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Literarische Identität
Ich gewinne zunehmend den Eindruck, dass Menschen aller Art sich über ihre Zeit auf Erden eine literarische Identität anlegen. Das geschieht zu großen Teilen unbewusst, und in vielen Fällen unfreiwillig, aber egal ob man Bücher liest, schreibt, oder verabscheut, man kommt nicht darum herum.
Denn bei dieser literarischen Identität geht es nicht um die großen Klassiker, die man gelesen hat, oder um die herrlichen Fantasywelten, die man erkundet hat. Es geht auch nicht um die Songtexte, die man auswendig lernt und auf Heftränder kritzelt. Natürlich machen sie einen großen Teil aus, geben den Grundstoff für den langen Mantel, den wir uns aus Worten und Gedanken weben... aber die hübschen Stickereien und Akzente stammen von Zitaten, von Dingen, die man uns gesagt hat, von Worten, die wir für eine Weile lang so gerne mochten, dass wir sie viel zu häufig verwendet haben. Da wären die Idiome und Bauernweisheiten, die wir in die Wiege gelegt bekommen und uns lange genug begleiten, dass wir sie ebenfalls weitergeben können. Dann folgen die essentiellen Sachen, in denen die Worte eine kleinere Rolle spielen als der Tonfall, der sie ausmacht. Der Stolz unserer Eltern und die schüchtern-wilde Zuneigung unserer Freunde. Es folgen die ersten Märchen, die sich sanft um unsere Schultern legen und sich traulich wie Haustiere in Kindertagen an uns schmiegen. Wie eine verblichene Photographie können wir sie hervorholen und mit einem mal sind sie uns wieder präsent. Und jenen folgt die Lesefibel, mit den Worten, die uns nahestehen, weil es eine rechte Mühe war, sie auszusprechen. Ihnen haftet noch heute Kinderstolz an, wenn man sie richtig ausspricht. Eng verwandt sind die Lesewörter, die man aus dem Buch kennt und mutig anwendet... um sie falsch auszusprechen und den Kopf demütig zu senken. Aber auch sie gehören zu der Geschichte, wie ein Rechtschreibfehler, der dem Lektorat entgangen ist.
Sauber goldene Stickereien, die Songs, die unsere Herzen berühren. Wo man mit Leichtigkeit jeden Text auf das eigene Leid oder die eigene Liebe beziehen kann und dadurch einen ganz eigenen Schnitt für den Mantel vorlegt. Und wie Edelsteine zieren eigene Schriften das Werk, wenn es sie nun gibt.
Und diese literarische Identität ist nicht jedem zugänglich, vermutlich nicht mal einem selbst. Man bekommt einen Zipfel zu fassen, ein Stück Spitze, den Saum, aber ganz sichtbar ist sie nie. Sie besteht aus Worten, die wir lieben, hassen, die uns ausmachen und berühren, aus Passagen, die wir auswendig können, oder besonders verabscheuen, aus Liedern, deren Takt noch heute in unseren Füßen steckt und Dialogen, die nirgends geschrieben stehen.
Ging mir heute so durch den Kopf, weil ich mal wieder Kraftklub gehört habe und mich fragte: Warum schreiben die all ihre Songs über mein Leben? Also nicht ganz, aber... einige Passagen kann ich sehr gut auf mich beziehen. Was vielleicht daran liegt, dass ein einzelner den Herzschmerz und die Liebe und den Hass nicht auf einmal neu erfinden kann...
Whoever wants to learn anything about writing (fantasy) novels: Watch Brandon Sanderson’s lectures! He’s not only the best writer I have ever encountered (not literally), but his lectures actually do help a lot!
Also check out his books, preferably the Stormlight Archive
Zwischen derBürde des Nachdenkens und dem immerwährenden Wunsch nach Fortschritt
„Erleichtert das Philosophieren das Leben?“, lautet die Frage, der ich mich heute im Angesicht des Wettbewerbs 'Philosophischer Essay' stelle. Eine Frage, die zum Nachsinnen einlädt und somit als Beispiel für die Beantwortung ihrer selbst dienen kann.
Umfassend wie die Philosophie ist bietet sie, wie im Folgenden aufgezeigt werden soll, ebenso viele Antworten, wie es Menschen gibt, denn jeder legt sie anders aus und findet in ihr Erleichterung, als auch Last. Unter Betrachtung der Physik(er) und der Unmündigkeit des Menschen auch heute noch, sind viele Argumente für beide Seiten ersichtlich.
Der erste Impuls auf diese Frage muss ein lautes, schallendes 'JA!' sein, zur Not mit noch mehr Ausrufezeichen. Mein Chemielehrer pflegte zu sagen, dass die Philosophie die Grundlage der heutigen Naturwissenschaften gewesen sei und führte als Beispiel den letzten großen Naturphilosophen Demokrit an, der die Grundlage für Daltons Atommodell1 schaffte. Dieses Atommodell war der Anfang einer Reihe von Modellen, die uns letztendlich zum Orbitalmodell führten, das wiederum den Weg für die Quantenphysik ebnete und somit auch die Weichen für Photovoltaikanlagen und ähnliche Entwicklungen stellte. Also ist die einfache Antwort natürlich, dass die Überlegungen und Experimente einiger heller Köpfe unsere Welt erst mit dem Komfort ausstatteten, den sie heute hat. Dazu gehört auch die Nutzung der Elektrizität, das Verständnis der Energie, die bei der Verbrennung von Gasen und Flüssigkeiten frei wird, et cetera et cetera.
Unterstützend dazu mag das komödiantische Theaterstück des Herren Dürrenmatt zitiert werden. In einer Szene von 'Die Physiker'2 spricht die Figur Newton an, dass die Bevölkerung ungeachtet ihrer mangelnden Kenntnis über Elektrizität die Vorzüge selbiger genießen darf. Ein Großteil unserer Industrie und unseres Arbeitswesens ruht schließlich auf Erkenntnissen, nach denen wir uns richten, ohne sie immer und allumfassend nachzuvollziehen. Selbst dem Nichtphilosophen ist es gegeben, sich an den süßen Früchten der Philosophie zu laben.
Wenige Akte und Szenen später offenbart sich aber eine erste Schattenseite des Wissens und der Charakter Möbius spricht die Verantwortung an, die den Philosophierenden obliegt. Viele Erfindungen und Errungenschaften, die erst als bahnbrechend und vorteilhaft für die gesamte Menschheit bezeichnet wurden, stellten sich als das genaue Gegenteil heraus. Die Atomenergie, die großes Potenzial für die stromschluckende Menschheit bot, schickte unter anderem Einstein auf die Suche der nutzerfreundlichen Anwendungsmöglichkeiten, wurde aber sogleich zu einer Massentötungswaffe umfunktioniert, man bedenke nur das Ende des zweiten Weltkrieges.
Der Philosoph, der also zu einem Ergebnis langer Perioden des Nachdenkens kommt, muss sich immer mit der Frage auseinandersetzen, ob, es sei dahingestellt ob es sich um naturwissenschaftliche, ethische oder anderweitige Themenfelder handelt, seine Überlegungen der Gesellschaft preisgegeben werden dürfen, ohne Gefahr zu laufen, umfunktioniert oder missbraucht zu werden.
