Das Musik-Medienhaus in Celle sammelt vom 04.-29. Mai 2026, in Zusammenarbeit mit Peter Schnitzler aus Remscheid, der bereits viele Hilfslieferungen nach Sumy brachte, gebrauchte Musikinstrumente, die Kindern â vorrangig Kindern, deren Eltern getötet oder versehrt wurden - in Sumy (Ukraine) â der Celler Partnerstadt - zur VerfĂŒgung gestellt werden, damit diese im Rahmen von FreizeitaktivitĂ€ten Musik machen, bzw. ein Instrument erlernen können.
Gebrauchte, gut erhaltene Musikinstrumente (keine Klaviere oder Orgeln, sondern nur Klein-Instrumente (Blasinstrumente, Streichinstrumente, Gitarren, Schlagwerk, âŠ) können im Notenkeller in der Braunschweiger HeerstraĂe 7 in Celle wĂ€hrend der Ăffnungszeiten (Mo/Mi/Fr 10-18 Uhr) abgegeben werden.
Anya is live and ready to show you everything. Watch her strip, dance, and perform exclusive shows just for you. Interact in real-time and make your fantasies come true.
â Live Streamingâ Interactive Chatâ Private Showsâ HD Qualityâ Free Actions
Free to watch âą No registration required âą HD streaming
27.3.2026, Eröffnung der Ausstellung âBlick in die Sammlung I - Josef Madlener: Ungesehenesâ
Josef Madlener, Jesus VISION Josef, 1955
Immer wieder beschĂ€ftigen uns mit dem Werk von Josef Madlener. Es ist faszinierend und merkwĂŒrdig zugleich.
In dieser kleinen PrÀsentation möchten wir Arbeiten von Josef Madlener vorstellen, die entweder noch nie oder schon sehr lange Zeit nicht mehr öffentlich zugÀnglich waren.
Das GemĂ€lde Ziegen (1940) ist erst seit kurzem im Bestand der MEWO Kunsthalle. Es war schon lange im Besitz der Stadt Memmingen und wurde in den 1980er Jahren vom Stadtmuseum an das BĂŒrgerstift Memmingen ausgeliehen. Im vergangenen Jahr wurde es nun zurĂŒckgegeben und mit den anderen Madlener-Werken vereint.
Ziegen ist fĂŒr Josef Madlener ein ganz typisches Bild. Es zeigt eine Szene aus der bĂ€uerlichen Umgebung des KĂŒnstlers: Nutztiere in einer Blumenwiese vor dem Hintergrund der AllgĂ€uer Alpen. Vom sich ausbreitenden Krieg und den Auswirkungen der Diktatur ist hier ganz bewusst nichts zu spĂŒren.
Dabei sticht immer auch die QualitĂ€t der Malweise ins Auge. Die Farben werden nebeneinander mit feinen Strichen aufgetragen, das Fell der Ziegen setzt sich aus vielerlei Farben erst in einer optischen Mischung im Auge der Betrachter*innen zusammen und wirkt dann ganz natĂŒrlich.
Ganz andere Themen erschlieĂt sich Josef Madlener mit den Kreide- und Gouache-Zeichnungen aus den 1950er Jahren. Diese waren im Stadtmuseum verwahrt und wurden erst kĂŒrzlich, im Rahmen einer Sammlungsbereinigung, an die MEWO Kunsthalle ĂŒbergeben. Die Motive dieser Arbeiten entstammen nicht mehr der direkten Umgebung des KĂŒnstlers. Hier liegen seine Referenzen im alten Ăgypten, in den Geschichten des Mittelalters oder in der Religion â einige lieĂen sich heute auch als esoterisch lesen.
Josef Madlener (16.4.1881 in Amendingen â 17.12.1967 in Amendingen) studierte, nach einer Lehre als Dekorationsmaler in Memmingen, an der Kunstgewerbeschule und hernach an der Akademie der Bildenden KĂŒnste in MĂŒnchen. Mit vorwiegend lĂ€ndlichen und weihnachtlichen Motiven verzeichnete er als Maler schnell Erfolge und nahm an zahlreichen Ausstellungen teil. Schon frĂŒh beschĂ€ftigte er sich zudem mit Religion, Okkultismus und Parapsychologie.
Der Nachlass von Josef Madlener gehört zum Bestand der MEWO Kunsthalle, er wird hier kunsthistorisch bearbeitet und durch Ausstellungen wie auch Publikationen erschlossen.
