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Die Praxis 'deutscher Kulturtechnikforschung'
1.
Wenn man wiĂźbegierig ist und etwas von Praxis wissen will, dann schaut man sich Praxis an.
Wenn man wiĂźbegrierig ist und etwas von Kulturtechnikforschung wissen will, dann schaut man sich Kulturtechnikforschung an.
Will man etwas über das Verhältnis von Praxis und Kulturtechnikforschung wissen, dann schaut man sich Kulturtechnikforschung in der Praxis an.
Man kann das im Moment in der Schirn machen, wir machen darum im Juli eine kleine Exkursion in die Schirn. Exkursion ist exzessive Rekursion. Die Ausstellung wurde von Antonio Somaini kuratiert. Der ist zwar nicht unbedingt Deutscher, aber sobald seine Texte auf deutsch geschrieben sind, zählen wir ihn großzügig zur 'deutschen Kulturtechnikforschung'. Seine Forschung hat teilweise in Deutschland an einem der Zentren der Kulturtechnikforschung stattgefunden.
Somaini war Fellow am IKKM in Weimar, das muss 2015 gewesen sein, kurz nachdem ich dort vier Jahre lang zur Geschichte und Theorie der Kulturtechniken gelehrt und geforscht habe. ein paar mal habe ich ihn dort gesehen und wir haben immer sehr angeregt uns unterhalten. Ich hatte damals dort Unterricht zu Aby Warburg und zum Atlas gemacht, er forscht und lehrt auch zu dem. Über das Verhältnis Benjamin und Warburg haben wir geredet, also auch über magische und mantische Praxis (Divination), also auch über Wolfgang Kemp, der die Warburg-Renaissance von 1975 mit einem kleinen Text über das Verhältnis zwischen Warburg und Benjamin initiiert hatte. Über Cornelia Zumbuschs Arbeit haben wir gesprochen. Über den irren, den fantastischen, den sprudelnden und nie versiegenden Schüttpelz haben gesprochen - und über Georges Didi-Huberman, der auch im Weimar, neben Berlin dem zweiten Zentrum der Kulturtechnikforschung, Fellow gewesen war und dort eine sensationelle Präsentation seiner Überlegung zum Atlas vorgeführt hatte. diese Gespräche waren kurz und wie alles schöne viel zu kurz, das war wie Quartettspielen in Grundschulpausen. Et in Weimar ego, fantastische Zeit dort. Heißt nur nix. Man kann sich auf Diagnosen nicht ausruhen, auf schönen Zeiten auch nicht. Man geht ja sowieso vorüber, aber vorsorglich sei mit Nietzsche gesagt: daran soll man vorübergehen. Man soll passieren. Man ist, gerade was Kulturtechnikforschung angeht, ohnehin Passant und Passagier, also soll man auch passieren.
2.
Antonio Somaini hat in den deutschen Zeitschriften zur Kulturtechnikforschung Aufsätze publiziert. Ich kenne seine Arbeiten, nicht nur die Texte, auch das, was er jenseits der Textproduktion macht, eben auch die fantastische Austellung in der Schirn. Das ist schließlich meine Aufgabe, dafür werde ich als Rechts- und Bildwissenschaftler und als Forscher und Lehrer zur Geschichte und Theorie juridischer Kulturtechniken am MPI bezahlt.
Sobald etwas publiziert ist, kann es zur Theorie gerinnen, muss aber nicht sein. Es käme aus Theorie, es ginge in Theorie. Es käme aus der Praxis, es ginge in Praxis. Somainis Schreiben hat eine Praxis - und Kulturtechnikforscher müssten schon seltsam denken, wenn sie glauben würden, Kulturtechnik sei keine Praxis und habe Praxis, Praxis sei keine Kulturtechnik und habe keine Kulturtechnik. Seltsam wäre es, wenn sie sagen würden, Kulturtechnikforschung stünde über der Praxis. Seltsam wäre es wenn, sie glauben würde, dass sie nicht selber kulturtechnishc operieren oder wenn sie glauben würde, operierten zwar kulturtechnisch, aber so seien weder Experimente noch Innovation möglich. Seltsam wäre es, wenn Kulturtechnikforscher Autoren wären, die glauben, sie seien in Wirklichkeit keine Autoren und in Wirklichkeit würden höhere oder niedere Wesen ihnen befehlen oder sie dazu zwingen, zu schreiben, was sie schreiben. Seltsam wäre es, wenn sie ihren Subjektstatus und den als Person für Schwachsinn oder Lüge, für den Trick böser Mächte und nichts als Trock böser Mächte halten würden. Aber man kann natürlich nicht ausschließen, dass die ziemlich doof sind, die Kulturtechnikforscher.
