Genau sechs Monate ist es nun her; am 12.06.2019, dem Tag des Tagesbuchs habe ich meinen letzten Eintrag hier verfasst. In den großen Sommerferien habe ich ein wenig geschrieben, unter der Prämisse, dass ich meine Einträge besser strukturieren möchte. Als ich dann aber eine Woche später auf meine Entwürfe blickte, fiel mir auf, wie sehr mir diese Momentaufnahme fehlt. Wenn ich über mich in einer strukturierten Fassung schreiben möchte, dann sollte ich es vielleicht eher mit einer Autobiographie probieren, statt das in einem Tagebuch zu verfrachten. Dementsprechend sitze ich hier gerade ganz entspannt und gucke mir einfach mal an, was mich so beschäftigt.
Zu aller erst macht es mich überaus glücklich, dass jetzt gerade schreiben kann und auch schreiben möchte. Ich halte es wirklich für keine Lüge, wenn ich hier schreibe, dass ich seit dem 12.06 in wirklich keiner Situation, in der ich sowohl kreativ sein wollte und die Zeit dazu hatte. Zumindest ist dies nicht im Kontext des Schreibens geschehen und das ist meiner Meinung nach wirklich eine Schande. Nicht unbedingt, weil ich mein Mitteilungsbedürfnis nicht befriedigen kann oder mir die Inhalte hier so wichtig sind, nein, ich glaube einfach, dass die Hingabe für Dinge dieser Art eine Erfahrung ist, die man immer mal wieder machen sollte. Um sich zu sortieren, um sich zu vergewissern, was einem gerade wichtig ist, was einem Kummer bereitet und was einen vielleicht ungeheuer freut. Das Leben eines 17-Jährigen hat davon meines Erachtens mehr als genug; ich werde hier natürlich keines meiner Probleme - die nebenbei angemerkt auch wirklich nicht dramatischer Natur sind - lösen, sich aber die Zeit zu nehmen, zu artikulieren, was einen beschäftigt, ist etwas, das meiner Meinung nach zu kurz kommt und es freut mich gerade sehr, dass ich mir selbst hier die Möglichkeit gebe, einfach mal wieder ein bisschen zu schreiben.
Genau das ist wohl auch das, was mich die letzten Monate viel beschäftigt hat: Zeit für die Schule, Zeit für die Lieben, Zeit für alles andere. Mir geht es häufig so, dass mir die Zeit wegrennt, dass ich mehr aus meinem Leben machen müsste. Die ersten paar Tage der Sommerferien waren für mich der pure Horror, ich kam nicht um den Gedanken rum, dass ich nicht genug mache, dass die Freizeit, die mir geschenkt wurde, nicht passend genutzt wird und dass alles einfach ein Stück besser gehen könnte. Ich hatte mich ein Schuljahr lang angestrengt und versucht, einen Alltag zu gestalten, mit dem ich glücklich sein konnte und als dann die Ferien kamen, konnte ich mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass ich vielleicht einfach mal einen Tag lang nichts machen und mich entspannen kann und dass mir das dann tatsächlich auch gut tut.
Ziemlich bezeichnend ist wohl auch, dass ich gerne die Tage verlängern und die Schlafzeit beibehalten würde. Stellt euch das mal vor! 26 Stunden an einem Tag, man hätte einfach Zeit für ein Hobby mehr. Ich könnte ein weiteres Instrument lernen, ich hätte mehr Zeit für Hausaufgaben, fürs Lesen, für mehr Sport, welch eine Utopie das wäre! Naja, das wird wohl für immer Wunschdenken bleiben, es heißt wohl eher, meine Tage ein wenig besser zu strukturieren, mehr aus meinen Minuten rauszuholen. Eigentlich ist das eine schreckliche Terminologie, aber ich habe irgendwie das Gefühl, dass ich irgendwie am Abend ein Müh glücklicher die Augen schließen könnte, wenn ich wüsste, dass ich meine Zeit so effektiv wie möglich genutzt habe.
Das gefällt mir aber eigentlich auch nicht. Warum sollte Effektivität der bestimmende Faktor in der Bewertung eines Tages sein? Was ist überhaupt effektive Entspannung? Entspannung ist doch wohl ein Prinzip, das man eigentlich nicht greifen kann, oder? Kann man wirklich sagen, dass man in Moment X entspannter ist als in Moment Y, weil man sich gerade ein schönes Bad oder so genehmigt hat? Ich möchte mich einfach viel mehr kennen lernen, ich weiß sowas gar nicht, ich kann es gar nicht sagen. Ich habe eine Sache im Kopf, die ich fürs neue Jahr definitiv angreifen möchte, um mal zu gucken, ob ich so mein Leben ein bisschen besser überblicken kann. Man wird es sehen.
Ich sitze hier jetzt rund 40 Minuten und mir sind schon wieder drei Sachen eingefallen, die ich eigentlich anstelle dieses Textes hier hätte erledigen sollen, fuuuuuck. Und schon kommt mir mein Entspannungsakt nicht mehr so effektiv vor, wie ich ihn mir eigentlich vorgestellt hatte. So ist das wohl, der Abend ist ja noch jung.
In diesem Sinn, mein lieber Leser, es freut mich sehr, dass du dich bis zum Ende durchgeschlagen hast und du noch ein kleines Grußwort von mir empfangen darfst. Ich bin mir sicher, dass ich mich vielleicht auch schon durch diesen Text hier ein bisschen besser kennengelernt habe und vielleicht konntest du ja auch was über dich lernen :) Bei Fragen und Anmerkungen kann man mich immer hier in der Kommentarsektion erreichen. Angeregte Konversation ist erwünscht, ob privat oder öffentlich ^^
Mal sehen, Mein Ziel ist es schon, am 12.06 ein bisschen was geschrieben zu haben. Das wird bestimmt. Auf bald!










