Das geht bei uns am Dienstrechner nicht
Alina Smithee veranstaltet Schulungen in städtischen Einrichtungen. Sie interessiert sich noch mehr als ich für digitale Tools und ich habe bisher in fast jedem Gespräch mit ihr von irgendeiner Kollaborationsmöglichkeit erfahren, die mir bis dahin unbekannt war. Deshalb überrascht es mich sehr, als sie im Chat sagt:
“In meinem Umfeld der Weiterbildungsinstitute wird jetzt alles auf Online-Lehre umgestellt. Es wird richtiggehend Druck auf die Dozenten ausgeübt, alles nur noch in dieser Form anzubieten. Ich verweigere mich dem – egal ob es unmodern und rückwärtsgewandt ist. Es passt nicht zu mir und meinen Inhalten. Ggf. muss ich mir da eine neue Nische suchen demnächst. (...) Beim Vortragen entscheidet bei mir das Publikum über die nächste Anekdote oder das nächste Beispiel. Meine Folien zeigen nur Bilder oder mal Schlagwörter. Dazu kann ich nach Belieben jeden Text sprechen, den ich will. Meine Realität sieht aber leider meist ganz anders aus. Entweder Gruppe gemeinsam im Raum – ich zugeschaltet. Leider ist ja immer schlechtes Netz, also wird Bild und Ton der Gegenseite notgedrungen abgeschaltet. Oder einzeln, aber alle mit Dienstrechner und anderen technischen Problemen, so dass sie dauernd rein und rausploppen und sowieso kein Bild haben können. Öffentlicher Dienst halt. Und das Publikum ist immer gereizt und genervt, weil man sie zwingt, sich mit technischen Geräten auseinanderzusetzen in einer völlig technikfeindlichen Dienstumgebung. Seit einem Jahr hat sich niemand mehr gefreut, mich zu sehen, sondern fand es immer eine Zumutung. Ist zwar nichts Persönliches, aber macht was mit der Stimmung.”
Weil ich darüber gern mehr wüsste, Alina es aber nicht selbst fürs Techniktagebuch aufschreiben will, verabreden wir uns einige Tage später zu einem Gespräch in Zoom. Das Folgende ist eine leicht gekürzte Transkription dieses Gesprächs.
Alina: Liegt wahrscheinlich auch an meinem inneren Gebürstetsein dagegen, überhaupt Professionalität einziehen zu lassen, weil ich das nicht machen will. Weil es nicht schön ist, weil es keinen Spaß macht.
Kathrin: Ist bei mir eigentlich umgekehrt. Sowohl beim Vortragen als auch jetzt bei diesen digitalen Veranstaltungen: Ich geb mir immer gerade deshalb Mühe, die Sachen, die ich relativ leicht optimieren kann, auch zu optimieren, weil ich das Ganze schon immer so unangenehm finde. Weil ich denke, ich muss meinen fundamentalen Widerwillen gegen das Reden vor Publikum wenigstens dadurch ausgleichen, dass ich die Kamera auf die richtige Höhe bringe und so weiter.
Alina: Ich hab also schon vermieden, Vorträge zu halten, weil wie gesagt, ich kannte das schon vorher von der Vor-Corona-Zeit, dass mich einige Goethe-Institute usw. für Vorträge über Video gebucht hatten, und es war dann immer so, wie ich das geschrieben hab: “Ah ja, Internet-Verbindung ist ganz schlecht, wir müssen jetzt mal Ton und Bild ausschalten.” Und dann sprichst du da in ein schwarzes Loch.
Kathrin: Hältst du das für für wahrheitsgemäß, was die sagen über ihre schlechte Internetanbindung, oder glaubst du, die wollen halt einfach nicht mit Bild zu sehen sein?
Alina: Nee, das ist dann so. Es knistert dann und fällt aus und dann sagen sie “Oh Gott, was machen wir jetzt?”, und so. Nee, es ist schon echt. Es ist einfach das wahnsinnig schlechte Equipment und die sehr schlechten Verbindungen.
Kathrin: Die müssen ja speziell jetzt bei Corona nicht in ihrem Hauptgebäude sein. Oder haben die zu Hause auch so schlechtes Internet?