Somit scheint die Erleichterung, die die Philosophie durchaus bringt, eingeschränkt zu sein, denn alles Gute, das sie bringt, kann binnen weniger Sekunden und Berechnungen Bestimmung und Schlagkraft ändern – es ist kein Wunder, das Kriegszeiten oftmals viele Neuerungen und Fortschritte brachten, da mit einem Mal alles gutwillige zu seinem böswilligen Äquivalent weiterentwickelt werden musste. Ob solcherlei nicht passieren würde, wenn jeder die Macht und Gefahr in den Kräften sehen würde, die wir unserem Willen beugen, ist ein Gedankenexperiment, das den Rahmen dieses Essays deutlich sprengt.
Dass das Nachdenken für das jeweilige Individuum mehr eine Bürde als eine Tugend darstellt ist eine These, die ich parallel zu den Vorteilen für das Gemeinwesen aufstelle. Zu Rate ziehe ich dafür Immanuel Kant, der sich als Aufklärer sehr intensiv mit den Denkweisen und Undenkweisen seiner Zeitgenossen befasste. Dass seine Schlussfolgerungen damit veraltet und auf unsere Gesellschaft unanwendbar sind, ist, insoweit vorhanden, ein Irrtum.
In seiner Definition der Aufklärung3 und, aufgrund enger Verbindung dazu, der Unmündigkeit, spricht Kant an, dass die selbstverschuldete Unmündigkeit aufgrund von Angst und Bequemlichkeit existiert und vielerlei Menschen den Schritt zum eigenen Denken nicht tun, aus Furcht, ihn nicht zu schaffen. Was sich seit dem geändert hat ist, dass absolutistische Herrscher und souveräne Fürsten in der westlichen und vielen andere Kulturen der Vergangenheit angehören und, dass wir uns eine aufgeklärte Gesellschaft schimpfen. Was sich nicht geändert hat ist, dass wir zu großen Teilen eine sehr unaufgeklärte Gesellschaft sind und unser Tun und Denken zwar nicht von Fürsten, aber von Fernsehkanälen und skandierenden Meinungsbildnern übernehmen.
Verzeihung, das ist jetzt ein bisschen viel auf einmal, da kann ich verstehen, wenn man stutzig wird. Also lieber mal ganz von vorne anfangen: Was hat Unmündigkeit mit Philosophie zu tun? Sie ist ein Widerspruch selbiger – die Unmündigen scheuen nämlich davor, selbst zu denken. Und Denken, vor allem Weiterdenken, vor allem Zweifeln sind der Philosophie Unterpfand. Kant sagt, die Unmündigen wollen nicht selbst denken, weil sie Angst davor haben. Und in ihrer Angst sind sie nicht ganz unberechtigt – Philosophieren heißt in erster Linie, sich aus der Komfortzone, die andere für uns geschaffen haben, ich referiere hier zu meiner früheren Aussage, dass wir die Errungenschaften der Philosophie und Naturwissenschaft nutzen, Bequemlichkeiten einzurichten, herauszubewegen. Philosophie beschreibt das menschliche Verlangen, Dinge zu verstehen, die Dinge, die uns umgeben und auch die Dinge, die wir weder sehen, noch mit Berechtigung vermuten können. Dieses Verlangen zu unterdrücken kann nur schädlich enden – zum Beispiel in einem Regime, dass Arbeitsplätze schafft, ohne genau zu sagen, wofür und wohin die eigentlich führen.
Ausgehend von Kant widerspricht der Erleichterung, die uns die Philosophie bringt, der Austritt aus dem Vertrauten, der dafür nötig ist. Somit bringt der Weg der zu einem freudebringenden Ergebnis führt auch den Prozess des Zweifelns mit sich, der scheinbar der Natur vieler Bürger widerspricht, die noch heute Zweifel am Zweifeln haben. Unbehagen ist es, das in ihnen aufkommt, in der Perspektive auf Ideen, die nicht dem entsprechen, was sie immer zu wissen glaubten. Und nur derjenige, in dem der Drang, selbst zu denken, stärker ist, als die Sorge, dass das Gewusste sich als falsch herausstellt, um einem Wissen zu weichen, das einen Deut näher an der Wirklichkeit ist, können sich dazu bewegen, zu philosophieren. Täuschen wir uns nicht darin, dass die Geschichte, auf die wir zurückblicken, nur aus Systemen und Erkenntnissen besteht, die früher oder später von Systemen und Erkenntnissen vertrieben wurden, die ein größeres Publikum fanden, ganz gleich ob sie besser oder einfach salonfähiger waren.
Wissen macht unglücklich, beziehungsweise unwissend ist man mit größerer Wahrscheinlichkeit glücklich. Beispiel: Ein kleines Kind, dessen Problemwelt sich darauf beschränkt, dass sein liebstes Spielzeug gelegentlich verloren geht, aber recht bald von Frau Mama wiedergefunden wird, ist vermutlich glücklicher als ein ausgewachsener Mensch, der um die Hungersnöte in Afrika, die soziale Ungerechtigkeit überall und die unmittelbare Sterblichkeit seiner selbst weiß. Oder, für einen Menschen vermutlich noch schlimmer, um seine umfassende Unwissenheit – das Zweifeln kann unlängst zu ernüchternden Erkenntnissen führen, wie Sokrates erfahren musste4.
Übertragen heißt das, dass es leichter ist, mit der Fülle an Information zu leben, die andere Einflüsse, Menschen oder die Natur, uns überliefern, statt sich darüber hinaus zu bewegen und festzustellen, dass sie Nichtigkeiten sind, die nur in einem bestimmten Rahmen 'richtig' sind. Das heißt irgendwo auch, dass die Unwissenheit eine größere Krücke als das Wissen sein kann, denn sie ist wesentlich schwerer zu akzeptieren.
Aber heißt denn das, dass die Philosophie uns schadet? Wer ein bisschen nachdenkt wird nur zu dem enttäuschenden Ergebnis kommen, dass er nichts für bare Münze nehmen kann, er wird Widersprüche in Sachverhalten finden, die einst klar und unmissverständlich waren. Wissen ist eine Bürde und Unwissen eine noch größere? Wie bereits erwähnt muss man einige dieser Dämpfer hinnehmen, doch heißt das nicht, das wir zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis gelangen können. Ein Beispiel dessen sei 'Ich denke, also bin ich.' (lat. cogito ergo sum)5, eine der Urwahrheiten, wenn es nach Descartes geht. Das ist nämlich das schöne daran, zu philosophieren – man erlaubt sich selbst, sein Umfeld nicht länger hinzunehmen, wie es ist und erklärt es sich stattdessen neu, andersartig und persönlich. Dabei kann man sich auf die Ideen anderer stützen, Moralgrundsätze als Bausteine verwenden und Erfahrungen als Beispiele anführen, sollte jene vorher aber gründlich hinterfragt haben.
Unter Betrachtung dieses Konstrukts, dass auf Philosophie fußt und gleichermaßen von ihr in seinen Grundfesten erschüttert werden kann, komme ich zu dem Schluss, dass eine eindeutige Antwort auf diese Frage ihren Tiefgang ignorieren würde und somit unzumutbar ist.
Ja, die Philosophie erleichtert unser Leben ungemein, wenn wir ihr sämtliche wissenschaftliche Verdienste zuschreiben. Auch die Prinzipien, die die Basis unseres demokratischen Staates bilden, sind keine Selbstverständlichkeiten, sondern alter Überlegungen, auch Religionen, entsprungen.