Glaubt jemand, Cornelia Vismann hätte nicht in Erwägung gezogen, dass sie eine originelle Autorin ist? Kennt man die Geschichte mit den Zetteln, die sie dem Merve Verlag zugesteckt hat, damit Kittler nicht behaupten kann, er hätte ihre Texte geschrieben? Weiß jemand, dass Kittler behauptet hat, Vismann hätte das aus Bescheidenheit getan? Ich kann einiges nicht wissen, aber ich kann 'mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit' ausschließen, dass Madame de Lansaque aka Bianca Lanz auch nur ein Fitzelchen ihrer Aktionen aus Bescheidenheit heraus getan hätte. Man begründet seine Liebe nicht. Tolle Eigenschaften von geliebten Leuten gibt es immer gratis dazu, immer oben drauf. Man gibt dem Tod keine Gründe, man gibt der Liebe keine (es sei denn, man ist doof oder zwar schlau, will aber auch noch die Familienrechtsanwälte füttern). Bei Cornelia Vismann war eine dieser Zugaben ihre unbedingte Unbescheidenheit.
Ich kenne nicht nur die Praxis der deutschen Kulturtechnikforschung, ich betreibe diese Praxis auch selkbst, professionell und implizit seit 1996, also seit dem ersten Staatsexamen, dem Rferendariat und der Arbeit für Bazon Brock, explizit seit 2010, und zwar Tag und Nacht mit Stiften, Zetteln, Büchern, Filmen, Theaterarbeit, Fotos und Tafeln. Gute wissenschaftliche Praxis, aber nicht nur das, sondern auch der Versich, etwas an deutscher Rechtswissenschaft zu verändern. Ich weiß wohl: das geht nur durch das Exempel, nur indem man etwas vorführt. Wissenschaft ist in der Frankfurter Schule, Abteilung Benjamin, ästhetische Praxis. Neben Alexander Kluge ist mir insoweit Bazon Brock der wichtigtse Vermittler der Frankfurter Schule. Wissenschaft ist für ästhetische Praxis, meine Forschung und Lehre ist ohne Vorführung nicht denkbar. Ich schätze und ehre Kollegen, die wißbegierig sind und sich fair mit deutscher Kulturtechnikforschung auseinandersetzen. Wie man in den Wald ruft, so schallt es zurück.
2.
Es kursiert die These, deutsche Kulturtechnikforschung würde in Sachen Recht die Kulturtechnik über die Praxis stellen. Diese These wird mit einem Text von Cornelia Vismann assoziiert, den ich gemeinsam mit Markus Krajewski ein zweites mal herausgegeben habe, nämlich auch in einer Auswahl ihrer Texte, die unter dem Titek das Recht und seine Mittel im Fischer Verlag erschien. Eine englische Übersetzung und Auswahl, die auf dieser Publikation beruht, erscheint im September über Stanford University Press. In Stanforf hat man andere Thesen zur Geschichte und Theorie juridischer Kulturtechniken. In Stanford meint man, was wir täten, sei experimentell und innovativ. Und man liest unsere Texte mit allen Ambiguitäten, Spannungen und Widersprüchen. Man achtet dort auch auf die Praxis der Theorie.
Diese These, Kulturtechnikforschung stelle die Technik ĂĽber die Praxis und habe eine verkĂĽrzte Sicht auf Medien, Kultur und Technik wird nur und am Frankfurter Fachbereich von meinen Kollegen vertreten, da aber gleich von mehreren Personen. GlĂĽcklicherweise interessieren sich deutsche juristische Fachbereiche eher wenig fĂĽr unsere Arbeit. So bleibt und nämlich mehr Zeit, diese Forschung zu betreiben. Aber der Frankfurt Fachbereich, das ist ja auch meiner, der interessiert sich dafĂĽr - und von dort kommen die erstaunlichsten Thesen ĂĽber meine Arbeit und die von Cornelia Vismann. Mein Verdacht lautet, dass einige gar nicht wissen, dass ich dort vier Jahre lang das fortgefĂĽhrt habe, was Vismann dort zwei Jahre gemacht hat. Erstaunlicheer Weise wird die These von der VerkĂĽrzung auch auf die Lesart eines Kollegen gestĂĽtzt, der seine Lesart selber als VerkĂĽrzung bezeichnet - und der nicht erklärt, warum er die Wissenschaft so verkĂĽrzt, obschon er es doch besser weiĂź. Meine These wäre simple: Kollegen blöder dahstehen lassen, als sie sind. Manche glauben, sie stĂĽnden dann schlauer da, ist aber ein Fehlschluss. Manche wundern sich, warum ich mich darĂĽber ärgere, dass die Frankfurter Kollegen mit der Arbeit, die ich seit 2010 mache und die mir größte Herzensangelegenheit ist, so umgehen. Schwamm drĂĽber? Schlusstrich? Ich schaue deswegen so sicher und zuversichtlich nach vorne, weil ich einen RĂĽckspiegel besitze und mich so versichere, dass da nicht wieder was schief geht. Die Zukunft kann man nicht ändern, denn besitzt noch keine Version, die zu ändern wäre. die Gegenwart ist ein GerĂĽcht, also Ămmerhin normatives Material. Die Vergangenheit lässt sich ändern - die Theorie ist geschichtet, sie umzuschichten ist beste Praxis. Selbst unter den engen Kollegen und Freunden gibt es welche, die nicht verstehen, warum ich mich, meine Arbeit und die von Cornelia Vismann so passioniert und inbrĂĽnstig verteidige. Das ist aber doch völlig eindeutig: Das ist meine Beruf, das ist meine Herzensangelegenheit. Ich habe auch anderes zu tun als mein Werk zu verteidigen, tue es ja auch den lieben langen Tag. Aber ich gebe garantiert nicht auf, auch mein Werk und das von Vismann zu verteidigen.
