Um die ›Klasse im Überbau‹ zu verstehen, müssen wir zunächst wissen was der Überbau ist. Und um das zu verstehen, brauchen wir ein Verständnis von der ›Basis‹ einer Gesellschaft: den Produktivkräften und Produktionsverhältnissen.


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Um die ›Klasse im Überbau‹ zu verstehen, müssen wir zunächst wissen was der Überbau ist. Und um das zu verstehen, brauchen wir ein Verständnis von der ›Basis‹ einer Gesellschaft: den Produktivkräften und Produktionsverhältnissen.

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Die Rassenlehre des Nationalsozialismus und die Klassenlehre des internationalen Sozialismus sind zwei Seiten der Medaille, die Faschismus heißt.
20. November 2019
REFLEXIONEN ZUR KLASSENTHEORIE
“Nach dem Bilde der manifesten Usurpation, die von den einträchtigen Führern von Kapital und Arbeit heute verübt wird, ist sie die Geschichte von Bandenkämpfen, Gangs und Rackets.”
by Theodor W. Adorno
Never mind the Klassengrenzen!
Huch. Hatte gerade einen kleinen Bourdieu-Flash. Bei Pierre Bourdieu gibt es das Kapital, wie einst bei Marx. Bloß, dass er den Marxschen Kapitalbegriff auf das nächste Level mongogepusht hat. Bei Bourdieu gibt es vier Kapitalsorten: das ökonomische K., das kulturelle K. und das soziale K. (hat nichts mit KKK zu tun, keine Sorge). Unsere soziale Herkunft bestimmt, wie viel Kapital uns von Geburt an zur Verfügung steht.
Mir hat Bourdieu wirklich dabei geholfen, die deterministischen Klassengrenzen moderner Gesellschaft zu begreifen (bzw. wie soziale Ungleichheit entsteht). Ich kann zwar machen, was ich will. Aber ich kann nicht wollen, was ich will. Anders gesagt: Wie viel Startkapital mir im Leben (durch Herkunft, Schulbildung oder auch Geld des Elternhauses) zur Verfügung steht, wirkt sich auf meine Position im sozialen Raum aus (siehe Schaubild).
Beispiel: Wenn ich als Tochter eines Landarbeiters, der gerne Schaumwein trinkt, geboren werde, wird es mir schwer fallen, genügend kulturelles Kapital zu akkumulieren, um Raketenforscher zu werden. Im Gegensatz zum Sohn eines Universitäts-Professors, der gerne das Theater und ayurvedische Yoga-Seminare besucht. Ergebnis: Es bestehen deterministische, unsichtbare Klassengrenzen, die sich anhand des Habitus durch die Praxis konstituieren. Es ist zwar nicht unmöglich, diese Grenzen zu überwinden (wie noch bei Marx), aber es ist schwer. Bourdieus Modell des sozialen Raums war vor allem auf die französische Gesellschaft gemünzt. In Frankreich ist die soziale Ungleichheit noch manifester als in Deutschland, da nur die Elite das nötige Kleingeld hat, ihren Nachwuchs auf Reichenschulen zu schicken. Fast jeder französische Präsident war beispielsweise auf dieser einen Schule in Paris, deren Name mir gerade nicht einfällt. Ebenso gibt es dort eine Elite-Uni, die tatsächlich auch nur für die Elite ist. Ich bin nur eine bescheidene Qualle, aber meiner Meinung nach lässt sich sein Modell dennoch auf jede beliebige westliche Gesellschaft und auch Deutschland übertragen. Ich rammbocke schon eine Weile an den unsichtbaren Klassengrenzen. Einziges Resultat: Kopfschmerzen. Die Jungs hier haben es noch schwerer. Mein Tipp: einer schaffts, der andere nicht. No Front. Versuch mal, als Neukölln-Atze aus Neukölln rauszukommen (mal abgesehen von Gentrifizierung). It´s all in the society.
Genau. Letztlich kann man eine Reihe von Postulaten (sozial gleiche Bildungspolitik, Abschaffung des Neoliberalismus, etc.) aus Bourdieus Theorien formulieren. Aber wer fragt mich schon. Ich bin nur eine kleine Qualle. Große Sprünge sind nicht so meine Sache. Mal sehen, ob mich die Strömung über die Klassengrenzen treibt. Yeah.
"Die Geschichte ist, nach dem Bilde der letzten ökonomischen Phase, die Geschichte von Monopolen. Nach dem Bilde der manifesten Usurpation, die von den einträchtigen Führern von Kapital und Arbeit heute verübt wird, ist sie die Geschichte von Bandenkämpfen, Gangs und Rackets.
[...]
Indem aus der Dialektik der Klasse am Ende die nackte Cliquenherrschaft sich erhebt, wird die Soziologie erledigt, die das immer schon gemeint hat. Ihre formalen Invarianten erweisen sich als Voraussagen über jüngste materielle Tendenzen. Die Theorie, die an der Lage heute lernt, die Banden in den Klassen zu identifizieren, ist die Parodie auf die formale Soziologie, welche die Klassen leugnet, um die Banden zu verewigen."
[Th. W. Adorno: Reflexionen zur Klassentheorie]

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