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500 Jahre Bauernkriege/ Widerstand gegen Landraub und Ausbeutung von 1525 bis heute
Florian Hurtig stellt im club w 71 in Weikersheim sein neues Buch vor.
500 Jahre Bauernkriege - nicht Bauernkrieg. Während im ablaufenden Jahr der Bauernkrieg meist als einzelnes historisches Ereignis in den Mittelpunkt gestellt oder teils auch folkloristisch gefeiert wurde, stellt ihn Florian Hurtig bei seiner Buchvorstellung am Wochenende im club w71 in einen größeren Zusammenhang. Für ihn ist der Bauernkrieg von 1525 Teil einer Auseinandersetzung, die zeitlich und räumlich weit über ihn hinausreicht.
Den Abend stellte er unter die Überschrift „Ausbeutung und Widerstand auf beiden Seiten des Atlantiks“. Ausführlich ging Hurtig auf die Ereignisse 1525 in Deutschland ein: einerseits um aufzuzeigen, wogegen und wofür die Bauern kämpften, andererseits um ihre Gegenspieler, deren Motive und Verfahrensweise zu verdeutlichen. Dabei war es ihm wichtig, dass dieser Aufstand nicht in erster Linie als Hungerrevolte gegen das alte feudale System begriffen wird. Er sieht ihn eher als soziale Revolution gegen eine neue, sich zentralisierende Gesellschaftsstruktur zum Nachteil des gemeinsamen bäuerlichen Besitzes, der bäuerlichen Expertise und Autonomie im Umgang mit der von ihnen bearbeiteten „Mitwelt“ - mit Menschen, Tieren, Pflanzen, Boden. Sie war laut Hurtig auf Respekt und Erhalt der Grundlagen ausgerichtet. Konkret äußerte sich diese „neue Ordnung“ z.B. in der Enteignung der Allmenden (dem gemeinsam bewirtschafteten Land, oft auch Wälder), der Privatisierung von Fischerei und Jagdrechten, aber auch in einer Zentralisierung der Verwaltung, einer Vereinheitlichung der Rechtsnormen zum Nachteil der örtlichen Besonderheiten. Hurtig schildert die Motive und Verfahren der Obrigkeit bei der Brechung des Widerstandes und der Etablierung der neuen Ordnung: Methoden, die sich bei der Ausweitung von Handelskapitalismus (im kontinentalen Europa unter der Leitung der Fugger) und des Agrarkapitalismus (vor allem in England) über die Welt verbreiteten und an vielen Stellen zu vergleichbarer Gegenwehr führten. Am Beispiel der Kolonisierung Irlands durch die Engländer zeigt Hurtig, wie die Nutzung von Boden, Vieh und Mensch der maximalen schnellen Ausbeutung und den Gesetzen des „freien Marktes“ unterworfen wurde. Bauernland wird eingezäunte Schafweide für die Tuchindustrie, die Bauern werden zu Landarbeitern oder zu heimatlosen Armen, die die neuen Fabriken mit billiger Arbeitskraft versorgen. Die von ihrem Land vertriebenen irischen Bauern werden zu Tausenden als Schuldknechte nach Amerika verschifft und bilden dort die erste Generation von Sklaven, noch bevor diese aus Afrika kommen. Am Beispiel Englands zeigt Hurtig, dass die fortschrittlichen Schriften der Aufklärer wie Francis Bacon oder John Locke sich leicht als Rechtfertigung der neuen Herrschaftsformen lesen lassen, dass die scheinbar neutrale neue Wissenschaft von Beginn an bestimmten gesellschaftlichen Interessen diente.
Im letzten Teil seiner Darstellung springt Hurtig über eine kurze Darstellung der Kolonialisierung, die das Gesetz der gewaltsamen Ausbeutung über den Atlantik und in den Süden exportierte, in die NS-Zeit in Deutschland. Die dort entwickelten Raumpläne für den zu erobernden “Lebensraum im Osten“: große Flächen, Umsiedelungen, zentral diktierte Vorgaben, haben viele Bauern in der Flurbereinigung, der Dorferneuerung und der Eingemeindungspolitik der Nachkriegszeit wiedererkannt und sich entsprechend dagegen gewehrt. In seinem Ausblick auf die Zukunft schließlich empfahl Hurtig das Konzept der solidarischen Landwirtschaft – er selbst arbeitet als Gärtner in einer – als moderne Version des ursprünglich Bäuerlichen und Ort von Vielfalt, Austausch und Berücksichtigung alles Lebendigen.
In der anschließenden Debatte konnte man den Widerhall seiner Analyse erkennen: z.B. die Untergrabung der bäuerlichen Autonomie durch die Marktmacht von genau vier großen Handelsketten, die den Erzeugern die Preise diktieren; das Konzept „Wachsen oder Weichen“, das mit Bauersterben einerseits, hoher Verschuldung und Abhängigkeit von Kreditgebern andererseits einhergeht. Viele haben guten Grund, das als Verlust zu erleben, und man erkennt das auch an der oft erbitterten Gegenwehr der Bauern. Es ist aber offenbar unter den heute herrschenden Zwängen noch schwerer als früher, eine gemeinsame Position und eine tragfähige Vision für die Zukunft zu entwickeln – so wie das ja auf vielen anderen gesellschaftliche Feldern auch ist. Das Prinzip „Teile und Herrsche“ funktioniert nach wie vor.
(Pressemitteilung)
Übrigens: Die Lizenzen der Fotos auf diesem Blog sind schon immer Allmende bzw. Commons. Das bedeutet in diesem Fall: jeder darf sie nutzen, egal wie er möchte, solange die Quelle genannt wird...
...sagt
Schorle
"Solidarische Landwirtschaft: Glückliche Bauern ackern für glückliche Verbraucher......erfreulicherweise erkennen auch immer mehr Verbraucher, dass etwas schief läuft und sie über ihr Kaufverhalten Einfluss darauf haben, wie sich der Markt entwickelt. So ist eine Gegenbewegung entstanden, in der sich Bauern und Verbraucher zusammen tun, um nach eigenen Regeln zu spielen. Diese Spielregeln sind wieder wesentlich sozialer und ökologischer, berücksichtigen in ganz anderem Maße wieder das Tierwohl und lassen sich in einem Satz zusammenfassen: Bemühen um Nachhaltigkeit, sozial und ökologisch. Die Bewegung nennt sich „solidarische Landwirtschaft“ (SoLaWi)."
Die comp@s aus Chiapas sind unterwegs. Heute morgen im #lützi gestartet, ging es zur #solawi und danach noch zur fifty fifty nach #Düsseldorf. Gleich sind die noch bei uns im #V6 zu Gast! Die Vorbereitungen laufen schon - wenn es heute auch nur den Kuchen gibt, so ist doch klar, es geht um die ganze Bäckerei! #fauduesseldorf #faud (hier: FAUD-Lokal "V6") https://www.instagram.com/p/CUNLr9Uo6qf/?utm_medium=tumblr
210421

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210421 Neue Maschinen =)
201216