Jetzt auch die Welt ĂŒber die #Auktion der Preziosen aus der Schachsammlung von Lothar Schmid.
#Schach #Schachgeschichte #Sammlung #Bamberg
Lothar Schmid war deutscher SchachgroĂmeister und Schiedsrichter bei einem legendĂ€ren Ost-West-Duell. Auch seine private Leidenschaft ist vom Brett nicht zu trennen. Und ĂŒber den berĂŒhmtesten Schachbetrug wusste er wohl alles.
Die Bodenseeperlen zitieren mich:
#Schach @chess group @archivistodon group #chessHistory #Sammlung #gamesHistory
Die Schachsammlung des deutschen GroĂmeisters Lothar Schmid wird im kommenden Monat bei Sothebyâs in London versteigert. Das berichtet The Guardian. Die Sammlung umfasst mehr als 50.000âŠ
Restaurierung eines Hauptwerkes von Friedrich Nerly
140 Jahre lang blieb Friedrich Nerlys âCampagnalandschaft mit Aqua Claudiaâ der Ăffentlichkeit verborgen â schwer beschĂ€digt, gerollt gelagert und kaum prĂ€sentierbar. Erst durch eine aufwendige Restaurierung mit auĂergewöhnlichen Methoden und ĂŒber 300 Arbeitsstunden konnte das frĂŒhe Hauptwerk gerettet werden. Der Restaurator Börries Brakebusch gibt Einblick in die konservatorischen Herausforderungen, die handwerkliche PrĂ€zision und die kunsthistorischen Erkenntnisse, die dieses lange vergessene GemĂ€lde wieder sichtbar gemacht haben.
Das GemĂ€lde âCampagnalandschaft mit Aqua Claudiaâ von Friedrich Nerly war spĂ€testens seit dem Tod des KĂŒnstlers 1878 der Ăffentlichkeit entzogen. Es befand sich seit 1953 im Depot der Kunsthalle Bremen. Sein Zustand erlaubte keine PrĂ€sentation des Bildes: Der ursprĂŒngliche Keilrahmen war nicht mehr vorhanden und das GemĂ€lde war vermutlich lĂ€ngere Zeit gerollt gelagert und auch so transportiert worden. Immerhin war es zu Nerlys Lebzeiten vielleicht schon von Rom nach Mailand gebracht worden. Mit Sicherheit fanden dann Transporte von Mailand nach Danzig, Leipzig, Weimar und Erfurt sowie spĂ€ter nach Bremen statt. Durch Druck auf die Rolle entstanden lange, von den BildrĂ€ndern einlaufende BrĂŒche im spröden Gewebe. DarĂŒber hinaus waren zahlreiche kleinere Risse und DurchstoĂungen vorhanden. Die rechte obere Bildecke war ganz abgetrennt.
Zustand des GemÀldes und erste Untersuchungen
Durch eine Spende der Galerie Neuse aus Bremen bestand nun nach 140 Jahren die Hoffnung, den Dornröschenschlaf des Bildes zu beenden.
FĂŒr mich stellte sich zunĂ€chst die Aufgabe das GemĂ€lde innerhalb des gegebenen Rahmens wieder in einen prĂ€sentablen Zustand zu versetzen. Da ich mich seit 20 Jahren intensiv mit der Restaurierung und Erforschung von LandschaftsgemĂ€lden des 19. Jahrhunderts befasse, war es besonders reizvoll ein unbekanntes frĂŒhes Hauptwerk Friedrich Nerlys zu bearbeiten. Dies betraf zuvorderst die restauratorische Problemstellung: Der BildtrĂ€ger wies Risse in einer GesamtlĂ€nge von circa 3,5 Metern auf. Der Spannrand an Ober- und Unterkante war zwar vorhanden, hatte aber ebenfalls gröĂere Fehlstellen. Die vorhandenen Firnisschichten* waren stark vergilbt und in gröĂeren Bereichen bereits im Zuge von FestigungsmaĂnahmen entfernt worden. DarĂŒber hinaus war die BildoberflĂ€che verschmutzt.
Vor der MaĂnahmenplanung stand aber die Dokumentation und technologische Untersuchung des Bestands, sowie Heranziehung der damals noch recht ĂŒberschaubaren und rein kunstgeschichtlichen Literatur zu Friedrich Nerly. Eine Sichtung zugehöriger Arbeiten im Bestand des Erfurter Angermuseums konnte dort zum damaligen Zeitpunkt nicht ermöglicht werden.
