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Ausdifferenzierung
Aus, aus, aus, die Differenzierung ist aus: Deutschland ist Weltmeister. Der Sound der Staatslehre hallt an manchen Stellen noch heute so, u.a. mit den Thesen, dAusdifferenzierung habe dem decorum, der Rhetorik und der art oficiell ein Ende bereitet. In der Moderne habe es keine Zeremonialwissenschaft mehr gegeben. In Frankfurt hat sich der Ton lange gehalten, heute tönt es noch so. Schramm ist die repräsentive Figur für den westdeutschen Nachkriegssound, erwartbar schreibt er und schreiben seine Anhänger, er habe etwas erforscht, zu dem es seit dem Barock und seit einem angeblich Ende der Zeremonialwissenschaft nicht mehr gegeben habe. die Erinnerung an Warburg und an die Summe und das Manual seiner Bild- und Rechtswissenschaft ist da schon fleissig getilgt. Der hatte miiten in der Moderne diese Bild- und Rechtswissenschaft sicher auch als Wissenschaft des Zeremoniells angelegt. Schramm hatte nachvollziehbare Gründe, an Warburg nicht zu zu viel zu erinnern. Der Autor des Artikels, der 1994 in der FAZ erscheint, klaut sogar Warburgs berühmte Formulierung vom Nachleben der Antike und bezieht sie jetzt auf Schramm, unterschlägt zumindest, von we die Formel kam und was Warburg mit ihr bezweckte. Hyperbolisch und polemisch gesagt: die Formel wird 'arisiert'. Behauptet wird noch, Demonstranten hätten keinen Sinn für Repräsentation, wenn sie den Repräsention subtil fassen. Der Schreiberling, ausgewiesen als Kenner von Inthronisationen, meint eventuel, Repräsentation solle keine Demonstration reizen. Edle Einfalt, stille Größe! Erst gründen wir Rom, dann Autohäuser.
Die Wege kreuzen sich, sie trennen sich
Das Verhältnis zwischen Warburg und Schramm, soll man das als Fragmentierung beschreiben? War es erst ganz und dann kaputt? Gibt es einen Moment, an dem es zum Bruch kam? Nein. Das Verhältnis ist als Kontraktion und Distraktion zu beschreiben.
Schramms Sohn Schramm versucht sich später vergeblich als Kittlerverhinderer (das ist der Kittler, der dem Beamtenmilieu, zu dem beide Schramms gehörten, das Buch über die Aufschreibsysteme gewidmet hat). Derweil werden diejenigen Staatsrechtslehrer Schrammsohns begeisterte Leser, die die Theorie der permanenten Reformation verteidigen und mich fröhlich unter die Palmen treiben. Man ist in Verwerfung geworfen, später spricht man dann von Biographien, aber nur dann, wenn die Leute etwas von sich aufzeichnen oder aufschreiben.
Der Alltag ist polare Normalität. Pathologen wie Warburg und Kittler haben einen ausgeprägten Sinn dafür, also auch für die Ähnlichkeitsunruhe und Unähnlichkeitstruhen der Höflinge und Höflichen, vor allem für die, die Ruhe im Karton und Schlusstriche instinktiv, aber nur instinktiv, also nur und immerhin selbsterhaltend bevorzugen. es gibt unter den Verstopfern und Abratgebern deutscher Fakultät eine bemerkenswerte Anzahl von Leuten, die Leute wie Warburg und Kittler verhindern wollten. Geht nur nicht. Sind wir schon wieder so weit? Die Leute sind immer zu allem bereit. Wird ja jemand salonfähig? Der Salon ist immer zu allem fähig.
Was ist Kreditieren?
Kreditieren ist eine juridische Kulturtechnik, die unter anderem von den "Engeln der Effizienz" (Florian Hoof), von Beratern und Analysten wahrgenommen wird. Man stellt sich das Kreditieren leicht als Schätzen und Tippen vor
Das Kreditieren schafft Kredit, das ist ein Ansehen mit Erwartung, also eine (be-)trachtende Technik, die ihr Objekt in die Zukunft werfen soll. In ihr lebt Antike nach, nämlich das Tun und Lassen der Censoren. Die haben das Objekt des Kredits gemustert, gemessen, skaliert und stratifiziert, also censiert, d.i. statistisches Vorgehen. Man hat behauptet, die Censoren seien enteignet worden, so sei ihr Ende gekommen. Ihre Tätigkeit sei staatlich monopolisiert worden, als man in der Spätantike die Frage nach der Wahrheit zur Frage nach dem Gesetz gemacht hätte. Die Censoren seien gestorben, die Zensur sei geboren. Wenn es denn so war (ich bezweifle das), dann war das wohl eine jener Revolutionen, die elementar unvollendbar sind oder prinzipiell wiederholt werden müssen, weil's ihr Name schon sagt. Es wird eher so gewesen sein, wie Warburg beschreibt: Polarisierung fand statt. Ob monopolar oder multipolar: die Wahrheit verkehrt ohnehin, denn sie wird begehrt. Die Unterscheidung zwischen der Einen und den Vielen kontrahiert und distrahiert dabei.
