Das Problem damit, wenn Autoren* aus der Sicht von Frauen* schreiben wollen
Hallo Dave Eggers (und alle anderen, die der Titel betrifft),
Ich habe soeben The Circle von dir fertig gelesen und bereits nach dem Lesen der ersten paar Seiten hat sich mir die Frage gestellt, warum du, (dem Klappentext ßber dich, Bild, Namen etc, nach zu urteilen) ein Mann*, eine Frau* als Hauptcharakter ausgewählt und (mit einer persÜnlichen Erzählform) aus ihrer eigenen Perspektive geschrieben hast.
Eigentlich freue ich mich sehr, wenn coole strong/ queer/ disabled/ independent/ jewish/ black/ etc/Â women die Protagonistinnen* sind (und am allerwichtigsten: nicht boring, white + cishet MEN, es gibt schon genug BĂźcher Ăźber euch, GET OVER IT), also ist es doch mega cool, dass wir eine schwarze Frau (es gibt eine Stelle im Buch, in der Ăźber ihre Hautfarbe gesprochen wird (Ăźbrigens ist das auch die einzige) und in der wird gesagt, dass Leute sie âdie schwarze Super-Intelligenz-Maschineâ (sowas in der Richtung halt) nannten, deshalb dachte ich, dass sie schwarz ist) auf ihrem Abenteuer begleiten dĂźrfen! :D Nicht ganz, leider.
Beim Lesen des Buches fallen zunehmend folgende Dinge auf:
Maes Entscheidungen werden sehr stark davon beeinflusst, mit welchem von den zwei Männern (Francis oder Kalden) sie zuletzt geschlafen hat. War es z.B. Francis, dann versucht sie auf den nächsten ca. 30 Seiten, wieder mit ihm zu schlafen und ignoriert alle Grßnde, die dagegen sprechen wßrden (inkl. (ihrer eigenen) Moral)
Apropos Moral: Maes Moral bzw. ihr moralischer Kompass befindet sich ausschlieĂlich im Besitz ihrer Umwelt. Sie tut stets, was andere Leute oder ihr Sex-Drive ihr sagen. Es gibt keine einzige Stelle im Buch, an welcher Mae nicht entweder blind befolgt, was andere ihr aufgedrängt haben, oder - falls sie sich einer anderen Person widersetzt - unabhängig von ihrer Libido agiert.Â
Was bei der lesenden Person zum Eindruck fĂźhrt, dass Mae keinen eigenen Willen besitzt?? Das Buch schildert leider keine Situation, in der Mae nennenswerte Ziele hat (nein, nicht-gefeuert-werden ist kein Ziel, das von Autonomie oder Intelligenz oder irgendetwas Positivem zeugt)
Okay, ich habe auch eine relativ hohe Libido, also kann ich Punkt 1 verzeihen. AuĂerdem gehe ich Konflikten gerne aus dem Weg, deshalb kann Punkt 2 von mir aus auch ignoriert werden. Und keine nennenswerten Ziele haben trifft fĂźr sehr viele Menschen zu, und ich finde es nicht pauschal schlimm, durchschnittliche Leute zu Protagonist*innen zu machen, so viel zu Punkt 3. Fine. Diese Punkte kĂśnnte ich allesamt verzeihen, wenn Mae wenigstens den Eindruck machen wĂźrde, dass sie schlauer ist als ein vierjähriges Kind.Â
Spoiler alert: she doesn't.Â
âOkay, Isaak, du hast ein schlechtes Buch gelesen, und jetzt?â Na, denk mal, zwei Sekunden drĂźber nach: Wäre Mae so unfassbar dumm, unsympathisch und frustrierend, wenn sie ein Maik gewesen wäre?
Dave Eggers hat (wie viele Autoren* leider auch) seine Protagonistin* (fast) ausschlieĂlich aus sexistischen Klischees konstruiert. Diese da lauten:
Frauen* wollen immer nur Sex habenÂ
Eine gute Frau* ist meistens (besser noch: immer) gehorsam
Frauen* haben keinen eigenen Willen
Frauen* sind dumm bzw. zumindest dĂźmmer als das Geschlecht, zu dem ich gehĂśre
Knapp 500 Seiten Zeit und MĂśglichkeiten zu haben, eine interessante/ schlaue/ sympathische/ (anti)beispielhafte/ nennenswerte Protagonistin* zu erschaffen und dann nur einen Haufen Dreck, bestehend aus oben genannten vier Punkten, zu produzieren, ist schon eine Leistung. Und deshalb verleihe ich dir, Dave Eggers, hiermit den professional sexist prize. Herzlichen GlĂźckwunsch. (ďžâăŽâ)ďž*:シďžâ§ â§ďžď˝Ľ: *ă˝(âăŽâă˝)















