Ein paar vielleicht nicht ganz offensichtliche Erkenntnisse zum Energiesparen â Heizungs- und Warmwasser-Edition
Es ist Sommer 2022 und das Thema Energiesparen rĂŒckt gerade fĂŒr viele erstmals so richtig in den Fokus. Die GrĂŒnde hierfĂŒr sind zahlreich und die Sache komplex, daher seien hier nur die wichtigsten genannt:
1. Russland hat im Februar einen Krieg angefangen, der nicht nur mit erschĂŒtternd brutaler Gewalt gegen die Ukraine gefĂŒhrt wird, sondern auch im gröĂeren MaĂstab auf wirtschaftlicher Ebene. Ohne auf geo- und weltpolitische Details tiefer einzugehen ist dennoch fĂŒr die EU und vor allem Deutschland klar: Mit der zuverlĂ€ssigen Versorgung mit billigem russischen Gas geht es nicht weiter und es steht ins Haus, dass die landesweite Gasversorgung im kommenden Winter nicht gesichert sein könnte. Es gilt also dringend und auf allen Ebenen, Gas (und andere Energie) zu sparen.
2. Gleichzeitig sorgt die groĂe Hitze und Trockenheit vor allem in Frankreich dafĂŒr, dass deren massiv auf Atomstrom setzende Energieversorgung gerade nicht gut funktioniert und Frankreich extrem viel Strom importieren muss, was auch bei uns neben den Gaspreisen auch die Strompreise ins völlig Absurde treibt. Es stellt sich nĂ€mlich zur groĂen Ăberraschung der Freunde des Atomstroms heraus, dass auch dieser nicht einfach so aus Luft, Liebe und Magie entsteht, sondern die Kraftwerke nur stark gekĂŒhlt funktionieren, was wiederum nicht sicherzustellen ist, wenn man die mehr oder weniger ausgetrockneten FlĂŒsse nicht auch noch so weit erwĂ€rmen möchte, dass dort nichts mehr lebt.
3. Zudem sickert es in immer mehr Köpfe ein, dass das mit dem Klimawandel doch ein echtes Problem sein könnte und wir uns schon seit mindestens zwanzig Jahren mit aller Macht von fossilen EnergietrĂ€gern hĂ€tten wegentwickeln mĂŒssen. Die beiden GrĂŒnde Klimawandel und geopolitische AbhĂ€ngigkeiten waren dabei schon lĂ€nger vorhanden, letzterer ist nun aber plötzlich nicht mehr wegzuraunen.
(Nachtrag: Punkt 2 war zu unterkomplex dargestellt und hier darf natĂŒrlich auch das Stichwort Merit-Order nicht unerwĂ€hnt bleiben. Danach bestimmt sich der Strompreis nach der teuersten Herstellungsform, die zur Deckung des Bedarfs noch zum Zuge kommt. Und wenn Gas extrem teuer ist und Gasverstromung mitspielt, kostet der gesamte Spotmarkt-Strom eben so viel wie der Gasstrom. Und der Bedarf an Strom wird erwartbar eher nicht unter die Gaskraftwerke beteiligende Schwelle sinken, wenn alles Mögliche von Gas auf Strom umgestellt wird und im gekoppelten europĂ€ischen Verbundnetz plötzlich auch noch die Atomkraft aus Frankreich fehlt.)
Nichts von dem trifft uns so richtig ĂŒberraschend und so bin ich sicher nicht der einzige, der in seinem Leben schon seit lĂ€ngerer Zeit sehr bewusst mit Energie umgeht und vor allem deren unnötige Verschwendung nicht gut ertragen kann. Wer neu in dem Game ist, kann aber möglicherweise ein paar AbkĂŒrzungen nehmen.