Aber der Weg zu Prinzipien und Photovoltaikanlagen schließt langwierige Erwägungen ein, die den menschlichen Verstand an seine Grenzen führen – was per se nichts schlechtes ist. Solche, die sich nicht bevormunden lassen und ihr Vertrauen in ander' Leuts Philosophie legen, ohne sie als solche, eine Lebensphilosophie, zu erkennen, finden eine bestätigende Leere hinter den Zweifeln, die sie hegen. Es ist des Nachdenkens Sinn und Zweck, unseren Wissensdurst zu stillen und nur, wer dem nachgeht erfüllt seine Aufgabe als Mensch, ich will sagen, erfüllt das, was uns zu Menschen macht.
Mit größter Sicherheit sind die Lichtblicke am Ende aller Unklarheiten, wie zum Beispiel Descartes' Feststellung, das, was die Philosophie so wertvoll macht. Das Körnchen Gold, in dem Sand, dessen Sieben wir uns zur Lebensaufgabe machen, wenn wir unsere Unmündigkeit zumindest in Teilen ablegen wollen. Und zu solchen Lichtblicken zu kommen muss beschwichtigend, ja, befriedigend sein. Dennoch... erleichtert es unser Leben?
Das Individuum strebt aus einer Unzufriedenheit heraus eine realitätsnähere Erklärung dessen an, was die Allgemeinheit als Realität bezeichnet und stößt dabei möglicherweise auf das erschreckende Ergebnis, in dieser Realität eine Illusion zu finden. Es begibt sich folglich auf eine ermüdende Suche – das hatten wir schon. Glücklich macht der Fund einer Lösung, ja, aber kann man es den Denkern verdenken, von Zeit zu Zeit ausgelaugt zu sein, von dem ganzen Falschliegen? Es ist fast wie die ständige Suche nach Essen – nötig, ein innerer Zwang, gelegentlich von Erfolg gekrönt, aber zumeist gibt es immer das gleiche.
Die Gesellschaft, wie schon oft gesagt, gewinnt zumeist von den kleinen Fortschritten ihrer Denker, setzt ihn gleichzeitig aber der Verantwortung aus, seine Erkenntnisse mit ihr zu teilen, hinsichtlich der vielen Fehler, die damit bereits begangen wurden. Mag sein, dass ihr Gewinn so weit geht, dass sie die Zweifel an ihrem System, geäußert von einem Einzelnen, bald in selbiges aufnehmen. Dies sei allerdings bloß als Denkanstoß mitgegeben.
Um einen runden Abschluss zu bieten: Tatsächlich haben die Überlegungen im Zusammenhang mit der Fragestellungen keine Erleichterung meines Lebens dargestellt, aber für mich persönlich Klarheit an einer Front geschaffen, die ich so noch nicht definiert hatte.
1Siehe dazu A New System of Chemical Philosophy; Dalton (1808)
2Siehe dazu Die Physiker; Dürrenmatt (1961)
3Siehe dazu Beantwortung der Frage – Was ist Aufklärung?; Kant (1784)
4Ich weiß, das ich nicht weiß.“ nachzulesen in der Apologie des Sokrates, verfasst von Platon (um 400 v. Chr.)
5Siehe dazu Discours de la méthode IV, René Descartes (1637)
Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, jede unglückliche Familie jedoch ist auf ihre besondere Weise unglücklich.
erster Satz in Leo Tolstois “Anna Karenina”

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Und trotzdem
'Das System ist furchtbar', wusste das junge Mädchen bereits, als es kaum zwölf Jahre alt war. Die Armen hungern, die Reichen ernähren sich von den Partyresten einer Fete, die zuletzt in der Form unter Ludwig XIV geschmissen wurde. Gemeinte Nachfolgeparty war, so munkelt man in Untergrundkabuffs, vermutlich noch größer als die des verhassten Monarchen, und am Schlimmsten ist, dass die erste gottgegeben, die zweite aber selbst erarbeitet war und daher keiner ein Recht darauf hat, an ihren Grundfesten, bestehend aus einem bröselnden Tortenboden und vielen Luftballons, zu rütteln. Andererseits munkelt man auch, dass die zweiten Partygänger keine anderen als die ersten waren, welche ihrerseits bloß Masken aus Dollarscheinen aufgelegt haben, um unter neuem Namen zu unterdrücken, wer sich keinen Zutritt zur zweiten Party selbst erarbeitet hat, unter der strengen Nichtbeachtung des Fakts, dass die Auflage an Eintrittskarten limitiert war.
'Das System', wiederholte das Mädchen, um den roten Faden nicht in revolutionärer Apathie (der Neuzeit) zu verlieren, 'ist furchtbar. Aber von unten kann man nichts ausrichten.“ Jaja, sie hat da ganz recht. Ein Staubkorn am Boden eines Uhrgehäuses richtet erst etwas aus, wenn der Wind, der aus gutem Grund in keinem Uhrgehäuse zu finden ist, es zwischen zwei Zahnräder treibt, wo es sich zwischen kleinen Zähnen einnistet und Karies verursacht – aber auch das reicht nicht aus. Ein Wattebauschohrenreinigungsstäbchen reicht nämlich aus, um die entstandene Krankheit zu heilen. Das Staubkorn muss also zum Zahnrad werden.
Und trotzdem das junge Mädchen seinen Hass gegen die Welt in der Systematik der selben verankert sieht, muss sie sich eingliedern, damit sie sich die Methodik ihres Feindbildes aneignet. In der Schule querzustehen wird nichts bringen – Bildung braucht man, um den Dietrich zu greifen und die ersten Schrauben zu lockern. Also muss der innere Systemgegner schwelgen.
'Man muss tun, was man kann', findet das Mädchen, welches unterdes einen kleinen Aushilfsjob angenommen hat, während es die Suppendosen falsch einordnet, dem Alkohol falsche Codes und Preise aufklebt, den Boden wischt und kein 'Frisch gewischt'-Schild aufstellt. 'Aber!', schleicht sich der Zweifel in ihr Ohr. Kann ein Wattebauschohrenreinigungsstäbchen auch hier Abhilfe schaffen?
'Was ich hier tue richtet sich gegen all jene, die von der Party ausgeschlossen waren. Haben sie nicht zu genüge gelitten? Ja, ich muss noch ein wenig funktionieren, bevor ich kaputtgehe.'
Und trotzdem die junge Frau ihr Hände in Panzertape badet, sieht sie den großen Zweck hinter der kleinen Idee und erhebt den Arm (hinter vorgehaltener Hand) gegen alle Unterdrücker. Sie muss jetzt ganz groß und unentbehrlich werden. IT, hat sie gehört, ist unentbehrlich. Sie mag Backen eigentlich lieber, aber mit Brötchen ist keine Revolution zu beginnen. Sie studiert und zeigt ihre, mit Silber umwickelten, mit Klebeband embroidierten Hände als Identifikation vor. Man schlägt Saltos. SYSTEMKONFORM steht auf ihrer Stirn, aber in ihrem Herzen singt sie immer noch das internationale Lied der Unterdrückten.