Kreditieren wiederholt ein Ansehen und wirft es in Richtung Zukunft. Es ist eine wahrsagende Praxis, die Walter Benjamin in selbstzensierten, also ausgestrichen Passagen seiner geschichtsphilosophischen Thesen magisch und mantisch nennt. Wer kreditiert, der tippt und schätzt die Wahrheit, er fingert daran, er tastet, was er von ihrer erfahren, etwa schmecken kann. Wer kreditiert, händelt Gerüchte, also das normative Material.
A propos: Können wir uns wenigstens darauf einigen, beim Tippen und Schätzen der Zukuft einen Grenzwert einzuhalten und ihn in Dezibel anzugeben?
Desasterrecht
Das Thema der Kunst sei, dass die Zeit aus den Fugen ist, schreibt Georges Didi-Huberman in seinem Buch zum Atlas und zur klamm-phobischen, fröhlichen Wissenschaft. Das Thema des Rechts ist, dass die Welt aus den Fugen ist. Jurist sein oder nicht sein? Ab jetzt forschen wir zu und lehren wir Desasterrecht, das schließt Unterricht in professioneller Meldungslektüre, Pressefoto- und Bewegtbildikonographie, Graphenanalyse und Training in leninistischer Datenverarbeitung ein. Organisiere deinen Pessimismus oder aber pflege einen apokalyptischen Optimismus.
Wenn Peer Zumbansen im Raum ist und von Transnationalem Recht, von Climate-Change-Law und Global-Value-Chains berichtet, dann blüht die Einsatzlust auf. Zumbansen hat von mindestens stürmischen Rechtswelten und von der Fabrikation von Juristen erzählt, von Schattenwelten einer An-und Bereicherung, die rechtlich in guter Form zu sein scheint, dazu verschlingen die Leute noch aus Bahnhofsbuchhandlungen heraus Pistors Buch vom sog. Code des Kapitals. Er berichtete auch von organisiertem Pessimismus. Kurz: Vom Chaos des Recht und von der Meteorologie des Rechts jenseits der Systeme, deren Bau und Bildung man sich häuslich und haushaltlich konfirmiert vorstellen soll, da toben und tosen Juristen mit Recht. Dazu hat er eine starke These: eine Normalisierung sei im Gang, die ein Wegfegen sei, dessen Stationen seien Beispiele: Das Ende Jugoslawiens (das am 10. November 1989 aufbricht, wirklich zu werden), die Rechte des 11.Septembers 2001...und schwupps sei man in einer Welt, in der die Leute sich noch Dick Cheney zurückwünschen würden, weil der nicht so schlimm gewesen sei. Das ist polare Normalität: die einen beschreiben die letzten 36 Jahre so, als sei alles mit Recht überzogen worden; die anderen als Verspottung der rule-of-law allenthalben.
Alle dürfen zynisch sein, aber nicht jene Berater, zu denen die Leute kommen, die ihr Recht begehren.
Apokalypse, so u.a. Eduardo Viveiros de Castro, ist der Name einer Frage: in welcher Welt begehrst Du zu leben?

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Kafka in Champagnerlaune
Als Fabian Steinhauer eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich über sieben Wölckchen in einen ungeheuer charmanten Gastgeber verwandelt.
Die sogenannten Nachbarwissenschaften
Aus der Perspektive der Geschichte und Theorie juridischer Kulturtechniken sind die Wissenschaften, die von Rechtswissenschaftlern als Nachbarwissenschaften klassifiziert werden, historische Rechtswissenschaften. Und historisch sind alle Wissenschaften sowieso. Wieso sollte man sie dann Nachbarwissenschaften nennen? Ich habe das nicht vorgeschlagen.
Die Ars Memoria ist so eine Rechtswissenschaft - und dazu noch Bildwissenschaft.
Urteilen
Wo Urteilen eine wahrnehmende Praxis ist, da ist sie eine juridische Kulturtechnik.
Wie der Verdacht lautet (Liste)
Da steckt bestimmt was drin
Da steckt bestimmt was dahinter
Da kommt bestimmt noch was
Das war bestimmt noch nicht alles

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Also geht der Algorithmus
Was ist ein Algorithmus?