Heute fliegt also ein Twitter-Thread an mir vorbei, der den Energiebedarf von Warmwasserbereitung in Relation zum Energiebedarf von Elektroautos setzt und ich kann sowas zwar selbst mit meinen verblassten Oberstufen-Physikkenntnissen leicht ausrechnen, aber habe das tatsĂ€chlich noch nie getan. HĂ€tte ich mal tun sollen, denn der Wert des Beispiels ist sehr plakativ: Eine vierköpfige Familie duscht und verbraucht dabei jeweils 60l Wasser, das um 25âŻK (bzw. °C) erwĂ€rmt werde. Die dabei aufgewendete Energiemenge entspricht bei einem Verbrauch des Familienautos von (im Sommer) 13âŻkWh/100km etwas ĂŒber 50âŻkm Fahrt. Das ist etwas optimistisch gerechnet, aber selbst wenn es nur 30âŻl und 20âŻK ErwĂ€rmung pro Kopf sind und das Auto 25âŻkWh auf 100km verbraucht, kommt man noch erstaunlich weit mit der Energie, die man nur fĂŒr einmal die Familie durchduschen verbraucht. Das inspiriert mich dazu, ein paar meiner langjĂ€hrigen Erkenntnisse zur alltĂ€glichen Vermeidung von Energieverschwendung niederzuschreiben.
Durchlauferhitzer sollten lÀngst alle auf vollelektronische GerÀte umgestellt sein
Wer sein Warmwasser mit einem Durchlauferhitzer bereitet, sollte sich den mal genauer ansehen: Ist es noch ein sogenannter hydraulischer Durchlauferhitzer, sollte man schleunigst einige Hebel in Bewegung setzen, das zu Ă€ndern. Diese an ihrem einfachen Umschalter zwischen zumeist zwei Leistungsstufen zu erkennende und recht simple Bauweise hat zwei sehr unschöne Nachteile, die sich auch noch ungĂŒnstig gegenseitig verstĂ€rken: Erstens brauchen sie eine gewisse Durchlaufmenge, um sich ĂŒberhaupt einzuschalten und diese ist leider auch noch gerade bei Ă€lteren GerĂ€ten so hoch, dass man bei wenig Wasserdruck das Warmwasser schon voll aufdrehen muss, um nicht beim nĂ€chsten Abfall des Drucks unter kaltem Wasser zu stehen, etwa wenn jemand im Haus die KlospĂŒlung betĂ€tigt. Wer das Problem und das vorausgehende charakteristische KlickgerĂ€usch leidig verinnerlicht hat, sollte jetzt genau zuhören. Zweitens schalten diese GerĂ€te sich in der Regel nur ein und aus, sodass man mit ihnen in vielen FĂ€llen letztlich keine Energie sparen kann, wenn man kĂ€lter duscht. NĂ€mlich im hĂ€ufigen Fall, dass man nicht so heiĂ duscht, dass man mehr als die erste (am GerĂ€t zu schaltende) Stufe benötigt. Eine Verringerung der Duschtemperatur wird hier also nur dadurch erreicht, dass mehr kaltes Wasser genutzt wird (entweder durch eine höhere Durchflussmenge oder spĂ€ter beigemischt). Hier gewinnt man also nicht nur nichts, sondern verbraucht auch noch mehr vom spĂ€testens in diesen Sommer als sehr kostbar aufgefallenen Wasser.
Es gibt noch teilelektronische GerĂ€te, die ihre Leistung feiner steuern, aber so richtig schön wird es erst mit einem vollelektronischen Durchlauferhitzer. Hier stellt man an einem Display die gewĂŒnschte Zieltemperatur ein und das GerĂ€t regelt dann seine Leistung so, dass diese recht genau erreicht wird. Bei wenig Durchfluss also weniger Leistung, bei höherer Zulauftemperatur weniger Leistung und eben bei niedrigerer Zieltemperatur weniger Leistung. Zudem schalten diese GerĂ€te sich schon bei sehr geringer Durchflussmenge ein, sodass man in GebĂ€uden mit wenig Wasserdruck endlich ohne kalte Ăberraschungen auskommt und auch das warme Wasser gar nicht immer voll aufdrehen muss. Als Bonus können diese GerĂ€te sogar anzeigen, was sie so verbrauchen, was wiederum einem selber oder auch WG- oder Familienmitgliedern das Problem sehr anschaulich klar machen kann. Zu sehen, was man im Einzelnen so verbraucht und was man durch VerhaltensĂ€nderungen direkt spart, kann ein schöner Ansporn sein. Sozusagen ein Energiesparings-Partner fĂŒr den Freundeskreis der schmerzlichen Wortspiele. (Bitte bitte nicht dieses blöde Wortspiel in irgendwelchen Werbemitteln verwenden, danke!)