Aber drin sein reicht lange nicht, noch immer ist sie entbehrlich. Da muss Kreativität her. Um Inspiration zu schöpfen setzt sie sich in ein Café und isst mit Marzipan verzierte Tortenstücke. Die Ideen, wenn sie jemals da waren, gehen ihr aus. Erst als sie auf ihre Hände blickt bemerkt sie den Fehler, den sie seit einer halben, wenn nicht gleich einer ganzen, Ewigkeit begeht. Silber? Auf der Party tanzt neuerdings nur, wer sich in Gold schmückt. Als sie die neuen Ketten anlegt lacht sie. Ketten... wer hat die noch immer getragen?
Wer immer es war, er hat sie abgelegt – wenige Jahre nachdem die junge Frau, die jetzt unentbehrlich ist und den Text zur Internationalen vergessen hat und eigentlich auch nicht mehr jung genannt werden kann, von Silber zu Gold (mittlerweile zu seltenen Erden aus China) gewechselt hat. Und nun stürmen diese Kettenlosen die Party, deren Gäste sich kaum mehr halten können, denn der Kuchenboden bröselt endgültig auseinander.
Als die fast-alte, aber eigentlich junge, denn den Normen muss man sich ja beugen, Frau die roten Flaggen sieht, erinnert sie sich. SYSTEMKONFORM hat es mittlerweile in ihr Herz geschafft, wo es einen Foxtrott zu den Liedern einer Band tanzt, die in Polohemden auftritt und statt Mikroständern Golfschläger benutzt. Aber irgendwo tief im Inneren erinnert sie sich daran, wie sehr sie das System hasst. „Nieder mit euch Partygängern!“, schreit sie erbost, aber dank dem Punsch aus gegorenem Kosmopolitismus, mit einer Note Bourgois-Wein, lallt sie gehörig und die Tarnung wird ihr abgelegt.
„UND TROTZDEM du die Parolen auswendig kennst, lebst du sie nicht! Verräter! Du trinkst unser Blut, wenn du es nicht gerade als Treibmittel für deine Energiewende benützt!“ Man legt sie in Ketten aus... Eisen!
I love Laura Marling? She’s such an inspirational woman and... I love how she just smashes prejudices and doesn’t betray herself by abandoning her femininity. She’s just as a modern, female artist ought to be. Proud to be a woman.
Always remember, anyone can be a woman, as long as she, they or he embrace their femininity.
Nimongs letzter Versuch
„Akzeptanz der Machtlosigkeit ist etwas, das dem Menschen schwerfällt“, sage ich und schaue den großen Uhu an, der aus gelben Augen auf mich hinab starrt.
„Ist das so?“, will er wissen und schuhut.
„Hätte er sonst Angst vor dem Altwerden? Was ist schlimmer daran, als nichts daran ändern zu können? Es ist schließlich nicht so fatal wie das Sterben.“
„Gewissermaßen ist es der Weg zum Tode“
„Bindung zum Leben ist, was uns vor dem Tod erschaudern lässt. Wir trauern nicht um unsereins, sondern um das, was uns noch entgehen mag“, führe ich den Gedanken weiter.
„So mag es dir gehen, doch wie ist es mit den anderen? Wollen sie vielleicht ihre Familien nicht zurücklassen?“
„Sie wollen die Liebe ungern zurücklassen. Doch alles, was sie vermissen werden ist unmittelbar mit dem Leben verknüpft. Wir ängstigen uns, die Kelle Leben, die man uns aus dem großen Universaltopf reicht, vorschnell auszutrinken.“
„Chancen, sind sie das, was uns das Leben bietet?“,will der Uhu wissen. Ich verurteile ihn nicht dafür, er versteht das menschliche Leben nun mal nicht. „Das Leben ist die Grundlage für jede Chance, die wir uns selbst bieten. Ich betrachte Chancen als etwas, das nur dem zukommt, der sich wirklich müht“, erkläre ich geduldig.
„Also kann ein Nichtsnutz keine Chancen bekommen?“, wundert er sich.
„Man kann ihm welche anbieten, aber er wird sie nicht erkennen. Chancen müssen als solche identifiziert werden.“
„Deshalb“, schlussfolgert er zufrieden. „Deshalb was?“, helfe ich nach.
„Nichts, deshalb. Ich wollte nur sehen wie du reagierst, wenn ich 'Deshalb' sage. Ihr Menschen seid ulkig.“ Ich kräusele den Nasenrücken und ziehe die Augenbrauen bis zum Haaransatz. „Ich verstehe nicht ganz“, gestehe ich ihm und mir selbst.
„Ihr könnt keine Behauptung akzeptieren, ohne einen Grund dafür zu erhalten. Deshalb ist Wasser nass.“
„Weshalb ist Wasser nass?“
„Siehst du?“
„Ewigkeit ist relativ. Glaubst du an die Ewigkeit, Uhu?“
„Ich verstehe sie nicht. Du etwa?“ Ich verneine mit einem Kopfschütteln. „Tut mir leid. Manche Leute geben vor sie zu kennen, doch ihre Ewigkeiten existieren nur in endlichen Räumen.“
„Wie bitte?“
„Sie glauben, die Ewigkeit zu kennen. Doch in diesem Glauben limitieren sie etwas Unendliches auf ihr, sehr, sehr geringes Verständnis. Sehr weise von dir zu sagen, sie nicht zu verstehen. Ich verstehe sie auch nicht.“
„Freude. Gibt es sie?“ Ich zucke mit den Schultern. „Es existiert ein Gefühl, das die Menschheit einheitlich als Freude bezeichnet. Aber es ist nicht messbar, wie zum Beispiel die Atmungsaktivität eines Menschen. Sie ist nicht vergleichbar.“ Der Uhu schnurrt interessiert und studiert mein Gesicht sehr genau. „Wüsstest du, dass es Freude gibt, wenn es keine Trauer gäbe?“ Die Frage ist gut... „Nein. Der Kontrast ist, was das jeweilige Gefühl so eigen macht. Trauer wäre weniger qualvoll, wenn Freude mir fremd wäre.“
„Ist Freude ein Zustand, geringer Trauer oder ist Trauer ein Zustand geringer Freude?“
Ich weiß keine Antwort.
„Gründe für deine Existenz?“, gurrt er nach einer exzessiven Denkpause. „Ich denke, also bin ich“, zitiere ich. „Descartes. Von ihm habe ich schon gelesen. Fällt dir nichts besseres ein?“ Zischend atme ich ein und sinke etwas in mich zusammen. 'Nein', denke ich. „Wie kommt das?“, stichelt er. 'Weil das der einzige Beweis ist, den ich habe', gebe ich in Gedanken zurück. Er bricht in schallendes, schnarrendes Lachen aus. „Was ist mit dem, was du fühlst, siehst und hörst?“ Ich zwinkere und schenke ihm ein wissendes Lächeln. „Bitte, die Empiristen haben mich nie beeindruckt, geschweige denn überzeugt. Das kann alles genauso gut Einbildung sein.“
„Haben und Nichthaben. Wo liegt der Unterschied, wenn alle sterben?“ Vielleicht habe ich mich getäuscht und der Vogel versteht uns besser, als wir selbst es tun. „Die Menschen brauchen etwas, an dem sie festhalten können, während sie über die Erde wandeln“, mutmaße ich. Die Überlegung scheint auf den ersten Blick logisch und ich spinne sie ein wenig weiter. „Sie mögen das Gefühl, etwas von der Ewigkeit festzuhalten, die ihnen so schnell wieder entrissen wird.“
„Also würdest du ein Möbelstück als Ewigkeit bezeichnen?“
„Das nicht. Aber als einen Aspekt, der die Ewigkeit ausmacht, wie wir sie erfahren.“
„Ich. Findest du, das Wort hat eine Berechtigung?“, will ich von dem Uhu wissen. Er hat vermutlich gar keine rechte Ahnung davon, was das 'Ich' ist. Er ist nur ein Vogel. „Mehr als jedes andere Wort. Du hast doch gesagt, dass die eigenen Gedanken die Bestätigung für das Sein sind“, meint er. In seinen gelben Augen liegt etwas Forderndes... da steckt noch mehr in seiner Antwort.
