Englischsprachige BĂŒcher in Deutschland kaufen: eine komplizierte Geschichte
Um 1985 beschlieĂe ich, englischsprachige BĂŒcher zu lesen, zunĂ€chst vor allem aus der Ăberlegung heraus, dass das billiger ist, weil es viel langsamer geht als auf Deutsch. Diese Entscheidung zieht ein neues Problem nach sich: Es gibt in meiner Umgebung gar keine englischsprachigen BĂŒcher. Die wenigen in der Stadtbibliothek vorhandenen interessieren mich nicht. In der Schulbibliothek gibt es ebenfalls nur ein winziges Sortiment. Das ist kein Wunder, denn genau wie BuchhĂ€ndler können auch die Bibliotheken englischsprachige BĂŒcher nur auf zwei Wegen beziehen: entweder ĂŒber den Importkatalog von Hans Heinrich Petersen oder ĂŒber den Importkatalog von Tradis.
Der Katalog von Tradis ist dĂŒnn, der von HHP etwas dicker, und alle BĂŒcher kosten darin etwa das Doppelte des Preises im Ursprungsland. Es sind vor allem SchullektĂŒren und Bestseller. Abgesehen von einem buchkauftechnisch sehr glĂŒcklichen Uni-Auslandsjahr in GroĂbritannien bleiben diese beiden Kataloge einige Jahre lang meine Hauptquelle fĂŒr englischsprachige BĂŒcher.  Dann ziehe ich nach Berlin, wo es ein oder zwei englischsprachige Buchhandlungen gibt, plus eine weitere in der NĂ€he des Anglistikinstituts, wo man die fĂŒr die Uni benötigten LektĂŒren bekommt. In allen diesen LĂ€den sind die BĂŒcher so teuer, als mĂŒssten sie einzeln mit dem Ruderboot importiert werden, und wenn man etwas bestellt, dauert die Lieferung auch ungefĂ€hr so lang.
1996 beginne ich in einer Krimibuchhandlung zu arbeiten. Zu Beginn haben wir ein kleines englischsprachiges Sortiment, das bei Tradis und HHP beschafft wurde. Man kann auch schon englischsprachige BĂŒcher beim âABC BĂŒcherdienstâ bzw. âtelebuch.deâ bestellen, wo sie wöchentlich per Luftfracht importiert werden, das lĂ€uft aber auch noch nicht ganz rund. Etwas spĂ€ter können wir BĂŒcher dann auch direkt bei UK- und US-Verlagen ordern, nicht auf Rechnung, aber immerhin per Kreditkarte.
Eine Weile bewerbe ich unseren zu diesem Zeitpunkt noch ziemlich einzigartigen Service, englischsprachige BĂŒcher zum umgerechneten Originalpreis zu beschaffen, mit FlugblĂ€ttern an der FU Berlin. Das zahlt sich allerdings nicht aus, denn die Uni-BĂŒcher, die daraufhin bei uns bestellt werden, sind schwer zu beschaffen und die Lieferzeiten oft in Monaten zu messen. Ich telefoniere viel mit Verlagen im Ausland. Die Bestellungen werden, soweit ich das zum Aufschreibezeitpunkt 2019 rekonstruieren kann, formlos handschriftlich verfasst und per Fax ĂŒbermittelt.
Ab 1998 kann man in Deutschland bei amazon.com englischsprachige BĂŒcher kaufen. Die BĂŒcher kosten den umgerechneten Originalpreis und nicht mehr das Doppelte. Jetzt geht alles ganz einfach.