Das âLebenâ der MilchkĂŒhe
Milch zu trinken ist schon lange Bestandteil unserer Gesellschaft. Schon vor mehreren Tausend Jahren gaben Bauern ihren Kindern Milch. Damals, weil sie so die schlechten Zeiten ĂŒberstehen konnten und damit die Kinder genug NĂ€hrstoffe bekamen. Heute sind wir darauf allerdings nicht mehr angewiesen. Trotzdem ist der Konsum von Milch fĂŒr die meisten alltĂ€glich. Von Klein auf an lernen viele von uns Milch als alltĂ€gliches Produkt kennen, oft erklĂ€ren uns unsere Eltern nebenbei, wie gut Milch fĂŒr uns ist. In der Werbung wird uns nicht nur der positive Effekt von Milch vermittelt, sondern gleichzeitig werden uns auch Bilder von KĂŒhen auf endlos groĂen Wiesen in den Bergen gezeigt. Die RealitĂ€t sieht jedoch oft anders aus.
Allein in der EU werden jedes Jahr 200 Millionen Tonnen Milch und Milchpulver produziert. Die Milchproduktion steigt immer weiter an, obwohl es immer weniger KĂŒhe gibt. Diese mĂŒssen heutzutage das Doppelte bis Vierfache der Leistung im Vergleich zu vor 50 Jahren erbringen. Damit dies möglich ist, bekommen die KĂŒhe sogenanntes Hochleistungsfutter.  Dieses enthĂ€lt neben Gras auch Mais und Soja (aus dem Ausland). KĂŒhe können aber nur ein Drittel der Energie aus Soja und Mais verwerten, die restlichen NĂ€hrstoffe landen in der GĂŒlle. Die GĂŒlle hat dadurch einen hohen Stickstoffanteil, muss aber trotzdem von den Bauern auf den eigenen Feldern ausgebracht werden. Im Boden kann sich dann Nitrat bilden. Dieses ist schĂ€dlich fĂŒr das Klima und auch fĂŒr den Menschen, wenn es ins Grundwasser gerĂ€t. KĂŒhe könnten auch nur mit Gras ernĂ€hrt werden (sie sind dann natĂŒrlich nicht so leistungsfĂ€hig).
Die dauerhaft abverlangte Höchstleistung hat negative Folgen fĂŒr die KĂŒhe, es kommt zu Krankheiten, wie EuterentzĂŒndungen, die Fruchtbarkeit nimmt ab und die KĂŒhe sterben frĂŒher. Das Durchschnittsalter einer Milchkuh liegt bei 5 Jahren, eigentlich könnten sie bis zu 20 Jahre alt werden. FĂŒr die Milchproduktion muss sie aber jedes Jahr ein KĂ€lbchen kriegen (mit jedem KĂ€lbchen werden sie auch etwas leistungsfĂ€higer). Dieser Prozedur halten sie meist nicht mehr als fĂŒnf Jahre stand. Wenn die KĂŒhe dann keine KĂ€lber mehr bekommen können, werden sie in der Regel getötet. Die Milchkuh ist âDauertrĂ€chtigâ und wird, auĂer in den zwei Monaten vor der nĂ€chsten Geburt, gemolken. In diesen zwei Monaten ist die Kuh nicht in der Lage Milch zu geben.
Den KĂ€lbern geht es selten besser. In den meisten FĂ€llen werden diese nach nur einem Tag oder sogar schon nach wenigen Stunden vom Muttertier getrennt. Der Grund dafĂŒr ist, dass die Kuh so sofort wieder fĂŒr die Milchproduktion bereitsteht, ohne dass das KĂ€lbchen trinken will. Die frĂŒhe Trennung ist fĂŒr beide eine groĂe Belastung. Studien zeigen, dass KĂ€lbchen ohne ihr Muttertier an einer chronischen Stressbelastung leiden. Auch können sie nicht richtig sozialisiert werden, da sie den Umgang mit anderen KĂŒhen nicht lernen. Forscher haben weiter festgestellt, dass fĂŒr KĂŒhe die Mutter-Kind-Beziehung sehr wichtig ist. Sie verbringen Ihre Zeit gerne mit Kuscheln und NĂ€he, auch ohne dabei gesĂ€ugt zu werden.