Gute vollelektronische MarkengerĂ€te kosten rund 500âŻEuro plus Einbau durch eine Fachperson, der zwar an sich simpel, wegen des Hantierens mit Starkstrom aber auch gefĂ€hrlich und deswegen auch fĂŒr Nichtfachleute vermutlich mehr als weniger verboten ist. Damit sich das finanziell lohnt, muss man selbst bei den bemerkenswerten aktuellen Strompreisen von NeuvertrĂ€gen schon eine Weile warten, aber fĂŒr mich war vor allem auch der Komfortgewinn entscheidend. Denn ich bin in diversen Wohnungen in den Genuss plötzlicher kalter Duschen und ewiger Temperaturmischorgien am Rande der Abschaltschwelle gekommen: In einigen HĂ€usern sinkt der Warmwasserdruck auch merklich, wenn man das kalte Wasser aufdreht, man duscht also entweder verbrĂŒhend heiĂ oder dreht eine halbe Ewigkeit ganz vorsichtig an den Reglern und hofft, dass im Haus sonst niemand Wasser entnimmt. Was ich wohl alleine dafĂŒr ĂŒber die Jahre an Strom verschwendet habe? Je nach Verhandlungsgeschick ist auch die vermietende Partei einer Wohnung bereit die Kosten zu ĂŒbernehmen, vielleicht angesichts der aktuellen Lage und weil es die Wohnung gerade bei den perspektivisch eher nicht wieder deutlich sinkenden Strompreisen immens aufwertet.
FĂŒr die technisch interessierten: Wenn man sich ein Leistungsdiagramm mit Temperaturdifferenz auf der einen Achse und aufgenommener Leistung auf der anderen Achse aufzeichnet, stellt man fest, dass sich bei gleicher Durchflussmenge die Gerade des vollelektronischen GerĂ€ts und die Punkte des hydraulischen GerĂ€ts nur an dessen Schaltstufen-Temperaturen treffen und man ansonsten je nach Temperaturdifferenz eine bemerkenswerte Menge an Strom einfach unnötig verbraucht. Bei teilweise ĂŒber 20 kW Leistung kommt da schnell die ein oder andere Kilowattstunde zusammen. Und da ist die Möglichkeit einer geringeren Durchflussmenge noch gar nicht berĂŒcksichtigt: In engen Grenzen kann man dadurch die Punkte entlang der Temperaturdifferenzachse verschieben (weniger Durchfluss = höhere Temperaturdifferenz), die Gerade des vollelektronischen verĂ€ndert dabei in einem gröĂerem Bereich ihre Steigung (weniger Durchfluss = weniger benötigte Leistung fĂŒr die gewĂ€hlte Temperaturdifferenz). Ich erwĂ€hne das deshalb so detailliert, weil mir mehrere Fachleute des SanitĂ€rwesens nicht glauben wollten, dass ein vollelektronischer Durchlauferhitzer in fast allen FĂ€llen mehr oder weniger viel Energie spart und das eben nicht nur ein Komfortthema ist. (Leider trug auch mein schönes Diagramm nur bei einem von denen zum tieferen VerstĂ€ndnis bei, aber immerhin. Ich vergesse gerne, dass Handwerk und Ingenieurwesen nicht deckungsgleich sind.)
