Seit dem 14. Juni 2015 ist er auf dem italienischen Schnellfahrstreckennetz unterwegs: Der Frecciarossa 1000 der Trenitalia. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 360 km/h ist er wohl einer der schnellsten SerienzĂŒge der Welt. Im CaboRuivoTV-Video sehen Sie ein PortrĂ€t des neuen Hochgeschwindigkeitszuges, der von den Schienenfahrzeughersteller Bombardier Transportation und AnsaldoBreda produziert wurde.
Die 360 km/h darf er noch nicht ausfahren
Gesamtansicht des Zuges 400 011 in Torino Porta Nuova
Was bei den Autos der Bugatti Veyron ist, ist bei den Eisenbahnen der Frecciarossa 1000. Teil der Bombardier-Produktefamilie Zefiro, kann der siebenteilige Triebzug im fahrplanmÀssigen Verkehr eine Höchstgeschwindigkeit von 360 km/h erreichen. Aktuell sind die Höchstgeschwindigkeiten auf dem italienischen Schnellfahrnetz noch auf 300 km/h begrenzt, da in diesem Schnellfahrbereich der Energieverbrauch im Vergleich zur Geschwindigkeit kubisch ansteigt. Da auch der vom Trenitalia-Konkurrenten Nuovo Trasporto Viaggiatori (NTV) eingesetzte ETR 575 (Alstom AGV) eine Höchstgeschwindigkeit von 360 km/h aufweist, ist mittelfristig mit einer Aufhebung dieser Plombierung zu rechnen, sofern der Ertrag durch die weitere Beschleunigung höher ist als der zusÀtzliche Energieaufwand.
Das Einsatzgebiet beschrĂ€nkt sich auf die Achse TurinâMailandâFlorenzâRomâNeapelâSalerno, der Hauptschlagader des italienischen Eisenbahnnetzes. Mit dem Frecciarossa 1000 setzt man ein Zeichen gegen den Mitbewerber NTV, welcher bislang nicht nur schnellere ZĂŒge in petto hatte, sondern auch beim Service gegenĂŒber der Trenitalia die Nase vorne hat.
Frecciarossa 1000 oder ETR 400?
Kaum ein Zug hatte wohl mehr Namen als der Frecciarossa 1000. UrsprĂŒnglich sollte er seinem von der Trenitalia eingefĂŒhrten Markennamen getreu die interne Baureihenbezeichnung ETR 1000 erhalten, tatsĂ€chlich firmiert er jetzt aber als ETR 400, ungeachtet, dass die allerersten Pendolino-NeigezĂŒge als Baureihe ebenfalls als ETR 400 bezeichnet wurden. Die Doppelbenennung ist insofern unproblematisch, dass der einzige Zug der ETR 400-Reihe als ETR 401 bezeichnet wird, da er ein Prototyp darstellt. Die eigentlich als ETR 400 geplanten SerienzĂŒge wurden dann als ETR 450 ausgeliefert.
Vom Hersteller Bombardier Transportation wird er als V300Zefiro bezeichnet und ist Teil der Zefiro-Produktefamilie, welche Ă€hnliche ZĂŒge fĂŒr den chinesischen Markt mit Geschwindigkeiten bis 380 km/h umfasst. Zudem ist der erste Vorserienzug, ETR 400 011, nach dem italienischen Leichtathleten und ehemaligen Weltrekordhalters ĂŒber 200 Meter, Pietro Mennea, benannt, der kurz vor der im MĂ€rz im AnsaldoBreda-Werk in Pistoia/ITA abgehaltenen PrĂ€sentation des Zuges verstorben war.
