Blut in heiΓer Asche - Kapitel II.
Kapitel 1 β> hier
Enjoy!
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Kapitel 2
Jenseits
βββββ
Schnaubend trabte sein Pferd den Hang hinunter, wΓ€hrend sich der Brandfuchs mit der rechten Hand in die MΓ€hne krallte - nicht etwa, weil er unsicher auf seinem RΓΌcken saΓ, sondern weil er den Schmerz irgendwo hin dirigieren musste. Trotzdem, das GlΓΌck musste auf seiner Seite sein, denn er hatte bereits vielen MΓ€nnern dabei zugeschaut, wie der Tod sie dank seiner Klinge schneller geholt hatte. Der SchwertstoΓ musste das Wichtigste verfehlt haben.
Der Brandfuchs ritt gen Norden, wohin auch sonst, und nahm die StraΓe im Westen. Die BΓ€ume streckten ihre knorrigen Γste bis ΓΌber seinen Kopf, als wollten sie ihn packen und vom Pferd reiΓen. Von den BlΓ€ttern fielen dicke Regentropfen und der Weg vor ihm war grau verschleiert vom Regen.
RΓ€uber und Wegelagerer verschwendeten ihre Zeit zum GlΓΌck nur selten auf dieser Seite, da es einfach nicht so viel Geld einbrachte wie die StraΓe, die am Gasthaus vorbei fΓΌhrte. In seiner Verfassung wΓ€re er nicht in der Lage gewesen, auch nur einen Mann zu tΓΆten. Er konnte sich gerade so auf dem Pferd halten.
βEinen Bader, ich brauche einen Bader. Ich wΓΌrde sogar mit einem Moosweibchen, oder der Nessel vorlieb nehmen, doch die wΓΌrden mit VergnΓΌgen beobachten, wie mir der letzte Tropfen Blut aus den Adern flieΓt,β dachte er mit einem bitteren LΓ€cheln. Er musste nach Ombra. Und dann? Wohin sollte er dann gehen? Ihm blieben dann nur wenige Tage, bis der Natternkopf davon erfuhr, dass er noch am Leben war und warum sollte er dann sein VersΓ€umnis nicht beheben? AuΓerdem konnte er sich, sobald sich die Nachricht herumsprach, nirgends mehr blicken lassen. Man wΓΌrde ihn ja doch noch tΓΆten, egal ob es ein Gepanzerter oder ein wΓΌtender Bauer war. Er konnte sich ja nicht verteidigen! Nicht mal ein Schwert besaΓ er noch.
βWie erbΓ€rmlich. Schau nur, wie tief du gefallen bistβ¦β verspottete er sich selbst. βIch hΓ€tte die fette Schlange im Schlaf erstechen sollen.β Er musste an das Grinsen des Pfeifers denken. βUnd ihn gleich mit.β Ein paar SilbermΓΌnzen waren anscheinend alles, was es brauchte, um sich seine LoyalitΓ€t zu erkaufen. Sie kannten sich, seitdem sie alt genug waren, die hΓΌbschesten MΓ€dchen Ombras zu umwerben und dann half dieser hinterhΓ€ltige Hund der Natter. Ja, hielt dem Brandfuchs das vor die Nase, was seinen Tod hervorbringen sollte!
Zugegeben tat das mehr weh als er es wahrhaben wollte. Der Brandfuchs war eigenhΓ€ndig fΓΌr einige der besten Lieder der Silbernase zustΓ€ndig, schon lange bevor sie an den Hof des Natternkopfes gegangen waren. Vor vielen Jahren hatte der Pfeifer die Lieder am selben Lagerfeuer komponiert, an dem sich auch der Brandfuchs die HΓ€nde gewΓ€rmt hatte, wΓ€hrend sie sich einen Becher Wein teilten.
Fluchend trieb er sein Pferd ein wenig schneller die StraΓe entlang. Wasser stand in den tiefen Rillen der Wagenspuren und der Schlamm spritzte ihm bis auf die teuren Lederstiefel. Bis auf die Knochen durchnΓ€sst war er und die KΓ€lte nagte Stunde um Stunde mehr an ihm, trotz des Umhangs aus FuchsschwΓ€nzen. Ein Donnern rollte durch die dunklen Wolken. βDas darf doch nicht wahr seinβ¦β stΓΆhnte er und zog sich den Umhang noch etwas enger um die Schultern.
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Sein einziger Anhaltspunkt, wie lange er schon unterwegs war, war das schwindende Tageslicht. Als ob Wald und Himmel sich mit dem Natternkopf gegen ihn verschworen hΓ€tten, damit der Brandfuchs Ombra bloΓ nicht vor der Nachricht seiner Ungnade erreichte. Das Schwarz der Nacht nistete sich bereits im Dickicht des Waldes ein. Es kroch immer nΓ€her an die StraΓe heran. Das gefiel dem Brandfuchs gar nicht, denn er konnte sich beim besten Willen nicht darauf konzentrieren, ob da noch etwas anderes zwischen den BlΓ€ttern des Unterholzes lauerte, ob da nicht ein paar gelbe Augen glΓ€nzten. Die pochende Wunde war alles, was ihm durch den Kopf ging, und die Frage, wie viele AtemzΓΌge er noch ΓΌbrig hatte.