Restauratorische MaĂnahmen
Eine zunĂ€chst geplante Doublierung* des GemĂ€ldes, d.h. das Aufkleben auf einen neuen textilen BildtrĂ€ger, wĂ€re die ĂŒbliche und zugleich eine kostengĂŒnstige Methode gewesen, um einen derart beschĂ€digten BildtrĂ€ger zu konsolidieren. Wegen des groben und knotigen Originalgewebes, hĂ€tte diese Methode aber unweigerlich zu sichtbaren StrukturverĂ€nderungen gefĂŒhrt.
Wir entschieden uns deshalb fĂŒr eine Einzelfadenverklebung der Risse, um ein bestmögliches Ergebnis zu erreichen. Dies bedeutete einen Mehraufwand von ĂŒber 300 Arbeitsstunden.
Das Bild wurde zur Bearbeitung mit der BildflÀche nach unten mit Magneten auf einer speziell angefertigten Arbeitsplatte fixiert. Unter dem Mikroskop wurden dann die vorhandenen Fadenenden wieder mit Klebstoff verbunden, wobei vielfach neues Fadenmaterial eingesetzt werden musste.
Nach der Fadenverklebung wurde das Bild gewendet. Nun konnte der vergilbte Firnis abgenommen und die Fehlstellen in Grundier- und Farbschicht mit Grundiermasse aufgefĂŒllt werden. AnschlieĂend wurden die Kittungen* vorretuschiert.
Das Bild wurde nochmals gewendet. An den Kanten des Bildes wurden nun rĂŒckseitig vorgeleimte Leinwandstreifen aufgeklebt. Dies war nötig, um das GemĂ€lde wieder auf einen Rahmen aufspannen zu können. Da kein Keilrahmen mehr vorhanden war, musste auch ein neuer Spannrahmen angefertigt werden. Um ein möglichst schonendes und kontrolliertes Spannen des GemĂ€ldes zu ermöglichen, wurde ein Schraubspannrahmen angefertigt. Nach dem Aufspannen des GemĂ€ldes erfolgte der Auftrag eines neuen Firnisses und die abschlieĂende Retusche.
Die Restaurierung des GemĂ€ldes erstreckte sich ĂŒber ein Jahr und involvierte einschlieĂlich der hinzugezogenen externen Kollegen acht Restauratoren. Es freut mich besonders, dass das GemĂ€lde nicht nur nach so langer Zeit der Ăffentlichkeit zugĂ€nglich ist, sondern auch die im Rahmen der Restaurierung gewonnenen Forschungsergebnisse im Ausstellungskatalog vorgestellt werden können.
Artikel vom 13. MĂ€rz 2026.
Veranstaltungshinweise:
Am Sonntag, 15. MĂ€rz, 11:30 â 13 Uhr hĂ€lt Dr. Jens Köhler, John Cabot University (Rom), in der Kunsthalle Bremen einen Vortrag zum Thema: "Aqua Claudia â Neue archĂ€ologische Forschungen und Nerlys GemĂ€lde" Kosten (inkl. Ausstellungsbesuch): regulĂ€r 18,- âŹ, ermĂ€Ăigt 12,- âŹ, fĂŒr Mitglieder 6,- âŹ.
Am Sonntag, 29. MĂ€rz, 11:30 â 13 Uhr hĂ€lt Dr. Dorothee Hansen in der Kunsthalle Bremen einen Vortrag zum Thema: "Reise nach Italien! Auf den Spuren von Friedrich Nerly" Kosten (inkl. Ausstellungsbesuch): regulĂ€r 18,- âŹ, ermĂ€Ăigt 12,- âŹ, fĂŒr Mitglieder 6,- âŹ.