Klimaanlagen sind WĂ€rmepumpen
WĂ€rmepumpen sind wohl aktuell schwer zu bekommen, sagte mir ein SanitĂ€rmensch kĂŒrzlich bei einer Wartung. Er war erst frisch fĂŒr WĂ€rmepumpen angelernt worden und wies auĂerdem darauf hin, dass auch Fachpersonal fĂŒr Montage und Wartung aktuell sehr gefragt ist. Hier ist anscheinend einiges verpennt worden oder benennen wir es lieber positiv als erheblichen Nachholbedarf. Aber man muss fĂŒr die anstehende Gasknappheit auch nicht zwingend die gesamte Heizungsanlage tauschen, was wegen LĂ€rmemissionsregeln im Bestand ohnehin selbst bei VerfĂŒgbarkeit von Material und Fachpersonal nicht immer so einfach möglich wĂ€re. Denn was viele nicht wissen: Eine WĂ€rmepumpe ist vom Wesen her nichts anders als eine groĂe Klimaanlage und auch nichts anderes als das, was man in KĂŒhlschrĂ€nken findet. Nur dass man bei der WĂ€rmepumpe die kalte Seite drauĂen und die warme im Innenraum betreibt. Meine WĂ€rmepumpe kann sogar ab Werk auch kaltes Wasser erzeugen, aber wenn man das durch die FuĂbodenheizung jagt, bekommt man laut Aussage mehrerer SanitĂ€rmenschen Probleme mit Kondensfeuchtigkeit am Boden und unter Möbeln und dann schnell Schimmel in die Bude.
Aber die gute Nachricht: Viele Klimaanlagen-SplitgerĂ€te, also die mit einem WĂ€rmetauscher auĂen am GebĂ€ude, können auch heizen und zwar nicht einfach wie ein HeizlĂŒfter mit 1âŻkW Strom auf 1âŻkW WĂ€rme, sondern eben mit einer höheren Leistungszahl, weil es ja eine WĂ€rmepumpe ist. Also bevor jetzt alle losrennen, ihre Gasheizungen ausschalten und das Stromnetz mit HeizlĂŒftern ĂŒberlasten, denkt doch mal ĂŒber eine solche Zweirichtungsklimaanlage nach. Wenn nicht ohnehin bereits eine im Haus ist, die das schon kann oder der man das beibringen kann. Oder folgt Kathrins Predigten und nutzt mehr Heizdecken.
Und apropos Klimaanlagen: Mein schlechtes Gewissen wegen hohem Energieverbrauch von Raumklimatisierung hat sich schlagartig in Luft aufgelöst, als ich in ein Haus mit Solarstrom vom Dach gezogen bin, der vor allem dann reichlich vorhanden ist, wenn die Sonne scheint. Also hört auf zu fragen, ob sich eine Solaranlage finanziell lohnt (tut sie vermutlich sowieso) und fangt an, jedes geeignete Dach damit vollzupacken. Und hofft darauf, dass die steuerlichen Regeln hierzu endlich vereinfacht werden, denn ich zahle mehr fĂŒr den Steuerberater fĂŒr die Solaranlagen-GbR, als ich mit der Einspeisung einnehme. Das ist absurd und sollte wirklich mal aufhören. Wenn also mal Geld ĂŒbrig ist, wird das Dachgeschoss klimatisiert, damit man sich da menschenwĂŒrdig drin aufhalten kann. Gute Isolierung hin oder her: Jede geöffnete TĂŒr lĂ€sst WĂ€rme rein und die zieht nach oben und sammelt sich dort und geht auch nicht mehr weg, solange es so heiĂ bleibt.
Elektronische Heizkörperthermostate sind eine feine Sache
In meiner letzten Wohnung gab es eine zentrale Gasheizungsanlage und in allen RĂ€umen einfache Heizkörper. Wir haben dann ein paar zig Euro pro Raum in die Hand genommen und in elektronische Thermostate investiert. Und zwar solche, die die Temperatur nicht direkt neben dem Heizkörper messen, sondern an einem handlichen mobilen Steuermodul. Aus meiner Sicht macht es nur wenig Sinn, die Temperatur direkt am Heizkörper zu messen und auĂerdem will man Sensor und Einstellmöglichkeit griffbereit haben. Inzwischen gibt es da im Bereich Smarthome sicher auch andere Lösungen, aber die braucht man eigentlich gar nicht.
