die namenlose protagonistin (ist es die autorin selbst?) kommt aus dem kriegsgebeutelten kosovo nach deutschland. doch selbst hier ist der krieg anwesend, sind doch immer noch familie und freunde zurückgeblieben. als kosovo-albanerin hat sie die serbische sprache nicht gelernt, doch ob ihrer nationalität gilt sie in ihrer neuen schule in deutschland als "jugoslawin" und wird von einer lehrerin beim lied "guten tag, auf wiedersehen", in welchen diese beiden grußformeln in möglichst vielen sprachen wiederholt werden, aufgefordert diese auf "jugoslawisch" vorzusingen, da es ja ihre sprache sei. doch sie sagt nichts... - was sich durch einen längeren teil ihres lebens zieht. erst als sie älter ist und studiert prangert sie diese ignoranz und das unwissen an, was immer wieder dazu führt das menschen sie für eine "jugoslawin" halten oder unhaltbares über die jüngere geschichte reden. ihre reisen in den kosovo sind immer auch teil der identitätssuche der protagonistin, die inzwischen ein albanisch spricht, dass es so im land selbst garnicht mehr gibt...
sprache ist im roman auch ein zentrales thema in vielerlei hinsicht - schon allein der titel ë, ein albanisches wort von wichtigkeit, dass aber meist garnicht ausgesprochen wird. sprache ist aber eben auch identität, zugehörigkeit,... ein weiteres zentrales thema des buches. die leiden des krieges werden in kicajs roman mehr als deutlich. das der kosovo-krieg in deutschland kaum bekannt ist, wie im klappentext behauptet, bezweifle ist schon, war es doch der erste (noch dazu völkerrechtswidrige) kampfeinsatz der bundeswehr der brd (im rahmen eines nato-einsatzes) seit dem zweiten weltkrieg und das auch noch unter der ganz frisch im amt befindlichen ersten rot-grünen regierung des landes mit joschka fischer als außenminister der grünen, der vor allem vor seiner eigenen partei einen kampfeinsatz rechtfertigen musste... wie so viele andere romane über das aufwachsen in der diaspora, mit verschiedenen kulturen erzählt die namenlose protagonistin über die sprachlosigkeit in der neuen umgebung, das finden der eigenen stimme, den eigenen platz in der gesellschaft hier wie dort, über den krieg, seine schrecken, die nicht enden wollende suche nach menschen, die nie wieder auftauchten, die zerstörung, den verlust und den blick nach vorn, der ohne den zurück nicht möglich ist. kicaj fügt dem ganzen nun einen neuen sehr bildreichen blickwinkel hinzu, dessen lektüre sich ohne jeden zweifel lohnt.