'Die deutsche Kulturtechnikforschung' schaut sich die Praxis von These über Kulturtechnikforschung und ihrer Zirkulation an: Wie sind Sätze geschrieben worden, die so behaupten, dass die Kulturtechnikforschung die Kulturtechnik über die Praxis stellen würde? Was assozieren die Autoren mit einer solchen These, was trennen sie damit, welche Wechsel oder welche Austauschmanöver nehmen sie damit vor? Was sind ihre Interessen? Wie setzen sie ihre Praxis der Thesenbildung technisch um? Welche Rolle spielen dabei Insitutionen und welche Rolle die Praxis, die Vismann und ich Instituieren nennen.
Solche Thesen versteht ich kulturtechnisch als Operationen. Solche Thesen können experimentell und innovativ sein. es kann sein, dass diejenigen, die solche Thesen aufstellen, sie ins Blaue hinein aufstellen, ohne sich die Praxis oder die Theorie der deutschen Kulturtechnikforschung anzuschauen und ohne mit einem deutschen Kulturtechnikforscher auch nur einmal geredet zu haben. Es gibt Leute, die halten so etwas dann zwar nicht für gute Rechtswissenschaft, ich gehöre aber nicht dazu. Ich würde sagen: GGerade solche Behauptungen ins Blaue hinein, solche geballten Thesen, so ein vagues und bolisches Schreiben kann äußerst innovativ und experimentell sein. Rechtswissenschaft ist eben nicht nur Wissenschaft, in der Autoren Autoritäten zitieren und die Kette der Zitate korrekt bis zu den Quellen zurückverfolgt werden kann.
Die (Kontra-)Signatur ist eine Bindung von Personen and Schreib- und Bildakte. Das ist jene Operation, die Bruno Latour 'zittrig' nennt und die zitierbar macht. Sie bindet nicht nur. Sie ist auch eine Scheidekunst, sie ist von einer Trennung durchzogen, die man im Kontext des Autopen und eines Streites um den Patriot Act als Fleck und Kerbe bezeichnet. Schon die (Kontra-)Signatur, die Vismann zu den Akten zählt und mit amazonischen Wellenlinien, den Bilderlisten römischen Rechts, mit Kafkas Türhüterliteratur und mit Kafkas Saum, mit dem Ideogramm der Kanzleien, mit Albertis Schleier und velum und schließlich mit dem Entzug von Phrynes Tracht assoziiert, ist eine kulturtechnische Operation, die auch dann noch experimentell und innovativ sein kann, wenn ein Autor einen Satz abschreibt und dann unterschreibt und in dem Moment nur limitiert wissen kann, was er da gerade tut, wenn er etwas unterschreiben kann.
Kulturtechnikforschung interssiert sich nicht nur für das 'Was', sondern auch für das 'Wie'. Was Leute sagen oder schreiben, das ist interessant, wie sie es tun, das ist auch interessant. Bildregeln, das ist eine Studie zum juristischen Bilderstreit, ist eine Untersuchung zu juridischen Kulturtechniken. Das technische Vokabular der aktuellen Kulturtechnikforschung kommt dort nicht vor, weil der Text noch vor den vier Jahren geschrieben wurde, als ich dort geforscht und gelehrt habe und dort auch wegen dieses Buches (und wegen des Buches über Gerechtigkeit als Zufall) dorthin eingeladen wurde, die Professur für die Geschichte und Theorie der Kulturtechniken zu vertreten. Wenn mit Frankfurter Kollegen erklären, was deutsche Kulturtechnikforschung sei, weiß ich immer, dass in den vier Jahren zu den vielen einladungen nur ein einziger Frankfurter Kollege kam. Der vertritt seit dem äußerst mutige Thesen zur deutschen Kulturtechnikforschung - öffentlich höflichund im Ton des Objektiven und der Neutralität- une jenseits davon durch den berühmt-berüchtigten Flurfunk, der mich immer wieder über größere und kleiner Umwegen erreicht.
This does not stand: sheep sleeping in their own secrets. Ich schlage immer zurück, jedes mal auf's neue. Innovation und Experimente haben sonst keinerlei Effekte und Folgen. Irgendwann müssen sich Thesen auch praktisch bewähren. Im Wintersemester werde ich am Fachbereich unterrichten - in der Höhle des Löwen. Es wird um Bilder und Kulturtechniken gehen, um was sonst?