Ăber die Ausstellung âNatur und Antikeâ (14. MĂ€rz bis 5. Juli 2026):
Mindestens 150 Jahre lang war das GemĂ€lde âCampagnalandschaft mit Aqua Claudiaâ von Friedrich Nerly nicht öffentlich zu sehen. Seit 1954 befindet es sich im Besitz der Kunsthalle, doch bis vor kurzem war es nicht ausstellbar. Gut ein Jahr dauerte die Restaurierung mit eindrucksvollem Ergebnis: Ein vergessenes Hauptwerk des deutschen Malers Friedrich Nerly (1807â1878) kam ans Licht! Das GemĂ€lde zeigt die antike Wasserleitung Aqua Claudia vor den Toren Roms. Vom 14. MĂ€rz bis 5. Juli 2026 steht es im Mittelpunkt der Ausstellung âNatur und Antike. Der Romantiker Friedrich Nerly in Româ. Die Ausstellung nimmt Nerlys frĂŒhe Schaffensjahre in Rom von 1829 bis 1835 in den Fokus. https://www.kunsthalle-bremen.de/nerly
Katalog:
Zur Ausstellung âNatur und Antike. Der Romantiker Friedrich Nerly in Româ erscheint ein gleichnamiger Katalog mit zahlreichen Abbildungen und BeitrĂ€gen von Maria Aresin, Börries Brakebusch, Dorothee Hansen, Maren HĂŒppe, Jens Köhler und Dorothea Ritter. Der Katalog erscheint im Hirmer Verlag. Im Museumsshop der Kunsthalle kostet der Katalog 39,90 âŹ; im Buchhandel kostet er 50,00 Euro. ISBN 978-3-7774-4659-2
Abbildungen:
1.: âCampagnalandschaft mit Aqua Claudiaâ von Friedrich Nerly, Vorzustand (link)Â und Endergebnis (rechts)
2.: Die Restauratorinnen Astrid Roth und Melanie Marx bei der Vorretusche (links) und Detailaufnahme des Bildes nach Kittung der Fehlstellen (rechts, oben) und nach der Retusche (rechts, unten)
3.: Restauratorin Astrid Roth bei der Fadenverklebung (links) und Mikroskopaufnahme vor und nach der Fadenverklebung (rechts)
4.: Detail wĂ€hrend der FirnisabnahmeÂ
5.: Friedrich Nerly, Campagnalandschaft mit Aqua Claudia, 1836, Ăl auf Leinwand, 124 x 148,5 cm Kunsthalle Bremen â Der Kunstverein in Bremen
*Legende:
Firnisschicht: Transparente Beschichtung
Kittung: Modellierte FĂŒllung
Doublierung: Aufziehen auf ein zweites TrÀgergewebe
Anya is live and ready to show you everything. Watch her strip, dance, and perform exclusive shows just for you. Interact in real-time and make your fantasies come true.
â Live Streamingâ Interactive Chatâ Private Showsâ HD Qualityâ Free Actions
Free to watch âą No registration required âą HD streaming
Die Aqua Claudia ist ein Meilenstein der Wasserbautechnik und zĂ€hlt zu den beeindruckendsten Bauwerken der römischen Antike. Bereits zeitgenössische Autoren hoben die technische Innovation und die exzellente WasserqualitĂ€t hervor. Der Romantiker Friedrich Nerly setzte die Ruinen des AquĂ€dukts als einer der ersten in einem groĂformatigen GemĂ€lde in Szene. Eine neue Ausstellung und ein Vortrag widmen sich diesem Bauwerk.
Vom Bau bis zur Inbetriebnahme des AquĂ€dukts Aqua Claudia dauert es vermutlich 6 Jahre: Unter Kaiser Claudius wurde die Wasserleitung 52 n. Chr. feierlich eingeweiht. Sie transportierte groĂe Mengen sauberen Wassers aus Quellen bei Subiaco ĂŒber etwa 69 Kilometer bis nach Rom.
Besonders innovativ war dabei die hohe, oberirdisch auf mĂ€chtigen Bogenreihen gefĂŒhrte Trasse, die alle Stadtteile Roms versorgen konnte. Etwa 25 % der Aqua Claudia wurden auf Bögen und BrĂŒcken errichtet. âVerglichen mit den ĂŒberwiegend unterirdisch verlaufenden Ă€lteren AquĂ€dukten war dies ein sehr anspruchsvolles Projekt und eine bahnbrechende technische Leistung. Neben dem Transport groĂer Wassermengen ist der hochgelegene Wasserspiegel zu nennen, der es erlaubte, alle Stadtteile Roms zu erreichen.â schreibt Jens Köhler im aktuellen Nerly-Katalog. Die Baukosten mĂŒssen immens gewesen sein: Eine Quelle nennt 350 Millionen Sesterzen. Der Sesterz war die StandardmĂŒnze im römischen Reich.
