best boyfriends on a date jaewin for ivy club summer season 2017
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best boyfriends on a date jaewin for ivy club summer season 2017

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✧ nct challenge ✧ ↪︎ [4] biases: #4 - jeffrey jung yoonoh JAEHYUN {insp.} {all doodles are mine}
please stay best friends for a long time ( ◡‿◡ )♡( ◡‿◡ )
our flower boys (✿◕‿◕✿)
+ bonus kiss from winwin! ❤︎
maknae line’s somewhat stressful playtime

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Nimongs letzter Versuch
„Akzeptanz der Machtlosigkeit ist etwas, das dem Menschen schwerfällt“, sage ich und schaue den großen Uhu an, der aus gelben Augen auf mich hinab starrt.
„Ist das so?“, will er wissen und schuhut.
„Hätte er sonst Angst vor dem Altwerden? Was ist schlimmer daran, als nichts daran ändern zu können? Es ist schließlich nicht so fatal wie das Sterben.“
„Gewissermaßen ist es der Weg zum Tode“
„Bindung zum Leben ist, was uns vor dem Tod erschaudern lässt. Wir trauern nicht um unsereins, sondern um das, was uns noch entgehen mag“, führe ich den Gedanken weiter.
„So mag es dir gehen, doch wie ist es mit den anderen? Wollen sie vielleicht ihre Familien nicht zurücklassen?“
„Sie wollen die Liebe ungern zurücklassen. Doch alles, was sie vermissen werden ist unmittelbar mit dem Leben verknüpft. Wir ängstigen uns, die Kelle Leben, die man uns aus dem großen Universaltopf reicht, vorschnell auszutrinken.“
„Chancen, sind sie das, was uns das Leben bietet?“,will der Uhu wissen. Ich verurteile ihn nicht dafür, er versteht das menschliche Leben nun mal nicht. „Das Leben ist die Grundlage für jede Chance, die wir uns selbst bieten. Ich betrachte Chancen als etwas, das nur dem zukommt, der sich wirklich müht“, erkläre ich geduldig.
„Also kann ein Nichtsnutz keine Chancen bekommen?“, wundert er sich.
„Man kann ihm welche anbieten, aber er wird sie nicht erkennen. Chancen müssen als solche identifiziert werden.“
„Deshalb“, schlussfolgert er zufrieden. „Deshalb was?“, helfe ich nach.
„Nichts, deshalb. Ich wollte nur sehen wie du reagierst, wenn ich 'Deshalb' sage. Ihr Menschen seid ulkig.“ Ich kräusele den Nasenrücken und ziehe die Augenbrauen bis zum Haaransatz. „Ich verstehe nicht ganz“, gestehe ich ihm und mir selbst.
„Ihr könnt keine Behauptung akzeptieren, ohne einen Grund dafür zu erhalten. Deshalb ist Wasser nass.“
„Weshalb ist Wasser nass?“
„Siehst du?“
„Ewigkeit ist relativ. Glaubst du an die Ewigkeit, Uhu?“
„Ich verstehe sie nicht. Du etwa?“ Ich verneine mit einem Kopfschütteln. „Tut mir leid. Manche Leute geben vor sie zu kennen, doch ihre Ewigkeiten existieren nur in endlichen Räumen.“
„Wie bitte?“
„Sie glauben, die Ewigkeit zu kennen. Doch in diesem Glauben limitieren sie etwas Unendliches auf ihr, sehr, sehr geringes Verständnis. Sehr weise von dir zu sagen, sie nicht zu verstehen. Ich verstehe sie auch nicht.“
„Freude. Gibt es sie?“ Ich zucke mit den Schultern. „Es existiert ein Gefühl, das die Menschheit einheitlich als Freude bezeichnet. Aber es ist nicht messbar, wie zum Beispiel die Atmungsaktivität eines Menschen. Sie ist nicht vergleichbar.“ Der Uhu schnurrt interessiert  und studiert mein Gesicht sehr genau. „Wüsstest du, dass es Freude gibt, wenn es keine Trauer gäbe?“ Die Frage ist gut... „Nein. Der Kontrast ist, was das jeweilige Gefühl so eigen macht. Trauer wäre weniger qualvoll, wenn Freude mir fremd wäre.“
„Ist Freude ein Zustand, geringer Trauer oder ist Trauer ein Zustand geringer Freude?“
Ich weiĂź keine Antwort.
