âIsa, du bist doch auch Autorin. In deiner Welt⊠wie sieht die LBGT+ Seite dort aus? Hast du dir Gedanken gemacht? Wie stehst du zu der Diskussion? Gibt es bei dir schwule Drachen?â
Meine Drachen sind genauso divers, wie wir Menschen. Doch fÀllt es seltener auf und ist weniger bekannt innerhalb ihrer Welt. Denn wenn z.B. jeder 1.600te Mensch transsexuell ist, dann gibt es doch recht viele, bei ein paar Milliarde Menschen. Drachen jedoch, deren Anzahl hÀlt sich deutlich in Grenzen und so findet man selten einen Transgender Drachen. Aber es gibt sie. Auch die lesbischen Drachenweibchen oder sich dem System nicht zugehörigen Nonbi Drachen.
Zu erst wollte ich eine Spezies erschaffen, die den Luxus besitzt ihre IdentitĂ€t bei Geburt auf einem Silbertablett ĂŒberreicht zu bekommen. Eine Spezies, die durch ihre Entwicklung und Schöpfung einseitig und friedlich Leben kann. Mein Gedanke war es, dass sich ein Transmann vorstellen kann, er wĂ€re als Drache von Anfang an immer der Mann gewesen, den er im Spiegel gesehen hat.
Dann jedoch dachte ich darĂŒber nach, dass ich somit das Thema der persönlichen Findung, den Weg die eigene SexualitĂ€t zu entdecken, das Geschlecht zu verstehen, als etwas Negatives betrachte und DiversitĂ€t als Stressfaktor behandle. Und das sollte so niemals sein.
DiversitĂ€t macht das Leben bunt und erlaubt Empathie weit hinaus ĂŒber X und Y-Chromosomen. Es sollte niemals fĂŒr ein Kind leidvoll sein die eigene Person zu entdecken. Einem Transgender fĂ€llt frĂŒh auf, dass das Gehirn sich gerne an einem bestimmten Geschlecht orientiert und das System bevorzugt. Zumindest als Drache in Menschengestalt (Weil Gestaltswandler) passt sich die Gestalt dem automatisch an, die Gedanken bestimmen das Aussehen dieser Gestaltswandler. Wer sich weder dem einen noch dem anderen zugehörig fĂŒhlt wird die VorzĂŒge der Wandelbarkeit eines Drachen lieben. Man ist immer das, was man sein will, ohne es bewusst steuern zu können. Und die Hautfarbe eines Drachen in Menschengestalt? Manchmal entspricht sie der seiner Schuppen, oft der Farbe der Menschen, die er kennen und lieben lernte. Das ist die einzige Wahrnehmung die zĂ€hlt. Es ist nur eine Farbe, mit der man eine Erinnerung verbinden kann. Sie gibt weder etwas vor, noch macht sie jemanden besser oder schlechter. Nun, der eine brutzelt vielleicht dezent intensiver im Sonnenlicht, als der andere, aber dafĂŒr gibt es ja Sonnencreme.
Einem homosexuellen, einem asexuellen, jedem bisexuellen Menschen fĂ€llt irgendwann auf, zu welchen Mustern er sich hingezogen fĂŒhlt oder eben nicht. Chromosomen machen genau das, sie spucken einen Menschen nach einem hĂŒbschen Blueprint heraus. Dem einen gefĂ€llt das eine Modell besser, als das andere, unsere Kultur mischt mit - wie wir Geschlechter wahrnehmen verĂ€ndert dann unsere Entwicklung. Das alles war schon immer so, seit der Homo Sapiens die Welt bereiste. Als dominante Spezies des Planeten haben wir mit unserer DiversitĂ€t also etwas verdammt richtig gemacht. Denn das mit dem Vermehren und Entwickeln kriegen wir fast zu gut hin.
Zum LBGT+ zugehören kann krank machen, nicht weil man so geboren wurde, sondern weil andere einen dafĂŒr kritisieren. Man hĂ€ngt sich auf an Wörtern und Bedeutungen, die wir selber erschaffen haben und die in der Natur völlig ungĂŒltig sind.
Wir kommen als kleine sabbernde Fleischklumpen zur Welt und die einzige Regel der Welt besagt, dass man einiges tun muss um zu leben und gar nichts, um zu sterben. Kopf oder Zahl.
Es gibt kein Gesetz, wonach XY jemanden zu einem Mann macht. Wir haben das definiert und wir haben uns geirrt. XY lĂ€sst den Körper eine Entwicklung nach einer bestimmten Blaupause durchleben, die viele Variationen kennt. Organe entwickeln sich, Hormone entwickeln sich und man erhĂ€lt unterschiedliche Bausteine, mit denen man sein Leben lang spielen kann. Die Label und Namen haben wir ĂŒberall an die Bausteine geklebt, nichts davon entspricht irgendeiner Wahrheit.
Wahrheit existiert nur im eigenen Kopf.
Und gerade bei Transmenschen ist es der Kopf, der nachweiĂlich ein Muster entwickelt, ganz frĂŒh schon, aus unseren Genen stammend, dass scheinbar zunĂ€chst nicht zu anderen Organen passen mag.
Die Wahrheit und RealitÀt im Kopf eines Transmenschen gehört dieser Person und niemandem sonst.
Da wir als Gesellschaft wachsen wollen, sind wir natĂŒrlich alle stets bemĂŒht unsere selbst errichtete Balance aufrecht zu erhalten. Wir haben die Regeln gemacht, niemanden töten zu dĂŒrfen. Wir haben die Gesetzte gemacht, weil es der Gesellschaft dienlich ist.
