aufbrechen, um auszubrechen â Ein Wiedersehen mit den Corks
Moin zusammen!
Mit dem Zug fuhr ich von Sydney aus bis Bomaderry â eine wunderschöne Strecke entlang der KĂŒste. Zwar schlief ich die meiste Zeit, aber immer wenn ich aufwachte, genoss ich die Aussicht. Als ich nach ĂŒber drei Stunden in Bomaderry ankam, wurde ich Jenny & Chris abgeholt. Ich hatte die Familie um Jenny & Chris und ihre beiden Kinder Izzy & Matthew durch das Becherstapeln kennengelernt. Sie waren ebenfalls lange Jahre Mitglieder des âTeam Flash Cupsâ. UrsprĂŒnglich aus Australien lebten sie viele Jahre in Deutschland, bis sie Anfang 2013 wieder zurĂŒck nach Australien zogen. Ich hatte sie also seit ĂŒber vier Jahren nicht gesehen. Entsprechend groĂ war meine Freude, die sympathische Familie wiederzutreffen.
Wir fackelten nicht lange und fuhren zu einem Tierpark, um einen echten Australier aus mir zu machen. Ich sah Koalas, Kakadus, KĂ€ngurus, Krokodile â eben alles, was mit K anfĂ€ngt. Bei einer Reptilien-Show berĂŒhrte ich eine Schlange und ein Babykrokodil. Da war ich sehr stolz auf mich. Spoiler Alert: Ich habe eine Riesenangst vor Schlangen.
AnschlieĂend fuhren wir zu zwei verschiedenen StrĂ€nden in der Gegend von Jervis Bay. Vor allem Honeymoon Bay war absolut traumhaft, insbesondere weil wir dort ein KĂ€nguru mit Nachwuchs im Beutel (im Australischen âJoeyâ genannt) direkt am Strand trafen. Wir konnten uns bis auf ein paar Meter nĂ€hern. Das war wirklich eindrucksvoll.
Danach wurde es Zeit, Izzy wiederzutreffen, die gerade von einem ihrer letzten Schultage nach Hause kam. Inzwischen war sie fast 18 und wird bald ein Studium beginnen. Als ich sie zuletzt gesehen hatte, war sie ein kleiner Wirbelkind mit einem groĂen LĂ€cheln. Viel hatte sich daran nicht geĂ€ndert. Sie ist reifer, erwachsen geworden, hat aber ihr groĂes LĂ€cheln und die strahlende Persönlichkeit nicht verloren. Mich erstaunte ihr akzentfreies, flĂŒssiges Deutsch sehr. Die AbschlussprĂŒfung in Deutsch war fĂŒr sie ein Kinderspiel. Jenny kochte ein köstliches Abendessen, von dem ich gerne mehr gegessen hĂ€tte, hĂ€tte mein Magen es zugelassen. Mit Vorfreude auf den nĂ€chsten Tag ging ich ins Bett. Denn dann hieĂ es, den letzten im Bunde zu treffen â Matthew. Ich verabschiedete mich von Jenny & Izzy und fuhr mit Chris nach Captains Flat, wo Matthew mit seiner Verlobten Christina und ihren beiden Kindern Aoife & Connor lebt. Es war ein tolles Wiedersehen. Ich hatte Matthew als liebevollen Chaoten in Erinnerung, nun stand ein 21-jĂ€hriger Mann vor mir, der im nĂ€chsten Jahr heiraten wird und seine Rolle als Stiefvater zweier Kinder mit Bravour meistert. Seine Verlobte Christina war mir auf Anhieb sympathisch. Sie arbeitet in einer BĂŒcherei, ist eine meisterhafte Strickerin und ihr Traum ist es, spĂ€ter eine Farm zu kaufen und dort zu leben. Vorerst begnĂŒgten sie sich allerdings mit zwei Hunden, einer Katze, Enten und HĂŒhnern. Einfach spannend, wie sich alles so entwickelt hatte. Ich war froh, diese Entwicklung miterleben zu können. Die Zeit in Captains Flat genoss ich sehr. Es war sehr entschleunigend und ich konnte in Ruhe meine Radtour nach Brisbane planen. Matthew nahm sich einen Tag frei, um mit mir ein geeignetes Fahrrad zu finden. Wir fuhren zu drei verschiedenen FahrradlĂ€den. Der Plan war eigentlich, ein gebrauchtes Rad zu kaufen, in der Hoffnung, etwas Geld zu sparen. Jedoch hatte nur einer der LĂ€den ein gebrauchtes Fahrrad, ein Rennrad, das meiner Meinung nach fĂŒr die Tour ungeeignet war. Im Nachhinein war es die richtige Entscheidung, es nicht zu nehmen, obwohl ich es sehr mochte. So entschied ich mich fĂŒr ein GIANT ROAM 2018, das ich bei Pushys in Fyshwick kaufte. Ich versuchte, so viel Rabatt wie möglich rauszuschlagen, indem ich alles Notwendige fĂŒr das Fahrrad (GepĂ€cktrĂ€ger, Fahrradtaschen, Licht, Handschuhe, StĂ€nder, Luftpumpe, Reparaturset, Flaschenhalter, etc.) ebenso dort kaufte. Am Ende landete ich bei 950$ fĂŒr alles zusammen. Ein bisschen mehr als ich mir anfangs vorgestellt hatte, aber dafĂŒr war es innerhalb eines halben Tages abholbereit.
