Mit „der Transformation des Schweigens in Sprache und Handlung“ (Audre Lorde, 2015, S. 41) gehen auch einige Nachteile einher. Es ist ein Akt der Selbstentblößung, man ist angreifbar und man riskiert auch, dass die Rezepient*innen Gesagtes missverstehen und Missverständnisse aufkommen, wie auch Menschen, die einem die eigenen Worte im Munde verdrehen (Audre Lorde, 2015). Lorde beschreibt zudem ja auch, dass durch diesen „Akt der Selbstenthüllung“ eine innere Angst sich abzeichnet (ebd.). Die „Angst vor Verachtung, vor Zensur oder irgendwelchen Urteilen oder vor Erkenntnissen, Angst vor Herausforderung, Angst vor Vernichtung“ (Audre Lorde, 2015, S. 41), also kurzgesagt die Angst vor dem was Andere über einen denken, wenn man den Mund aufmacht, um zu seiner selbst zu stehen. Wenn man den Mund aufmacht, ist man auch plötzlich sichtbar und somit angreifbar (Audre Lorde, 2015). Doch bei ihr fängt ihre Sichtbarkeit schon deutlich früher an, dass sie eine schwarze Frau in einem Land, wo „rassistische Ungleichsverhältnisse- wenn sie unausgesprochen bleiben- zu einer anhaltenden Verzerrung der Perspektive führen“ (Audre Lorde, 2015, S. 41). Wie sehr beeinflussen uns dann also unsere äußeren Einflüsse, sodass man dazu neigt vielleicht eher nichts zu sagen, als sich gegen die allgemeine Meinung zu äußern? Die Menschen um uns herum formen doch unser Sein und wollen unser wahres Ich, aber aus Angst uns nicht dazuzugehören verbiegen sich einige. Wo bleibt dann deren Ich? Wird das nicht eher zu einem "andere wollen, dass ich so bin"? Menschen haben oft das Bedürfnis Konfrontationen und Diskussionen zu vermeiden. Dies ist genau das, was Audre Lorde vermitteln möchte, meiner Auffassung nach. Anderen zu gefallen und einer Meinung zu sein ist uns meist wichtiger, als für uns einzustehen. Solange es von der Gesellschaft akzeptiert wird, werden Meinungen und Ideen als positiv empfunden. Trotz dessen gibt es Menschen die ein „out-of-the-box“ denken haben, die unsere Entwicklung und Gedankengänge anregen, die ihre Meinung sagen und hinter dem stehen, was sie sagen.
So sieht auch Lorde, dass es wichtigere Vorteile gibt für die Transformation des Schweigens. Wie oben bereist erwähnt, scheint die Sichtbarkeit zwar Angriffsfläche zu bieten, aber die Poetin sieht darin auch eine Quelle der Kraft in ihr (Audre Lorde, 2015). Mit dem Wissen über seine eigene Angst kann man auch wissen, wogegen man ankämpfen muss, um sich zu überwinden. Man ist in der Position das auszusprechen, über das, was einem wichtig ist und dafür einzustehen. Die eigene Selbstbestimmung ausleben und nicht durch andere definiert zu werden (ebd.). Dabei kann man sich in eigenen Worten ausdrücken und den Anderen mitteilen, was auch zur Selbstbestimmung gehört. Es bietet die Möglichkeit mit anderen Menschen aus einer ähnlichen Situation oder Ähnliches eine Verbindung aufzubauen und sich zu verbünden. Den Kampf gegen Unrecht gemeinsam anzutreten (ebd.). Gleichgesinnte zu finden, um sich auch auszutauschen und das Wissen und Erlebnisse zu teilen, wie sich auch nicht alleine mit seinen Problemen zu fühlen. Ein wichtiger Aspekt nach Lorde ist es „Unterschiede zwischen uns zu überbrücken“ (Audre Lorde, 2015, S.44), diese Unterschiede laut zu machen und anderen zu zeigen, wie es ist eine Person zu sein, die nicht der Norm entspricht. Voneinander zu lernen und ein Verständnis für die andere Position zu entwickeln.