Zdzislaw Beksinski
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Befangenheit
Veröffentlichte Selbstanalyse*
Immer wieder befällt mich dieses Gefühl. Ich arbeite an etwas, oft lese ich ein Buch und daneben steht ein Kaffee und auf einmal ist es da. Kein Wunder das es kommt! Mangelnde Erholung und drohende Faulheit halten sich die Waage. Wäre da nicht die Erschöpfung, welche das Phänomen erklärt, würde ich es eine Psychose nennen. Den ganzen Tag zu denken und Psychostimulanzien zu nutzen, ist höchstwahrscheinlich die Hauptursache. Ebenso verursachen wohl schwächende Späße, wie Wein und Essen, jenen läppischen Zweifel am Fleiß. Aber überdenkt mans‘ recht, ist es wohl eher der Mangel an qualitativem Schlaf. RedBull vor dem Schlafengehen, Koffein, Theacrin, Armodafinil und der ganze andere Scheiß, den der Schwarzmarkt bietet, machen das Bett nicht gerade effizienter. Zu spät esse ich kohlenhydratreiche Kost. Außerdem habe ich es bis heute nicht geschafft, das Bett zu einem heiligen Ort zu machen. Assoziiere ich mit dem Bett auch etwas Zwanghaftes, müsste der schlechte Schlaf dennoch nicht der alleinige Verursacher meiner Störung sein. Ich schlafe aus. Vor dem Schlafen nicht spazieren zu können, ist ein anderes Thema. Vieles sollte ich nicht machen, einiges jedoch würde ich nicht als Fehler erachten. Willentlich verzichte ich gern aufs Rauchen. Gelegentlich gestaltet es manche Stunden aus und hilft, den Moment schmackhaft zu machen. Nur was sind diese trübseligen Stunden? Ich traue meiner Faulheit nicht. Mit Fleisch lässt sich der schlafstörende Effekt von Koffein eindämmen. Ist es überhaupt möglich, nach drei Tagen Kaffee, noch jene Willenskraft und mentale Stabilität zu haben, wie am ersten Tag? Kaffee sperrt einen ein. Keine zwei Tassen braucht es und ich bewege mich höchstens einmal pro Tag. Weniger denken spart sicherlich auch Unmengen an Energie. Bei Kaffee hat man ja immer das Problem, nicht aufhören zu können. Man kommt nicht zur Ruhe, weil der Konsum die Psyche in einen außergewöhnlichen Zustand quetscht. Zurück zur Ruhe heißt bei Kaffee ungefähr dasselbe, wie das Behandeln einer geistigen Störung. Soll ich jetzt weniger von dem schwächenden Schrott essen? Es muss noch um Lust gehen. Zu langes Lesen scheint, vor dem Hintergrund exzessiven Denkens, das Es zu wecken. Und wie ist das mit jenen melancholischen Abendstunden? Gebe ich an solchen Tagen irgendwann unbemerkt auf? Man erlaubt sich keine Freiheit. Chronos geißelt einen, weil man sich lieber schließt (Monochronismus), als öffnet (Multifokus?). Unter dem Schafspelz der Vorfreude verstecken sich Erwartungen. Bevor man überhaupt den Tag erreicht, fleischen sich Frustrationen durch den Körper. Kaffee ist ein gefährliches Spiel. Bereits nach einem Tag (ohne Toleranz) wandelt sich der akademische Rausch in einen euphorischen Rausch. Das Es nutzt Negativität und Frustration, um eine weitere Euphorie zu locken. Kaffee hat aber eine Bedeutung für mich erlangt, welche untersagt, Kaffee im Rahmen der Erholung zu trinken. Ein Wechsel zu ebenso euphorisierenden Substanzen wird fällig. Jetzt gibt es kaum eine Substanz mit derartiger Euphorie, die weiteres Arbeiten begünstigt. Vorurteile begünstigen den destruktiven Effekt der Wahl. Besonders heimtückisch sind solche Drogen, die man nicht gleich erkennt, wie Bildschirme oder gewisse Gedankenschleifen. Im gleichen Moment, wo das Bewusstsein noch fleißig erwartet, giert das Unterbewusstsein danach, die Frustration, aufzugeben, hinter sich zu lassen, um im Wirkungsabsturz entscheidungsunfähig einen Fehler begehen zu können. Paranoid ließe sich hier interpretieren, das Koffein nutze die Depressivität des Augenblicks aus, um Aktivitäten des Es nachzugehen. Eher wahrscheinlich ist, dass wir es hier mit einer Nebenwirkung von einem Stimulanz zu tun haben. Nicht anders als bei einer psychedelischen Erfahrung, muss in solchen Fällen etwas aktiv getan werden – oder gelassen werden. Meine erste Idee hierzu wäre, sobald man das Tief bemerkt, weder zu entscheiden, noch, sich Herausforderungen vorzustellen. Das Gefühl von Gefangenheit in völliger Freiheit kann doch nur eins bedeuten, mir fehlt die Vorstellung einer Pause, in der ich nichts konsumiere, was die weitere Arbeit erschwert. Wäre ich mir treu und würde es mir wirklich leicht machen, so würde ich nicht so leichtfertig übersehen, wie meine kümmerliche Vorstellung von innehaltendem Spaß, Tag für Tag meine Tage ermordet.
*Die Selbstanalyse ist eine Technik, um sich gewisser Sachverhalte klarer zu werden. Der Erfolgsfaktor wirkt hier als Erkenntniskatapult. Ebenso kann man beobachten, dass der Aufatz tiefer wird, wenn er an bestimmte Personen adressiert ist. Ich entdeckte diese Methode, welche mich äußerst begeistert, als ich einen Brief schrieb. Immer wieder wiederholten sich meine Schriebe, ohne den Brief abzuschicken. Zum Schluss hatte ich eine optimale Selbstanalyse vor mir liegen. Verlor der Brief dadurch auch jeglichen Vektor zu kommunizieren, weiß ich jetzt um das psychodynamische Potential, Briefeschreiben derart auszunutzen. Um einen hingegen einen Brief zu schreiben - was mich etwas herausfordert -, bedarf es vermutlich, frei von der Leber weg zu reden. Mir liegt dieses Direkte aber nicht. Somit werde ich ständig vor die Wahl gestellt, zu kommunizieren oder sich selbst zu durchdenken. Es ist nicht wirklich einläuchtend, weshalb ich meist letzteres wähle, schließlich bedarf es beim Brief keinerlei Vorgaben und ich erlebe Spaß im Falschen. Dagegen ist eine Selbstanalyse eher ein unangenehmes Verfahren, weil es nie mit dem Geschriebenen zufrieden ist. So wie es aussieht, überwiegt mein altes Bedürfnis nach Perfektion die Sozialität. Andererseits sehe ich im Sozialen eine Verantwortung. Auf der einen Seite wäre ein Brief grundsätzlich attraktiv, auf der anderen Seite fehlt mir noch der locker flockige Stil, in meinen Späßen nicht zu übertreiben. Irgendwann schicke ich ohnehin Briefe ab. Beinhalten sie dann immernoch maßlose Übertreibungen und drohen, ins Selbstanalytische auszuarten, habe ich wenigstens den Brief verschickt. Danch können ja immer noch weitere Briefe folgen.