Als wir es abholten, empfahl der VerkĂ€ufer noch âWarmshowersâ â eine Homepage, auf der Radfahrer anderen Radfahrern eine Bleibe (und eben auch eine warme Dusche) anbieten. Dass diese Information meine gesamte Tour prĂ€gen wĂŒrde, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Aber ich will jetzt auch nicht zu viel vorwegnehmen. UrsprĂŒnglich wollte ich meine Radtour in Sydney starten. Davon wurde mir jedoch von allen Seiten abgeraten, weil die Stadt absolut nicht fahrradfreudlich sei. Um mir den Stress des Stadtfahrens direkt am ersten Tag zu sparen, schlugen Jenny & Chris vor, den Zug nach Newcastle zu nehmen und dort zu starten. Also nahm Chris mein Rad (nach einer kleinen Testfahrt, 32km in 1:50h) dankenswerterweise mit zurĂŒck nach Jervis Bay. Matthew, Christina und ihre Kinder wollten ihnen ohnehin in ein paar Tagen einen Besuch abstatten, wĂŒrden mich dann mitnehmen und ich könnte von dort samt Fahrrad den Zug nach Newcastle nehmen. So blieb ich noch ein paar Tage in Captains Flat, entschleunigte weiter und schrieb an meinem Blog, der ziemlich in RĂŒckstand geraten war. Ich verlor so ein bisschen das GefĂŒhl fĂŒr die Zeit. Irgendwann also fuhren wir nach Jervis Bay zu Jenny, Chris und Izzy. Ich lernte, wie man Dominion spielt, und genoss das super Essen von Chris und Jenny. An meinem letzten ganzen Tag dort fuhren Matthew, Christina und ich zum Abrahams Bosom Reserve, um dort ein bisschen durch die Natur zu wandern und am Meer nach Walen Ausschau zu halten. TatsĂ€chlich sahen wir ein paar Wale in der Ferne. Nach lĂ€ngerer Zeit holte ich auch mal wieder meine Kamera aus der Versenkung und tobte mich richtig aus
AnschlieĂend stackten wir noch ein bisschen wie in guten alten Zeiten.
Dann hieĂ es Abschied nehmen von Matthew, Christina und den Kindern, fĂŒr die es zurĂŒck nach Captains Flat ging. Matthew lud mich noch zu seiner Hochzeit im nĂ€chsten Jahr ein. Matthew, ich werde mein Bestes geben, um irgendwie nach Australien zu kommen. Ich verabschiedete mich auch von Jenny und Izzy, die am nĂ€chsten morgen sehr frĂŒh zur Schule aufbrachen. Nach dem FrĂŒhstĂŒck packte ich meine Sachen, fuhr mit Chris noch schnell zu einem Baumarkt, um Kabelbinder und elastische Spanngurte zu kaufen, und stieg samt Fahrrad inklusive GepĂ€ck in den Zug nach Newcastle.
Wie es von dort weitergeht, erfahrt ihr im nÀchsten Eintrag.
PS: Danke an Jenny fĂŒr die Fotos.