Bei einem Baum mit einer besonders dichten Krone, lenkte er sein Pferd schlieΓlich vom Weg ab. Er lehnte sich langsam auf den langen Hals, zog das Bein hinΓΌber und lieΓ sich vorsichtig zur Seite runter rutschen, begleitet von einem schmerzlichen StΓΆhnen. Wenn er jetzt kein Feuer machte, wΓΌrden die WΓΆlfe und Nachtmahre ihn und seinen Hengst zu deren Abendessen machen. Der Regen stellte dabei keine Schwierigkeiten dar, schlieΓlich hieΓ er nicht umsonst der Brandfuchs.
Jedes Mal, wenn er sich bΓΌcken wollte, musste er sich stattdessen hinknien. Die Klinge seines Messers war zwar scharf, aber auch damit stieΓ er schnell an seine Grenzen. Der Brandfuchs konnte sich kaum bewegen. Als er endlich die Fackeln aus Flechten, abgeschnittenen Stofffetzen und Baumharz hatte, sah er kaum noch die Hand vor Augen. ErschΓΆpft sackte er neben seinem Pferd auf die Knie und entzΓΌndete eine mit Hilfe des Feuersteins, den er immer bei sich trug. Rot-orange erleuchtete sie die Nacht, die ihn bereits wie ein Schleier umhΓΌllte, undurchdringlich und Freund der JΓ€ger. Sein Pferd war natΓΌrlich an Feuer gewΓΆhnt und er setzte seinen Ritt fort, auch wenn ihm trotz der KΓ€lte der SchweiΓ vor Schmerzen auf der Stirn stand. Er konnte nur hoffen, dass die Fackeln im Regen nicht erloschen.
Grelle Blitze durchzuckten den schwarz-grauen Himmel und malten Gestalten im Schatten der BΓ€ume, wΓ€hrend die Wolken von Donner zerrissen wurden. Der Brandfuchs spΓΌrte die wachsende Unruhe des Tieres, das ihn treu immer weiter trug. Es scheute beinahe, als ein besonders lautes Grollen ΓΌber sie hinweg hallte und wΓ€hrend der Brandfuchs die ZΓΌgel anzog und sich nach vorne beugte, verschlug ihm der stechende Schmerz den Atem. Keuchend stieg er vom Pferd, nahm die ZΓΌgel fest in die Hand und fΓΌhrte sein Pferd steifen Schrittes weiter. Der Hengst vertraute ihm, das wusste der Brandfuchs ganz genau, aber er war trotzdem darauf vorbereitet, sich in die ZΓΌgel zu hΓ€ngen, falls er davon laufen wollte. Zum GlΓΌck geschah das nicht. Ganz im Gegenteil, er konnte fΓΆrmlich spΓΌren, wie sein Tier bewusst so langsam neben ihm her trottete, wie er eben laufen konnte. βGuter Jungeβ¦β raunte er beruhigend. "Du weiΓt es ja doch, dass mir das Leben davon flieΓt, nicht?β lachte er leise, bitter. Jeder Schritt zerrte an seinen KrΓ€ften und obwohl er sich beinahe an das pochende, stechende GefΓΌhl gewΓΆhnt hatte, wurde es gleichzeitig immer schlimmer. Er lief immer langsamer, blieb stehen, lehnte die Stirn an den warmen Hals des Tieres. Die Fackel rutschte ihm aus der Hand und erlosch in der PfΓΌtze, in der sie landete. Langsam lieΓ er die Hand ΓΌber das rotbraune Fell streichen, schloss die Augen und versuchte den Schmerz und die immer schwerer wiegende SchwΓ€che zu ignorieren.
UnwillkΓΌrlich verformte sich die Dunkelheit zu Bildern einer warmen Kammer in der Nachtburg. Ein Kamin, dessen Flammen den Raum hell erleuchteten und ein Bett, das mit Fellen ausgelegt war. Eine gedeckte Tafel, ein Festmahl zum Anlass der Unsterblichkeit des Natternkopfes. Kelche bis zum Rand gefΓΌllt mit Wein und ein neues Lied des Pfeifers. So verbrachten die Herrschaften wahrscheinlich die Nacht. RechtmΓ€Γig hΓ€tte dem Brandfuchs dort auch ein Stuhl zugestanden. Stattdessen rang er hier um sein Leben, jenseits der sicheren Mauern. Sicherlich verspΓΌrte er deswegen Wut, doch er hatte nicht die Kraft sie tatsΓ€chlich auszudrΓΌcken.
Er merkte erst, dass der Regen aufgehΓΆrt hatte, als er die Augen wieder ΓΆffnete. Der Mond schob sich zwischen den Wolkenfetzen hervor und spendete ihm gerade genug Licht, sodass er die scheinbar endlose StraΓe vor sich fΓΌr ungefΓ€hr 20 oder 30 Schritte sehen konnte, bevor die Nacht sie verschluckte. Ein Ast knackte irgendwo links vom Weg, dann wurde es wieder totenstill. Er konnte sich kaum noch auf den Beinen halten, legte die Hand wieder an die Wunde, betrachtete sie ihm DΓ€mmerlicht. Sein Blut benetzte sie wie ein Schatten und er schob sie wieder an seinen Bauch, bevor er mit verzerrtem Gesicht den nΓ€chsten Schritt tat. Doch der aufgeweichte Boden verschluckte seinen FuΓ und seine Knie gaben nach. Ein dunkler Schleier legte sich ΓΌber seine Sinne.
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