permanent remote – mittendrin statt nur dabei
Der Virus Covid-19/Sars-CoV-2 – oder einfach Corona-Virus genannt – breitet sich gerade weltweit aus, viele Firmen scheinen ähnliche Maßnahmen dagegen zu treffen wie mein Arbeitgeber: Unter anderem gilt es, Reisen und persönliche Treffen mit Kunden oder Mitarbeitern anderer Standorte zu vermeiden, und stattdessen Video/Audio-Termine zu machen.
Vielleicht hilft ja das Folgende anderen, die nun auch in die Situation kommen, wirklich funktionierende Sprachkonferenzen etablieren zu müssen.
Ich arbeite in einem Team, das einen permanent auswärts arbeitenden Kollegen hat, dadurch haben wir relativ viel Erfahrung mit Audiokonferenztools – und eben nicht mal für ein Meeting, sondern über den ganzen Tag.
Aus diesem Grund machen wir auch keine Videokonferenzen, wir benötigen die Kommunikation nebenläufig, aber permanent.
Wir hatten auch schon Situationen, in denen das ganze Team remote gearbeitet hat. Wir sind dann interessanterweise effektiver. Woran das genau liegt, ist noch unklar, aber es spielt sicher auch eine Rolle, dass andere Kollegen im gleichen Büro nicht einfach an unseren Tisch treten können, sondern zumindest unseren Firmen-Chat (Slack) nutzen müssen oder auch gleich ein Ticket schreiben. In beiden Fällen scheint die Anfrage von vornherein etwas ausgegorener und wird nicht erst bei uns am Tisch mit uns entwickelt. Gleichzeitig stören wir uns auch gegenseitig weniger und sind aber trotzdem für eine Frage verfügbar – wir werden weniger unterbrochen und schaffen vielleicht dadurch mehr.
Im Alltag haben wir den remote arbeitenden Kollegen in einem permanenten Audiochat (und wenn noch jemand zusätzlich von woanders arbeitet, diesen eben auch).
Firmenweit haben wir für Meetings lange Hangouts benutzt, sind aber zu Zoom gewechselt, das auch ganz gut mit vielen Teilnehmern und Desktopfreigabe/Video funktioniert, aber mit unseren Lizenzen nur 45 Minuten am Stück durchhält.
Im Team haben wir uns von Slack (gut brauchbar, aber die einzelnen Lautstärken der anderen sind nicht individuell anpassbar) über Mumble (selbst betrieben, mit der besten automatischen Stimmaktivierung, aber dafür ist der Client nicht so stabil im Dauerbetrieb) zu Teamspeak (auch auf einem eigenen Server, stabilere Clients, aber nicht ganz so toll konfigurierbar wie Mumble) durchgearbeitet.
Wer nicht so darauf achten muss, wo seine Daten bleiben: Die mit Abstand beste Usability und am wenigsten Schmerzen beim Einrichten hat aktuell Discord.
Es ist schon interessant, dass unsere Favoriten alle aus der Gamer-Ecke und nicht aus der Enterprisekommunikation kommen :-)
Im Büro haben wir einen mobilen Konferenzlautsprecher auf dem Tisch liegen, den man per Kabel oder Bluetooth mit einem Rechner oder Handy koppeln kann. Hier gibt es große Qualitätsunterschiede von unbrauchbar über nervig im Dauerbetrieb bis zu einigermaßen gut – wir verwenden einen Jabra Speak 510 und sind zufrieden. Alle anderen in der gleichen Preisklasse (und darunter): Lieber Abstand halten, die taugen leider nix.
Durch die Stimm/Geräuschaktivierung bekommt man remotearbeitend weiter entfernte, leisere Geräusche im Raum meist nicht mit.
Der Remotemitarbeiter kann sich so auch in Gespräche einschalten, die (auch mit anderen) an unserem Tisch stattfinden und tut dies auch, was manchmal etwas creepy für Kollegen ist, die sich dessen erst in diesem Moment bewußt werden.
Der Konferenzlautsprecher ist mobil, so kann man diesen (und damit den Mitarbeiter) auch mal eben mit in ein anderes Meeting mitnehmen. Wir planen gerade, dafür ein dediziertes Gerät (z.B. ein abgelegtes Handy) zu nutzen, dann muss man nicht darüber nachdenken, was passiert, wenn man mit dem gerade gekoppelten Gerät z.B. Mittagessen geht.
Das beste Sprech/Hörerlebnis hätten wir, wenn alle am Tisch ein eigenes Headset mit Mikrofon nutzen würden. Das hätte aber zumindest bei Headsets für beide Ohren den Effekt, uns vor unseren Kollegen abzuschirmen – das wollen wir nicht. Einohrige Headsets (auch hier: Es lohnt sich ein Markenprodukt zu kaufen und nicht die ~25 Euro copycats, wenn man die den ganzen Tag tragen will) brauchen dagegen einiges an Hörerfahrung, damit man Raum- und Chatgeräusche ordnen kann, ohne dass es die Konzentration stört. Ich kann das durch jahrelange Übungen mit ständig brabbelnd spratzendem Funkverkehr im Hintergrund, aus dem sich das Gehirn noch das Relevante rauspicken muss, ganz gut und trage sehr gerne ein einohriges Headset, andere Kollegen können das nicht so gut, so kommen wir mit dem Jabra aber auch ganz gut klar.