tableau vivant rescapée survivant
I Patti Lateranensi del 1929 sono accordi tra il Regno d’Italia e la Santa Sede sotto Papa Pio XI per sistemare la lunga Questione Romana.
Per sistemare la lunga Questione Romana, was für eine Formulierung!

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Nachleben und Wahrheitsform
Dass die Wahrheit eine juridische Form sei, die Geschichte habe, diese These hat nicht nur Foucault vertreten. Wenn die Wahrheit eine juridische Form ist und Geschichte hat, dann kann sie auch geschichtet sein. Und dann können entfernte, zum Beispiel antike Wahrheitsformen 'nachleben'. Sie können entfernt sein und dennoch dabei kooperieren, die Gegenwart zu strukturieren. Die Entfernung muss nicht groß sein und sie kann aus großer und weiter Entfernung in eine kleine und nahe Entfernung kippen. Was eben noch weg schien, aber nur im Rücken lag, liegt wieder vor einem. Die Probe kann so eine Wahrheitsform sein. Sie kann antik und entfernt sein, und dennoch die Gegenwart strukturieren. Die beiden momentanen großen und heißen Kriege, der in der Ukraine und der im nahen Osten haben Züge von Proben. Wie weit reichen diese Züge?
Eli und das Nachleben
...Glaubt Eli wirklich noch an das Nichts? Ich weiß, sie möchte nach ihren Tod "frei" sein und das Nichts ist noch das eheste Nachleben ohne Gottheiten.
Ich denke, sie glaubt aktuell eher and alles und nichts. Sie glaubt an alles in der Welt, möchte sich aber gleichzeitig nicht von Konzepkten "eingeschränken" und "eingesperren".
Aber wenn sie an alles und nichts glaubt, würde ihre Seele automatisch zu allem gehen da nichts, paradoxischer Weise, auch ein Teil vom allem ist?
Kann man in dieser Welt wirklich jemals "frei" sein? Müsste man Elis Seele zerstören, damit es keine Seele mehr zu claimen gibt....?
Passieren
1.
Die Leute, die ich heute zum Forschen hin und her schubse, sind inzwischen jünger als mein Sohn, kommen aber noch aus der gleichen Welt wie mein Sohn und meine Schwiegertochter, bis dann eines Tages Leute aus einer schon wieder anderen Welt als die unserer Kinder zu einem stoßen, ab da geht es auf das Greisenalter zu, noch ist es nicht so weit und wird auch lange nicht der Fall sein. Meine Mutter lebt noch, und sie ist nun eine Greisin, was soll man machen? Das beste draus, Mamas Spruch nämlich: Das Leben ist eines der schönsten.
2.
Wenn man sich Gesichter anschaut, schaut man aus zwei Weisen der Richtung auf das Gesicht: Aus einer räumlichen Richtung und aus einer zeitlichen Richtung. Kennt man das Gesicht schon lange, bildet das jüngere Gesicht ein Raster und ein Muster, das so wirksam wie das velum das aktuelle Gesicht wahrnehmen lässt, in dem es dabei kooperiert, ihm Form zu geben. Das jüngere Gesicht sitzt dann auch wie ein Wasserzeichen und alles das, was durchscheinen kann, in dem aktuellen und ins Opake hin vorläufig abschließenden Gesicht.
Anders herum ist es, wenn man Gesichter das erste mal sieht: dann bildet die Erwartung auf das kommende Gesicht das Raster, mit dem man das aktuelle Gesicht wahrnimmt. Diese Erwartung ist nicht leerer als das, was einem das Gedächtnis sonst direkter liefert, das Gedächtnis ist im Medium er Erwartung auch nur auf weiteren Wegen beteiligt. Man schaut dann ältere Gesichter erinnernd auf das aktuelle Gesicht. Einmal hält das Sehen etwas zurück, einmal zieht es etwas auf.
Sedimentäre Geschichte ist auch archivierte Geschichte, aber den Begriff des Archivs soll man wörtlich und bildlich verstehen. Das Archiv kommt auf allen entfernten und gelegten Linien vor. Was für den Blick auf Gesichter gilt, gilt auch für den Blick auf alles anders: man schaut schichtweise auf etwas, durch die Raster der Vergangenheit und die Erwartungen, also das institutionelle Gerüst, das einen mehr oder weniger anspruchsvoll Zeit durchhalten, warten oder erwarten lässt. Aktuell sieht man wenig, geschichtet viel und alles plastisch. Auf solchen Umständen baut noch mit weiteren Umwegigkeiten eventuell auf, was Warburg das Nachleben der Antike nennt und was man beispielhaft an den Madonnen und ihren Söhnen wahrnehmen kann.
