Ăoebersichtlicheres, benutzerfreundliches Design, auch verfĂÂŒgbar fĂÂŒr alle fĂÂŒhrenden MobilgerĂ€te
Beim Abrufen der Mails Anfang April 2011 stellt sich mir mein Freemail-Provider mit einer Nachricht in den Weg:
»Vielen Dank, dass Sie Yahoo! Mail seit 13 Jahr(en) verwenden. Wir freuen uns darauf, Ihnen bald eine noch schnellere, sicherere und benutzerfreundlichere Version von Yahoo! Mail anbieten zu können. In den nĂ€chsten Monaten werden wir Sie darum bitten, fĂŒr Ihren Account ein Upgrade auf die neueste Version von Yahoo! Mail durchzufĂŒhren. Alle Nutzer von Yahoo! Mail werden gebeten, auf die neue Version umzusteigen. Sie brauchen aber nicht zu warten, sondern können die neueste Version von Yahoo! Mail schon heute verwenden! Beim Upgrade auf die neueste Version von Yahoo! Mail bleiben alle Daten in Ihrem Account (Mails, Ordner, Kontakte usw.) erhalten.
Wenn Sie jetzt noch nicht umsteigen, empfehlen wir, es bald zu tun. Yahoo! Mail Classic wird Ihnen zwar noch ein paar Monate zur VerfĂŒgung stehen. Wenn Sie jedoch die neuen Leistungsmerkmale nutzen möchten, empfehlen wir Ihnen, auf die neue Version von Yahoo! Mail umzusteigen. Vielen Dank, dass Sie Yahoo! Mail verwenden. Wir hoffen, die neueste Version von Yahoo! Mail macht Ihnen SpaĂ!«
Dazwischen zwei fette gelbe Buttons: »Auf neue Version umsteigen«.Â
Ich bin daran gewöhnt, dass im Netz tĂ€glich alles Mögliche ohne meine Zustimmung umgebaut wird und bin erstaunt, mit welcher IntensitĂ€t Yahoo um mein EinverstĂ€ndnis bittet. Irgendwas mĂŒssen sie 1995 in den AGB vergessen haben, was ihnen jetzt hinderlich ist. Denn so alt ist meine Mail-Adresse meiner Erinnerung nach und nicht erst 13 Jahre. Naja, im Zweifel wird Yahoo! wohl richtiger zĂ€hlen. Den zwei Buttons gehe ich jedenfalls aus dem Weg und beschlieĂe abzuwarten.
Zwei Monate spÀter versucht Yahoo es von neuem, mit einem weniger wortreichen, aber Àhnlich zahnlosen Ansatz, den ich ebenfalls ignoriere:
»Wenn Sie jetzt noch nicht umsteigen, empfehlen wir, es bald zu tun. Sie können zwar Ihre aktuelle Version von Yahoo! Mail noch nutzen, doch empfehlen wir sehr, auf die neueste Version von Yahoo! Mail umzusteigen. Vielen Dank fĂŒr Ihre Treue zu Yahoo! Mail! Wir hoffen, dass Ihnen die neueste Version von Yahoo! Mail gefĂ€llt.«
Anfang August ist die Zeit der Bitten und Empfehlungen vorbei, die Zeit meines lieben alten Yahoo! Mail soll Mitte des Monats ablaufen.
