Bildpulsion, der Wind
Das Trieb-Bild (l'image pulsion) ist das Bild, das explizit, deutlich und im Begriff formuliert, treibt. Gilles Deleuze zieht Claude Simon heran, um dem, was er l'image pulsion nennt, einen Beleg zu geben.
Deleuze greift dabei auf ein spätes Werk von Simon zurück. Le Vent aber ist ein Buch, das ein Treiben schon in den Titel nimmt. Das ist das Treiben des Windes oder aber das Treiben und der Trieb, der der Wind ist. Was man von diesem Wind weiß, weiß man in Form einer minoren Epistemologie. dieser Wind ist auf der Ebene angesiedelt, auf der er den Triebfedern und Kants Taube, dem Chthonischen und den Archäologen und dem Peter Goodrich direkt begegnet. Sein Trieb ist ein meteorologisches Treiben. Triebe der Wind im Element der Luft (was er auch tut), hätte Simon des Buch nicht schreiben, wir hätten es nicht lesen sollen. Er sollte es aber schreiben und wir sollen es lesen, denn: Der Wind, der in dem Buch und durch Le Vent treibt, ist Teil einer dynamischen Ontologie , einer meteorologischen Ontologie und operativen Ontologie (Siegert), der alle Elemente zustehen.
Alles, besser gesagt: sämtliche Elemente, sind damit dynamisch. Sämtliches regt sich und andere(s). Sämtliches ist damit meteorologisch, also auf eine Weise unbeständig, dass die Körper zu säumigen Zeiten auf- und abtauchen. Sämtliches ist damit operativ: diese dreifache Ontologie ist einerseits eine animistische Ontologie, anderseits eine technische oder artifizielle Ontologie.
Dieser Wind treibt also alle Elemente von Simons Schreiben inklusive Simons Schreiben selbst an. Dieser Antrieb ist im Schreiben, in (bilddökonomisch und ökogisch gesagt) der Echographie, die das Schreiben ist, also im Schreibakt, im Bildakt, im Sprechakt - und in allem, was daran wiederum der Pass/ die Passion und die Pathologie ist (eine Lesbarkeit/ Wahrnehmbarkeit nicht nur des Affekts sondern von allem, was minor ist und dem zugehört, was aufsitzt).
Der Wind, von dem Simon schreibt, ist der Wind, der durch die mancipatio zieht, von der Gaius in den römischen Insitutionen wiederum sagt, sie sei ein Bildakt des Werbens und Wirbelns. Das ist der Wind, der durch Gaius Worte zieht, die Sally George Melchior dem Aby Warburg 1896 auf einem Schiff ins Ohr flüstert. Das ist also der Wind, der durch Aby Warburgs Notizen zu den grundlegenden Bruchstücken zieht und der durch das Motto zieht: Du lebst und thust mir nichts. Das ist der Wind, der durch die Restitution von Simons Schreiben zieht und der durch die Restitution von Warburgs Notizen in Kreuzlingen zieht. Dieser Wind zieht durch das barocke Retabel von Simons Schreiben und durch das barocke Retabel, das man auf Tafel 79 des Mnemosyneatlas findet. Wir reden hier zwar von einer dreifachen Ontologie (nämlich einer dynamischen, meteorologischen und operativen Ontologie) oder aber einer doppelten, nämlich einseits naturhaften und animistischen und anderseits technischen oder artifiziellen Ontologie, aber eben von einer Ontologie, und damit reden wir von genau dem Wind, der der Wind noch an sich ist.
Wir lesen, also winden wir uns.









