Wir haben alle erkannt, dass GlĂŒck kein Privileg ist, sondern unser Recht.
Deprepa: Dein Kopf lĂŒgt von Larissa BraunÂ

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Deprepa: Dein Kopf lĂŒgt von Larissa BraunÂ

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Das Privileg
  Ich bin privilegiert!
 Und ich weià nicht, warum gerade ich in eine so friedliche Zeit hineingeboren wurde, zehn Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs, in den sich langsam entwickelnden Sozialismus.
Ich kannte zwar noch die Lebensmittelmarken, aber keinen Hunger.
DafĂŒr bin ich sehr dankbar!
HÀtte ja auch anders kommen können.
 Ich wĂ€re zum Beispiel vor dem SĂ€belzahntiger weggerannt, auf einen Baum geklettert und irgendwann doch vor SchwĂ€che abgestĂŒrzt. Der Tiger hĂ€tte sich mit etwas GlĂŒck einen anderen geschnappt, aber dann wĂ€re ich vielleicht von einer Steinschleuder getroffen worden und ein hĂ€sslicher, zahnloser Neandertaler hĂ€tte mich an meinen filzigen Haaren in seine rauchgeschwĂ€ngerte Höhle geschleift, wo ich Tag und Nacht das Feuer gehĂŒtet hĂ€tte.
Schrecklich! Eisige Winter, immer hungrig und dicht gedrÀngt in langen NÀchten mit vielen anderen unter einem wenig gut riechenden Mammutfell liegen- vielleicht ganz am Rand, wo es permanent zieht.
 Oder ich wĂ€re im römischen Reich auf die Welt gekommen, als Sklavin. LeichtgeschĂŒrzt hĂ€tte ich die schweren TonkrĂŒge mit Wein zum verfetteten Herrscher geschleppt und niemals die Chance gehabt, eine eigene Familie zu grĂŒnden.  Wennâs ganz schlimm gekommen wĂ€re, hĂ€tte man mich weiter verkauft, als Feldsklavin oder als Dummy fĂŒr die Gladiatoren.
Was fĂŒr ein GlĂŒck, ich bin privilegiert!
 Nicht auszudenken, wenn ich im Mittelalter geboren worden wÀre!
So wie ich die Sache einschĂ€tze, wĂ€re mir mein Interesse an KrĂ€utern (zum Zwecke des Kochens oder wegen fiebertreibenden LindenblĂŒten) zum VerhĂ€ngnis geworden oder weil ich gern in HĂ€nden lese.
Mit groĂer Wahrscheinlichkeit hĂ€tte man mich zuerst etwas gefoltert und die BĂŒttel der Kirche hĂ€tten permanent gefragt, warum ichâs mit dem Satan treibe.
Dabei wÀre es in Wirklichkeit gar nicht der Teufel gewesen, sondern der schmucke Pferdeknecht des Ritters oder gar der Burgvogt selbst, der mich meiner blonden Haare wegen vergötterte.
Und dann hĂ€tte man mir unter den gierigen Blicke der Inquisitoren erst mal die Daumen zerquetscht und die FĂŒĂe im spanischen Stiefel zermatscht und zum Schluss wĂ€re ich mit kahlem Kopf und in einem wenig kleidsamen BĂŒĂerhemd auf einem Scheiterhaufen gnadenlos verfeuert worden.
GlĂŒck gehabt!
 Ziemlich ĂŒbel hĂ€tte es mich auch im DreiĂigjĂ€hrigen Krieg treffen können, oder in der kleinen Eiszeit, als gar nichts mehr auf den Feldern wuchs und sich alle um die letzte erfrorene RĂŒbe prĂŒgelten. Ich wĂ€re klaglos verhungert!
 Im aufkeimenden Kapitalismus hĂ€tte ich mich auch nicht wohl gefĂŒhlt. Nach zehn Stunden am Webstuhl wĂ€re ich in ein ĂŒbel riechendes, feuchtes Zimmer gewankt und hĂ€tte versucht, meinen zwei rachitischen Kindern aus Wasser und muffigem Mehl eine Suppe zu kochen. Und mit fĂŒnfundvierzig wĂ€re ich nach vielen Jahren unentwegten Hustens an TBC verreckt.
Was habe ich fĂŒrân GlĂŒck, dass ich nicht in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts geboren wurde und wegen Widerstands gegen den Nationalsozialismus und unangepasster Reden gegen den FĂŒhrer mit einem Berufsverbot belegt worden wĂ€re. Standrechtliches ErschieĂen hĂ€tte ich allerdings einem ungemĂŒtlichen Aufenthalt als politische Gefangene in einem der zahlreichen Konzentrationslager vorgezogen.