Ein Algorithmus ist eine List(e), ein Sequenz, eine Frequenz, eine Wiederholung, eine Rekursion, eine Operationskette, eine Schrittfolge und eine Staffelung, also geht der Algorithmus.
Wir gehen nicht nur ins Archiv, wir gehen auch im Archiv. Dort gehen wir nicht nur um, dort umgehen wir auch was.
Geschichte und Theorie des Nachlebens
Panciroli ist einer der Zuträger einer Geschichte und Theorie juridischer Kulturtechniken. Er hat nicht nur die Notitia Dignitatum ausführlich kommentiert, ist nicht nur Bild- und Rechtswissenschaftler, er ist auch Historiker und Theoretiker des Nachlebens, also auch eines Rechts, dessen Wahrnehmung post mortem erfolgen soll. Dieses Nachleben ist für ihn, wie für Warburg, eine Frage nach der Technik der Deutung, ihrer Energien und Dynamiken. Außerdem ist das eine Frage nach der Technik des Gedächtnisses. Von Erinnerung will ich nicht gleich sprechen, denn der Begriff ist dem der Internalisierung verwirrend nah. Das Gedächtnis ist, ich folge hier Warburg, Effekt des Distanzschaffens und der Verleibung.
Büro- und Studiokratie (droit/ draw)
Es gibt juridische Kulturtechniken ohne juristische Methoden. Es gibt keine juristische Methode ohne juridische Kulturtechniken. Es gibt kein Büro ohne Studio. Parlamentarisch mit Winston Churchill gesagt: First we shape things and than they shape us. Die juristische Methode kann das Recht und die Recht bestens isolieren. Und es ist doch und hat doch Echo. Und es faltet sich doch. Und da ist doch ein Begehren.
Manuela Camargo arbeitet an einer großen Studie, die ich als Beitrag zur Geschichte und Theorie juridischer Kulturtechniken lese. Anhand dreier afrikanischer Beispiele bechreibt sie ein Geschichte und eine Geschichte graphischer Züge. Ihr Forschungsprojekt ist Teil einer Gruppe, die sich den Namen Organizing Architectures gegeben hat. Die Forschung betrifft Formen und Normen, also auch das Verhältnis von Architektur und Recht. Sie beschreibt eine Abfolge, eine Staffelung, eine Schichtung und eine Geschichte von Normen und Formen, die so etwas wie zwei Enden, eventuell sind es Pole, besitzt: An der eine Seite oder dem einen Pol ist der graphische Zug ein Zeichung (ein Plan, ein Riss oder ein 'Trachten', wie es im Jiddischen heißt), eine Furche im Boden oder ein Träger aus Holz oder Eisen, der in den Registern historischer (Rechts-)Wissenschaft als Form auftaucht; am anderen Ende ist der graphische Zug Teil einer Quelle, die von historischen (Rechts)Wissenschaften als Norm registriert wird. Lauter graphischer Züge liegen dazwischen, etwa solche, die Sein und Sollen oder aber die Rechtswissenschaft von sogenannten "Nachbarwissenschaften" oder Begriffe von Metaphern wie der 'immbolienrechtlichen Metapher' von den sogenannten "Nachbarwissenschaft" abgrenzen sollen. Irgendwo wird ein graphischer Zug gemacht, der die Regel des Rechts von der Regula der Architekten unterscheiden und unterschiedlichen Registern zuordnen soll.
Camargo beschreibt in Operationsketten eine Transformation von Formen in Formen und Normen in Normen, über die sich dann die Selbstverständisse von wissenschaftlichen Disziplinen oder gesellschaftlicher Ausdifferenzierung, sogar Thesen zum Wesen des Westens und der Modernisierung stülpen. Camargo schreibt eines der Bücher, die ich dringend erwarte. Manche Leser, ich nicht, werden fragen, wo denn jetzt das Recht endlich beginnt und wo es aufhört. Andere Leser werden mit Staunen den Kooperationen, den Operationsketten, den Übersetzungen und Übertragungen, der 'Differenz und Wiederholung' sowie einem Gang folgen, der wiederum Gesetzen der Imitation, Kontrafaktur und Kreuzungen folgt, um an jeder Station auch Details für alle rechtlichen Unterscheidungen und alle architektonischen Unterscheidungen parat zu halten. Sie werden staunend den Verhäkelungen, den Verschleifungen und dem Verschlingen folgen.
Ich werde das Buch als Buch zu einer Welt lesen, die deswegen diplomatisch ist, weil ihre Kosmologie und Kosmographie durchgehend und anhaltend in Falten ist; diese Welt ist in Sequenzen und Frequenzen Echo von dem, was in jedem Detail Norm und Form ist.

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