ArchĂ€ologisch betrachtet war die Aqua Claudia ein technisches Meisterwerk: Das AquĂ€dukt wurde aus lokalen Peperin- und Tuffsteinen gebaut, die prĂ€zise geschnitten und ohne Mörtel gesetzt wurden. Die Bogenreihen trugen den wasserfĂŒhrenden Kanal, der wasserfest verputzt und abgedeckt war, um den sauberen Wassertransport zu sichern. âEs ist erstaunlich, wie bei einer angenommenen Bauzeit von nur etwa sechs Jahren die langen, hoch aufragenden Bogenreihen der Aqua Claudia errichtet werden konnten, also jener Abschnitt entlang der letzten sieben Meilen vor der Stadt, der auf einem Mauersockel und als Arkaden konstruiert wurde. Frontinus nennt eine Höhe von bis zu 36,8 Metern.â schreibt Jens Köhler weiter. [Anm.: Frontinus war römischer Wasserbauinspektor]Allerdings war kontinuierliche Wartung nötig, um Kalkablagerungen zu entfernen und illegale Entnahmen zu unterbinden. Wiederholten Erdbeben und kriegerischen Angriffen hielt die Leitung weitgehend stand.
Im Mittelalter verfiel die Bedeutung der Wasserleitung schlieĂlich derartig, dass sie vermutlich zu Beginn des 12. Jahrhunderts nach Christus aufgegeben werden musste. Doch die eindrucksvollen Ruinen prĂ€gten weiterhin das Bild der römischen Campagna rund um Rom. Ab dem 16. Jahrhundert begann die wissenschaftliche BeschĂ€ftigung mit diesen Bauwerken, und im 19. Jahrhundert rĂŒckten sie zudem in den Blick der Landschaftsmalerei. Besonders Friedrich Nerly setzte die majestĂ€tischen Bogenreihen der Aqua Claudia als einer der Ersten als zentrales Motiv in Szene. Sein GemĂ€lde âCampagnalandschaft mit Aqua Claudiaâ und vorbereitende Zeichnungen sind kulturhistorisch bedeutende Dokumente:âSie sind historische Zeugnisse, die die Situation vor nunmehr fast zweihundert Jahren festhalten, also in der ersten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts, bevor Rom ĂŒber die antiken Aurelianischen Stadtmauern hinauswucherte.â schreibt Jens Köhler.
Nerlys Darstellungen spiegeln viele technische Details wider und belegen seine genaue Kenntnis der baulichen Substanz â von den Pfeiler- und Bogenkonstruktionen bis zu den sichtbaren Spuren antiker Reparaturen. Zugleich integrierte Nerly landschaftliche und kulturelle Elemente: Ruinen antiker Grabbauten, ein damals existierendes Mosaik am AquĂ€dukt und sogar einen Bach, der lĂ€ngst abgeleitet wurde. Seine realitĂ€tsnahe, dokumentarische Herangehensweise macht seine Arbeiten zu wichtigen Quellen fĂŒr den Zustand der Aqua Claudia vor der spĂ€teren Bebauung und VerĂ€nderungen im Umland (z. B. Eisenbahnbau 1890 und Wohnblocks nach 1950).
Veranstaltungshinweis:
Am Sonntag, 15. MĂ€rz, 11:30 â 13 Uhr hĂ€lt Dr. Jens Köhler (John Cabot University, Rom) in der Kunsthalle Bremen einen Vortrag zum Thema: âAqua Claudia â Neue ArchĂ€ologische Forschungen und Nerlys GemĂ€ldeâ. Kosten (inkl. Ausstellungsbesuch): regulĂ€r 18,- âŹ, ermĂ€Ăigt 12,- âŹ, fĂŒr Mitglieder 6,- âŹ.
Ăber die Ausstellung âNatur und Antikeâ (14. MĂ€rz bis 5. Juli 2026):
Mindestens 150 Jahre lang war das GemĂ€lde âCampagnalandschaft mit Aqua Claudiaâ von Friedrich Nerly nicht öffentlich zu sehen. Seit 1954 befindet es sich im Besitz der Kunsthalle, doch bis vor kurzem war es nicht ausstellbar. Gut ein Jahr dauerte die Restaurierung mit eindrucksvollem Ergebnis: Ein vergessenes Hauptwerk des deutschen Malers Friedrich Nerly (1807â1878) kam ans Licht! Das GemĂ€lde zeigt die antike Wasserleitung Aqua Claudia vor den Toren Roms. Vom 14. MĂ€rz bis 5. Juli 2026 steht es im Mittelpunkt der Ausstellung âNatur und Antike. Der Romantiker Friedrich Nerly in Româ. Die Ausstellung nimmt Nerlys frĂŒhe Schaffensjahre in Rom von 1829 bis 1835 in den Fokus. https://www.kunsthalle-bremen.de/nerly
Katalog: Zur Ausstellung âNatur und Antike. Der Romantiker Friedrich Nerly in Româ erscheint ein gleichnamiger Katalog mit zahlreichen Abbildungen und BeitrĂ€gen von Maria Aresin, Börries Brakebusch, Dorothee Hansen, Maren HĂŒppe, Jens Köhler und Dorothea Ritter. Der Katalog erscheint im Hirmer Verlag. Im Museumsshop der Kunsthalle kostet der Katalog 39,90 âŹ; im Buchhandel kostet er 50,00 Euro.