Vielleicht wĂ€re in dieser Zeit meine Entwicklung auch ganz anders verlaufen, weil ich mich in einen schneidigen UniformtrĂ€ger verliebt, das Mutterverdienstkreuz bekommen und schlieĂlich die Nachricht vom Tode meines Feldmarschalls vor Stalingrad erhalten hĂ€tte.
Dann wĂ€re ich nach der Kapitulation vielleicht von den Befreiern vergewaltigt worden. Meine Kinder hĂ€tte ich verwirrt noch wochenlang unter TrĂŒmmern Dresdens gesucht und mich schlieĂlich hoch traumatisiert im Februar 1946 vom Blauen Wunder in Dresden in die Fluten der eiskalten Elbe gestĂŒrzt.
 So ein GlĂŒck auch, dass alles anders kam und ich 1955 in die Welt schlĂŒpfte!
Mein Kindergarten war einfach erste Sahne! Es gab Buchteln mit VanillesoĂe und wir alle sangen Kinderlieder - den lieben, langen Tag. Und zu Weihnachten 1961, nach nur vier Monaten in der Schule konnte ich flieĂend lesen.
Ich war privilegiert, weil ich obwohl ich als âIntelligenz-Kindâ bezeichnet wurde, das Abitur machen und studieren durfte. Mein Beruf war toll und ich konnte ein sicheres, behĂŒtetes Leben fĂŒhren.
Obwohl es da zwischenzeitlich einen kalten Krieg gegeben hat, der - wem auch immer sei Dank- nicht eskalierte, genoss ich meinen inneren, stillen Frieden.
 Aber nun treibt es mich um, wenn ich sehe, wie rasant schnell sich die Zeiten Àndern und wie zerbrechlich dieser Frieden ist.
Und ich sehe mich auf dem Baum sitzen und den SĂ€belzahntiger darunter.
Ich ahne, wie am Horizont ein Feuer aufsteigt und Pferde mit geharnischten Rittern vor sich hertreibt.
Mein Webstuhl ist zerbrochen, das Mutterverdienstkreuz verrostet.
Die von meinem Geld bezahlt werden, damit sie Land und Volk vertreten, sehe ich heimlich von Dannen ziehen.
Sie lösen sich im Nebel der Geschichte auf.
Und ich finde mich plötzlich allein inmitten von Millionen Menschen wieder, deren Sprache ich nicht verstehe.
Die lassen mich spĂŒren, dass ihnen meine Lebensweise missfĂ€llt. Und doch fordern sie mich rĂŒde auf, dass ich ihnen und ihrer Sippe hier Aufenthalt gewĂ€hren und sie finanzieren soll.
Und spĂ€ter soll ich ihnen gar mein Haus und schlieĂlich mein Land ĂŒberlassen!
 Deshalb steige ich runter von meinem Baum und repariere die Steinschleuder!
Ich glaube, ich habe nun das Privileg, denen die mir meinen langen Frieden streitig machen wollen mitzuteilen, daĂ ich diesen nicht so ohne Weiteres hergeben will.
 Und der Inquisition trete ich verbal in den Arsch!
   2016
âIn einer Welt, in der jeder eine Maske trĂ€gt, ist es ein Privileg, eine Seele zu sehen.â
Nutzt euer WahlRECHT. Denn es ist ein Privileg. Nicht jeder kann so frei wĂ€hlen, wie wir hier. Egal, was Mami, Papi oder Oma sagen, deine Stimme gehört nur dir & sie wird sich auswirken. Verwende sie nicht unbedacht.Â
Ist es nicht wunderbar an diesem Tag zu sein? Es ist ein Privileg, erachte es nicht als klein.
Apfelkerns Welt (Original: Samuel Harfst âDas Privileg zu seinâ)

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Diesen Weg hier zu gehen ist ein Privileg.
Casper, Song: Lern laufen
Die Krönung der Schöpfung
Die Krönung der Schöpfung
Der festen Ăberzeugung zu sein, dass sie das Entwickeltste sind, das rumlĂ€uft, also dass vor ihnen und ihrer Kultur nur Barbaren waren, ist das Privileg der geschichtslosen Unintelligenten.
Dr. Dr. Immanuel Fruhmann
alias I.G. Fruhmann
â Center for Philosophy and Political Art â
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