„Also ist das 'Ich' das Einzige, mit einer Begründung. Das Ich-Bewusstsein ist ergo das einzige existente Bewusstsein“, lautet meine Konklusion.
„Jetzt verlässt du dich zu sehr auf Descartes. Aber gewissermaßen hast du Recht. Für dich ist das Ich-Bewusstsein die einzige Legitimation dafür, dass du bist.“
„Jeder trägt das Bewusstsein in sich. Richtig?“
„Das kannst du nur vermuten. Aber generell können wir von dieser Annahme aus weitergehen und zu dem Schluss kommen, dass es ein Universalbewusstsein gibt.“ Ich hebe beide Hände in dem Versuch, ihn zu beschwichtigen. „Ruhig... so was kannst du nicht einfach in den Raum stellen.“ Prüfend blickt er mich an. „Was hast du denn getan?“
„Eine Frage gestellt, ganz einfach“, verteidige ich mich.
„Jeder Frage wohnt eine Überlegung inne. Die hast du soeben in den Raum gestellt“, antwortet er gelassen und zupft mit dem krummen Schnabel an seinem Gefieder herum.
„Trotzdem... wie kommst du auf das Universalbewusstsein?“
„Wie würdest du sonst auch nur die geringste Idee von... einem Uhu haben? Ist die Idee von einem Uhu in deinem Gehirn verankert? Oder bin ich ein Hirngespinst?“
„Kompliziert. Und Kontrovers. Ich meine, dass wir unsere Gespräche auf ganz verschiedene Grundlagen bauen. Mal gehen wir davon aus, dass alles nur in meinem Kopf geschieht, mal gehen wir davon aus, dass die Ewigkeit für jeden existiert“, wechsle ich das Thema. Der Uhu gurrt amüsiert, kommentiert den holprigen Wechsel aber nicht. „Kontroversität und Multiperspektivität sind zwei entscheidende Nenner in unserem Denken.“
„Wir müssen uns so viele Perspektiven erlauben, wie es uns möglich ist“, fasse ich zusammen.
„Und sollten uns über jede Kontroverse freuen, die uns auffällt. Es wäre furchtbar, wäre unsere Welt einfach zu erklären.“
„Leben ist also nichts anderes, als unsere Welt zu erklären?“, erlaube ich mir zu fragen. „Das gefällt mir. Irgendwie bedeutet das schließlich, dass jeder seine eigene Erklärung findet.“
„Und man muss für sich selbst entscheiden, ob es die beste Erklärung ist. Eigentlich unfair, denn man hat nur eine Chance“, überlege ich. Ich hoffe, den richtige Ansatz gefunden zu haben.
„Du meinst wahrscheinlich, ob man sein Leben glücklich, oder unglücklich lebt... nun, es liegt wirklich bei jedem selbst, das zu entscheiden. Man kann schließlich jeden Moment dazu nutzen, neu anzufangen. Und wenn ich dich richtig verstanden habe, musst du deine Chance nur erkennen, um sie auch zu nutzen.“
Das bringt mich zum lächeln. Er hat mir gut zugehört.
„Musik, Dichtung und Kunst. Ich habe mich schon immer gefragt, was es mit den dreien auf sich hat. Sie scheinen den Menschen sehr wichtig zu sein“, setzt mein Gesprächspartner nach einer Weile des Schweigens wieder an.
„Über diese drei kann man einfach nicht streiten. Manch einer interessiert sich nicht im Mindesten dafür, dennoch haben fast alle eine Meinung zum Thema. Ich persönlich glaube, das Komponisten, Poeten und andere Künstler ihre Auffassung der Ewigkeit so verarbeiten, dass sie prägend für anderleuts Eindrücke sind.“
„Was ist denn mit Handwerkern. Einem Tischler zum Beispiel? Der erschafft doch auch etwas Neues.“
„Ach, das würde ich so nicht sehen. Ein Tisch ist und bleibt ein Tisch. Der wirkt auf jeden gleich... übersteigt den emotionalen Wert eines Erbstücks nicht. Aber eine Oper, oder eine Ballade... die sind viel persönlicher. Sie ermöglichen es, die Welt aus einer neuen Perspektive, aus fremden Augen zu sehen. Multiperspektivität, schon vergessen? Neue Denkanstöße sind wertvoller als eine Plattform, auf der man essen kann, wie es schon die Leute vor zweihundert Jahren taten.“
„Neu. Das ist sowieso ein Wort, das mich verwirrt. Wirklich neu ist schließlich nichts. Jeder Gedanke wurde schon einmal gedacht. Der menschliche Gedankenreichtum beschränkt sich auf das Schwingen eines Pendels, von einem Extremum in das andere“, behauptet der Uhu.
„Das stimmt gar nicht. Mit jedem neuen Menschen wird auch das Potenzial für neue Gedanken geboren. Natürlich ziehen sich Parallelen durch die Weltgeschichte. Schließlich baut man auf alte Ideen auf, bevor man sie widerlegt. Die Menschen der Aufklärung hatten ganz neue Blickwinkel auf all das, was um sie herum geschieht, als die Leute des Mittelalters. Gedankliche Schranken müssen gebrochen werden.“
„Also würdest du behaupten, dass das Gedankenpensum deiner Sippe nie erschöpft ist?“
„Ja.“
„Obwohl...“, zweifelt er an meiner Antwort.
„Was?“, frage ich leicht gereizt. Der Uhu ist mir eine Spur zu zweifelnd. Andererseits braucht man irgendeinen Anstoß, weiterzudenken. Und wenn es ein sprechender Uhu ist.
„Sag du es mir“, gibt er spielerisch zurück.
„Du willst nur, dass ich mich selbst hinterfrage, richtig? Man darf nichts für garantiert nehmen, nicht mal die eigene Meinung. Ist auch besser so... wenn man stets auf seine Meinung beharren würde, bestünde keine Möglichkeit, mit anderen Menschen zusammenzuleben. Kompromisse sind das A und O menschlicher Beziehungen.“
„Philosophie liefert die Antwort auf eure Fragen. Liege ich richtig?“, will er nun in Erfahrung bringen. Ich kann nur stöhnen und mit den Augen rollen. „Hörst du mir eigentlich zu? Philosophie ist der Inbegriff des Hinterfragens. Sie ist die ewige Suche nach Antworten. Mal kann man eine beantworten, aber dann stößt man auf eines dieser 'Obwohls' und muss plötzlich von Neuem anfangen. Das ist der Grund, warum unser Gedankenpensum nie zur Neige geht. Wir müssen immer neue Lösungen finden.“
„Also gibt es keine Antworten?“
„Es gibt Antworten, die nur für eine gewisse Zeit bestehen und in dieser Zeit auch richtig sind. Bis schließlich die Philosophie in Form eines neuen Denkers daherkommt und alles umwirft, um eine neue Theorie aufzustellen.“
„Quod erat demonstrandum... hat der Satz damit keinerlei Bedeutung, weil man absolut nichts beweisen kann?“
„Das finde ich nicht. Mathematik ist einfach etwas, wo man sich nicht irren kann... also... zumindest ist sie ein System, dem viele Menschen Glauben schenken und das eine gewisse Sicherheit mit sich bringt. Fünf und zwei Kühe sind sieben Kühe, da gibt es keine Diskussion.“
„Aber weshalb hat die Mathematik solche Macht über euer Denken? Ihr verlasst euch in allen Lebensbereichen auf ihre Richtigkeit“, fragt der Uhu.