„Gründe für deine Existenz?“, gurrt er nach einer exzessiven Denkpause. „Ich denke, also bin ich“, zitiere ich. „Descartes. Von ihm habe ich schon gelesen. Fällt dir nichts besseres ein?“ Zischend atme ich ein und sinke etwas in mich zusammen. 'Nein', denke ich. „Wie kommt das?“, stichelt er. 'Weil das der einzige Beweis ist, den ich habe', gebe ich in Gedanken zurück. Er bricht in schallendes, schnarrendes Lachen aus. „Was ist mit dem, was du fühlst, siehst und hörst?“ Ich zwinkere und schenke ihm ein wissendes Lächeln. „Bitte, die Empiristen haben mich nie beeindruckt, geschweige denn überzeugt. Das kann alles genauso gut Einbildung sein.“
„Haben und Nichthaben. Wo liegt der Unterschied, wenn alle sterben?“ Vielleicht habe ich mich getäuscht und der Vogel versteht uns besser, als wir selbst es tun. „Die Menschen brauchen etwas, an dem sie festhalten können, während sie über die Erde wandeln“, mutmaße ich. Die Überlegung scheint auf den ersten Blick logisch und ich spinne sie ein wenig weiter. „Sie mögen das Gefühl, etwas von der Ewigkeit festzuhalten, die ihnen so schnell wieder entrissen wird.“
„Also würdest du ein Möbelstück als Ewigkeit bezeichnen?“
„Das nicht. Aber als einen Aspekt, der die Ewigkeit ausmacht, wie wir sie erfahren.“
„Ich. Findest du, das Wort hat eine Berechtigung?“, will ich von dem Uhu wissen. Er hat vermutlich gar keine rechte Ahnung davon, was das 'Ich' ist. Er ist nur ein Vogel. „Mehr als jedes andere Wort. Du hast doch gesagt, dass die eigenen Gedanken die Bestätigung für das Sein sind“, meint er. In seinen gelben Augen liegt etwas Forderndes... da steckt noch mehr in seiner Antwort.
„Also ist das 'Ich' das Einzige, mit einer Begründung. Das Ich-Bewusstsein ist ergo das einzige existente Bewusstsein“, lautet meine Konklusion.
„Jetzt verlässt du dich zu sehr auf Descartes. Aber gewissermaßen hast du Recht. Für dich ist das Ich-Bewusstsein die einzige Legitimation dafür, dass du bist.“
„Jeder trägt das Bewusstsein in sich. Richtig?“
„Das kannst du nur vermuten. Aber generell können wir von dieser Annahme aus weitergehen und zu dem Schluss kommen, dass es ein Universalbewusstsein gibt.“ Ich hebe beide Hände in dem Versuch, ihn zu beschwichtigen. „Ruhig... so was kannst du nicht einfach in den Raum stellen.“ Prüfend blickt er mich an. „Was hast du denn getan?“
„Eine Frage gestellt, ganz einfach“, verteidige ich mich.
„Jeder Frage wohnt eine Überlegung inne. Die hast du soeben in den Raum gestellt“, antwortet er gelassen und zupft mit dem krummen Schnabel an seinem Gefieder herum.
„Trotzdem... wie kommst du auf das Universalbewusstsein?“
„Wie würdest du sonst auch nur die geringste Idee von... einem Uhu haben? Ist die Idee von einem Uhu in deinem Gehirn verankert? Oder bin ich ein Hirngespinst?“
„Kompliziert. Und Kontrovers. Ich meine, dass wir unsere Gespräche auf ganz verschiedene Grundlagen bauen. Mal gehen wir davon aus, dass alles nur in meinem Kopf geschieht, mal gehen wir davon aus, dass die Ewigkeit für jeden existiert“, wechsle ich das Thema. Der Uhu gurrt amüsiert, kommentiert den holprigen Wechsel aber nicht. „Kontroversität und Multiperspektivität sind zwei entscheidende Nenner in unserem Denken.“
„Wir müssen uns so viele Perspektiven erlauben, wie es uns möglich ist“, fasse ich zusammen.
