März 2020
Emojis in Audiokonferenzen
Wie in mittendrin statt nur dabei erzählt, hat mein Team eine ständige Telefonkonferenz etabliert. Durch die Corona Pandemie arbeiten inzwischen alle Teammitglieder von zu Hause.
In unserem Team ist es üblich, alltägliche Dinge schnell zu kommentieren, sowohl im Chat, als auch bei Unterhaltungen. Im Chat verwenden wir dafür die ungezählten Möglichkeiten von Slack, mit Emojis und kurzen Filmsequenzen zu reagieren, das sieht dann z.B. so aus:
twitter.com/astielau/status/1047139815081295872
Wir haben schon vor einiger Zeit einen Weg gefunden, auch “Audio-Emojis” zu verwenden, in dem wir uns bestimmte Sounds auf einzelne Tasten unserer Tastaturen gelegt haben, und diese bei Bedarf abspielen. Es gibt auch entsprechende etwa zigarettenschachtelgroße Plastikkistchen mit 16 Knöpfen und einem kleinen Lautsprecher, die pro Knopf ein Geräusch abspielen können und rote, große Knöpfe mit etwa 8cm Durchmesser, die man per USB-Stick mit mp3s bespielen kann.
Diese Sounds drücken unsere Zustimmung, Ablehnung, Unglauben, Amüsiertheit und so weiter aus, ähnlich der bekannten Emojis.
Nun sind wir seit knapp einer Woche im Homeoffice und tragen alle Kopfhörer mit Mikrofonen, damit sind die auf dem eigenen Rechnern installierten Sounds sind nur noch für uns selbst, aber nicht in unserer gemeinsamen Audiokonferenz hörbar.
Das ist schlicht doof, weil uns das einer im Team sehr beliebten Ausdrucksform von Zustimmung oder Ablehnung auf Knopfdruck beraubt.
Also hab (nicht nur ich) gebastelt, um das doch hin zu bekommen. Leider erfordert dies etwas Eindenken in das Routing von Sound innerhalb des Computers.
Es gibt an meinem Laptop (Mac) folgende Audio Ein- und Ausgänge:
Eingänge
eingebautes Mikrofon
externes Mikrofon über Kopfhörer-Buchse (die ist vierpolig, das ist ein eigenes Kapitel)
externe Soundkarte, 2 Kanäle (via usb)
Ausgänge
eingebaute Lautsprecher
Kopfhörerbuchse (auch für externe Boxen geeignet)
HDMI (Lautsprecher am externen Monitor)
externe Soundkarte (via usb)
Ich benutze als geübter stundenlang Audiokonferenzer ein Headset (Kopfhörer/Mikrofon-Kombination) und eine externe Soundkarte, weil mir das mehr Kontrolle sowohl über den eigenen Aufnahmepegel und als auch über die Ausgabe ermöglicht und ich dann auch noch mein eigenes Gequatsche mit auf die Ausgabe für mich mischen kann, ich kann mich also trotz geschlossener Kopfhörer selbst hören.
Die ‘Emoji’-Sounds vom Soundboard - ich benutze https://www.myinstants.com/ und drücke die Knöpfe nicht auf meiner Tastatur sondern in einem Browserfenster - landen auf der auf dem Mac konfigurierten Standardaudioschnittstelle. Das ist bei mir die externe Soundkarte und damit mein Kopfhörer. Davon hören meine Kollegen also nichts.
Aktuell gibt es für macOS gerade keine brauchbare opensource Software (oder auch nur eine relativ günstig zu erwerbende Software) zum Routen von Sound bzw. Verbinden von mehreren Audiodevices, früher gab es dafür Soundflower. Dessen kommerzieller Nachfolger ist sehr gut, aber auch sehr teuer für etwas Spaß am Arbeitsplatz. Meine Kollegen und ich probieren einiges aus, aber das, was es umsonst gibt, zerschiesst uns immer wieder die Audiosysteme auf unseren Rechnern.
Ich beschliesse nach einigen Versuchen, das Problem möglichst in Hardware zu erschlagen, da ich nicht vorhabe, ins Podcastbusiness einzusteigen und mir deshalb die fälligen 120 US-Dollar für die Routingsoftware einfach nicht schön reden kann.
Es gibt auf dem Mac Programme, die in der Lage sind, eine unabhängig vom Default zu konfigurierende Quelle oder Ausgabe zu verwenden. Der Browser, meine Soundboard-Quelle, gehört da erstmal nicht dazu, aber Teamspeak, unsere Audiokonferenzsoftware kann unabhängig vom Systemdefault Ein- und Ausgänge konfigurieren. Also stelle ich den Systemdefault für ausgehenden Sound auf die Kopfhörerbuchse ein, Teamspeak aber auf die externe Soundkarte.
Meine externe Soundkarte hat neben dem Eingang für mein Headset-Mikrofon einen weiteren (freien) Eingang, an den ich nun einfach den Ausgang der Kopfhörerbuchse anschliessen will.
Dafür braucht man ein Mini-Klinkenstecker auf der Rechnerseite und auf der Soundkartenseite ein Klinkenstecker, und ich hab eine große Kiste mit Klinkekabeln aller Arten.
Die unterschiedliche Größe ist kein Problem, dafür hab ich Adapter. Leider haben die beiden Buchsen auch noch komplett unterschiedliche Belegungen. Die Buchse des Macs hat z.B. vier Pole, und allein schon durch Ausgang auf der einen und Eingang auf der anderen Seite des Kabels muss da offensichtlich was passieren, um einen funktionierenden Kontakt herzustellen.
Die genauen Belegungen erspar ich der Leserschaft, wen das doch näher interessiert - z.B., weil Ihr bisher geglaubt habt, dass der Mac gar keinen Mikrofoneingang auf der Kopfhörerbuchse hat, weil das nie funktioniert hat - doch, hat er - es ist nur anders spezifiziert als in der Nicht-Apple-Welt meist üblich. Stichworte sind TRRS, TRS (Tip Ring (Ring) Shaft) und OMTP vs. CTIA. Es gibt Adapter, die von dem einen auf das andere drehen und/oder es einfach aufsplitten auf zwei dann zwei- oder dreipolige Stecker.
Ich hab meine Kabel-Adapter-Kiste durchprobiert, bis ich den Ausgang des einen auf dem Eingang des anderen hatte (ich hab vorher die Belegungen gegoogled, um die Testphase zu verkürzen) - kurz noch eingepegelt, und endlich kann Chewbacca auch in unserem Audiochat brüllen.
Meine Kollegen benutzen alle Mac oder Linux, unter Linux ist es möglich, ohne große Kosten ins Audio-Routing einzusteigen, aber auch das hat einiges an neuem, ungewolltem Wissen hervorgebracht :-D
(Alexander Stielau)



















