05/20 - Die Hure vom KĂŒniglberg
Im Jahre 1983, der Mai war in voller BlĂŒte, erblickte ein Junge die Welt, der, nur 36 Jahre spĂ€ter, die Medienlandschaft Ăsterreichs Fundamental verĂ€ndern sollte. Der kleine Tobias wuchs behĂŒtet im oberösterreichischen Innviertel auf und verabschiedete sich nach seinem Schulabschluss in die weite Welt, um in Salzburg Politikwissenschaften zu studieren. Dort fing er spĂ€ter auch prompt bei der Lokalsparte des ORF an, wo er, unter noch ungeklĂ€rten UmstĂ€nden, eine Steilkarriere bis zum ZiB Salzburg Moderator hinlegte.
Doch nicht fĂŒr jeden sind die GrĂŒnde fĂŒr seinen rasanten Aufstieg so ominös. Man muss nur einen Blick hinter die Kulissen des ORF werfen und schon findet man Antworten auf so manche Frage, unter anderem auch was den charismatischen News-Reporter so besonders macht.
Wenn man kurz vor der Sendezeit das ZiB Studio am KĂŒniglberg verlĂ€sst, und einen langen, fensterlosen Gang bis zur nĂ€chsten Toilette entlang geht, findet man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Armin Wolf darin vor, der sich die HĂ€nde wĂ€scht und sein Hemd wieder in den Hosenbund steckt. Kein ungewöhnlicher Anblick, wĂŒrde man meinen, oder? Was man allerdings zu diesem Zeitpunkt bereits verpasst hat, ist gedĂ€mpftes Stöhnen aus einer der Toilettenkabinen, dann das GerĂ€usch eines ReiĂverschlusses und letztendlich Tobias Pötzelsberger, der aus eben jener Kabine tritt und sich mit einem zusammengefalteten StĂŒck Klopapier den Mundwinkel abwischt. Nachdem dieser das Bad verlassen hat, tritt auch Armin Wolf aus der Toilettenkabine, das Gesicht entspannt, wenn auch leicht gerötet.
Indessen hat der unter der Ibiza-AffĂ€re aufgegangene Moderatorenstern schon seinen Platz im ZiB Studio eingenommen. In seiner Hostentasche ist ein Post-It, das jemand auf seinen Platz geklebt hat. Darauf steht nur âNachher?â, doch das genĂŒgt Tobias vollkommen um zu wissen, dass diese Nachricht von seiner Kollegin Kristina Innhof aus der Sportredaktion stammt. Er hat zwar spĂ€ter noch einen Termin beim Generaldirektor des ORF, Dr. Alexander Wrabetz, doch das Meeting mit Kristina lĂ€sst sich ohne Probleme davor unterbringen.
Doch erst einmal ist es Zeit FĂŒr die Nachrichten. Jedes Mal, wenn der Journalist auf seinem Platz am Moderatorentisch sitzt und in den Teleprompter blickt, blĂŒht er so richtig auf.
Nichts bedeutet ihm mehr als sein Job und das ist ihm auch anzusehen. Sobald die Worte âWir sind live in fĂŒnf, vier, dreiâŠâ ertönen und die Aufnahme beginnt, ist der rotblonde JĂŒngling wie ausgewechselt, beinahe jegliche Spur von dem jungen Mann, der kurz zuvor noch ganz nonchalant in einer Herrentoilette vor einem seiner Moderatorenkollegen gekniet hat, ist verschwunden, ĂŒbrig ist nur das gleiche, magnetische Grinsen.
Folgt man dem noch ĂŒberaus jugendlichen Tobias nachdem das Nachrichtensegment abgedreht ist, macht dieser einen kurzen Abstecher in die hauseigene Cafeteria des ORF-Zentrum um sich um eine kleine StĂ€rkung zu kĂŒmmern, wĂ€hrend Kristina noch den Sport moderiert. Anstatt seinen Snack direkt dort zu sich zu nehmen, macht er sich mit selbstbewussten Schritten auf den Weg zur Garderobe jener Kollegin, die ihm das Post-It hinterlassen hat. Dort lĂ€sst er sich auf einen Stuhl nieder und wartet auf die Ankunft von Kristina Innhof. Seine Geduld wird nur wenige Minuten spĂ€ter belohnt, als die Sportreporterin mit einem schiefen Grinsen im Gesicht ihre Garderobe betritt und, noch bevor die TĂŒr hinter ihr zufĂ€llt, beginnt ihre Bluse aufzuknöpfen.
FĂŒnfzehn Minuten spĂ€ter, als die TĂŒr zu Kristina Innhofs Garderobe sich wieder öffnet und Tobias Pötzelsberger zufrieden grinsend aus dem Raum tritt, wĂ€hrend er sein Hemd glattstreicht, sitzt seine Kollegin schwer atmend und mit einem befriedigten LĂ€cheln auf den Lippen in ihrem Sessel.
FĂŒr den jungen Starmoderator ist der Tag jedoch noch nicht zu Ende, denn ein Blick auf seine Uhr verrĂ€t ihm, dass es jetzt Zeit ist den Generaldirektor aufzusuchen. Geschickt wie kaum ein zweiter manövriert Tobias die dunklen GĂ€nge des ORF Studios, bis er schlussendlich vor Alexander Wrabetzâ BĂŒro steht, wo er ohne zu zögern klopft. Sogleich wird er hereingebeten und die TĂŒr fĂ€llt ins Schloss. Von auĂen hört man nun gedĂ€mpfte Stimmen, klar auszumachen sind nur GesprĂ€chsfetzen, wie âsehr gute Arbeitâ, âkleiner Gefallenâ und  âSommergesprĂ€che sind deineâ, die hie und da von unmissverstĂ€ndlich amourösen GerĂ€uschen unterbrochen werden. Auch wenn man als AuĂenstehender natĂŒrlich nicht durch die geschlossene TĂŒre blicken kann, kann man sich mit etwas Fantasie doch vorstellen, wie es aussehen möge, wenn der junge Moderator ĂŒber den Schreibtisch gebeugt von hinten mit Komplimenten ĂŒberschĂŒttet wird. Denn so sehr es böse Zungen auch verlautbaren, Tobias hat seine Karriere bestimmt nicht wirklich seinen leicht öffnenden Schenkeln zu verdanken. Das war nur ein Bonus.
Nach einer guten halben Stunde öffnet sich auch diese TĂŒre wieder und ein sehr professionell, wenn auch etwas mĂŒde aussehender Tobias Pötzelsberger tritt aus dem Raum. Die Arbeit des Tages ist nun getan und er marschiert mit seinem unermĂŒdlichen, schiefen Grinsen aus dem ORF-Zentrum und macht sich auf den Weg zu Frau und Kind.
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Texte von anno dazumal (auch bekannt als die Zeit der ersten COVID Lockdowns) zeugen von der psychischen InstabilitÀt einer Generation (auch bekannt als ich und ich allein)
No offence an Tobias Pötzelsberger, der macht seinen Job eh gut, aber mein Körper hat eine ganz eigene neue Stressreaktion fĂŒr sein Gesicht hinter dem ZiB Newsdesk erfunden, da kommt man schonmal auf dumme Ideen.













