13. Juli 2019
Der Weg zum Zitat (in drei legalen und zwei nicht so legalen Schritten)Â
Ich möchte jemandem eine Stelle aus einem 2006 erschienenen deutschsprachigen kulturwissenschaftlichen Sachbuch zeigen, an die ich mich gestern im Gespräch nur so ungefähr erinnern konnte. Das Buch habe ich vor ein oder zwei Jahren gekauft, notgedrungen auf Papier, ein E-Book gibt es immer noch nicht. Die Papierausgabe habe ich, weil das Buch sehr gut ist, verliehen. Ich kann die Stelle jetzt also nicht kopieren, weil ich kein E-Book habe, und nicht abfotografieren, weil ich das Papierbuch auch nicht habe.
Kurz denke ich darĂĽber nach, das Papierbuch ein zweites Mal zu kaufen. Aber da ich es ja schon beim ersten Mal eigentlich nicht auf Papier besitzen wollte, habe ich dazu jetzt noch weniger Lust.
Ich suche bei Library Genesis nach dem Buch – nicht zum ersten Mal, aber es ist seit meinem letzten Versuch nicht aufgetaucht. Da es kein E-Book gibt, müsste irgendjemand das Buch einscannen und als PDF hochladen, und die Mühe hat sich bisher niemand gemacht.
Ich suche bei Amazon, ob ich die Stelle vielleicht via “Blick ins Buch” finden kann, manchmal geht das. Diesmal aber nicht, “Blick ins Buch” enthält nur das Inhaltsverzeichnis.
Ich suche bei Google Books nach dem Buch und entdecke dort, dass es eine Übersetzung ins Englische gibt, mit Vorschau. Die erste Seite der gesuchten Stelle kann ich vollständig lesen. Kopieren geht zwar aus Google Books nicht direkt, aber mit Hilfe eines Screen-OCR-Tools kopiere ich diese Seite in mehreren Einzelteilen. Leider fehlt die nächste Seite, und sie wäre wichtig.
Ich google nach dem Autor, dem Titel und filetype:pdf. Diese Suche führt tatsächlich zu einer kompletten PDF-Version der englischen Übersetzung auf einer Buch-Filesharingplattform, von der ich noch nie gehört habe.
Ich erwäge kurz, nur die paar relevanten Seiten rauszukopieren. Das ist mir dann aber zu mühsam. Stattdessen maile ich meinem Gesprächspartner den Link zum PDF und einen Hinweis, mit welchem Stichwort er via Volltextsuche zur gemeinten Stelle finden kann.
FĂĽr den deutschen Verlag oder den Autor ist das alles vielleicht irgendwie wĂĽnschenswert oder zumindest billiger als das Anbieten eines E-Books. Ich habe es aufgegeben, das verstehen zu wollen.
(Alina Smithee)