Der Austausch war trivial: Altes Thermostat ab, batteriebetriebenen Stellmotor dran, fertig. Bei der nĂ€chsten Heizkostenabrechnung fragte uns ein Nachbar, der einige Hausmeisteraufgaben in dem Objekt ĂŒbernommen hatte, warum wir plötzlich so viel weniger Anteil an den Heizkosten des Hauses hĂ€tten. Vermutlich witterte er irgendeine Form von absichtlich oder unabsichtlich fehlerhafter Messung. Denn: Unsere Heizleistung hatte sich schlagartig um einen ziemlich sichtbaren Anteil verringert und der zugerechnete Anteil der anderen Parteien an den insgesamt gesunkenen Heizkosten hatte sich fĂŒr diese auffĂ€llig erhöht.
Wie das? Indem wir einfach eine Wunschtemperatur an unserem Aufenthaltsort (etwa auf dem Schreibtisch oder Couchtisch) eingestellt haben und die Thermostate dann sehr schnell und fein die Temperatur regeln konnten. Zudem war es relativ leicht (leichter jedenfalls als die Programmierung der Heizung von Molinarius), einen Zeitplan fĂŒr die Absenkung der Raumtemperatur zu erstellen und bei Nichtnutzung eines Raumes dessen Zieltemperatur auch ad hoc abzusenken. Letztlich haben wir also viel mehr nach Bedarf geheizt, statt eine feste Raumtemperatur zu halten oder laufend an den Reglern hinterm Sofa herumzudrehen. Komfortgewinn plus gespartes Geld plus gesparte Energie, so lasse ich mir das gerne schmecken. Der Nachbar konnte oder wollte das ĂŒbrigens trotz gehobener Sparfuchsigkeit nicht glauben und hat es uns nicht nachgemacht. Das klappt natĂŒrlich nur, wenn man klassische Heizkörper hat und keine FuĂbodenheizung, die fĂŒr solche SpĂ€Ăe viel zu trĂ€ge reagiert.
Andere lassen die Heizkörper ĂŒbrigens Heizkörper sein, drehen die zu und bauen sich Wand- oder Deckenheizungen ein, hierzu findet sich schon der ein oder andere Eintrag hier im Techniktagebuch.
TĂŒcken bei WĂ€rmepumpe/FuĂbodenheizung vermeiden
Im Haus, in dem wir seit 2016 wohnen, arbeitet eine Luft-Wasser-WĂ€rmepumpe und die WĂ€rme wird ĂŒber FuĂbodenheizungen verteilt. Das alleine spart schon Unmengen an Energie. Zusammen mit einer zeitgemĂ€Ăen WĂ€rmeisolierung betrĂ€gt der Energieverbrauch unserer Heizungsanlage fĂŒr unsere DoppelhaushĂ€lfte und vier Personen um die 3.000âŻkWh/a. Das entspricht einer WĂ€rmeleistung von etwa 10.000âŻkWh/a, weil eine WĂ€rmepumpe aus 1âŻkW Strom eben bauarttypisch durchschnittlich etwas ĂŒber 3âŻkW WĂ€rmeleistung herausholt. Diese 3.000âŻkWh/a decken sich ĂŒbrigens ziemlich genau mit den etwa 3.000âŻkWh/a Strom, die die Solaranlage auf unserem kompakten Hausdach liefert, sodass unser Haus rechnerisch ĂŒbers Jahr gesehen keinen eigenen Energiebedarf hat. NatĂŒrlich ziehen wir im Winter viel mehr Strom, als vom Dach kommt und speisen insgesamt rund 2/3 der Solarleistung ein, aber ich finde das dennoch schon sehr erfreulich. Wer in einem Einfamilienhaus wohnt, sollte das wirklich nochmal durchrechnen. Wobei der finanzielle Aspekt wirklich nicht alles ist. Darauf kann man glaube ich nicht oft genug hinweisen.