„Und sollten uns über jede Kontroverse freuen, die uns auffällt. Es wäre furchtbar, wäre unsere Welt einfach zu erklären.“
„Leben ist also nichts anderes, als unsere Welt zu erklären?“, erlaube ich mir zu fragen. „Das gefällt mir. Irgendwie bedeutet das schließlich, dass jeder seine eigene Erklärung findet.“
„Und man muss für sich selbst entscheiden, ob es die beste Erklärung ist. Eigentlich unfair, denn man hat nur eine Chance“, überlege ich. Ich hoffe, den richtige Ansatz gefunden zu haben.
„Du meinst wahrscheinlich, ob man sein Leben glücklich, oder unglücklich lebt... nun, es liegt wirklich bei jedem selbst, das zu entscheiden. Man kann schließlich jeden Moment dazu nutzen, neu anzufangen. Und wenn ich dich richtig verstanden habe, musst du deine Chance nur erkennen, um sie auch zu nutzen.“
Das bringt mich zum lächeln. Er hat mir gut zugehört.
„Musik, Dichtung und Kunst. Ich habe mich schon immer gefragt, was es mit den dreien auf sich hat. Sie scheinen den Menschen sehr wichtig zu sein“, setzt mein Gesprächspartner nach einer Weile des Schweigens wieder an.
„Über diese drei kann man einfach nicht streiten. Manch einer interessiert sich nicht im Mindesten dafür, dennoch haben fast alle eine Meinung zum Thema. Ich persönlich glaube, das Komponisten, Poeten und andere Künstler ihre Auffassung der Ewigkeit so verarbeiten, dass sie prägend für anderleuts Eindrücke sind.“
„Was ist denn mit Handwerkern. Einem Tischler zum Beispiel? Der erschafft doch auch etwas Neues.“
„Ach, das würde ich so nicht sehen. Ein Tisch ist und bleibt ein Tisch. Der wirkt auf jeden gleich... übersteigt den emotionalen Wert eines Erbstücks nicht. Aber eine Oper, oder eine Ballade... die sind viel persönlicher. Sie ermöglichen es, die Welt aus einer neuen Perspektive, aus fremden Augen zu sehen. Multiperspektivität, schon vergessen? Neue Denkanstöße sind wertvoller als eine Plattform, auf der man essen kann, wie es schon die Leute vor zweihundert Jahren taten.“
„Neu. Das ist sowieso ein Wort, das mich verwirrt. Wirklich neu ist schließlich nichts. Jeder Gedanke wurde schon einmal gedacht. Der menschliche Gedankenreichtum beschränkt sich auf das Schwingen eines Pendels, von einem Extremum in das andere“, behauptet der Uhu.
„Das stimmt gar nicht. Mit jedem neuen Menschen wird auch das Potenzial für neue Gedanken geboren. Natürlich ziehen sich Parallelen durch die Weltgeschichte. Schließlich baut man auf alte Ideen auf, bevor man sie widerlegt. Die Menschen der Aufklärung hatten ganz neue Blickwinkel auf all das, was um sie herum geschieht, als die Leute des Mittelalters. Gedankliche Schranken müssen gebrochen werden.“
„Also würdest du behaupten, dass das Gedankenpensum deiner Sippe nie erschöpft ist?“
„Ja.“
„Obwohl...“, zweifelt er an meiner Antwort.
„Was?“, frage ich leicht gereizt. Der Uhu ist mir eine Spur zu zweifelnd. Andererseits braucht man irgendeinen Anstoß, weiterzudenken. Und wenn es ein sprechender Uhu ist.
„Sag du es mir“, gibt er spielerisch zurück.