Alina: Diese Vor-Corona-Zeiten waren immer Konferenzen, wo alle an einem Konferenzort waren und dann wurde man zugeschaltet. Das heißt, die Settings sind halt so, wie dieser Konferenzraum ist.
Kathrin: Aber jetzt sind die wahrscheinlich zu Hause, oder?
Alina: Nee. Sind sie nicht, weil es ist der öffentliche Dienst. Wenn man sie schon nötigt, in Projekten weiterzuarbeiten, was ja schon an sich eine Zumutung ist in dieser Zeit, dann garantiert nicht von zu Hause, sondern in der Dienstzeit. Vor dem Dienstrechner. Und der Dienstrechner kann nichts. Der verbietet alles, der kann nichts, der macht nix.
Kathrin: Aber die könnten doch in ihrer Dienstzeit zu Hause im Homeoffice sein.
Alina: Nein! Das ist ihre Privatsphäre. Da hat der Dienstherr nichts zu suchen. Außerdem haben die gar kein ausreichendes Equipment. “Wie soll denn das gehen?”, “Mein Privatgerät, da hat der Dienstherr nichts drauf zu suchen!” Also es herrscht nicht allzu große Bereitwilligkeit, da nach Lösungen zu suchen. Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Und es ist ja eh eine Zumutung, da wollen die dann nicht auch noch ...
Kathrin: Also die wollen auch gar kein Homeoffice, meinst du? Also ganz unabhängig jetzt auch von deinen Veranstaltungen?
Alina: Nee, die wollen kein Homeoffice.
Kathrin: Okay. Überrascht mich jetzt.
Alina: Nö, wollen die nicht. Finden die scheiße. Also die meisten von denen sind auch Eltern und haben Homeoffice zusammen mit Homeschooling erlebt und fanden es nicht witzig.
Kathrin: Ok, das leuchtet ein.
Alina: Und wenn ich die dann mal habe, dann sitzen die halt in Schlafzimmern und man guckt so schräg auf den Riss in der Wand und so. Also geht gar nicht. Und die kriegen ja auch kein Equipment zur Verfügung gestellt. Also richtig gut gemachtes Homeoffice – sag ich mal, die Agentur XY entscheidet: Die eigenen Mitarbeiter gehen ins Homeoffice, dann kriegen die einen Laptop und dann kriegen die ein Licht, damit sie gut beleuchtet sind, und sie kriegen ein Training, wie sie es machen. Und das wird ja im öffentlichen Dienst nicht gemacht. Da heißt es nur: Ja, wir müssen jetzt hier irgendwie! Also sie sind ganz ganz schlecht ausgerüstet. Viel zu langsam. Nicht vorbereitet. Beim ersten Lockdown haben sie diesen Bezirk in Berlin, für den ich jetzt das Jahr über tätig war, in Lockdown geschickt und wichtige zentrale Mitarbeiter konnten von außen unter keinen Umständen und auch die ganze Zeit nicht auf ihre E-Mail zugreifen. Es waren aber nicht mehr als 20 Prozent Mitarbeiter im Gebäude gestattet.
Kathrin: Das heißt, jeder durfte mal an einem Tag der Woche rein, um Mail zu lesen oder wie?
