Meine Mutter ruft mich an. Sie verkauft eine Flöte über das Internet und ein Interessent hat gefragt, ob die Flöte auf 415 Hertz gestimmt ist. Die Flöte soll wohl in einem Ensemble gespielt werden und da müssen die Instrumente aufeinander abgestimmt sein, damit es nicht doof klingt.
Interessanterweise scheitert es nicht am Messen der Frequenz, sondern an Flötenkenntnis. Meine Eltern sind aus Fledermausforschungsgründen relativ gut mit Audioequipment ausgestattet (auch zum Beispiel geeignet für Spitzmausinterviews), allerdings ist unklar, welches der richtige Ton ist, der für die Messung gespielt werden soll. Der Interessent sagt, es soll ein A gespielt werden, da passt die Frequenz aber nicht. Wir sind eher Blockflötenerprobt, offensichtlich ist es aber keine Blockflöte. Ich setze mich ans Klavier und wir probieren so lange rum, bis wir rausgefunden haben, was meine Mutter spielen muss, damit ein A rauskommt.
Ich schlage aber auch vor, dass sie ja einfach mit dem Kaufinteressenten telefonieren kann, dann kann er das ja noch mal übers Telefon gegenprüfen.
Als ich im Techniktagebuchredaktionschat davon erzähle, werden gleich mehrere neue Tipps gegeben und Fragestellungen aufgeworfen. Früher zum Beispiel konnte man einfach den Telefonhörer abnehmen, denn das Freizeichen war ein Kammerton A (das Techniktagebuch berichtete). Heute gibt es kaum noch Telefone mit Freizeichen, der Trick hat sich also nicht so gut in die Gegenwart gerettet. Natürlich hätte meine Mutter auch einfach eine App benutzen können, aber für sie ist es wohl naheliegender, bei ihrer Tochter anzurufen als eine App zu installieren. Wie man wohl früher ohne Freizeichen und App Instrumente gestimmt hat, fragt Kathrin und ich sage natürlich sofort “Stimmgabel”, aber wie man wusste, wie man eine Stimmgabel richtig eicht, kann ich auch nicht sagen und Kathrin fällt in ein Stimmtechnikhistorienloch auf Wikipedia.
Eine weitere Frage ist natürlich, ob unser Klavier auch richtig gestimmt ist. Das kann ich tatsächlich einigermaßen ehrlich bejahen. Zwar müsste das Klavier tatsächlich mal wieder gestimmt werden, aber ich spiele regelmäßig zu Songs auf Spotify und da wäre es mir aufgefallen, wenn ich immer einen Halbton zu tief oder zu hoch wäre.