In der 'deutschen Kulkturtechnikforschung' gibt es den Begriff der Ähnlichkeitsunruhe und den der Unähnlichkeitstruhe. Das sind, sagen wir es so, experimentelle und innovate Begriffsbildungen. Das ist eine Unruhe, die mit einer Enge und einer Fröhlichkeit assoziert werden kann (also mit dem, was Didi-Huberman als Element eines Atlas und einer 'anxious gay science' oder unruhigen fröhlichen Wissenschaft ausmacht. Diese Unruhe hängt an der Dynamik von Affinitäten und Verwandtschaften. Sie geht mit der Unbeständigkeit, auch der Unbeständigkeit der Affinitäten und Verwandtschaften einher
Der erste Begriff, also derjenige der Ähnlichkeitsunruhe taucht in einem Text zu Giorgio Agamben und dort in bezug auf rjetorische Ensemble und rhetorische Institutionen, auf. Er wird dort mit dem Begriff decorum assoziiert. decorum kann man als no,en actionis lesen, dann meint der Begriff die Praxis und Kulturtechnik einer Musterung, auch solcher Musterung, die Ähnlichkeiten und Unähnlichkeiten registrieren soll. Agamben hat einmal Texte geschrieben, die Bilder verkehrten. Das ist Teil einer entwicklung, zu der u.a. Sylvia Sasse ein Buch über das Verkehren geschrieben hat. Agamben wird der von 'deutschen Kulturtechnikforschern', zumindest von mir, nicht nur als Rechtstheoretiker, sondern auch als Gestalttheoretiker, vor allem aber auch Praktiker der Form, nämlich unter anderem als Mime, Actor oder Filmschauspieler gelesen. Agamben hat in Pasolinis Verfilmung des Evangeliums nach Mathäus mitgespielt.
Die These war damals, dass Agamben an und in einer Unruhe operiert, die mit der Unterscheidung zwischen Ähnlichkeit und Unähnlichkeit zu tun hat. Vielleicht ist Agamben für so eine Unruhe ein zwar sehr bekanntes, aber doch auch, bei aller Wirksamkeit und öffentlichen Praxis von Agamben, doch eher theoretisches Beispiel. Die Art und Weise, wie Algorithmen heute Texte und Bilder generieren, ist auch ein Beispiel für das, was ich Ähnlichkeitsunruhe nenne. Wo die bemerkt wird, gibt es Unähnlichkeitstruhen: Man packt was ein, damit es nicht zu unruhig wird. Wie komme ich jetzt drauf? Gute Frage. Gute Frage verdienen gute Antworten. Im Begriff 'deutsche Kulturtechnikforschung' und im Begriff 'Frankfurter Kollegen' könnte gerade eine gewisse Ähnlichkeitsunruhe mitlaufen. Ist aber nur eine These, nur ein Experiment. Wenn Leute von Texten gemeint sein wollen und sich doch nicht wiedererkennen können, dann könnte diese Unruhe im Raum sein. Wie innovativ dieses Experiment sein wird, das wird die Zukunft zeigen. Vielleicht ändert sich ja doch mal was unter den Frankfurt Kollegen, vielleicht bewegt sich deutsche Kulturtechnikforschung doch mal einen Zentimeter den Frankfurter Kollegen entgehen. Vielleicht kommen die Frankfurter Kollegen der 'deutschen Kulturtechnikforschung' doch mal einen Zentimeter entgegen, um sie sich einmal aus der Nähe, Live und Farbe anzuschauen.
Vestingism soleil levant
Sie ist gerichtet! Ist gerettet!
Sie (30) erpresst ihn (63) mit Bordellfotos: so stellt Bild an anderer Stelle, hinter den Fotos aller Beteiligten, den Fall nach. Faust auf's Auge.
Wenn, wie Adorno behauptet, das Recht des Bildes in der treuen DurchfĂĽhrung seines Verbotes gerettet ist, dann ist dieses Recht im Bild, von mir aus auch in der Bild, gerichtet. Wenn dann noch dialektisch zu geht, dann machen es die Laster versiert und verkehrt.
Desasterrecht: Ausbildung in alltäglich professioneller Meldungs- und Gemäldelektüre, incl. Presse- und Bewegtbildikonographie. Der Alltag ist ikonographisch gut informiert, er ist schon ein ikonographisches Protokoll. Desasterrecht: Ausbildung zur Forschung und Lehre, die forsch und gelehrt, dabei auch graphisch ist.
Wozu Augustgast sein?