„Du willst nur, dass ich mich selbst hinterfrage, richtig? Man darf nichts für garantiert nehmen, nicht mal die eigene Meinung. Ist auch besser so... wenn man stets auf seine Meinung beharren würde, bestünde keine Möglichkeit, mit anderen Menschen zusammenzuleben. Kompromisse sind das A und O menschlicher Beziehungen.“
„Philosophie liefert die Antwort auf eure Fragen. Liege ich richtig?“, will er nun in Erfahrung bringen. Ich kann nur stöhnen und mit den Augen rollen. „Hörst du mir eigentlich zu? Philosophie ist der Inbegriff des Hinterfragens. Sie ist die ewige Suche nach Antworten. Mal kann man eine beantworten, aber dann stößt man auf eines dieser 'Obwohls' und muss plötzlich von Neuem anfangen. Das ist der Grund, warum unser Gedankenpensum nie zur Neige geht. Wir müssen immer neue Lösungen finden.“
„Also gibt es keine Antworten?“
„Es gibt Antworten, die nur für eine gewisse Zeit bestehen und in dieser Zeit auch richtig sind. Bis schließlich die Philosophie in Form eines neuen Denkers daherkommt und alles umwirft, um eine neue Theorie aufzustellen.“
„Quod erat demonstrandum... hat der Satz damit keinerlei Bedeutung, weil man absolut nichts beweisen kann?“
„Das finde ich nicht. Mathematik ist einfach etwas, wo man sich nicht irren kann... also... zumindest ist sie ein System, dem viele Menschen Glauben schenken und das eine gewisse Sicherheit mit sich bringt. Fünf und zwei Kühe sind sieben Kühe, da gibt es keine Diskussion.“
„Aber weshalb hat die Mathematik solche Macht über euer Denken? Ihr verlasst euch in allen Lebensbereichen auf ihre Richtigkeit“, fragt der Uhu.
„Mathematik ist irgendwie etwas, das erst mit den Menschen entstand... und doch können wir in unseren Systemen alles mit der Mathematik begründen. Sie ist so viel größer als der Mensch... fast wie eine Religion.“
„Religion – schöne Überleitung – ist das wirklich die Antwort auf alle Fragen? Oder ist sie eine zeitweise Idee und der Mathematik unterlegen? “ Jetzt stößt der Uhu an seine eigenen Grenzen, wenn er sie nicht schon lang zuvor überschritten hat. „Ich glaube, das Besondere an der Religion ist, dass sie eine immerwährende Antwort zu geben versucht. Und das ohne Beweissätze, wie die Mathematik sie aufweist.“ Der Uhu schweigt und für eine Weile glaube ich, das ihn irgend ein Kleintier im Unterholz, eine Nager im Dickicht, ablenkt.
„Schafft sie das?“
„In vielen Aspekten, ja. In Sachen Moral und Werte hat sie eigentlich immer eine wichtige und berechtigte Rolle gespielt. Das ist gerade das Interessante an den Religionen, viele von ihnen vertreten sehr ähnliche Moralvorstellungen, obwohl sie verschiedenen Ursprungs sind. Aber ich denke, dass auch ihre Antworten ein Verfallsdatum haben... und dieses zögert sich nur dadurch hinaus, das wirklich viele Menschen durch die Religionen vereint sind.“
„Wie meinst du das, mit dem Verfallsdatum? Sind die Antworten genauso kurzlebig wie die der einzelnen Philosophen?“, bohrt der Uhu etwas weiter.
„Eben nicht... sie besitzen die Fähigkeit, alles zu erklären und dadurch ein sehr umfassendes Weltbild zu erschaffen, während einzelne Denker nur kleine Teile abdecken können. Aber ihre Erklärungen, zum Beispiel alles auf Gott zurückzuführen, reicht vielen Menschen lange nicht mehr aus. Und auch manche der Werte, die vertreten werden, sind langsam hinfällig...“
„Aber irgendwas muss doch dran sein, das trotzdem so viele Menschen daran festhalten. Sonst wären Bibel, Koran und Tora nicht halb so beliebt.“
„Sie vereinen die Menschen und geben eine mögliche Grundlage, schlagen einen Kompromiss vor, mit dem viele Leute leben können. Vor allem ist es aber der Wunsch an etwas zu glauben, der sie so mächtig macht.“
„Sein und das Nichts. Wie erklärst du dir den Unterschied?“ Eines meiner absoluten Lieblingsthemen! Es gibt nichts spannenderes als das Nichts... obschon diese Behauptung allein sehr widersprüchlich ist...