„Mathematik ist irgendwie etwas, das erst mit den Menschen entstand... und doch können wir in unseren Systemen alles mit der Mathematik begründen. Sie ist so viel größer als der Mensch... fast wie eine Religion.“
„Religion – schöne Überleitung – ist das wirklich die Antwort auf alle Fragen? Oder ist sie eine zeitweise Idee und der Mathematik unterlegen? “ Jetzt stößt der Uhu an seine eigenen Grenzen, wenn er sie nicht schon lang zuvor überschritten hat. „Ich glaube, das Besondere an der Religion ist, dass sie eine immerwährende Antwort zu geben versucht. Und das ohne Beweissätze, wie die Mathematik sie aufweist.“ Der Uhu schweigt und für eine Weile glaube ich, das ihn irgend ein Kleintier im Unterholz, eine Nager im Dickicht, ablenkt.
„Schafft sie das?“
„In vielen Aspekten, ja. In Sachen Moral und Werte hat sie eigentlich immer eine wichtige und berechtigte Rolle gespielt. Das ist gerade das Interessante an den Religionen, viele von ihnen vertreten sehr ähnliche Moralvorstellungen, obwohl sie verschiedenen Ursprungs sind. Aber ich denke, dass auch ihre Antworten ein Verfallsdatum haben... und dieses zögert sich nur dadurch hinaus, das wirklich viele Menschen durch die Religionen vereint sind.“
„Wie meinst du das, mit dem Verfallsdatum? Sind die Antworten genauso kurzlebig wie die der einzelnen Philosophen?“, bohrt der Uhu etwas weiter.
„Eben nicht... sie besitzen die Fähigkeit, alles zu erklären und dadurch ein sehr umfassendes Weltbild zu erschaffen, während einzelne Denker nur kleine Teile abdecken können. Aber ihre Erklärungen, zum Beispiel alles auf Gott zurückzuführen, reicht vielen Menschen lange nicht mehr aus. Und auch manche der Werte, die vertreten werden, sind langsam hinfällig...“
„Aber irgendwas muss doch dran sein, das trotzdem so viele Menschen daran festhalten. Sonst wären Bibel, Koran und Tora nicht halb so beliebt.“
„Sie vereinen die Menschen und geben eine mögliche Grundlage, schlagen einen Kompromiss vor, mit dem viele Leute leben können. Vor allem ist es aber der Wunsch an etwas zu glauben, der sie so mächtig macht.“
„Sein und das Nichts. Wie erklärst du dir den Unterschied?“ Eines meiner absoluten Lieblingsthemen! Es gibt nichts spannenderes als das Nichts... obschon diese Behauptung allein sehr widersprüchlich ist...
„Das Nichts ist der Zustand der eintritt, wenn das Sein fehlt. Ein Vakuum zum Beispiel. Es umschließt unser Universum.“
„Glaubst du, das Nichts ist unendlich?“, will er wissen. Ich überlege ein wenig, obwohl die Erklärung für mich auf der Hand liegt. Es hat mich einige schlaflose Nachtstunden gebraucht, auf diese zufriedenstellende Lösung zu kommen.
„Nein. Denn wo wir, Menschen, Tiere und Pflanzen, Planeten und Sterne sind, ist das Sein. Also muss das Nichts irgendwo auf die Grenzen des Seins treffen und dort enden. Ganz einfach.“ Dieser Gedankengang stillt des Uhus Neugierde, wenn auch nur für eine sehr kurze Weile.
„Todesangst. Ein Wort, das nur die Menschen kennen und eine Angst, die nur sie spüren. Ich verstehe sie nicht.“
„Was denn, die Angst, oder die Menschen?“, wispere ich, bei dem Thema wird selbst mir etwas mulmig zumute.
„Beides“, gibt er reumütig zu. Als wäre es eine Schande, etwas nicht zu wissen! Je weniger man weiß, desto mehr kann man letztlich lernen.
„Wir fürchten uns vor dem Tod, weil wir Enden verabscheuen. Enden bedeuten Veränderung. Das Ende einer Beziehung heißt Alleinsein, zumindest glauben das viele. Und das Ende eines Buches bedeutet, sich auf ein neues einzustellen. Aber mit dem Leben ist es anders. Keiner kann uns sagen, was folgt. Da ist nur Leere und viele große Fragezeichen. Neue Bücher können empfohlen werden... über das Schlussmachen wissen viele Bescheid. Aber was kommt nach dem Leben?“
„Weshalb... weshalb denkt ihr überhaupt darüber nach? Es gibt so viele Theorien zu dem 'Leben nach dem Tod'. Warum?“, ernste Verzweiflung liegt in den Augen des Uhus. Ich muss gestehen, ich habe etwas Mitleid mit ihm...
„Vermutlich, weil wir uns vor dem Unbekannten noch viel mehr ängstigen. Ein wilder Wolf ist weniger angsteinflößend als ein Knurren aus der Dunkelheit.“
„Universum, Weltall, Sternenmeer. Die Angst erscheint mir ja plausibel, aber woher kommt dann dieses ungemeine Interesse an allem Unerklärlichen?“, murmelt er undeutlich und ich bin mir unsicher, ob er auf eine Antwort wartet. Wenn, dann lasse ich mich nicht lange bitten. „Natürlich, weil wir Herausforderungen lieben. Ist denn das nicht einer der Gründe, warum es die Gesellschaft gibt? Herausforderungen meistern und sich mit anderen vergleichen! Wer ist als erster auf dem Mond? Wer kann Wasser auf dem Mars nachweisen? Wer schafft es, die chinesische Mauer vom Weltall aus zu fotografieren? Leider ist die gar nicht sichtbar... jedenfalls befinden wir uns in einem Wettstreit, alles über unsere Umwelt herauszufinden und die Trophäen unserer Nachforschungen zu einem großen Puzzle zusammenzusetzen. Ich glaube, wenn der Mensch alles wüsste, würde er sich schrecklich langweilen. So ist es.“
Der Uhu schüttelt den Kopf und schließt die Augen.
„Das verstehe ich genauso wenig. Warum kann man nicht einfach glücklich sein, mit dem, was man hat? Zufriedenheit muss doch euer größtes Ziel sein. Ein sicheres Heim -“ Ich kann nicht anders, ich muss ihn an dieser Stelle einfach unterbrechen: „Zufriedenheit ist, wie jede Antwort die solche hervorruft, nur von temporärer Existenz. Der Mensch ist der geborene Zweifler.“
„Verhaltensweisen machen eure Gesellschaft aus. Oder macht eure Gesellschaft auch eure Verhaltensweisen aus?“ Ich ahne, wie er darauf kommt. Es muss an dem Ehrgeiz, dem steten Siegerwillen liegen, den ich vorher angesprochen habe. Trotzdem könnte er ebenso gut fragen, was zuerst kam, das Ei oder die Henne...
