Jemand will in meine Wohnung, um sich Verdunstung anzugucken. Aber nicht nur dafĂźr
Im Hausflur ist ein Aushang: In ein paar Tagen steht wieder die jährliche Ablesung der Heizkosten an. Um meinen Anteil an den Heizkosten zu bestimmen, sind an allen HeizkÜrpern kleine VerdunsterrÜhrchen montiert. Irgendwann zwischen 8 und 16 Uhr kommt also der Ablesedienst. Alle Hausbewohner:innen haben sicherzustellen, dass in dieser Zeit Zugang zu allen Zählern mÜglich ist, andernfalls wird die erneute Anfahrt kostenpflichtig und der:m entsprechenden Bewohner:in in Rechnung gestellt.
Es ist meine dienstliche Zweitwohnung, ich bin dort nicht so oft.
Im letzten Jahr war es wegen der Coronapandemiesituation ausnahmsweise mĂśglich, dass ich mir ein "Selbstableseprotokoll" zusenden lassen konnte. Das war ein Blatt Papier, auf dem ich die Zählernummern und die entsprechenden Zählerstände von Hand eintragen, das âProtokollâ unterschreiben und per Mail den Scan an die Ablesefirma senden konnte. Dabei hieĂ es aber, diese Selbstablesung sei wirklich nur ausnahmsweise mĂśglich, und ich mĂźsse unbedingt in diesem Jahr wieder vor Ort sein und dem firmenbeauftragten Ableseoffiziellen den Zugang zu den Zählern gewähren.
Am angegebenen Termin kann ich nicht dort sein. Ich versuche, ob ich jemandem den SchlĂźssel fĂźr meine Wohnung geben kann. Im Haus kenne ich nicht viele Menschen. Der Hausverwalter sagt, er nimmt keine SchlĂźssel, aber ich kann ja mal den Hausmeister fragen. Ich frage den Hausmeister. Der sagt, ja, er kĂśnne den SchlĂźssel schon nehmen. FĂźr das AufschlieĂen der Wohnung zum Heizkosten ablesen, naja, das mĂźsse er mir dann natĂźrlich in Rechnung stellen, angegeben sei ja, dass der Ablesedienst irgendwann zwischen 8 und 16 Uhr kommen wĂźrde, die Zeitspanne seien also 8 Stunden, also, einen Arbeitstag mĂźsse er mir dafĂźr in Rechnung stellen.
Ich habe keine LĂśsung fĂźr dieses Problem. Es will oft jemand in meine Wohnung und gibt mir dafĂźr einen Termin mit einem langen Zeitfenster vor. Der Heizungsableser. Der Wasserzählerableser. Der Stromzählerableser. Der Feueralarmkontrollierer. Jede dieser Ablesungen und Kontrollen findet einmal im Jahr statt. Alle paar Jahre mĂźssen auch die Wasserzähler getauscht werden. Auch dafĂźr muss natĂźrlich jemand in die Wohnung. FĂźr die Kaltwasserzähler ist der Rhythmus ein anderer als fĂźr die Warmwasserzähler. Die Wasserzähler werden deshalb nicht zusammen getauscht, sondern es gibt separate Termine fĂźr HeiĂ- und Kaltwasserzähler. Neulich war Legionellenkontrolle der Wasserleitungen an den âEntnahmestellenâ, also Wasserhahn und Dusche in meiner Wohnung. FĂźr jeden dieser Termine kommt eine andere Firma. Keiner dieser Termine ist mit einem der anderen koordiniert. Ich als Mieter kann diese Termine oder die beauftragten Firmen nicht beeinflussen.
Ich schreibe eine Mail an den Ablesedienst, dass ich in diesem Jahr (leider erneut) am Ablesetermin nicht vor Ort sein kÜnne und bitte darum, mir ein Selbstableseprotokoll zuzusenden. Die Antwort ist, dass das nicht mÜglich sei, und man mir die Zweitanfahrt in Rechnung stellen mßsse, wenn ich am vorgegebenen Termin keinen Zutritt gewähren kÜnne. Der Termin fßr die Zweitanfahrt wird von der Firma vorgegeben und mir per Brief mitgeteilt.
Im Footer der Mail des Ablesedienstes steht ein Werbetext Ăźber âSmarte Funkablesung - komfortabel und zuverlässigâ. Bis Ende 2026 mĂźssen alle bestehenden Zähler auf Funk umgerĂźstet sein. Wenn ich richtig verstehe, soll damit auch eine Fernablesung des Zählers mĂśglich sein. Ich habe die Vision einer Zukunft vor mir, in der ich vielleicht nicht mehr ganz so viele vorgegebene Ablesetermine mit meinen Terminen koordinieren muss. Ab Ende 2026. Der Mailfooter enthält die Werbeaufforderung, man kĂśnne bereits jetzt auf Funk umrĂźsten. Das kann ich als Mieter aber natĂźrlich nicht beeinflussen. Mal schauen, ob ich bis dahin Mieter der Wohnung bleibe (der Ableseaufwand ist nicht das Einzige, was mich an der Wohnung stĂśrt).
(Woanders ist die Ăbermittlung der Stände der Verbrauchszähler anders gelĂśst.)