qimmik erzĂ€hlt parallel zwei geschichten aus nunavik, dem land der inuit - eine spielt sich in den sechziger jahren ab, die andere in der gegenwart. alle protagonisten des romans gehören dem volk der inuit an. in den sechziger jahren reist der jĂ€ger ulaajuk in ein kleines dorf im sĂŒden quĂ©becs, um felle zu verkaufen. er fĂ€llt mit seinem aussehen und seinem verhalten direkt der jungen saullu ins auge. sie verlieben sich und ziehen gemeinsam mit ihren hunden in den hohen norden, wo sie jahrelang trotz der widrigen klimaverhĂ€ltnisse in der region sehr glĂŒcklich von der jagd und im einklang mit der natur leben. als saullu schwanger ist, will sie in ihr dorf zurĂŒckkehren, damit das kind im kreise der familie zur welt kommt - doch das dorf in das sie zurĂŒckkehrt, hat nichts mehr mit dem zu tun, was sie vor ein paar jahren verlassen hat: hĂ€ssliche neue hĂ€user, neue straĂen und die abwesenheit von hunden prĂ€gen das bild. wie sie erfĂ€hrt haben beamte der sĂ©curitĂ© du quĂ©bec alle fĂŒr ihre kultur so wichtigen tiere erschossen. das drama nimmt mit der ankunft im dorf erst so richtig seinen lauf... die parallele geschichte handelt von der erfolgreichen jungen anwĂ€ltin Ăšve, die es schafft jedem den freispruch einzubringen sie ist eine inuk, die von weissen adoptiert wurde und nicht weiss, wer ihre wahren eltern sind. von ihrer kanzlei wird sie in den norden geschickt, um den vermeintlichen mörder mehrerer polizisten in ruhestand zu verteidigen. der mann möchte partout nicht reden und fĂŒr die verhandlungen sieht es nicht gut aus. mit hilfe einer assistentin versucht sie selbst zu ermitteln und kommt den grĂŒnden des verbrechens langsam auf die spur - eine spur, die sie nicht erwartet hĂ€tte.
kurz gesagt: das buch ist genial! eine einzige lesefreude, wenn auch das ende ein wenig abrupt zu kommen scheint. die szenen in der rauen natur, der kalte im norden quĂ©becs, im leben des jungen pĂ€rchens dort, sind so lebendig beschrieben, dass man die kĂ€lte auf ihren jagden durch schnee und eis buchstĂ€blich spĂŒren kann (wunderbar erfrischend in diesen heissen sommertagen). das symbiotische leben, dass die inuit mit ihren tieren und der natur fĂŒhren - oder gefĂŒhrt haben, ehe der kanadische staat so vieles zerstört hat - fasziniert und zeigt, wie weit sich der mensch im allgemeinen vom verstĂ€ndnis der natur abgewendet hat... michel jean verbindet in seinem roman mehrere katastrophen, die ĂŒber die inuit im 20. jahrhundert hereingebrochen sind, wobei die zweite die fĂŒr den roman namengebende ist - zum einen die massenweise staatliche entfĂŒhrung von inuit-kindern, die in heime kamen, um an weisse kanadier gegeben zu werden und zum anderen die vernichtung der fĂŒr die inuit so wichtigen schlittenhunde, deren rasse dadurch sogar lange als ausgestorben galt - alles nur um eine funktionierende zivilisation zu zerstören, um ihr eine vermeintlich bessere zivilisation (die der "eroberer") ungefragt ĂŒberzustĂŒlpen. wunderbar geschrieben verbindet michel jean historische ereignisse und tatsachen mit mitreiĂender fiktion und schafft es mit zwei strĂ€ngen gestern und heute zu verbinden.