„Ich glaube, die meisten Gesellschaften, Sozialkreise, wurden aus ähnlichen Verhaltensweisen und Interessen heraus geformt.“
„Aber?“
„Innerhalb dieser Gesellschaften haben sich Normen festgefahren, oftmals, aber nicht ausschließlich an eine Religion gebunden, die es erheblich erschweren, sich mit anderen Sippen zu vermischen. Genauso fällt es einem Individuum schwer, das aus der Reihe fällt... seine Verhaltensweisen werden kritisch betrachtet und in den schlimmsten Fällen werden die Autoritäten der jeweiligen Sippe versuchen, es zurechtzustutzen.“
„Habt ihr deshalb Schwierigkeiten, fremde Kulturen zu akzeptieren?“
„Leider, ja. Ich hoffe aber, das die Globalisierung einiges daran ändern wird. Ich würde gerne viele verschiedene Kulturen kennenlernen und aus jeder von ihnen etwas mitnehmen. Ich will ein Weltbürger sein.“
„Wissen, lieber Weltbürger, würdest du es über die Liebe stellen?“
„Ich persönlich?“ Was für eine unsinnige Frage... die Auswahlmöglichkeiten sind beide so umfassend, dass ich keines auslassen will.
„Müsste ich mein Wissen aufgeben, um Liebe zu erfahren?“, setze ich dazu, denn seine Fragestellung ist mir nicht konkret genug.
„Das musst du dich selbst fragen... Tiere messen sich nicht in solchen Belangen. Wir haben Instinkte und Triebe“, erklärt er. Doch er kann unmöglich sich selbst meinen, er besitzt einiges an Wissen.
„Ich glaube, man kann Liebe zum Wissen haben. Liebe zur Kunst und zur Musik, Liebe zum Leben... und durch diese Gefühle einiges an Wissen erlangen. Die Liebe ist eine Wissenschaft wie jede andere und wer sie nicht als solche akzeptiert, verbleibt nun mal dumm. Und ohne Liebe zur Wissenschaft und dem Erlangen von Wissen... würde man nicht schlauer. Also funktioniert es gar nicht, die beiden zu trennen.“
„Yin und Yang stehen für das Gleichgewicht in der Welt. Hast du von dieser Theorie des Daoismus gehört?“
„Natürlich. Das Gute enthält Böses und das Böse enthält Gutes. Gemeinsam wiegen sie einander aus“, antworte ich. Die These finde ich interessant, weil sie jedem Wesen unserer Erde eine gewisse Dialektik schenkt. Sie passt auch zu dem Sprichwort, das jede Medaille zwei Seiten hat.
„Stimmst du dem zu?“ So weit bin ich nie gekommen... stimme ich dem zu?
„Ja. Es liegt in der Beschaffenheit jeder Handlung, jeden Gedankens, dass alles Gute auch schlechte, negative Effekte hat. Das lässt sich allein schon mit der menschlichen Geschichte beweisen. Die französische Revolution zum Beispiel, sie war ein Weckruf für alle schlummernden, demokratisch und liberal gesinnten Kräfte. Gleichzeitig hatte sie einen radikalen Diktatorenstaat und Napoleon als Bezwinger Europas zur Folge.“ Ähnliche Thesen wurden schon oft in der Philosophie aufgestellt und sie bieten eine Reflexionsmöglichkeit der Geschichte, die wir so nicht hätten, wenn wir von linearen Folgeereignissen, statt Kräften und Gegenkräften sprechen würden. Jedes Extremum weckt das genaue Gegenteil in ähnliche Handlungsbereitschaft.
„Zeit. Das ist mein letzter Punkt“, seufzt der Uhu resigniert. „Du hattest eine Liste? Die ganze Zeit über?“, frage ich belustigt. Er schuhut nur und schlägt die Lider nieder. „Also hast du auf den nächstbesten Wanderer gewartet, um ihm deine Fragen und Behauptungen entgegenzuwerfen?“, forsche ich nach. Er spielt beschäftigt, indem er eine Feder aus seinem Daunenkleid rupft und sie langsam zu Boden gleiten lässt. „Eigentlich habe ich auf den nächsten Denker gehofft, denn, wie du sicherlich weißt, bedeutet Existenz nicht gleich Ideenreichtum. Du hast mir das 'A' gegeben.“
Ich spüre, wie meine Wangen heiß werden, sicherlich bin ich puterrot.
„Kannst du mir die Zeit erklären, ehe sie vergeht?“, fragt er hoffnungsvoll.
„Wie soll ich das schaffen? Zeit ist... sie ist nicht wirklich da.“ Eigentlich verhält es sich mit ihr, wie mit der Mathematik... ein Konstrukt der Menschen, das das Individuum bei weitem überragt.
„Zeit ist kostbar. Aber woher kommt diese Wertigkeit?“
„Zeit ist... der Mensch hat sie erschaffen, um das zu definieren, was er gerne unbegrenzt hätte. Manche glauben Zeit sei ein langer Streifen, eine Straße, an der wir uns entlang bewegen. Aber das denke ich nicht. Ich denke, Zeit ist eine große Kugel, die all das, was seit der Entstehung des Universums bis zum Untergang des Universums passiert, umfasst. Und innerhalb dieser Kugel sind viele Ereignisse, wie Punkte, die sich miteinander verknüpfen lassen. Und gegen Ende des Universums wird jeder Fleck der Kugel, jeder Moment, ausgefüllt sein. Und es ergibt sich das bunte Bild einer Murmel, mit unendlich vielen Farben.“
„Was geschieht mit der Murmel?“, schießt es aus dem Uhu heraus. Kommt es nur mir so vor, oder dematerialisiert er sich vor meinen Augen? Werden die roten Augen blasser?
„Jemand nimmt sie und legt sie zu all den anderen Murmeln.“
Dann löst sich alles auf. Die Blätter fallen von den Bäumen, die Rinde pellt sich von ihren Stämmen, der Boden bröckelt unter meinen Füßen weg und der Uhu geht in tausend lose Federn auf. Ich verliere alles Gefühl für meine Umgebung und schließlich verliere ich mich selbst.
„Diese hier ist fertig. Sie haben die Lösung, es war ein kleines Mädchen“, murrt Nimong, als er die kleine, einst transparente Kugel aus ihrer Halterung nimmt. „Wo ist das Glas?“, fragt er. Und lässt seinen Blick einmal durch den ganzen Raum schweifen. Goldene Staubsprenkel tanzen durch Sonnenstrahlen und setzen sich auf das alte, verwitterte Holzmobiliar und die feinen, silbernen Gerätschaften. Jelta blickt auf und deutet auf ein großes Glas, das auf der Fensterbank steht und fast bis zum Rand mit bunten Glaskugeln angefüllt ist. Auf dem Glas ist eine krakelige Aufschrift 'Paralleluniversen – Modell 5315'. Nimong steht auf und schlurft herüber, vorsichtig legt er diese Murmel zu den anderen. „Eine machen wir noch. Dann ist das Glas voll und wir können das Projekt ad acta legen. Modell 5316 wird hoffentlich interessanter.“ Er begibt sich zurück an seinen Platz und legt eine kleine Glaskugel in die Vorrichtung. Mit einem Schnaufen beugt er sich darüber und sieht durch die Lupe dabei zu, wie der Urknall sich ein abertausendstes Mal ereignet.