Im letzten August war Bruno, mein Cicerone von Recife, mein Augustgast am Institut. Der Forschungsaufenthalt galt der Geschichte und Theorie juridischer Kulturtechniken. Was wissen wir vom Mord? Das war im letzten Sommer unsere gemeinsame Forschungsfrage. Mit den Ergebnissen hat er jetzt eine größeres Forschungsprojekt über Capes und die Humboldt-Stiftung eingeworben. Wir kooperieren. Bruno behauptet nicht, dass die Rechtswissenschaft nichts von der Aussenwelt, nichts von Ökonomie, Kultur, Medien, Technik oder Bildern wüsste. Er behauptet, und zeigt es plausibel, dass seine Disziplinen, die Psychologie und die Journalistik, keine Nachbarwissenschaften, sondern historische Rechtswissenschaften sind. Luiz Gama, das hat Bruno Lima gezeigt, ist kein Nachbar der Rechtswissenschaft, der ist historischer Rechtswissenschaftler. Aby Warburg ist kein Nachbar der Rechtswissenschaft, er ist historischer Rechtswissenschaftler. Das Wissen um's Recht ist ohnehin limitiert, dieses Wissen muss ohnehin bestritten, also auch aufgebracht und unterhalten werden. Da macht es den Kohl nicht fett, wie man seine Rechtswissenschaft nationalisiert und dafür sorgt, dass das Wissen eingebürgert wird. Man kann die Qualität eines Rechtswissenschaftlern am Staatsexamen aufhängen, und anders geht es auch. Man kann das provinziell angehen, man kann es kosmopolitisch angehen. Am Ende geht alles, denn wo, wenn nicht am Ende, ist's ausdifferenziert.
Bruno Vieira geht wie ich davon aus, dass die Klage über die Grenzen der Rechtswissenschaft zur Geschichte der Melancholie zu zählen ist. Die Klage, bislang wüßten Juristen und ihre Rechtswissenschaft' über bestimmte Themen nichts, zumindest nicht richtiges, ist nicht nur melancholisch. Ihr kommt ein Gedächtnis zur Hilfe, das stolz oder kurz ist. Die bedingte Universität liefert für so eine Klage ein günstiges Biotop. Der Staat, also meine schlimmste Zeitschrift aller Zeiten, veröffentlicht mindestens einmal im Jahr den Aufsatz von Kollegen, die dann auch einmal behaupten dürfen, zu ihrem Thema gäb es bisher nichts, bisher habe kein Jurist über den Körper, die Seele, die Affekte, die Emotionen, die Pflanzen, die Tiere, die Städte, die Bücher, die Bilder, die Wirtschaft oder das All nachgedacht. Bin ich der einzige den das zum Hals heraus hängt und dann unter Palmen treibt? Law Bar unter Palmen, wenn es das nicht gäbe!
Ludwig Binswanger hat in seinem Buch zur Melancholie und Manie am Fall David Bürge die These entwickelt, dass das Thema der Melancholie vollständig und leicht auswechselbar sei. Man hat immer was, was einem fehlt.
Bruno geht dem nicht auf den Leim. GlĂĽckwunsch dem Bruno! GroĂźer Erfolg! Kulturtechnikforschung strikes back! This does not stand: sheep, sleeping in their own secrets.
Bin gespannt, wer in Zukunft Augustgast sein und auch kooperieren will. Herzlich willkommen im Luxus!

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THE ART OF THE DEAL
Begehren bilden, oder: TĂĽrhĂĽternews!
1.
In ihrem Buch zu den Akten beschreibt Cornelia Vismann das Begehren als dasjenige, was von Tor zu Tor, von TĂĽr zu TĂĽr oder von Fenster zu Fenster gehe. Sie spricht dem Begehren nicht seine Natur ab, sie nimmt aber seine Bildung in Betracht, damit auch sein Artifizielles, Technisches und KĂĽnstliches. Das Begehren, zumal dasjenige, das informiert ist, ist dezent. Das Begehren, so arbeitet Warburg es heraus, ist die Betrachtung. Wer begehrt, trachtet nach etwas, und sei es, dass er Bildern nachtrottet.
Wo sich Formel staffeln, entweder stapeln oder häufen, und wo dann Bilder in Bildern oder Bilder auf Bilder folgen, da wird die Betrachtung nicht nur rekursiv, sie wird protokolliert dann nicht nur diplomatisch (wird also selbst nicht nur ein diplomatisches Protokoll). Die Betrachtung wird dann auch kommentarförmig. Wolfgang Kemp spricht in solchen Fällen von Glossen (das sind Kommentare) besonderer Art, nämlich von Heteroglossen. Auch wenn Bilder in Bilder erscheinen oder sich etwas staffelt, stapelt und häuft, formiert sich ein Begehren, das verkehrt. Es homogenisiert sich nicht unbedingt. Ob es sich unbedingt heterogenisiert? Der Vermehrungsdiskurs ist mein Ding nicht. Das Begehren kreuzt. Es geht von Tor zu Tor, von Tür zu Tür, von Fenster zu Fenster. Das Tor, die Tür, das Fenster: klamme Stellen, knappe Passagen, an denen das Begehren deutlich wird, sogar deutlich ausschlägt, weil's klamm und knapp wird.
2.