ISBN 978-3-7774-4659-2
Abbildungen: Die Arkaden der Aqua Claudia am Quadraro in Rom, die Friedrich Nerly gemalt hat, hier von SĂŒden aus gesehen, Fotografie von 2025 | Ein Pfeiler am Quadraro, unten einige Lagen aus rötlichen Tuffsteinen, darĂŒber die Lagen aus grauem Peperin, Fotografie von 2025 | Die Bögen tragen den Kanal (specus) der Aqua Claudia und darĂŒber den des Anio Novus, Fotografie von 2025 | Friedrich Nerly, Campagnalandschaft mit Aqua Claudia, 1836, Ăl auf Leinwand, 124 x 148,5 cm, Kunsthalle Bremen â Der Kunstverein in Bremen Friedrich Nerly, AquĂ€dukt des Claudius mit Blick auf den Monte Cavo, um 1833, Bleistift, Pinsel in Braun, 39,6 x 55,8 cm, Angermuseum Erfurt, Foto: Stadtverwaltung Erfurt, Dirk Urban
Chiaroscuro-Holzschnitte sind eine besondere Form des Holzschnitts, bei dem Farben zum Einsatz kommen. Die Sammlung des Kupferstichkabinetts der Kunsthalle Bremen umfasst heute etwa 250 Chiaroscuro-Holzschnitte. Die Bremer Werke werden derzeit von einer Gruppe internationaler Expert*innen u.a. von der University of London, der Johns Hopkins University in Baltimore und der Bibliotheca Hertziana in Rom erforscht.
In der Druckgraphik sind die meisten Werke vor allem eins: klein und Schwarz-WeiĂ. Nicht so bei den sogenannten Chiaroscuro-Holzschnitten. Das aus dem Italienischen kommende, zusammengesetzte Wort Chiaro (dt. = Hell) und Scuro (dt. = dunkel) bezeichnet eine besondere Form des Holzschnitts von mehreren ĂŒbereinander gedruckten Holzstöcken, bei dem besonders Farben zum Einsatz kommen. Diese komplexe Technik wurde um 1500 entwickelt.Â
Anders als beim einfachen Holzschnitt erlaubt der Chiaroscuro-Holzschnitt den Einsatz von zwei oder mehreren Farben in einem Werk. Diese werden von mehreren Holzstöcken nach- und ĂŒbereinander gedruckt. Dabei entsteht ein Motiv, das sich aus vielen Ebenen und Farben zusammensetzt und dabei eine gröĂere Tiefenwirkung ermöglicht. Gedruckt wird von zwei Arten von Holzstöcken: sogenannten Tonblöcken, welche die gröĂeren farbigen FlĂ€chen umfassen, und Strichblöcken, die die Umrisse der Figuren abbilden.
Es handelt sich dabei um ein recht raffiniertes Verfahren der Verschachtelung aller Bildelemente und FlĂ€chen, bei dem die KĂŒnstler bereits zu Beginn des Schneidens ihrer Holzstöcke antizipieren mĂŒssen, wie diese zeitlich nacheinander und rĂ€umlich ĂŒbereinander gedruckt ein sich ergĂ€nzendes und miteinander verschrĂ€nktes Bildganzes ergeben. Sobald die Holzstöcke fertig geschnitten sind, kann man mit diesen mehrere Farbvarianten desselben Motivs in hohen Auflagen drucken.
Dieses groĂe Konvolut wird derzeit von einer Gruppe internationaler Expert*innen im Bereich des Chiaroscuro-Holzschnitts intensiv erforscht. KĂŒrzlich kamen die Kunsthistoriker*innen zu diesem Zwecke in der Kunsthalle Bremen zu einem gemeinsamen Workshop zusammen, der als Teil eines gröĂeren Forschungs- und Katalogisierungsprojekts durch die Ernst von Siemens Kunststiftung gefördert wurde.