Alina: Ja. Da geht nichts mehr. Da geht nichts mehr voran. Auch sowas wie Beschaffung nicht. Weil Beschaffung machen auch die Mitarbeiter aus dem Bezirk. Die Verwaltung versorgt sich ja da selber. Nee, das hätte man vorher vorbereiten müssen. Aber das haben sie nicht. Also du glaubst es nicht. Ich hab's ja schon erzählt. Ich habe wirklich kreative Teamaktivitäten – sowas wie Ideenfindung und so weiter – per Telefonkonferenz anleiten müssen. Es ist absurd. Auch mit mit Führungskräften übrigens. Hab ich gesagt: Machen wir eine Videokonferenz. Haben sie gesagt: Ja, kennen aber nicht alle, insofern wäre es besser, wir machen Telefonkonferenz, damit niemand sagen kann, er wäre ausgeschlossen gewesen. Also lieber auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zurück als nach fordernd nach vorn. Und es hat sich über das Jahr im Übrigen nicht verbessert. Also alle haben ja immer geschwafelt “ja, jetzt gibt's einen Riesenschub für die Digitalisierung und jetzt geht das da voran” und so. Als wir dann im November wieder in Lockdown gegangen sind, war alles wie vorher. Es ist jetzt Februar. Es hat sich nichts verändert, außer die Scheißegal-Haltung mancher Leute, die sagen “ja, ist dienstlich alles verboten, ich mach's jetzt trotzdem”. Aber eigentlich haben sich die rechtlichen Voraussetzungen nicht verändert. Sie brechen jetzt also Recht und riskieren im Grunde, dass sie ihren Job verlieren könnten, theoretisch. Ist doch absurd. Ein Jahr! Ja, und unter diesen Rahmenbedingungen ... Also wie gesagt, ich glaube, in einer anderen Umgebung wäre alles gut. Aber ich arbeite ständig in Umgebungen – digital soll ich da arbeiten, natürlich soll es mindestens so dynamisch sein wie vorher, genauso motivierend, inspirierend! Unter Bedingungen, wo Leute nicht in der Lage sind, ihren eigenen PC zu bedienen. Und ich kann nicht gleichzeitig inspirierend sein und technische Probleme lösen, die man eh nicht lösen kann, weil das hieße: Kaufen Sie komplett neues Equipment, Sie sind am Arsch! Und dem permanenten “Das geht bei uns am Dienstrechner nicht. Unsere Dienstrechner haben keine Kameras, unsere Dienstrechner haben keinen Ton. Unsere Dienstrechner dürfen auf diese Plattform nicht ...” Sowas wie Miro. Also ich arbeite gerne mit Miro. Das ist ein Browsertool. Das rufst du im Browser auf. Geht nicht, ist gesperrt. Dasselbe mit Murals. Das wäre die Alternative. Geht nicht. Ist gesperrt. Unter diesen Bedingungen geht's halt nicht und da fühlt es sich halt auch scheiße an. Schon vorher wissen alle, das wird jetzt scheiße. Hinterher sind alle gequält. Und die Sessions sind viel zu lang. Weil das eigentlich gedachte Format, was man mal miteinander ausgemacht hat, auf eine Präsenzveranstaltung ausgerichtet war. Ich kann in Präsenz von 9 bis 16 Uhr mit einem Team arbeiten, das ist überhaupt kein Problem. Aber das kannst du nicht vor dem Bildschirm. Es gibt aber nur diesen einen Termin. Also da passen so viele Sachen nicht zueinander.
Kathrin: Das heißt, du arbeitest jetzt eigentlich noch Sachen ab, die zu analogen Zeiten vereinbart worden sind?
Alina: Ja, fast ausschließlich.
Kathrin: Kommen neue Anfragen rein, wo die von vornherein die Bedingungen kennen und wissen: Das muss jetzt rein digital passieren?
Alina: Ich mach es nicht. Weil ich die nicht erreiche. Ich habe jetzt die Erfahrung gemacht – ich hab drei Projekte gestartet, direkt vor dem ersten Lockdown. Wirklich, also Freitag hab ich noch das letzte Team im Methodenworkshop gehabt, und Montag war Lockdown. Und aus denen ist nie ein Team geworden.
Kathrin: Meine Frage wäre jetzt gewesen, wenn dich jemand einlädt, das komplett remote zu machen, ob die dann vielleicht eher wissen, worauf sie sich da einlassen und was die Bedingungen dafür wären. Oder macht das gar keinen Unterschied?
Alina: Nein, also die haben überhaupt keine Ahnung, außer “es muss irgendwie gehen”. Also es passiert eher aus der Not. Es entscheiden die Leitungskräfte und nicht die Mitarbeiter. Die Mitarbeiter müssen es aber hinterher mit mir machen. Und die sagen halt “Auf dem Dienstrechner geht das nicht!” Die selber haben überhaupt keine Idee dazu. Sondern die sagen: “Frau Smithee, haben Sie mal eine Idee dazu?” Aber in dieser Umgebung kann ich dazu einfach keine Ideen haben. Es geht nicht. Und ich erreiche sie nicht, weil ganz viel über Vertrauen geht. Also ich fordere sie auf, in einer Form mit Menschen in Kontakt zu treten im Design Thinking, wie sie es vorher noch nie getan haben. Also proaktiv.
Kathrin: Das, was du da machst, ist ja was, was für die, glaub ich, eh schon ungewohnt und exotisch ist, schon im Analogen.
