wie viele andere AktivitĂ€ten das BedĂŒrfnis noch erfĂŒllen. Die Spaltensumme ist der Normierungsfaktor fĂŒr die Summanden der Zeilensumme.
Wenn die Anzahl der AktivitĂ€ten nA ist, nB die Anzahl der BedĂŒrfnisse und zxy der Zuordnungswert der x-ten AktivitĂ€t (x Ï” [1,nA]) zum y-ten BedĂŒrfnis (y Ï” [1,nB]), so errechnet sich die jeweilige gewichtete Zeilensumme gx:
Ein Beispiel: Wir wollen die gewichtete Zeilensumme der 3. AktivitĂ€t g3 errechnen. Diese AktivitĂ€t erfĂŒllt zwei BedĂŒrfnisse, und zwar das erste der Tabelle, das wiederum von zwei weiteren BedĂŒrfnissen auch erfĂŒllt wird und das vierte der Tabelle, das nur von dieser AktivitĂ€t erfĂŒllt wird. Wenn wir insgesamt 4 BedĂŒrfnisse und 5 AktivitĂ€ten haben, ergibt sich nach obenstehender Formel:
Da nur das erste und das vierte BedĂŒrfnis erfĂŒllt werden, stehen die anderen beiden Zuordnungen z32 und z33 auf 0. Die Summanden fallen raus, sodass sich ergibt:
Unsere dritte AktivitĂ€t trĂ€gt also zu einem Drittel zum ersten BedĂŒrfnis bei und komplett zum vierten BedĂŒrfnis. Diese Berechnung wird fĂŒr jede andere AktivitĂ€t wiederholt.
Wenn eine AktivitĂ€t nicht so stark zur ErfĂŒllung eines BedĂŒrfnisses beitrĂ€gt wie die anderen, kann ĂŒber den Zuordnungswert zxy Ï” [0,1] eine genauere AbwĂ€gung vorgenommen werden. So lĂ€sst sich statt der ternĂ€ren Zuordnung (trĂ€gt bei, trĂ€gt nicht bei, trĂ€gt vielleicht bei) auch eine prozentuale Zuordnung umsetzen, indem man in der BedĂŒrfnisspalte entsprechende Zuordnungswerte auf die AktivitĂ€ten verteilt. Dass dann kleinere Zeilensummern resultieren, ist kein Nachteil, denn diese werden im nĂ€chsten Schritt anhand der uns zur VerfĂŒgung stehenden Zeit normiert.
Egal, welche gewichteten Zeilensummen herauskommen: Die uns zur VerfĂŒgung stehende Zeit tplanbar ist fest. Somit nutzen wir die gewichteten Zeilensummen, um die feststehende planbare Zeit in verschieden groĂe Teile aufzuteilen. Die Gesamtsumme der gewichteten Zeilensummen entspricht 100 % unserer planbaren Zeit und die einzelnen gewichteten Zeilensummen sind der entsprechende prozentuale Anteil der AktivitĂ€t an der Zeit. FĂŒr jede AktivitĂ€t x ergibt sich:
Da tplanbar eine Zeitangabe pro Jahr ist, ist auch jede AktivitĂ€tszeit pro Jahr zu verstehen. Der entsprechende Wert steht in der hellgrĂŒnen Spalte ât pro Jahrâ. Die Umrechnung in einen anderen Bezugszeitraum erfolgt durch Auswahl in der Spalte âZeiteinheitâ. Der jahresbezogene Zeitwert tx wird durch den entsprechenden Anteil der ausgewĂ€hlten Zeiteinheit am Jahr dividiert. Die entsprechenden Anteile sind im Tabellenblatt âZeiteinheitenâ fest hinterlegt. Beispielsweise hat ein Monat durchschnittlich ein Zwölftel Anteil am Jahr, also wird der Jahreswert durch 12 dividiert.
Zuletzt mĂŒssen wir das Sonderszenario Arbeits- und Haushaltszeit herausrechnen. Beide AktivitĂ€ten können Bestandteil der AktivitĂ€tsmatrix sein und haben dann eine gewichtete Zeilensumme erhalten. Sie nehmen uns also Zeit von der planbaren Zeit weg. Wenn wir am Anfang keine Zeit explizit fĂŒr Arbeit oder Haushalt reserviert haben, ist das vollkommen in Ordnung und die Tabelle errechnet uns, wie viel Zeit wir fĂŒr die beiden AktivitĂ€ten fĂŒr eine optimale Balance einplanen sollten. In RealitĂ€t reicht diese Zeit aber nicht aus. Daher ist es möglich, diese AktivitĂ€ten mit den Zeiteinheiten âArbeitswocheâ, âHaushaltswocheâ und âHaushaltstagâ zu maskieren. Diese drei EintrĂ€ge bewirken, dass die entsprechende gewichtete Zeilensumme nicht mitgezĂ€hlt wird. Folglich ist die errechnete Zeit pro Jahr (ât pro Jahrâ) gleich 0. FĂŒr das Endergebnis in Spalte ât pro Zeiteinheitâ wird die in Schritt 1 angegebene feste Zeit im jeweiligen Zeitbezug dargestellt. FĂŒr die Umsetzung erfolgt sowohl in der Spalte â%A/HHâ (kurz fĂŒr Prozentsatz Arbeit/Haushalt) als auch in der letzten Spalte ât pro Zeiteinheitâ eine Fallunterscheidung ĂŒber die âWennâ-Funktion, die die besonderen drei Zeiteinheiten-EintrĂ€ge abfragt und entsprechend anders behandelt. Mit der Spalte â%A/HHâ maskiert die Tabelle zwar nicht die gewichteten Zeilensummen, sondern erst die errechneten Prozentpunkte, aber das kommt mathematisch auf dasselbe heraus, da fĂŒr die Berechnung der Zeiten auch mit dem verminderten Gesamtprozentsatz anstelle 100 % gerechnet wird.
 Abschluss
 Egal, ob du hinter die mathematischen Formeln steigst oder die Tabelle einfach so anwendest, ich hoffe, ich konnte dir mit dieser Methode etwas mehr Balance im Leben verschaffen und zur Steigerung deiner LebensqualitĂ€t beitragen. Wenn du Fragen, Anmerkungen oder Kommentare hast, kannst du mir gern schreiben. Oder du schaust weiter durch meinen Blog âMit StraĂenbahnen Tauben jagenâ, ĂŒber meine Websites mu5ic.eu und liontraffic.de oder folgst mir auf Facebook oder Instagram. Bis bald,
Robert