Ein Umstieg wĂŒrde die Zustimmung zu neuen AGB bedeuten, in diesem Fall zur Erlaubnis, dass meine Mails automatisch durchsucht und analysiert werden. Das scheint mir eine Verschlechterung. Mit mangelnder Geschwindigkeit, Spam oder unĂŒbersichtlichem Design gab es noch nie Probleme. In der vertrauten BenutzeroberflĂ€che ist der »Umgang« mit Mails schon jetzt kinderleicht. Das will ich am liebsten so beibehalten. Ăber einen Link im GestrĂŒpp des Kleingedruckten finde ich, was ich suche: »Nein danke. Weiter zu Yahoo! Mail Classic«. Was wohl am 15. August passiert?Â
Nichts passiert. Ich googele ein bisschen, was bereits umgestiegene Nutzer zur neuen Version von Yahoo! Mail sagen, und treffe auf vielstimmiges Gefluche. Ich achte beim Abrufen der Mails im Browser darauf, nicht versehentlich auf einen Wechsel-Button zu klicken, und eine Weile höre ich nichts mehr von der Sache.Â
Erst ein Jahr spÀter wendet sich Yahoo wieder an mich:
Die Aussicht durch das Loch im »Papier« der Browserseite lĂ€sst vermuten, dass auf die Zusammenfassung von MailstrĂ€ngen, wie sie beim Konkurrenten Gmail stattfindet, verzichtet wurde. Die im winzigen, hellgrauen Text erwĂ€hnte Neuerung, alle persönlichen Nachrichten zu Werbezwecken (und »um vor Missbrauch zu schĂŒtzen«) durchsuchen zu wollen, bleibt schwer als Vorteil vermittelbar. Das Upgrade versucht damit zu punkten, dass ansonsten alles bleibt, wie es ist: »Mails, Ordner und Kontakte bleiben unverĂ€ndert! Nur ein Klick und kein Download!«
Darunter offenbart sich wiederum, ebenfalls winzig klein und hellgrau, die Hilflosigkeit des Anbieters:
»Wir empfehlen, so bald wie möglich auf die neue Version umzusteigen. Ihre aktuelle Version von Yahoo! Mail ist nicht mehr verfĂŒgbar. Sie können auf Yahoo! Mail Classic zugreifen, aber wir empfehlen Ihnen, entweder auf die neueste Version von Yahoo! Mail umzusteigen oder den Hilfeartikel zu lesen, in dem weitere Optionen beschrieben sind.«
Ich schlage den Weg ein, der mir zum Abschluss als Link angeboten wird: »Jetzt zu Yahoo! Mail Classic gehen.« Â
Im April 2013 werden schlieĂlich andere Seiten aufgezogen. David McDowell, Senior Director of Product Management, teilt mir vergleichsweise lapidar mit, dass der Wechsel demnĂ€chst nahtlos und umgehend erfolge. Und zwar schon nach einer weiteren, fĂŒr Anfang Juni angekĂŒndigten Benachrichtigung. Richtig entschlossen klingt das noch nicht. Wie immer gibt es Alternativen: Ich kann das neue Yahoo! Mail auch heute schon laden. Muss aber nicht! Denn âŠ
»Ihre derzeitige Version von Yahoo! Mail können Sie noch
mindestens 30 Tage nach dem Datum dieser Mail nutzen. Dann wird Ihre derzeitige Version von Yahoo! Mail nicht mehr zur VerfĂÂŒgung stehen.«
»Ăoebersichtlicheres, benutzerfreundliches Design, auch verfĂÂŒgbar fĂÂŒr alle fĂÂŒhrenden MobilgerĂ€te«, wie es die kĂŒnftige Version mitzubringen verspricht, kann eventuell auch Umlaute richtig darstellen. Wie die Geschichte, in der so halbherzig gedroht wird, wohl weitergeht? Ich will erfahren, wie lang mindestens 30 Tage sind und beschlieĂe abzuwarten, was mir in den kommenden Monaten bzw. Jahren empfohlen wird.Â
Irgendwann im Sommer 2013 lade ich vorsichtshalber den Inhalt sĂ€mtlicher Ordner, an denen mir etwas gelegen ist, in einem umstĂ€ndlichen Verfahren in Thunderbird, mein Mailprogramm. Von dort aus exportiere ich sie als txt-Dateien (inkl. der zugehörigen AnhĂ€nge). Und bei einem Neustart aktualisiert sich Yahoo! Mail eines Tages tatsĂ€chlich zur neuen, dynamischen und deutlich lahmeren Version. Was vorher blau war, ist jetzt lila. Die Reklame, die mir angezeigt wird, stört kaum und passt bemerkenswert wenig zu den Inhalten meiner Korrespondenz.Â
Ob ich bei dieser letzten Aktualisierung aktiv neuen GeschĂ€ftsbedingungen zustimmen muss, ist nicht dokumentiert. Die Unternehmenskommunikation auf dem Weg dahin faszinierte mich offenbar mehr als die Folgen.Â