Alina: Ja. Und das basiert halt auf Vertrauen zu mir, dass ich am Ende des Tages schon hoffentlich weiß, was ich tue. Und sie müssen miteinander warm werden, weil wir das Design Thinking auch häufig dafür nutzen, Fachbereiche miteinander zu verheiraten, die bisher nie was miteinander zu tun hatten, also einzuüben, eine gemeinsame Idee für etwas zu entwickeln. Und das braucht so viel Nähe und so viel Motivation und so viel menschlichen Kontakt. Weil es rein über Vertrauen läuft. Das kann ich über das Digitale nicht – vor allem wenn es dann schlecht läuft und Leute rein und raus ploppen und Video fällt aus und Ton ist weg. Also es entsteht da keine menschliche Wärme. Um das mal so zu sagen. Und dann fehlt dem die Basis. Und dann hat es keine Dynamik und auch kein “Ach, da hab ich irgendwie Bock drauf! Ja, das machen wir jetzt mal!” Das kommt nicht auf. Und das brauche ich aber, damit es funktioniert. Und wie gesagt, sie müssen ja auch dann mit den Menschen in Kontakt treten. Und wenn sie da dann auch Angst haben, “ich soll jetzt Senioren interviewen, kann die überhaupt Video? Ich kann das ja selber nicht richtig. Ich glaube, das geht nicht, nein!” Da sehen die nur noch Probleme. Also es ist eh schon schwierig, weil sie über ihren Schatten springen müssen und dann kommt das noch dazu, dann kommen die nicht in Fahrt. Dann bleiben die da stehen und sagen mir “Ja, wir müssen das jetzt tun! Ja, wir müssen das jetzt tun! Ja, wir müssen ...” Aber sie kommen nicht über diesen Punkt. Sie kommen nicht ins Tun und sie dann da rüberzuheben unter all diesen Bedingungen ist halt noch um ein Vielfaches schwerer. Es geht mit Teams, die schon Design Thinking kennen. Die kriege ich da hin. Also die kriegen das auch digital hin. Aber wenn die das noch nie gemacht haben, dann geht es nicht. Und deshalb eignet es sich für das meiste von dem, was ich tue, eigentlich nicht. Also ich meine, in der Not geht immer alles irgendwie und ich hab jetzt auch ein Jahr lang mehrere Projekte weiter betreut. Aber es ist weit entfernt davon, in irgendeiner Form befriedigend zu sein.
Ich warte jetzt. Oder arbeite mit Teams weiter, die eh schon dabei sind. Bei mir ist es ja nicht so, dass es zum neuen Jahr alles neu anfängt, sondern ich habe ja viele Projekte, die über viele Jahre laufen. Und da mache ich natürlich weiter. Also ich habe jetzt ein anderes Projekt, da sind wir jetzt vor dem Start der dritten Runde und die haben es gemeistert. Die haben sich überwunden und haben es wirklich gut gemacht. Die haben zweimal ihre Interviewphase genau zum Lockdown gehabt. Beim zweiten Mal hab ich gesagt “Na ja, Kinder, ihr wisst ja jetzt, wie es geht.” Und die haben das trotz allem super gemacht, nach einer gewissen Überwindungsphase. Also die haben den Sprung geschafft. Aber die waren halt auch schon ein Team und die mochten sich. Man musste nicht auch noch eine Teamfindung vorschalten. Da hat das dann geklappt. Und die gehen jetzt in die dritte Runde und das betreue ich auch weiter und das kriegen wir auch hin. Wenn's ging, war ich physisch da, und wenn's nicht ging, halt digital.
Kathrin: Arbeitest du mit irgendeinem Projekt zusammen, wo die Leute tatsächlich technisch okay ausgerüstet sind und Dinge mit funktionierendem Video machen können?