Das Begehren wird gebildet, innerhalb der erste fünf Jahre etwa in surrealer Hochausbildung, dann geht's ab in die Schule. Man könnte eigentlich, bei allen Nachteilen des Stolzes, stolz darauf sein, dass das Begehren gebildet ist und das ausschlagende Wesen durch Instituierung selbst so kleine Institutionen werden. Aber liest man, wie manche Leute Friedrich Nietzsche lesen und sich dann darüber ärgern, wie er von Bildung spricht und wie sie dann sich beeilen zu sagen, sie würden ihre Kinder nicht fabrizieren, nicht erziehen, nicht abrichten, sondern natürlich wuchern und frei ausrichten lassen, dann wird deutlich, dass die Leute auch einmal nicht Stolz auf ihre Bildung, dafür dann umso stolzer auf ihre Natur sein können.
Visman bezieht die Bildung des Begehrens auch auf den optischen Apparat, den Alberti velum (Schleier) und Fenster nennt. Das ist ein bekanntes Motiv, Dürer hat dazu eine sehr berühmte, aber auch subtile Zeichnung in einem seiner Lehrbücher platziert. Welches Bild meine ich? You will know it, when you see ist. Das ist nämlich Pornographie, Dürer zeichnet einen Zeichner, der durch das Raster eine Frau befriedigend zeichnet. Alles sehr gebildet und doch subtil (unter dem Schirm, unter dem Gesetz etc., nur eben nicht in edler Einfalt und stiller Größe.
Alberti platziert den optischen Apparat wiederum innerhalb der Raster und Muster einer Stadt. Das Fenster, dass ein Bild öffnen soll, wiederholt dabei, nicht wie im Echo, sondern als bildökonomische Wiederholung, das römische Stadttor (denn das Bild erscheint in der Stadt) - und jene Linie des pomerium, die Mommsen vorgeschoben nannte, wenn es denn eine römische Stadt sein soll. Das Begehren läuft durch Stationen, das sind seine Stellen, die nicht nur in modernen Literaturen als Stellen der Öffnung und Schließung betrachten werden. An allen diesen Stationen stellen sich dann auch schon jene römischen Fragen, die von der Notitia Dignitatum ebenso listenförmig wie die Bilder geliefert werden und die seit dem FAQs der Verwaltung bilden: Was ist der Mensch? Was ist ein Brief? Was ist Rom? Was ist ein Bild? etc. Die Stellen des Begehrens sind Stellen des Wißbegierigen, Stellen dessen, was definitiv und auch so definiert sein soll, wenn man's denn wissen will.
2.
Vismann bezieht die Bildung des Begehrens (ein Begehren, das nicht aus dem Mangel, aber aus der Fülle kommt) auf Kafkas Geschichte vom Türhüter - und auf den Saum, also den graphischen Zug, der im Erstdruck der Geschichte diese Geschichte vom Rest des Heftes unterschieden hat. Vismann hat damit nicht nur den Gang des Begehrens am konkreten historischen Material verfolgt. Sie hat auch den Begriff des Saums und der Versäumung, der im Werk von Hans-Jörg Rheinberger eher abstrakt auf konkretes Schreiben und Lesen bezogen. Das greift Augsberg reformatorisch noch einmal auf - und verfolgt, was daran Text, Lesbarkeit und Kassiber sein soll. Vismann hat den Gang des Begehrens am Ideogramm der Kanzleien, also an Vorzeichen der (Kontra-)Signatur festgemacht. Sie hat ihn am Entzug von Phrynes Tracht und an Gewandfalten festgemacht. Vismanns Geschichte und Theorie der Verwaltung ist im Ansatz die Geschichte und Theorie von Türhütern.
3.
In einem jüngeren Aufsatz der Zeitschrift für Ideengeschichte bezeichnet eine Autorin den Türhüter an einer Stelle als eine Metapher. Ob sie Vismanns Arbeiten kennt? Kann ich nicht sagen, Hinweise dafür nehme ich gerne an. Muss ja auch nicht sein, denn Vismanns Ausführung zur Bildung des Begehrens haben zwar mit Imagination und Innovation zu tun. Sie sind imaginär reich und äußerst innovativ. Um 2000 herum, das ist 26 Jahre her, hat sie daraus eine Dissertation zur Verwaltung und antiken Algorithmen gemacht. Also: imaginär reich und hoch innovativ, aber Visman hat sich nichts ausgedacht oder erfunden. Ihr Begehren war gebildet, einfach ziemlich gebildet. Man braucht darum Vismann gar nicht zu kennen, man kann ruhig nochmal neu ansetzen. Die Bildung des Begehrens ist common good, darf sich jeder aneignen.
Manche Autoren bezeichnet den Türhüter als Metapher. So eine Bezeichung als Metapher könnte apotropäisch gemeint sein, vielleicht so, dass man den Türhüter lieber nicht begreifen, nichts als Begriff haben, dafür aber im Status eines Bildes halten will, das (zumindest aus reformierter Sicht) doch Bild, nur Bild und nichts als Bild sei, Metapher und nur Metapher sei. Es könnte sein, dass manche Leute ihre Texte zum Türhüter ikonophobisch schreiben. Die Phobie ist aber nicht die Angst, sie ist die Klamm, eine Enge, ein Wirken von KürZungen. Literatur über Türhüter ist rekursiv Türhüterliteratur.