„Das Nichts ist der Zustand der eintritt, wenn das Sein fehlt. Ein Vakuum zum Beispiel. Es umschließt unser Universum.“
„Glaubst du, das Nichts ist unendlich?“, will er wissen. Ich überlege ein wenig, obwohl die Erklärung für mich auf der Hand liegt. Es hat mich einige schlaflose Nachtstunden gebraucht, auf diese zufriedenstellende Lösung zu kommen.
„Nein. Denn wo wir, Menschen, Tiere und Pflanzen, Planeten und Sterne sind, ist das Sein. Also muss das Nichts irgendwo auf die Grenzen des Seins treffen und dort enden. Ganz einfach.“ Dieser Gedankengang stillt des Uhus Neugierde, wenn auch nur für eine sehr kurze Weile.
„Todesangst. Ein Wort, das nur die Menschen kennen und eine Angst, die nur sie spüren. Ich verstehe sie nicht.“
„Was denn, die Angst, oder die Menschen?“, wispere ich, bei dem Thema wird selbst mir etwas mulmig zumute.
„Beides“, gibt er reumütig zu. Als wäre es eine Schande, etwas nicht zu wissen! Je weniger man weiß, desto mehr kann man letztlich lernen.
„Wir fürchten uns vor dem Tod, weil wir Enden verabscheuen. Enden bedeuten Veränderung. Das Ende einer Beziehung heißt Alleinsein, zumindest glauben das viele. Und das Ende eines Buches bedeutet, sich auf ein neues einzustellen. Aber mit dem Leben ist es anders. Keiner kann uns sagen, was folgt. Da ist nur Leere und viele große Fragezeichen. Neue Bücher können empfohlen werden... über das Schlussmachen wissen viele Bescheid. Aber was kommt nach dem Leben?“
„Weshalb... weshalb denkt ihr überhaupt darüber nach? Es gibt so viele Theorien zu dem 'Leben nach dem Tod'. Warum?“, ernste Verzweiflung liegt in den Augen des Uhus. Ich muss gestehen, ich habe etwas Mitleid mit ihm...
„Vermutlich, weil wir uns vor dem Unbekannten noch viel mehr ängstigen. Ein wilder Wolf ist weniger angsteinflößend als ein Knurren aus der Dunkelheit.“
„Universum, Weltall, Sternenmeer. Die Angst erscheint mir ja plausibel, aber woher kommt dann dieses ungemeine Interesse an allem Unerklärlichen?“, murmelt er undeutlich und ich bin mir unsicher, ob er auf eine Antwort wartet. Wenn, dann lasse ich mich nicht lange bitten. „Natürlich, weil wir Herausforderungen lieben. Ist denn das nicht einer der Gründe, warum es die Gesellschaft gibt? Herausforderungen meistern und sich mit anderen vergleichen! Wer ist als erster auf dem Mond? Wer kann Wasser auf dem Mars nachweisen? Wer schafft es, die chinesische Mauer vom Weltall aus zu fotografieren? Leider ist die gar nicht sichtbar... jedenfalls befinden wir uns in einem Wettstreit, alles über unsere Umwelt herauszufinden und die Trophäen unserer Nachforschungen zu einem großen Puzzle zusammenzusetzen. Ich glaube, wenn der Mensch alles wüsste, würde er sich schrecklich langweilen. So ist es.“
Der Uhu schĂĽttelt den Kopf und schlieĂźt die Augen.