Will all great Neptune's ocean wash this blood clean from my hand? No, this my hand will rather multitudinous seas incarnadine, making the green one red.
Macbeth in William Shakespeare’s “Macbeth”
As opposed to Vera...
I can wash my hands in water afterwards, I can wash my hands in water afterwards. Come, I shall save Russia, I have sworn it.
Vera, in Oscar Wilde’s “Vera”
One of the sentences that strikes me as a peculiar passage from the drama and underlines how interesting it should be to compare “Vera” to “Macbeth” by William Shakespeare.

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Plastikgabel II
Zerbrochen, schade. Aber gar kein Problem, wir haben Klebstreifen. Oder noch besser, wir kaufen eine neue! Zusammen geht das besser, jetzt wo wir Erfahrung haben. Im Plastikgabelfachgeschäft wird sicherlich was zu finden sein. Ach du willst nicht? Du hast eine neue gefunden? Nun ja, dann muss ich wohl allein losziehen. Ist aber auch nicht schlimm, Plastik hinterlässt schließlich keine Narben. Vor allem dann, wenn alles Einbildung ist. Ein Gedicht, das vage Bezug auf die Kurzgeschichte nimmt, die ich hier vor einiger Zeit veröffentlicht habe. Richtet sich an die gleiche Person, wenige Wochen nach dem Verfassen der Kurzgeschichte, die aus meiner Sicht wesentlich besser ist, als dieses... Gedicht.
Freitag
Freitags traf ein Schwerenöter auf einen Geistlichen und sagte „Ho!“, sagte er. Der Geistliche zuckte, weil nur die Gewohnheit von ihm verlangte, dies nicht zu tun.
„Grüß Gott“, sprach er dann und senkte den Kopf und das Niveau, sodass sie einander begegnen konnten.
„Freitag“, antwortete der Schwerenöter und lächelte, als hätte er es nicht schwer nötig, oder aber das Bedürfnis vor wenigen Minuten gestillt. Ja, da streunt ein Weib aus der Ecke.
„Freitag ist der Tag der fleischlichen Gelüste“, fügte er an und zog eine Flasche aus der Tasche. Der Geistliche zuckte, weil die Gewohnheit noch nicht eingekehrt war.
„Ich würde sagen, der fischigen Genüsse“, entgegnete er zögerlich und der Schwerenöter lachte feierlich.
„Wenn sie sich nicht wäscht, so ist es eine fischige Angelegenheit!“ Der Geistliche wusste nicht, wie ihm war und blickte auf die Straße. Es schneite Freitagsschnee, aber der Boden war sonntagswarm und die Flocken schmolzen, sobald sie auf den schwarzen Asphalt trafen. Wie Sterne, die explodieren und Dunkelheit zurücklassen. Der Geistliche war sehr stolz auf den Vergleich und fasste neuen Mut, dem Schwerenöter ins Gesicht zu blicken.
Jener hatte es wieder schwer nötig.
„Was tust du für deine Seele?“, fragte der Geistliche dann, denn auf Seelen verstand er sich. Der andere zuckte (die Schultern), was die Gewohnheit von ihm verlangte, da er sich in einem ständigen Zustand des Egalfindens befand.
„Die Seele ist wichtig.“
Der Schwerenöter schüttelte den Kopf.
„Die Seele ist nur der Inbegriff der Illusion, dass unser Leben nicht aus fleischlichen Gelüsten besteht. Es freud mich nicht sehr, dass ihr das nicht wisst.“
Selbst wenn er die Antwort gelesen hätte, der Geistliche hätte den Witz nicht verstanden. Er fand selten wenig witzig und wenn, dann war es von solcher Nichtigkeit, dass er erst Stunden später, wenn er allein war, darüber lachte.
Der Schwerenöter lachte sehr und klopfte dem Geistlichen auf die Schulter.
„Ach so ein Freitag, nicht wahr?“
„Ja, ich glaube schon.“
Das war mal für nen Wettbewerb gedacht... dieser Moment, wenn die Jury einfach keinen Geschmack hat. Meh.
Plainly beautiful.
Blauperlbronn
Blasse Strähne der Nacht fällt,
über das gebrochene Silberlicht
der Dämm'rung, als sie die Sonne hinab jagt.
Und von mitternachtfarbenen Spindeln,
Lüg' und Wahrheit des Tags erzählt,
werden in den Teppich gewoben, der Leben genannt
Weisheit bläst das Horn, den Tag auszurufen
und die Melodie tanzt weiter über atmend Land und Meer.
Schwerer Brust hält der Wandrer seinen Pfad
durch und durch den gelben Herbstwald.
Wie es ihn dürstet, das alte Athen zu treffen,
ehe er als Glocke endet,
leicht schwingend von den Ästen eines
großen Hirschs Geweih.
Doch der Lichtung Licht ist weit,
vom dunkelsten Dickicht, das er kennt.
Nachtingtal, ein Ort genannt Heimat,
von denen die vergessen scheinen
und verloren auf der immerwährenden Suche
nach Liebe.
Trost finden sie im süßen Geschmack,
geschenkt von Ambrosia
und dem wohlklingenden Gesang der Zweige,
die unter des Wandrers Füßen brechen.
Türkise Fichten neiden eifersüchtig,
greifen weit mit bitteren Krallen,
das goldene Kleid, das fiel, aufzuklauben,
vom stillen, zungengebundenen Boden.
'Stirb durch Trauer' summt der Blonde,
liegt unter einer Eiche,
tauscht das Leben für die Kunst,
sich selbst zu vergeben.
Und das Mädchen kniet beiseiten,
wünscht sich nur zu sehen,
wo der Fehler ist, im Leben
so zu leben wie's gefällt.
Zu dem Text gab es einst eine Melodie, doch ich haber vergessen, wie man sie singt.
I once wrote a poem
Only once I wrote a poem
it was nice and sweet
dedicated to the one I wished
at last to meet.
When I last thought of him,
I felt betrayed and bitter,
thinking of his face
made me laugh and titter
Why is my head,
once sharp and clear,
so befuddled and dazzled,
when the lad comes near?
I tried holding my breath,
stomping my feet,
dancing and walking on my hands,
but never did I get, what I need.
Now I am sitting,
alone yet again,
waiting for rescue,
but waiting in vain.
There is no knight,
except for this one,
that can relish the pain
and have my heart won.
'Til he will appear,
shining armor and all,
I will sit writing,
as a poet I'll bawl.
This poem’s about the same guy I wrote “Temple” about... or so I think. I’m not sure.

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Tell me one thing
It lately overcame me,
a feeling of being a lot smaller,
than I used to feel beside you.
When the day was done and
night fell over the heatherfields,
I used to think of you - as my closest soul on earth.
Now you still dominate my dreams,
but you seem to have grown,
into the distance, far, far over me.
We were like carterpillars,
small and soft and never full,
but you turned into a butterfly, I into a moth.
I sometimes ponder,
are you really the person I knew,
or have we woken from different dreams?
You dance with the birds,
hunt your own kind,
I feel like scum, who has betrayed whom?
Why is it butterflies that children draw,
they are false and wrong.
Or are they just to me?
Tell me one thing.
Have you just grown out of childhood memories,
or have I shrinked to be the shadow of reminiscence?
Sind irgendwie doch mehr Gedichte, als ich gedacht hätte... naja.