Im Innern des Wagens wurde auf ein Reservierungsanzeigesystem verzichtet, die Reservierungen sind ohnehin in die Globalpreisfahrkarten integriert. FĂŒr das Design des Zuges zeichnete sich das renommierte aber mittlerweile insolvente BĂŒro Bertone verantwortlich, zu dessen Referenzen unter anderem diverse Gestaltungen von Autos der Marken Lamborghini, VW oder Opel gehören â so zum Beispiel der VW Polo. Aufgrund der Insolvenz konzentriert sich das Nachfolgeunternehmen Bertone Design ausschliesslich auf die Gestaltung von Architektur, Mode und ZĂŒgen. Entworfen wurde der gesamte Zug von Bombardier Transportation, welche sich auch fĂŒr die Herstellung einzelner Komponenten wie Drehgestelle verantwortlich zeigte, die Endproduktion des Frecciarossa 1000 hingegen findet im Werk Pistoia des noch zum italienischen Finmecchanica-Konzerns gehörenden Schienenfahrzeugherstellers AnsaldoBreda, dessen Verkauf an den japanischen Konkurrenten Hitachi jedoch geplant ist, statt.
Technische Details des Zuges
Genau wie der .italo-ETR 575 der Konkurrentin NTV ist der Frecciarossa 1000 ein Triebzug mit verteiltem Antrieb. Auf seiner LĂ€nge von 200 Metern finden sich acht Waggons. 95 Prozent der beim Bau der Fahrzeuge verwendeten Materialien sind erneuerbar, 85 recyclebar. Insgesamt finden 469 Personen einen Sitzplatz in den vier Wagenklassen im Zug. Die Innenbeleuchtung funktioniert gĂ€nzlich mit LED, auch WLAN gehört zur Ausstattung. Insgesamt hat Trenitalia 50 ZĂŒge bestellt, nach der Inbetriebnahme der VorserienzĂŒge ab Juni 2014, sollen die restlichen ZĂŒge ab Dezember 2014 ausgeliefert werden. Danach werden bislang benötigte ETR 500 fĂŒr die Erweiterung des Frecciarossa-Netzes frei, die wiederum fĂŒr bislang im Frecciargento-Netz eingesetzte ETR 610 den erneuten Einsatz im binationalen Verkehr Schweiz-Italien, vorzugsweise via Gotthardachse, ermöglichen.
In punkto Stromsystemen ist der Zug fĂŒr die beiden in Italien gebrĂ€uchlichen Stromsystemen von 3000 V Gleichstrom (Altnetz) und 25 kV 50 Hz Wechselstrom (Schnellfahrstrecken) ausgerĂŒstet, zudem auch mit 1500 V Gleichstrom. Eine AufrĂŒstung auf 15 kV 16.67 Hz Wechselstrom kann optional ausgefĂŒhrt werden, eine solche ist allenfalls fĂŒr die Zeit nach der Eröffnung des Brenner-Basistunnels 2025 angedacht, Trenitalia prĂŒft eine Verbindung RomâVeronaâMĂŒnchen. Eine danach folgende AusrĂŒstung fĂŒrs Schweizer Netz, das zwar ein weiterer Stromabnehmer mit 1450 mm breiter Wippe benötigt, aber aufgrund der flĂ€chendeckenden EinfĂŒhrung von ETCS Level 1 LS 2017 in Sachen ZugsicherungsausrĂŒstung nur ein minimaler Aufwand darstellen wĂŒrde, ist nicht geplant, obwohl ein EuroCity ZĂŒrich HBâRom mit dem Gotthard- und dem Ceneri-Basistunnel durchaus Potential haben wĂŒrde, immerhin mindestens genauso viel wie die optionale Verbindung via Brenner-Basistunnel. Jedoch soll auf der internationalen Verbindung Schweiz-Italien kĂŒnftig ausschliesslich SBB-Rollmaterial in Form des Stadler EC250 alias Giruno zum Einsatz kommen.
ETR 1000: Der schnellste Zug der Welt? â caboruivo.ch vom 27. MĂ€rz 2013
Nuovo Trasporto Viaggiatori: Konkurrenz fĂŒr Trenitalia ab Ostern â caboruivo.ch vom 5. April 2012
Informationsseite von Bombardier Transportation ĂŒber die Zefiro-Produktefamilie (englischsprachig)
Referenzseite von Bertone Design
Informationsseite ĂŒber den Frecciarossa 1000 von AnsaldoBreda (englischsprachig)
Video: Der Frecciarossa 1000 im PortrÀt Seit dem 14. Juni 2015 ist er auf dem italienischen Schnellfahrstreckennetz unterwegs: Der Frecciarossa 1000 der Trenitalia.