Strafbefehl ist schon für ziemliche Bagatellen, also kann es sehr gut sein, dass die Strafe im Prozess reduziert oder eingestellt wird.
was ich dir raten würde: gemeinsam mit deiner Mama oder einer anderen Vertrauensperson (NICHT alleine - du bist offensichtlich traumatisiert) schreibe einen Bericht, in dem du ruhig deine Seite darstellst. Du erläuterst deinen jüdischen Hintergrund, deine aktuelle Situation und was an dem Tag passiert ist. Ganz wichtig: du entschuldigst dich für das was du tatsächlich gesagt hast und dass du ausfallend geworden bist. Eine Entschuldigung wirkt strafmildernd, aber sie muss auch glaubhaft sein. Wenn es irgendwelche Gründe gibt, die dafür gesorgt haben, dass du dich besonders bedroht/diskriminiert gefühlt hast (zB: du hast aufgrund deines sichtbaren Davidsterns schon häufiger negative Kommentare erhalten), erwähne das auch. Dann übst du das ruhig ein und erkläre das in der mündlichen Verhandlung. Ich habe Jura studiert und das ist realistisch, was ein Anwalt dir raten würde. Bei Beleidigung + mehreren Zeugen ist da nicht sonderlich viel zu machen. Das ist so ein Bagatellding dass da auch keiner eine große Beweisaufnahme machen wird. Ich weiß dass es sich krass anfühlt und dass das schlimmste die Ungerechtigkeit ist aber realistisch würde ich dir sagen, dass ein Anwalt in dieser Situation rausgeschmissenes Geld ist. Ich weiß dass das gerade ein Schlag in die Magengrube für dich ist, das wichtigste ist, jetzt die juristische und die emotionale Seite irgendwie zu trennen. Deine beste Chance ist, das Gericht zu überzeugen dass die person sich verhört hat (da stehen die Chancen nicht mal so schlecht) und dass es dir leid tut.
Wenn es tatsächlich eine Geldstrafe gibt, die du nicht bezahlen kannst, beantrage sofort Ratenzahlung - das wird eigentlich immer bewilligt. Die Chancen dass du dafür tatsächlich ins Gefängnis musst sind wahnsinnig gering.
Hey vielen lieben Dank für deinen Rat! Weil ich weiß, dass man ohne Anwalt nichts sagen soll, war ich schon so oberschlau und hab ein mehrseitiges Protokoll des Abends aus meiner Sicht, mit meinen tatsächlichen Äußerungen, als Antwort auf die 1. Belehrung geschickt, in der ich alles aufgeführt hab, was du mir rätst... weil ich auch dachte, das ist die beste Strategie... und 3 Monate darauf folgte der Strafbefehl. Der Richter hat meine Worte teils völlig absurd interpretiert. Was ich über ihn gelesen habe, macht einen fairen und vernünftigen Eindruck (zB dass Polizisten nicht anders zu behandeln sind als Zivilisten), aber wie er zu einigen Schlussfolgerungen meiner Äußerungen (die, die ich zugebe) kommt, kann ich mir nicht erklären.
Jetzt kann ich nur noch hoffen, dass mein Therapeut was schreibt. Mit solchen Wutanfällen und Beleidigungen über Arschloch-Wichser-Hurensohn hinaus kämpfe ich seit meiner Kindheit. Bloß hab ich die bei ihm nie angesprochen, weil die mit Medikinet unter Kontrolle waren, nur hatte ich in der Zeit eine Pause eingelegt, weil ich davon so husten musste. Aber erklär das mal nem Richter, vor allem, weil mir das erst nach meinem Statement einfiel.
Aber du hast wohl Recht, dass ein Anwalt da nicht viel bringen könnte. Nur kann ich mir auch echt keine 900 Euro leisten und schon gar nicht, wenn das nur so hoch ist, weil der Richter aus unerklärlichen Gründen "linke Tollwut" als rechts interpretiert.
Naja, wir werden sehen.. aber danke noch mal :)