„Das verstehe ich genauso wenig. Warum kann man nicht einfach glücklich sein, mit dem, was man hat? Zufriedenheit muss doch euer größtes Ziel sein. Ein sicheres Heim -“ Ich kann nicht anders, ich muss ihn an dieser Stelle einfach unterbrechen: „Zufriedenheit ist, wie jede Antwort die solche hervorruft, nur von temporärer Existenz. Der Mensch ist der geborene Zweifler.“
„Verhaltensweisen machen eure Gesellschaft aus. Oder macht eure Gesellschaft auch eure Verhaltensweisen aus?“ Ich ahne, wie er darauf kommt. Es muss an dem Ehrgeiz, dem steten Siegerwillen liegen, den ich vorher angesprochen habe. Trotzdem könnte er ebenso gut fragen, was zuerst kam, das Ei oder die Henne...
„Ich glaube, die meisten Gesellschaften, Sozialkreise, wurden aus ähnlichen Verhaltensweisen und Interessen heraus geformt.“
„Aber?“
„Innerhalb dieser Gesellschaften haben sich Normen festgefahren, oftmals, aber nicht ausschließlich an eine Religion gebunden, die es erheblich erschweren, sich mit anderen Sippen zu vermischen. Genauso fällt es einem Individuum schwer, das aus der Reihe fällt... seine Verhaltensweisen werden kritisch betrachtet und in den schlimmsten Fällen werden die Autoritäten der jeweiligen Sippe versuchen, es zurechtzustutzen.“
„Habt ihr deshalb Schwierigkeiten, fremde Kulturen zu akzeptieren?“
„Leider, ja. Ich hoffe aber, das die Globalisierung einiges daran ändern wird. Ich würde gerne viele verschiedene Kulturen kennenlernen und aus jeder von ihnen etwas mitnehmen. Ich will ein Weltbürger sein.“
„Wissen, lieber Weltbürger, würdest du es über die Liebe stellen?“
„Ich persönlich?“ Was für eine unsinnige Frage... die Auswahlmöglichkeiten sind beide so umfassend, dass ich keines auslassen will.
„Müsste ich mein Wissen aufgeben, um Liebe zu erfahren?“, setze ich dazu, denn seine Fragestellung ist mir nicht konkret genug.
„Das musst du dich selbst fragen... Tiere messen sich nicht in solchen Belangen. Wir haben Instinkte und Triebe“, erklärt er. Doch er kann unmöglich sich selbst meinen, er besitzt einiges an Wissen.
„Ich glaube, man kann Liebe zum Wissen haben. Liebe zur Kunst und zur Musik, Liebe zum Leben... und durch diese Gefühle einiges an Wissen erlangen. Die Liebe ist eine Wissenschaft wie jede andere und wer sie nicht als solche akzeptiert, verbleibt nun mal dumm. Und ohne Liebe zur Wissenschaft und dem Erlangen von Wissen... würde man nicht schlauer. Also funktioniert es gar nicht, die beiden zu trennen.“
„Yin und Yang stehen für das Gleichgewicht in der Welt. Hast du von dieser Theorie des Daoismus gehört?“
„Natürlich. Das Gute enthält Böses und das Böse enthält Gutes. Gemeinsam wiegen sie einander aus“, antworte ich. Die These finde ich interessant, weil sie jedem Wesen unserer Erde eine gewisse Dialektik schenkt. Sie passt auch zu dem Sprichwort, das jede Medaille zwei Seiten hat.
„Stimmst du dem zu?“ So weit bin ich nie gekommen... stimme ich dem zu?
„Ja. Es liegt in der Beschaffenheit jeder Handlung, jeden Gedankens, dass alles Gute auch schlechte, negative Effekte hat. Das lässt sich allein schon mit der menschlichen Geschichte beweisen. Die französische Revolution zum Beispiel, sie war ein Weckruf für alle schlummernden, demokratisch und liberal gesinnten Kräfte. Gleichzeitig hatte sie einen radikalen Diktatorenstaat und Napoleon als Bezwinger Europas zur Folge.“ Ähnliche Thesen wurden schon oft in der Philosophie aufgestellt und sie bieten eine Reflexionsmöglichkeit der Geschichte, die wir so nicht hätten, wenn wir von linearen Folgeereignissen, statt Kräften und Gegenkräften sprechen würden. Jedes Extremum weckt das genaue Gegenteil in ähnliche Handlungsbereitschaft.
