Seit 2007
Die Kommandozeile fĂŒr das WWW
Oben im Browser, in die Adressleiste, da kann man ja nicht nur URLs eingeben. Man kann auch einen Suchbegriff eingeben und kommt dann direkt zu der Seite mit den Suchergebnissen bei der eingestellten Standardsuchmaschine, meistens Google. So spart man sich den Zwischenschritt, bei dem man die Startseite der Suchmaschine aufruft und sich dort erstmal zurechtfinden muss â sicherstellen, dass der Cursor auch im Suchfeld ist, usw.
Nun gibt es aber nicht nur Google, sondern eine Vielzahl an Websites, die Suchfunktionen anbieten, und bei denen ich genauso wenig Lust habe, mich jedes Mal auf ihren Startseiten zurechtzufinden, wenn ich etwas suche. Deswegen habe ich bei mir im Browser als Standardsuchmaschine nicht Google, sondern trovu.net eingestellt. Dadurch muss [1] ich zwar jede Suchanfrage in der Adresszeile mit einem fĂŒr Uneingeweihte kryptischen KĂŒrzel beginnen. Ich habe dadurch aber eine Vielzahl an Websites at my fingertips. Je nach KĂŒrzel werde ich sofort zu den Suchergebnissen auf der entsprechenden Website geleitet. Selbstredend ohne dass ich meine Finger fĂŒr eine Sekunde von der Tastatur wegbewege, denn Ctrl+L bringt mich direkt in die Adresszeile. Zumindest fĂŒr einen Unix-Nerd wie mich ist das ideal, quasi die #Kommandozeile fĂŒr das WWW. Dieser YouTube Short veranschaulicht das Prinzip.
Trovu wird von Georg JĂ€hnig entwickelt, wie schon die VorgĂ€nger Serchilo und FindFind.it. 2007 stellte er Serchilo auf der von mir mitorganisierten Tagung der Computerlinguistik Studierenden (TaCoS) in TĂŒbingen vor. Seitdem habe ich Serchilo und seine Nachfolger durchgehend verwendet. Seit ca. den 2010ern lassen sich auch mobile Browser und Such-Widgets fĂŒr Smartphone-Homescreens entsprechend konfigurieren. Trovu ist kostenlos, quelloffen, datensparsam und werbefrei und finanziert sich durch Afffiliate-Links, d.h., wenn ich ĂŒber Trovu z.B. bei Amazon was suche und dann was kaufe, kriegt Georg eine kleine Provision.
Eine Vielzahl nĂŒtzlicher KĂŒrzel ist vordefiniert, man kann aber auch eigene definieren und damit auch vordefinierte KĂŒrzel fĂŒr sich selbst ĂŒberschreiben. So bin ich 2024 von Google zu DuckDuckGo gewechselt, mein MuskelgedĂ€chtnis musste ich aber nicht umtrainieren: Das KĂŒrzel g ist weiterhin fĂŒr die Websuche zustĂ€ndig, ich habe es mir einfach so umdefiniert, dass es DuckDuckGo aufruft, entsprechend gi fĂŒr die Bildersuche. Entsprechend habe ich mir 2013, als Google Reader eingestellt wurde, r so umdefiniert, dass es nun Feedly aufruft. In diesem Fall und bei anderen Webseiten, die ich besonders hĂ€ufig aufrufe, verwende ich meistens gar keinen Suchbegriff, sondern benutze das KĂŒrzel wie ein Lesezeichen. Trovu ruft dann in den meisten FĂ€llen die Startseite der jeweiligen Website auf, aber auch das lĂ€sst sich konfigurieren. Das Bearbeiten der KĂŒrzel erfolgte bei Serchilo nerdig ĂŒber ein MediaWiki, bei FindFind.it ĂŒber eine Drupal-basierte Website und bei Trovu wieder nerdiger, indem man eine Konfigurationsdatei auf GitHub pusht.
Hier ist eine subjektive und willkĂŒrliche Auswahl meiner 5 wichtigsten Use-Cases fĂŒr Trovu und der zugehörigen KĂŒrzel:
Ein Wort in einem zweisprachigen Online-Wörterbuch nachschlagen. Will ich zum Beispiel wissen, was Zahn auf dĂ€nisch heiĂt, gebe ich den ISO-639-2-Code fĂŒr DĂ€nisch, da, als KĂŒrzel ein, gefolgt von dem Suchwort: da zahn. Trovu leitet mich zu einem deutsch-dĂ€nischen Online-Wörterbuch, denn es weiĂ, dass meine Standardsprache Deutsch ist. Will ich stattdessen in einem englisch-dĂ€nischen Wörterbuch nachschlagen, prĂ€figiere ich das KĂŒrzel mit dem entsprechenden Namensraum-KĂŒrzel, was quasi meine Standardsprache fĂŒr diese Suchanfrage zu Englisch Ă€ndert und mir eine andere Auswahl an definierten KĂŒrzeln liefert: en.da tooth. Gebe ich fr zahn ein, komme ich auf ein deutsch-französisches Wörterbuch, LEO.org. Will ich stattdessen dict.cc benutzen, so gibt es auch dafĂŒr einen Namensraum: dcc.fr zahn.
FĂŒr viele meiner eigenen Websites habe ich persönliche KĂŒrzel definiert, sowohl mit Argument zum Suchen als auch ohne Argument zum Aufrufen einer Seite: vw fĂŒr das Wiki der Gesellschaft zur StĂ€rkung der Verben, vv, um direkt zur Liste der gestorkenen Verben zu kommen, vf fĂŒr das Forum der Gesellschaft zur StĂ€rkung der Verben, lt, um bei Freut euch des Labenz! ein Stichwort aufzurufen, ls, um dort alle Definitionen zu durchsuchen, tn, um mein Tweetarchiv zu durchsuchen, tttt, um mein Blog zu durchsuchen.
Die verschiedenen Funktionen von Kleinanzeigen (frĂŒher eBay Kleinanzeigen) navigiere ich mit KĂŒrzeln: kaz zum Suchen oder zum Aufrufen der Startseite, kazn, um direkt zu den Nachrichten zu kommen, kaza fĂŒr die Liste meiner Anzeigen, kazm fĂŒr meine Merkliste und kaz+, um direkt zu dem Formular zum Aufgeben einer neuen Anzeige zu kommen.
a durchsucht das Angebot von Amazon, ao meine Bestellhistorie. WĂŒrde ich das Formular auf der Website benutzen, wĂŒrde ich stĂ€ndig die beiden Suchfelder verwechseln.
Lauert hinter einem URL eine Paywall, ein unbenutzbar formatiertes Kochrezept oder eine verschwundene Seite, gibt es oft einen speziellen Dienst, der Abhilfe schafft. In Kombination mit Trovu muss ich nur in die Adressleiste springen und den problematischen URL mit einem entsprechenden KĂŒrzel prĂ€figieren: atd schmeiĂt ihn in den Paywallentferner Archive.today, ckd in den Rezeptaufbereiter Cooked.wiki und wbm in das Archiv Wayback Machine.
[1] Muss ich gar nicht. Wenn meine Suchanfrage nicht gerade mit einem Wort beginnt, das in Trovu als KĂŒrzel definiert ist, leitet Trovu mich einfach zu meiner in Trovu als Standard eingestellten bevorzugten Suchmaschine DuckDuckGo weiter.
(Kilian Evang)














