Während sich meine ahnungslose Mutter tausende Kilometer entfernt auf einem Kreuzfahrtschiff befand, knöpfte ich mir ihr Linsensuppenrezept vor. Die Linsensuppe meiner Mutter ist lecker wie die Sau. Das mag unter anderem daran liegen, dass sie anfangs das Suppengemüse zusammen mit Speckwürfelchen anbrät. Und auch daran, dass sie später kleine Hackfleischkügelchen in die Suppe gibt.
Mein Gedanke war: Lasse ich diese Fleischbeigaben weg, sollte doch immer noch ein gesundes, (hoffentlich) leckeres Süppchen bleiben. Und wo ich schon mal dabei war, von der mütterlichen Linsensuppennorm abzuweichen, entschied ich mich auch gleich noch gegen die Instant-Gemüsebrühe aus dem Glas und bereitete mir meinen eigenen Fond zu.
D.I.Y.-Fond ist ganz einfach herzustellen. Man nimmt den Abschnitt vom Suppengemüse (also Möhrenschalen etc.), dazu Gewürze nach Wahl (Zeug wie Lorbeerblätter, Nelken ... nur keine Gewürzkräuter wie Thymian und Konsorten). Abschnitt und Gewürze werden in einem großen Topf mit 2/3 Wasser kurz aufgekocht. Dann das ganze eine halbe bis volle Stunde ziehen lassen. Salz nicht vergessen. Und dann bäm! Funktioniert und ist auch noch lecker. Mir wurde nach fast 38 Jahren auf dem Planeten Erde erstmals bewusst, was für ein ekliger, nur nach Salz und künstlichen Aromen schmeckender Mist Instant-Gemüsebrühe eigentlich ist.
Ich briet alsdann das Suppengemüse an, dass ich um weitere Möhren, zudem um Brechbohnen und Staudensellerie erweitert hatte. So, wie ich es bei meiner Mutter gesehen hatte, eben nur ohne Speckwürfelchen. Dann die Brühe drauf, die (gut abgewaschenen) Linsen und Kartoffeln sowie einen kräftigen Schluck Essig rein. Ausgiebig kochen lassen, bis die Kartoffeln weich sind. Allerdings aufpassen, dass die Linsen nicht zu weich werden.
Das Ergebnis war nicht gut. Es war grandios. Meine Zunge und mein Gaumen hatten einen wilden Dreier mit dieser geilen Linsensuppe. Und ich ahnte: Wenn es also ein geiles Essen ist, dürfte es ziemlich egal sein, ob mit oder ohne Fleisch, Milchprodukte oder was sonst noch aus Tieren gewonnen wird. So nahm mir das Erfolgserlebnis Linsensuppe ein wenig die Furcht vor meinem noch sehr jungen veganen Leben.