Hierbei ist wichtig, dass nur die weiblichen KĂ€lber, die fĂŒr die Milchproduktion verwendet werden können, behalten werden. MĂ€nnliche KĂ€lber werden an Mast- oder Schlachtbetriebe verkauft. Wenn der Verkaufspreis die Kosten der Aufzucht nicht deckt, werden die KĂ€lber direkt getötet. Daher versuchen ZĂŒchter mĂ€nnliche KĂ€lber mittels Gentechnik auszuschlieĂen. Es gibt sogar Kataloge mit Kuhembryos bei dem man sich anhand von âVorliebenâ seine nĂ€chste Milchkuh aussuchen kann.
Die Milchbauern erhalten viel zu wenig Geld von den Molkereien, sind aber in der Regel dazu verpflichtet die gesamte Milch an einen Betrieb abzugeben. Daher mĂŒssen die Bauern oft viele KĂŒhe halten und von denen möglichst viel Leistung verlangen, um von der Milchproduktion leben zu können. Die Molkereien verkaufen dann das Milchpulver ins Ausland, z.B. nach China, Afrika oder Japan. In Afrika hat das zur Folge, dass die Milchbauern vor Ort ihre Produkte nicht verkaufen können. Diese sind teuer als das deutsche Milchpulver und werden daher nicht gekauft. Dort fĂŒhren KĂŒhe in der Regel ein besseres Leben, da sie noch den ganzen Tag auf der Weide gehalten und von Hand gemolken werden. AuĂerdem bietet der Verkauf der Milch ArbeitsplĂ€tze und Geld in einer eher armen Bevölkerung.
Aber warum trinkt der Mensch so viel Milch (nicht ĂŒberall, es gibt auch viele LĂ€nder wo Menschen wenig bis keine Kuhmilch zu sich nehmen)? Interessant ist, der Mensch ist das einzige Lebewesen, dass nach dem Abstillen noch Milch zu sich nimmt. Diese braucht er allerdings nicht zum Leben, da alle NĂ€hrstoffe die in Milch enthalten sind, einfach durch andere Nahrungsmittel aufgenommen werden können. In der Werbung wird von starken Knochen dank Kalzium gesprochen. Das Kalzium in der Milch stĂ€rkt die Knochen aber nicht, da fĂŒr die richtige Verwertung gleichzeitig Vitamin D benötigt wird. Es gibt sogar Studien die zeigen, dass in LĂ€ndern in denen weniger Milch konsumiert wird, es zu weniger FĂ€llen von Osteoporose kommt.
Vielleicht ist auch noch wichtig anzumerken, dass es sich bei jeder Milch (egal ob von Kuh, Schaf oder Ziege) um Muttermilch handelt. Diese soll eigentlich einem KÀlbchen die richtigen NÀhrstoffe liefern, damit es starke Hörner und Hufe bekommt.
Dieser Text hat nicht die Absicht jemanden vom Milch trinken abzuhalten, sondern soll zum Nachdenken anregen und helfen, ein Bewusstsein fĂŒr den Milchkonsum zu entwickeln. Vielleicht auch, um den eigenen Milchkonsum zu hinterfragen, weil wenn wir weniger Milch trinken, muss es weniger MilchkĂŒhe geben und die KĂŒhe mĂŒssen auch weniger oft gemolken werden. Eine weitere Möglichkeit wĂ€re es darauf zu achten, dass die Milch die man kauft aus Weidehaltung kommt und ein Bio-Siegel hat. Oder man hat vielleicht einen Milchhof in der NĂ€he, bei dem man sich selbst ĂŒberzeugen kann, dass es den Tieren gut geht und die Milch frisch vor Ort kaufen kann. Eine andere Alternative wĂ€ren Pflanzliche Produkte, wie zum Beispiel Haferdrinks. Hier gibt es nicht nur pflanzliche Alternativen fĂŒr Milch, sondern auch fĂŒr Schlagsahne, Joghurt und viele weitere Produkte.
Es wĂ€re schön, wenn alle KĂŒhe in Zukunft Zugang zu frischer Luft und grĂŒnen Weiden hĂ€tten, dass sie genug Platz und Liegemöglichkeiten haben, und dass das Muttertier und KĂ€lbchen zusammenbleiben können. Vielleicht könnte dies Irgendwann die NormalitĂ€t sein.
Ps.: Ich bin mir bewusst, dass nicht die Milchbauern das Problem sind, sondern die Molkereien, die den Bauern zu wenig fĂŒr Ihre Milch zahlen und sich das meiste in die eigene Tasche stecken. