Niemand bleibt mit Handy unbeobachtet
"Deine MAID reicht uns vĂśllig"
Die mobile advertising ID (MAID) reicht Google und Apple aus, um dich bis in den letzten Winkel der Republik zu verfolgen. Die Werbeindustrie kann damit einzelne Handys oder Tablets unterscheiden oder auch Verbindungen zu einem gemeinsamen Besitzer erkennen.
3,6 Milliarden Standortdaten gratis
3,6 Milliarden Punkte häufen sich auf einer Deutschland-Karte. Sie stellen die Koordinaten von Millionen von Telefonen dar - und sie sind eine Kostprobe, die ein Rechercheteam in Kooperation mit dem BR gratis von einem US-Händler erhielt.
Will man aus diesem Gewusel etwas "Gewinnbringendes" ablesen muss man in die Tiefe gehen. Dann sieht man die einzelnen Geräte - hinter denen stets ein Mensch - fĂźr die Werbeindustrie nur ein Kunde - steht. Dabei sind die Punkte auf Autobahnen oder FernstraĂen weniger interessant, die Ansammlungen und Wege in Innenstädten umso mehr. Ist der Ort etwa eine Entzugsklinik oder ein Swinger-Club, dann wird es auch intim.
Eine neue Dimension der MassenĂźberwachung
Diese Standortdaten kann man von der US-Firma Datastream Group auch im monatlichen Abonnement bekommen. Es gibt sie aus bis zu 163 Ländern und sie werden stßndlich aktualisiert. Netzpolitik.org und BR haben Stichproben analysiert und festgestellt, die Daten sind echt. Will man zu der MAID auch den Namen und die Adresse des Gerätebesitzers reicht meist eine Google Suche aus.
Der Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz (Grßne), Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums, das die Geheimdienste des Bundes ßberwachen soll, sagt gegenßber Netzpolitik.org: "Es geht um die Privatsphäre aller Menschen, die in der Bundesrepublik leben." Es sei eine der "Grundvoraussetzungen unserer Demokratie", dass sich Menschen "unbeobachtet und ungestÜrt in diesem Land bewegen kÜnnen."
ZurĂźck zu den "privaten Orten", wie z.B. der Frankenalb-Klinik Engelthal, die sich unter anderem auf Psychosomatik, Psychiatrie und Suchterkrankungen spezialisiert hat. Auch dort gab es viele Datenpunkte mit 64 verschiedenen Werbe-IDs. Die damit verknĂźpften Menschen zu identifizieren wäre ein Kinderspiel. Auch aus dem GroĂraumbordell "Artemis" in Berlin lieĂen sich zahlreiche Besucher*innen ausfindig machen und ihre Wege bis zu ihren mutmaĂlichen Wohnorten nach Hause verfolgen.
Stalker*innen kÜnnten solche Daten nutzen, um andere ausfindig zu machen. Aber nicht nur fßr deren Opfer, sondern fßr alle Menschen sollte die Vorstellung unerträglich sein, dass jemand alle unsere Wege und Vorlieben kennt und uns jederzeit beobachtet ...
Mehr dazu bei https://netzpolitik.org/2024/databroker-files-firma-verschleudert-36-milliarden-standorte-von-menschen-in-deutschland/
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