Alles unter LBGT+ schadet in keiner Weise einer Person. Straftaten geschehen unabhĂ€ngig immer aus einer anders orientierten Absicht heraus: Macht, Gier, Neid, Eifersucht, Leid, Verteidigung, Hass, Kummer â negative GefĂŒhle.
Und die haben alle Menschen.
Eine Autorin unserer Zeit, mit viel Reichweite und Einfluss, spielt sich auf, weil sie sich in ihrer Weiblichkeit angegriffen fĂŒhlt - weil jemand mit XY Chromosomen eine Frau sein kann und weil nur Frauen bluten, aber ganz sicher keine MĂ€nner, die XX Chromosomen besitzen. Dass zwischen XX und XY noch Menschen existieren, dass es XXY gibt viele andere Versionen, die teil unserer normalen Genetik sind, wird komplett ignoriert.
Frau. Mann. Weiblichkeit. MĂ€nnlichkeit. Es sind nur Begriffe. Und sie sind nur so wahr, wie sie fĂŒr den einzelnen wahr sein mĂŒssen. Geschlecht existiert. Biologisch, Psychologisch, Kulturell.
FĂŒr jene besagte Autorin können Gene alleine zĂ€hlen und veraltete medizinische Ansichten, es ist ihre Wahrheit und ihr persönliches Problem, diese sollte sie jedoch nicht zum Problem anderer machen.
Eine Transfrau rutscht in dem Moment, indem die Gesellschaft sie als Frau wahrnimmt, in den gleichen Sexismus ab, wie ich, die als Frau wahrgenommen geboren.
Eine Transfrau kann mir einen unfassbar spannenden Einblick in die Welt der MĂ€nner bieten, die so niemand auf diese Art hatte, weil sie ein einzigartiges Leben hinter sich hat.
Transmenschen tragen nicht zur UnterdrĂŒckung von Frauen bei, wie denn auch, wenn man selber schlimmer noch unterdrĂŒckt wird, als Frauen in der Gesellschaft? Sie sind kein Angriff, kein Problem, kein Ende der Geschlechter â doch eine sehr laute Autorin zeigt gerade das laut auf und verletzt damit reale Menschen. Ich sag es mal so, was kann man von jemanden erwarten, der AIDS und Werwölfe als Gleichnis nutzt â Voldemort nie die Chance gab Gut zu werden, weil er unter dem Einfluss von einem Liebestrank gezeugt wurde â Den einzig schwulen Charakter manipulativ und machthungrig an âLiebeâ zu einem âfalschen Mannâ erkranken lieĂ⊠Will man es, kann man viel unangenehmes zwischen den Zeilen lesen. Oder Zeilen von Transfeindlichkeit, von ihr verfasst unter dem Pseudonym, dessen Name sich mit einem Mann deckt, der gerne die Gehirne von Schwulen gegrillt hat.
Ihre RealitĂ€t ist Besorgniserregend Schwarz-WeiĂ, wie auch schon ihre BĂŒcher. Dabei hatte Dumbledore es so schön selbst erklĂ€rt: âNatĂŒrlich passiert es in deinem Kopf, Harry, aber warum um alles in der Welt sollte das bedeuten, dass es nicht wirklich ist?â â Transgender sind in ihrem Kopf bestimmte Personen, Menschen und das ist Wirklichkeit.
Dank der LBGT+ Community verschwammen meine ehemals festen Konturen von X und Y. Sie gaben mir die Möglichkeit ĂŒber den Rand hinaus zu blicken und mich neu zu entdecken.
Das ist es, was DiversitĂ€t ausmacht. Das ist unsere StĂ€rke. VerstĂ€ndnis, Wissen, Sichtweisen, Perspektive, Empathie und Respekt. Vielseitig wird das Leben. Etwas was ich als Autor sehr schĂ€tze. Jedes bisschen was ich wahrnehme trĂ€gt dazu bei, bessere BĂŒcher schreiben zu können, denn jedes bisschen Wissen ist GOLD fĂŒr einen Autoren.
Meine IdentitÀt? Die mache ich nur noch vom Augenblick fest.
In meinen TrĂ€umen bin ich oft ein Mann. Wenn ich meine BĂŒcher schreibe und das aus der Sicht eines mĂ€nnlichen Charakters, je nach Charakter, verĂ€ndert sich merklich meine Wahrnehmung, der Schreibstil und meine GefĂŒhle. Ich schaue nicht in den Spiegel und sehe eine Frau. Ich sehe einen Menschen. Ich liebe nicht einen Mann, ich liebe eine Person. Völlig gleich, dass MĂ€nner eher dem Muster entsprechen, was ich anziehend finde, ist es mir eine Freude auch Blicke auf Frauen werfen zu können, ohne mich komisch zu fĂŒhlen. Weil ich in einer Welt aufwuchs, in der das völlig OK war. Weil meine Mama mir schon frĂŒh von dem Crush auf die hĂŒbsche Frau bei der Gala erzĂ€hlte, mit der sie am liebsten abgehauen wĂ€re, zumindest in Gedanken. Weil ich einfach sein durfte.
Es gibt Tage, da bin ich gar nichts. Da bin ich so unbinĂ€r wie nur irgendwie möglich und genieĂe es damit eine völlig andere Sichtweise der Dinge zu erleben.
So entwickeln wir uns. Das ist der Kern der Natur.
Es begann mit einem kleinen Schwibbelschwabbe, dass sich teilte und teilte und teilte und mehr und mehr wurde und bunter und bunter und sich entwickelte und entwickelte⊠Das ist Natur.
Nicht alles ĂŒberlebt immer, aber das macht etwas weder falsch noch richtig. Am Ende landen wir eh alle irgendwo als DĂŒnger fĂŒr die nĂ€chste Generation.