„Zeit. Das ist mein letzter Punkt“, seufzt der Uhu resigniert. „Du hattest eine Liste? Die ganze Zeit über?“, frage ich belustigt. Er schuhut nur und schlägt die Lider nieder. „Also hast du auf den nächstbesten Wanderer gewartet, um ihm deine Fragen und Behauptungen entgegenzuwerfen?“, forsche ich nach. Er spielt beschäftigt, indem er eine Feder aus seinem Daunenkleid rupft und sie langsam zu Boden gleiten lässt. „Eigentlich habe ich auf den nächsten Denker gehofft, denn, wie du sicherlich weißt, bedeutet Existenz nicht gleich Ideenreichtum. Du hast mir das 'A' gegeben.“
Ich spĂĽre, wie meine Wangen heiĂź werden, sicherlich bin ich puterrot.
„Kannst du mir die Zeit erklären, ehe sie vergeht?“, fragt er hoffnungsvoll.
„Wie soll ich das schaffen? Zeit ist... sie ist nicht wirklich da.“ Eigentlich verhält es sich mit ihr, wie mit der Mathematik... ein Konstrukt der Menschen, das das Individuum bei weitem überragt.
„Zeit ist kostbar. Aber woher kommt diese Wertigkeit?“
„Zeit ist... der Mensch hat sie erschaffen, um  das zu definieren, was er gerne unbegrenzt hätte. Manche glauben Zeit sei ein langer Streifen, eine Straße, an der wir uns entlang bewegen. Aber das denke ich nicht. Ich denke, Zeit ist eine große Kugel, die all das, was seit der Entstehung des Universums bis zum Untergang des Universums passiert, umfasst. Und innerhalb dieser Kugel sind viele Ereignisse, wie Punkte, die sich miteinander verknüpfen lassen. Und gegen Ende des Universums wird jeder Fleck der Kugel, jeder Moment, ausgefüllt sein. Und es ergibt sich das bunte Bild einer Murmel, mit unendlich vielen Farben.“
„Was geschieht mit der Murmel?“, schießt es aus dem Uhu heraus. Kommt es nur mir so vor, oder dematerialisiert er sich vor meinen Augen? Werden die roten Augen blasser?
„Jemand nimmt sie und legt sie zu all den anderen Murmeln.“
Dann löst sich alles auf. Die Blätter fallen von den Bäumen, die Rinde pellt sich von ihren Stämmen, der Boden bröckelt unter meinen Füßen weg und der Uhu geht in tausend lose Federn auf. Ich verliere alles Gefühl für meine Umgebung und schließlich verliere ich mich selbst.
„Diese hier ist fertig. Sie haben die Lösung, es war ein kleines Mädchen“, murrt Nimong, als er die kleine, einst transparente Kugel aus ihrer Halterung nimmt. „Wo ist das Glas?“, fragt er. Und lässt seinen Blick einmal  durch den ganzen Raum schweifen. Goldene Staubsprenkel tanzen durch Sonnenstrahlen und setzen sich auf das alte, verwitterte Holzmobiliar und die feinen, silbernen Gerätschaften. Jelta blickt auf und deutet auf ein großes Glas, das auf der Fensterbank steht und fast bis zum Rand mit bunten Glaskugeln angefüllt ist. Auf dem Glas ist eine krakelige Aufschrift 'Paralleluniversen – Modell 5315'. Nimong steht auf und schlurft herüber, vorsichtig legt er diese Murmel zu den anderen. „Eine machen wir noch. Dann ist das Glas voll und wir können das Projekt ad acta legen. Modell 5316 wird hoffentlich interessanter.“ Er begibt sich zurück an seinen Platz und legt eine kleine Glaskugel in die Vorrichtung. Mit einem Schnaufen beugt er sich darüber und sieht durch die Lupe dabei zu, wie der Urknall sich ein abertausendstes Mal ereignet.