Warum hier nebenan noch immer HĂ€user gebaut werden, in die auch nach Kriegsbeginn noch standardmĂ€Ăig Gasheizungen eingebaut werden und auf Photovoltaikanlagen verzichtet wird, erschlieĂt sich mir einfach nicht. Da muss man doch schon so einige Memos nicht gelesen haben. Ein Kostenthema kann das nicht sein, denn die Preise fĂŒr diese HĂ€user liegen in derart astronomischen Höhen, dass mir schwindelig wird. Zudem war das alles bei uns schon 2015/16 nicht wirklich teurer als eine gute Gas-Brennwerttherme und die Solaranlage hat der BautrĂ€ger mal fĂŒrs Finanzamt gesondert mit rund 5.000âŻEuro ausgewiesen. Ausgerechnet habe ich das nie im Detail, aber wir haben sicher nicht draufgezahlt und jetzt stehen wir natĂŒrlich den Gaspreissteigerungen relativ entspannt gegenĂŒber. Zudem ist da ja noch das Thema Blutgas, das fĂŒr einige sicher auch nicht ganz unwichtig ist. Mir war 2015 jedenfalls auch bei unserem begrenzten Budget sehr wichtig, ein Haus mit Solaranlage und WĂ€rmepumpe zu erwerben und ich wĂŒrde mich schamlos meiner Weitsicht rĂŒhmen, wenn es nicht schon zu der Zeit bei nĂ€herer Betrachtung gar nicht besonders weitsichtig gewesen wĂ€re. Man musste in der Tat schon damals die Augen recht krĂ€ftig zudrĂŒcken und rein finanzielle AbwĂ€gungen auf Basis von in der Lebensdauer der Anlage nicht steigender Gaspreise tĂ€tigen, um eine Gasheizung noch im Vorteil zu sehen. Wobei das Thema Gas aus Russland bei mir weit weniger im Vordergrund stand als heute und ich vor allem auf die Klimathematik abgehoben bin: Ich stehe halt auf Effizienz und eine Energiewende ist mir wichtig und die ging auch vor zehn Jahren absehbar nicht mit neuen Gasheizungen.
Biogas ist ĂŒbrigens keine Lösung. Also fĂŒr einige in der Einzelfallbetrachtung schon, aber das skaliert hinten und vorne nicht hinreichend, um auch nur unseren Bestand an Gasheizungsanlagen zu versorgen. Der Graslutscher hat zum Thema Energiewende einige sehr schöne Texte (etwa die Serie How to Energiewende in 10 Jahren) und ganz frisch auch ein sehr lesenswertes Buch (Hegenberg, Jan: Weltuntergang fĂ€llt aus!, Komplett Media GmbH 2022) geschrieben, kann ich nur empfehlen, weil er kurzweilig schreibt, gut recherchiert und man nicht hinterher vor lauter Zukunftssorgen schlecht schlĂ€ft. Zudem: Wer bis hierher gelesen hat, kommt offensichtlich mit weit ausholenden Texten klar und ist reif fĂŒr Jans Textumfang.
Aber es gibt eine Sache bei der WĂ€rmepumpe, die ich gerne vorher gewusst hĂ€tte und auf die KĂ€ufer_innen von Neubauten unbedingt achten sollten: Bei uns wurde nur ein 300âŻl fassender Speicher fĂŒr Warmwasser verbaut, was an sich dicke reicht und daher haben wir auch die fast 4.000âŻEuro Aufpreis fĂŒr den gröĂeren Speicher nicht angekreuzt. Das hĂ€tten wir aber tun sollen, weil man leider vergaĂ zu erwĂ€hnen, dass dieser im Gegensatz zum kleinen Speicher eben auch einen Pufferspeicher zum Enteisen der WĂ€rmepumpe mitbringt. Und wenn man keinen solchen Pufferspeicher hat, wird eben das Erdgeschoss als Puffer genutzt und hat deswegen keine Steuerventile. Im Ergebnis wird dort immer geheizt, wenn die Pumpe des Heizkreislaufs lĂ€uft, also wenn irgendwo im Haus Heizleistung benötigt wird. Wir haben uns anfangs lange gewundert, wieso wir die Raumtemperatur im Erdgeschoss im Winter nicht unter 24âŻÂ°C bekommen, bis uns nach mehreren Jahren ein Wartungstechniker darĂŒber aufgeklĂ€rt hat. Unser Haus hat nĂ€mlich im Gegensatz zum Standardentwurf der Siedlung TĂŒren zum Treppenraum und damit zieht die WĂ€rme nicht einfach ungehindert durch das Haus und wĂ€rmt alles mit und dadurch fĂ€llt diese SparmaĂnahme ĂŒberhaupt nur auf. Dass WĂ€rmepumpen enteisen mĂŒssen, war mir auch vorher nicht klar und erst recht nicht, dass sie dazu WĂ€rme aus dem Haus zurĂŒckholen. Wieder was gelernt.