ein florales motiv mit einer mysteriösen eule, die einem direkt in die augen schaut, vor einem orangenen sonnenauf-/untergang ziert dieses ansonsten schlicht gehaltene cover aus dem favoritbuero. eine aus einem erstmal nicht ganz klaren grund sehr passende gestaltung zu gurnahs neuem roman - unpassend wie immer: von verlagen aufgeklebte hinweise, wie in diesem fall "der neue roman des nobelpreisträgers - erstmals auf deutsch". (rezension zum roman im vorigen beitrag)

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nachleben
roman von abdulrazak gurnah
erschienen 2022
bei penguin random house
isbn: 978-3-328-60259-0
(von tobias bruns)
nach der gründung des deutschen reiches: die deutschen haben deutsch-ostafrika als land genommen, um in der welt ihren platz unter den kolonialmächten zu bekommen - es ist nur eines der gebiete afrikas, die sie nun beanspruchen und es ist das gebiet, wo diese geschichte ihren lauf nimmt. ilyas muss früh seine familie verlassen, wird zwangsrekrutiert durch die schrecklichen askari-kämpfer. er kann flüchten und baut sich sein leben auf, in dem er lesen und schreiben lernt und erfolgreich bei einem kaufmann in der stadt arbeitet. irgendwann auf heimatbesuch findet er unerwartet seine schwester afiya, die er mit zu sich nimmt, weg von den nachbarn, die sie nach dem tod der eltern pflegten und ausnutzten. als dann der erste große krieg ausbricht meldet sich ilyas freiwillig für die deutschen kolonisatoren zu kämpfen, in der schutztruppe der askari - zum unverständnis seiner schwester und seier freunde. auf umwegen kommt seine schwester bei seinem vertrauten khalifa unter, der sie aufzieht wie seine eigene tochter. doch ilyas bleibt ohne weitere versprochene nachrichten verschwunden. parallel dazu meldet sich hamza freiwillig bei der schutztruppe, wo er "liebling" des deutschen kommandeurs wird und viele demütigungen durchstehen muss, bis er schlussendlich fast tödlich verletzt wird. wie durch ein wunder überlebt. nach dem ende des krieges rennt er ziellos durch die welt, bis er bei demselben kaufmann landet, der sich zuvor schon ilyas angenommen hatte. so begegnet er auch khalifa und afiya, die es ihm direkt angetan hat. es sind schicksalhafte begegnungen, dem ersten folgt recht schnell der zweite weltkrieg, zuvor die weltwirtschaftskrise und kurz danach die unabhängigkeitsbewegung der kolonien - die suche nach dem verschollenen ilyas, afiyas bruder hört jedoch nicht auf - selbst 30 jahre später...
er ist in all der komplexität der geschichte und geschichte sehr schwer zusammenzufassen, dieser neue roman des nobelpreisträgers abdulrazak gurnah. es werden mehrere schicksale zugleich über eine dauer von jahrzehnten erfasst, die einige der großen momente der welt- oder besser zeitgeschichte durchleben. das faszinierende ist, dass diese geschichte eben nicht eurozentrisch geschrieben ist, sondern aus der sicht der tansanier, die erst extrem unter der deutschen herrschaft leiden mussten, dann unter den von denselben angezettelten weltkriegen und am ende noch unter der englischen herrschaft, bis es endlich zur unabhängigkeit kam. gurnah gelingt es absolut meisterhaft die geschichte seiner protagonisten, deren leben und die weltgeschichte miteinander zu verstricken. er schafft es näherzubringen, was kein geschichtsbuch schaffen würde - selbst wenn es dies wollte. man lebt alles mit - alle verstrickungen, alles elend, allen enthusiasmus - selbst die verblendungen, die der kolonialismus bei den kolonisierten in der lage zu erzeugen war. gurnahs buch ist einzigartig, ist genial, ist schonungslos gegenüber allem, gegenüber jedem, ist offen und brutal. zwei stränge geschichte werden hier virtuos zusammengeführt, wie es selbstverständlicher nicht sein könnte und das, obwohl man lange daran zweifeln mochte. gurnah wertet dabei nicht im geringsten - wäre es doch so einfach! - nein, gurnah erzählt ganz einfach nur. die wertung überlässt er dem leser. dem leser, der einfach nur fasziniert sein kann von diesem roman. einem roman, wie ich so noch nie einen kannte. man könnte sich nun in lobhudeleien über diesen monumentalen roman verstricken... absolut zurecht! eine geschichte kombiniert mit geschichte - ist an sich schon nicht ohne, aber hier zeigt sich die virtuosität, wie dies funktionieren kann...
Niemals geht man so ganz (810)
VON TOBIAS JOCHHEIM
So vielfältig wie Todesarten sind die Optionen zum Dochirgendwieweiterleben.
Out ist der Klassiker, die Post-mortem-Ausstattung mit weißen Klamotten, Flügeln und Harfe.
Immer größerer Beliebtheit erfreut sich ein mildes Leuchten, zeitlos elegant.
Den Wenigsten vergönnt ist ein nachhaltiger Eindruck durch ihre Werke, Worte, Witze.
Einigermaßen egoistisch hoffen viele Hinterbliebene auf ein Antreten der Verschiedenen als möglichst unfehlbarer Ratgeber, wahlweise in Form eines Geists, Hologramms oder Bauchgefühls.
Der Erbauung aller Erdenbewohner dient eine Wiederkehr als zwitscherndes Vöglein oder Quokka.
Das lobenswerteste Leben nach dem Tod aber ist jenes als Ermutigung und Inspiration der Nachwelt. Zu Liebe zum Beispiel. Oder zum Kampf gegen die jeweilige Todesursache – im heißen Glauben an deren Ausrottung oder der demütigen Hoffnung, dass nur ein einziger Mensch weniger zugrundegehen möge an Herz-Kreislauferkrankungen oder Handynutzung am Steuer, an Krebs oder Krieg, Syphilis oder Suizid.