In der Welt der Bildung sind Bilder zwar Bilder, aber nicht nur Bilder. Auch Metaphern sind insofern Metaphern, aber nicht nur Metaphern. Solche Metaphern sind zum Beispiel kleine bis kleinste Formen im Tropenrecht.
3.
Türhüter sollen diskutiert werden, machen wir, am MPI. Die Entwicklung der generativen Modelle künstlicher Intelligens geben der Diskussion neuen Schub. Bilder sind in die Unterscheidung von Inklusion und Exklusion involviert. Bilder kooperieren bei der Unterscheidung zwischen Personen und Dingen. Sie kooperieren bei der Unterscheidung zwischen Akt und Passion. Sie kooperieren bei der Unterscheidung zwischen denen, die ins Geschäft kommen und jenen, die nicht ins Geschäft kommen. Sie kooperieren da, wo Kredit gegeben oder aber nicht gegeben wird. Bilder sind künstlich - und seitdem die Neandertaler träumen, gibt es gut erhaltene Objekte, an denen man so auch die Künstlichkeit der Bildung verfolgen kann.
4.
Im Moment scheint es Schub dafür zu geben, einmal die Erklärungen für die Trennung zwischen Mensch und Tier etwas herunterzufahren und dafür die Erklärungen für die Trennung zwischen Menschen und Maschinen hochzufahren. Mir nicht, aber ich bin im Moment ohnehin gut finanziert - und mache Forschung zur Geschichte und Theorie juridischer Kulturtechniken. Ich gehe also prinzipiell von ausschlagenden Wesen aus, die von Natur aus auf Kultur, Technik und Künstlichkeit ausgerichtet sind, weil sie erstens aufsitzen, zweitens mit Illusionen eine Zukunft haben und drittens (wie gesagt) ausschlagen. Solche Wesen sind nicht unbedingt Menschen, es können auch Dackel, Maschinen, Affen oder Modelle sein. Mit juridischen Kulturtechniken operieren alle diese Wesen, nicht nur die, die dann auch mit Hilfe solcher Techniken als Menschen registriert werden.
Form, durch die Regen geht
Die Form, durch die Regen geht ist ein graphischer Zug. Der graphische Zug ist die Einheit der Differenz von Kontraktion und Distraktion. Der graphische Zug trahiert und traktiert, er trägt und trachtet. Er ist trainierbar. Der graphische Zug ist kalkulierbar, es gibt ein Kalkül der Formen. Der graphische Zug zählt oder kreuzt, zum Beispiel. Der graphische Zug ist performativ, informativ, afformative. Strich/ Streich/ Streik: alles graphische Züge.
Der graphische Zug ist dezent, er geht.

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Juristen fabrizieren/ Digmaschscheu
In Pierre Legendres und Gerard Caillats Film zu Fabrikation des abendländlichen Menschen, der ein Film zur Fabrikation von Juristen ist, wird folgendes nahegelegt: Man trage alle Gesetze in seiner Brust und ein Schildzeichen oder Digma (das ist ein Bild in Nachfolge der Bilderlisten aus der Notitia Dignitatum) auf der Brust. Mit diesem Digma meinen Legendre und Caillat unter anderem Trikotagen und ihre Montagen, die ausweisen, mit wem sich der Träger der Trikotage assoziiert. Sie meinen die T-Shirts, in denen die Leute durch die Stadt laufen und sich so ausweisen. Manche scannen ihre Augen und ihr Gesicht mit den Handy, der kleinen Tafel, und lassen sich von Unternehmen hiilfreich identifizieren, damit sie ihr Täfelchen nutzen können, aber das nur wenige. Sich mit einem Schild auf der Brust ausweisen, zeigen: das ist in der Stadt eher üblich. Das Schild oben hat drei Felder. Wie ein Emblem hat es eine Überschrift, dann ein Bildfeld, hier besteht es aus einer Bilderliste, die ein Bild noch zwei mal wiederholt. Auch das entspricht einem Muster der Notitia Dignitatum. Dann folgt, wie beim Emblemen üblich, kleiner: ein Schriftfeld, hier ist auch eine Liste mit Zeit- und Ortsangaben. Auch solche Listen mit Orten oder Zeitangaben kennt man den Bilderlisten römischen Recht, also von der Notitia Dignitatum und vom Chronographen 354. In den Graphien, den städtischen, emblematischen Trikotagemontagen lebt Antike nach. Aufsitzende und Ausschlagende Wesen weisen sich aus, sie führen ihre Tracht als Visa, Pass und mit einem Schuss Wasserzeichen ihrer Persönlichkeit mit sich. Sie nutzen das diplomatische Protokoll vogue, manche von ihnen machen es experimentell, manche innovativ, manche tragen immer dasselbe, andere immer anderes.