Poolheizungen als solare Inselsysteme aufbauen
Und zuletzt: Wer einen Pool betreibt und diesen heizen möchte, kann sich vom anstehenden Poolheizungsverbot und auch von sonstigen energetischen Bedenken frei machen, indem eine kleine Solaranlage samt WĂ€rmepumpe angeschafft wird, die mit dem Solarstrom als Inselsystem lĂ€uft. In meinem bevorzugten SchnĂ€ppchenportal gibt es unter diversen Pooldeals zahlreiche interessante Heimwerkertipps, was man hier kostengĂŒnstig zusammenstellen kann. Letztlich reicht demnach eine gĂŒnstige WĂ€rmepumpe und ein, zwei Quadratmeter SolarflĂ€che aus, die man neben den Pool stellen kann. Andere nutzen eine direkte ErwĂ€rmung des Wassers aus der Filteranlage, das durch einen simplen Sonnenkollektor geschickt wird, bis einem zu warm in dem Bottich wird. AuĂerdem gibt es gute Solarfolien, die man auf das Wasser legt und die die Verdunstung stark reduzieren und nebenbei das Wasser ebenfalls recht merklich anwĂ€rmen.
Ich besitze keinen Pool, aber ich war doch ĂŒberrascht, mit wie wenig unnötigem Ressourcenverbrauch das alles möglich ist. Denn: Unsere Planschbecken fassen ebenfalls bereits mehrere bis viele hundert Liter Wasser und dieses Wasser hĂ€lt maximal zwei Tage, bis es gewechselt werden muss. Ich habe dazu eine (in der Kombination höchst selten anzutreffende) flach ansaugende Druckpumpe angeschafft, mit der ich das Wasser wenigstens noch zum GieĂen der Beete und WĂ€ssern des Rasens durch den Rasensprenger nutzen kann. Dennoch fĂ€llt einem dann erst auf, wieviel Wasser man eigentlich fĂŒr einen grĂŒnen Rasen verschwendet. Dieses Jahr haben wir unsere RasenflĂ€chen daher einfach vertrocknen lassen und kommendes Jahr werden wir einmalig fĂŒr die ganze Saison 10-20âŻmÂł Wasser in einen Pool fĂŒllen und einen groĂen Teil der RasenflĂ€che durch zumeist gegen Wasserverlust abgedeckte PoolflĂ€che ersetzen. Denn ein Ausflug an den nahen Rheinstrand zeigt aktuell mit seinem beĂ€ngstigend niedrigen Pegelstand sehr anschaulich, dass auch unser Wasserreichtum nicht fĂŒr immer so bleibt.
Nachtrag: Ich wurde auf Twitter gefragt, was das fĂŒr Heizungsregler sind und nach etwas Recherche stellt sich heraus, dass es die nicht mehr gibt. Es gab sie von mehreren bekannten Elektronikversendern als Eigenmarke und von Homematic (VorgĂ€nger von Homematic IP), alle davon arbeitten nach dem FS20-Protokoll. Aktuell sieht es so aus, als mĂŒsste man sich mit neuerer Smarthometechnik und deren Installation und Konfiguration auseinandersetzen, um zu Ă€hnlichen Setups zu gelangen. Gesehen habe ich Ă€hnliche Dinge jedenfalls unter anderem im Ăkosystem Homematic IP und bei AVM fĂŒr deren Ăkosystem Fritz!DECT. Als ich aus der Wohnung seinerzeit auszog, stellte ich fest, dass die Stellmotoren leider bei den Heizungen meiner Eltern mechanisch nicht passten: Von Anschluss her schon, aber die Heizkörper waren so eng gebaut, dass der klobige Kasten keinen Platz fand. Hier sind die neueren und eher lĂ€nglichen GerĂ€te klar im Vorteil.