Gemeinsam ging man an zwei Tagen der Frage nach den neuen AnsĂ€tzen in der Erforschung der Technik des Chiaroscuro-Holzschnitts nach. Die historische Entwicklung des Chiaroscuro-Holzschnitts im 16. Jahrhundert wurde bereits ausfĂŒhrlich analysiert. Aber fĂŒr den Bereich der Zuschreibung mancher Werke verbleiben noch offene Fragen, die nur durch die genauere Betrachtung und mögliche wissenschaftliche Analyse (etwa der verwendeten Papiere und Druckfarben) gelöst werden können. Die Diskussion der Originale im Alten Studiensaal der Kunsthalle bot die einmalige Möglichkeit bestehende Theorien durch den geĂŒbten Blick der Expert*innen auf den PrĂŒfstand zu stellen.
Auch Melchior Hermann Segelken (1814 â1885) wurde diskutiert und mit seinem beinahe zu Ă€hnlichem Counterpart in Boston, Sylvester Rosa Koehler (1837â1900), verglichen. Hieraus ergaben sich zahlreiche Parallelen zwischen den Sammlungen in Boston und Bremen und der Geschichte ihrer jeweiligen Entstehung.
Unter den Teilnehmenden waren Kuratoren sowie Wissenschaftler*innen bedeutender Museen und Institution, darunter das Art Institute Chicago, das Museum of Fine Arts Boston, die National Galleries of Scotland, die Bibliotheca Hertziana in Rom, der Kunsthandlung C.G. Boerner New York, der University of London und der Johns Hopkins University.
Abbildungen:
Eine Gruppe internationaler Wissenschaftler*innen diskutiert die Chiaroscuro-Holzschnitte im Kupferstichkabinett der Kunsthalle (Foto: Dr. Maria Aresin)
Antonio da Trento, nach Parmigianino, MĂ€nnlicher Akt vom RĂŒcken gesehen (Narziss), um 1527â30, Chiaroscuro-Holzschnitt von zwei Stöcken (Farbvarianten grĂŒn, orange, olive-braun), Kunsthalle Bremen â Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett, Inv. Nrn.: 1936/523, 34178, 25531
Bernard Wiegand, Posthumes Bildnis des Dr. med. Melchior Hermann Segelken, 1891, Ăl auf Leinwand, Kunsthalle Bremen â Der Kunstverein in Bremen, Inv.Nr. 153-1891
Wenn Kunst Geschichten erzĂ€hlt â Serien der Griffelkunst
Serien eröffnen in der Kunst neue Wege des ErzÀhlens. Die Ausstellung Flirt und Fantasie. Griffelkunst von Max Klinger bis Peter Doig (bis 1. MÀrz 2026) zeigt frei fabulierende Bildsequenzen. Es geht um ErzÀhlungen mit losen Enden, um Traum, Vision und Verwandlung - kurzum geht es um Bilder, die unsere Fantasie auf Reisen schicken. Anhand von vier Werken aus der Griffelkunst zeigen wir, wie unterschiedlich sich das serielle Denken entfalten kann.
Max Klinger - Ein Handschuh, Opus VI (1881)
Max Klinger hatte sich Ende 1877 unglĂŒcklich in die Tochter eines Diplomaten verliebt. Seine Folge mit dem Titel Ein Handschuh zeigt in den ersten beiden BlĂ€ttern jeweils eine ganz diesseitige Szene auf einer Berliner Rollschuhbahn. Die Dame verliert ihren Handschuh, ein Herr â Klinger selbst â greift danach. Dann gehen reale Welt und surreale Visionen ineinander ĂŒber. Der Handschuh wird zu einem Fetisch, der die AbgrĂŒnde und HöhenflĂŒge der Liebe erfĂ€hrt.
Auf einem spĂ€teren Blatt sitz der Herr im Bett â in einer Landschaft, ĂŒbermannt von Sehnsucht und Trauer. Der Handschuh liegt im Gras, in der Ferne ist eine winzige Figur zu sehen. Dann gerĂ€t der Handschuh in Seenot, wiedergeboren in einer Muschel gleitet er als Triumphator mit zwei Wasserpferden durch die aufgewĂŒhlte See. In den volutenförmigen Wellen versteckt sich ein drachenĂ€hnliches Wesen. In der nĂ€chsten Episode wird dem Handschuh von rosenĂŒbersĂ€ten Wellen gehuldigt, schlieĂlich wĂ€chst er zu bedrohlicher GröĂe heran. Diffuse Ăngste regieren. Der Herr liegt von AlbtrĂ€umen ergriffen im Bett. In dunkler Nacht erscheint ihm der Handschuh riesenhaft. Fluten spĂŒlen unheimliche Gestalten heran.