Alina: Ja. Weil es auch städtisch schon vorinstalliert war. Die Stadt arbeitete schon mit Microsoft Teams. Und dann haben die gesagt, wir wollen das auch. Und dann konnten die relativ schnell einsteigen mit Teams. Aber auch in anderen Organisationen übrigens ist es so – außerhalb der Einrichtungen im Kulturbereich – dass die gesagt haben: “Vorübergehend! Wenn Corona vorbei ist, schalten wir es wieder ab!” Was ja auch so ein bisschen ein blödes Gefühl hinterlässt, weil du denkst: “Ja, jetzt arbeite ich damit und wir produzieren ganz viel damit und dann schalten sie es hinterher wieder ab, weil es dann doch irgendwie datenschutzmäßig nicht geht, hä?” Also bei einigen, die damit fließend arbeiten, ist es unter der Prämisse eingeführt worden, dass es sofort wieder abgeschafft wird, wenn Corona vorbei ist. Was ich irgendwie merkwürdig finde als Aussage. Aber nun gut. Also ja, auch die gibt es. Das Werkzeug war dann ausnahmsweise mal relativ schnell da. Das ist auch eine andere Form, es sind Eigenbetriebe innerhalb der Stadt. Diese Einrichtungen, die sind nicht ganz städtisch und können viel mehr selbst entscheiden. Und da war es aber auch so, dass viele Mitarbeiter erst mal an dieses Thema technisch herangeführt werden mussten. Und es mussten immer Kollegen drumherum sein: “Hier kannst du die Kamera und da ist der Ton und jetzt musst du hier ...” Das heißt also, die mussten immer jemanden als Assistenten dabeihaben, der sie fit macht für die Videokonferenz. Also so ganz selbstständig ging das lange trotzdem nicht, obwohl das Tool da war. Es gibt ganz viel Nachholbedarf an Kompetenz, weil man das bisher vermeiden konnte und das auch erfolgreich getan hat. Es gibt immer einige, die alles ausprobieren und technisch total affin sind. Und dann gibt es aber auch eine ziemlich große Gruppe, die gesagt hat “Hach, Gott sei Dank musste ich nie!” Und die mussten jetzt. Das hat dann ganz schön gebremst.
Kathrin: Ich würde ja erst mal naiv annehmen, wenn Microsoft Teams mal eingeführt ist, dass das dann auch nach Corona bestehen bleibt. Aber jetzt hab ich ja gerade von dir schon diese Geschichten gehört, dass Dinge, die schon eingeführt waren, wieder abgeschafft werden mussten aus Datenschutzgründen. Seitdem bin ich da nicht mehr so optimistisch.
Alina: Du musst dir mal durchlesen, was die Datenschützer in Berlin ... also ich meine, wir haben Corona gehabt. Ermöglichen wäre da echt mal der Punkt gewesen. Und Zoom und so, die Anbieter haben ja alle nachgerüstet datenschutztechnisch und haben ja nach den EU-Normen den Datenschutz auch erfüllt. Also die DSGVO haben sie eigentlich erfüllt. Und trotzdem, das musst du dir echt mal durchlesen, bis heute ist alles verboten, was digital ist. Ich frage mich, wozu die überhaupt Rechner haben. Lies dir das mal durch. Du wirst bekloppt, wenn du das liest! Es ist alles, wirklich al-les verboten. Die simpelsten Tools!
Kathrin: Aber sie dürfen doch bestimmt Worddokumente machen und die dann per Mail rumschicken und nacheinander bearbeiten, oder?
Alina: Das dürfen sie, Mail verwenden. Aber ich z.B. darf denen kein Word-Dokument schicken. Das heißt also, ich als Externe, wenn wir gemeinsam arbeiten ... Ich habe in diesem Berlinprojekt das ganze Jahr über nicht mit denen zusammenarbeiten können mit Dateien. Weil es keine – wirklich keine! – Möglichkeit gab, ein gemeinsames geteiltes Laufwerk und gemeinsame Bearbeitung möglich zu machen. Das heißt also, ich habe ihnen, wenn es Dateien gab, die per WeTransfer zum Download geschickt. Was sie eigentlich auch nicht downloaden dürfen.
Kathrin: Ich schalte jetzt mal das Aufnahmeding wieder ab, weil mehr will ich auf überhaupt keinen Fall transkribieren. Sag jetzt bitte keine arbeitsrelevanten Dinge mehr.
Mit “Aufnahmeding” ist die Aufnahmefunktion von Zoom gemeint. Tatsächlich war die Transkription dann keine große Arbeit, weil ich inzwischen erfahren habe, dass automatische Transkriptionstools jetzt endlich funktionieren.
(Alina Smithee, befragt von Kathrin Passig)