Es ist allerdings so, wie wenn man Autoren ins Seminar einlädt und sie sich zuerst für ihre Texte entschuldigen. Es heißt dann auffällig oft, das es schon sehr lang her sei, dass man diesen Text geschrieben hätte. Oder es wird gesagt, man habe damals nicht die Zeit und den Raum gehabt, sich mit dem Thema richtig zu befassen. Manche gehen so weit, erst etwas zu schreiben, schon bei der Einladung zu einer Präsentation ihres Textes aber leicht nervös zu wirken, auf jeden Fall dann zu sagen, sie würden sich eigentlich mit dem Thema nur am Rande befasst haben, sie würde sich ja eigentlich für ganz andere Dinge interessieren und könnten dazu gar nicht soviel sagen.
Unter dem Symptom so einer deutlich ausgespielten Autorenscheu und eines unbeständigen Distanzierungswunsches leiden auffällig oft diejenigen, deren Disziplin zu allem etwas zu sagen hat und der man darum an Universitäten ganze Fakultäten und Fachbereiche einrichtet. Da gibt es dann Wissenschaften, die bilden den Menschen, zumindest haben sie den Anspruch, das Menschenbild gleich so zu verfassen, dass es für den Staat, die Gesellschaft und das Subjekt, gleich für die Personen, Dinge und Handlungen gültig, effektiv und beschirmend, vom Schutz bis zur Gewährleistung reicht. Da kann einem als Autor schon einfallen, sich für einen Text über das Rechtsubjekt mit dem Argument zu rechtfertigen, man sei damals jung gewesen und habe das Geld dringend gebraucht. Oder: Ja, das sei ein Text über die Menschenwürde, aber man interessiere sich nur für die juristische Seite des Themas und die finde man in Karlsruhe und seinen wohl behüteten deutschen, nationalen Textgärtchen. Da stünde schon so viel, dass es einem genug sei. Das verstehe ich. Der Begriff des Rechts und der Begriff des Reichens, Reichenden oder Reiches sind schließlich affin bis verwandt, Recht reicht also immer, es ist ja auch ein Reich, egal wie groß das Gärtchen ist.
Ich habe den Träger auf das T-Shirt angesprochen. Ich habe ihm sogar gesagt, dass ich heute noch wüßte, wo ich stand (nämlich vor dem Klassenraum für den Physikunterricht), als mir M. mitteilte, The Smiths habe sich aufgelöst). Too much, too soon. Da zeigt zeigt er mit dem emblematisch ausgestalten Digma eine deutlich ausgespielte Digmascheu. Ach, der Sänger sei ziemlich bekloppt und alle anderen Shirts seien in der Wäsche gewesen. Ob's ein Jurist war? Auf jeden Fall: keine Innerlichkeit ohne Äußerlichkeit, aber auch keine Exkarnation ohne Inkarnation.
Sind's deiner Seufzer Wehen?
Sind's Deiner Seufzer Wehen, die mir die Segel blähen?
Carlo Ginzburg
1.
Bald, ach so bald, ist Midsommernacht. Bald, ach so bald, ist São João. Bald, ach so bald, ist die Zeit, an der die Formeln, Formate und Formationen so wild ausschlagen wie sonst nie im Kalender. Bald, ach so bald, werden die Grenzen zwischen dem Himmel und der Erde, den Tieren und den Menschen, den Frauen und den Männern, dem Leben und dem Tod, dem Organischen und dem Anorganischen, dem Käse und den Würmern nicht poröser, als sie sowieso schon sind.
Aber bald, ach so bald, schlagen die Kanzeln, die Schleier, die Raster, die Stäbe und die Bälle, die Lanzen und die Furchen, das Sonnenlicht und die Schatten, bald schlagen die Kanäle und Vorhänge wieder so deutlich aus, dass es sich nicht ignorieren lässt. Dann werde ich mit Carlo Ginzburg tanzen.
2.
Man sagt, er sei heute, also gerade, innerhalb der letzten 24 Stunden gestorben. Das sagen die Leute so, man soll es ihnen nicht zu übel nehmen. Um 15.50 nennt Patrick Bahners den Ginzburg einen Hexenmeister und Erzrationalist. Ich lese das ein paar Minuten später auf meinem Handy und werde von jetzt an wissen, wo ich saß, als ich das las. Ginzburg war Magier und Archrationalist, Kardinal- und Fleischrationalist, der war Scharnier- und Klapptechniker. Jede seiner Fallstudien sei eine Gegenprobe auf gesellschaftliche Normalität gewesen. So soll es sein.
Solange ich lebe und den Ginzburg liebe, tanze ich mit dem, wild ausschlagend an solistice, den Rest des Jahres sowieso. Dichtungsschmatzer auf die Stirn, Carlo! Deine Augenbrauen, Ginzburg! Dein(e) Locken, Schreiber! Deine Wahrnehmung, Forscher! Danke.
Carlo, du fĂĽhrst schon wieder! Logisch!

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Wie bestreitet man Bilder? (Liste)
Kreisend
Ă–konomisch
Ă–kologisch
Wiederhallend (echoing)
Wiederholend
Händelnd
Orientierend
Aktiv
Passioniert