Dann plötzlich: Ruhe! Der Handschuh liegt schlaff auf einem filigranen Tischchen; unter dem Handschuhvorhang im Hintergrund lugt auf dem achten Blatt wieder ein Drachenwesen hervor. Dann wird der Handschuh von einer Art Flugsaurier durch die nachtdunklen LĂŒfte entfĂŒhrt.
Am Ende der irrwitzigen Geschichte tritt Amor auf den Plan. Mit abgelegten Waffen und dem Handschuh sitzt er ernĂŒchtert unter einem Rosenbusch.
Max Klinger, Handlung, 1881, Blatt 2 | Blatt 4 der Folge: Ein Handschuh, Opus VI, Radierung, Kunsthalle Bremen â Der Kunstverein in Bremen
Anna Haifisch - New Mexico (2023)
Anna Haifischs cooler Wildwest-Guide entfĂŒhrt uns auf einen bizarren Roadtrip durch New Mexico. Auf eine Reise, bei der nichts normal, aber alles möglich scheint. In der Kleinstadt Socorro sehen wir eine surreale Eisfabrik, im Dörfchen Jemez Springs werfen wir einen Blick in das örtliche GefĂ€ngnis und in Alamogordo ist die weltgröĂte Pistazie zu bestaunen. Weiter geht es dorthin, wo J. Robert Oppenheimer die Atombombe erfand und in Santa Fe greift unsere eigenwillige Reiseleitung selbst zum Pinsel: Es wird plein air gemalt, doch das Publikum bleibt skeptisch â womit die Reise zu Anna Haifischs wichtigstem Thema fĂŒhrt: Dem Dasein von KĂŒnstler*innen zwischen Selbstzweifel, Scheitern und groĂem Stil.
Wenzel Hablik - Das Meer und Schaffende KrÀfte (1901, 1912, 1915)
Bilder der flieĂenden Welt â die Ăbersetzung des japanischen Begriffes Ukiyo-e scheint Wenzel Hablik wörtlich genommen zu haben. Es ist, als sei die Welt aus flĂŒssigem Glas, das langsam erstarrt. Auf Blatt 14 der Serie Schaffende KrĂ€fte blicken skurril auf einem Ast gereihte Reiher in eine Landschaft, die gerade unter ihnen entsteht. Doch alles scheint im Schöpfungsprozess zum Erliegen gekommen; die Welt ist imperfekt.
In dem Zyklus Das Meer gleicht der bildfĂŒllende Baum einem Springbrunnen. Die Nackten, die auf seinen Wurzeln sitzen, scheinen in einem Jungbrunnen zu baden. Dieses HineintrĂ€umen in eine andere Welt, die es nicht gibt, teilt Hablik mit Max Klinger, den er sehr schĂ€tzte. WĂ€hrend bei Klinger wie zum Beispiel in seiner Folge Ein Handschuh oft das AbgrĂŒndige des Albtraums dominiert, spielt Hablik mit seinen Radierungen freudvoll das Unmögliche durch.
Wenzel Hablik, An der Adria, 1915, Aus der Serie Das Meer, Radierung, Kunsthalle Bremen â Der Kunstverein in Bremen, Edition fĂŒr die griffelkunst 1980
Yves Netzhammer - Stalaktitelektrolyten (2010)
Stalaktitelektrolyten wachsen in einer Welt, in der alles logisch und zugleich unerklÀrlich ist. In sechs Szenen zeigt uns der Schweizer
KĂŒnstler Yves Netzhammer, wie diese Welt funktioniert. TĂŒren fĂŒhren in GebĂ€ude hinein und gleichzeitig zum Fenster hinaus. Harte
BacksteinwĂ€nde verwandeln sich in wachsweiche Tropfen. Alles ist in Bewegung: Dinge werden emporgezogen, verschnĂŒrt, aufgelöst und an Ketten durch WĂ€nde gezogen â mechanisch, prĂ€zise, emotionslos. BloĂ das Ziel bleibt ein RĂ€tsel.
Netzhammers kĂŒhle, schematische Darstellungen wirken wie einzelne Seiten eines Handbuchs, dessen Sinn uns verschlossen
bleibt. Könnten wir es lesen, wĂŒrden wir vielleicht herausfinden, wer die Strippen zieht â und was Stalaktitelektrolyten eigentlich sind.
Weitere Informationen zur Ausstellung "Flirt und Fantasie. Griffelkunst von Max Klinger bis Peter Doig" (12. November 2025 bis 1. MĂ€rz 2026) findest du hier.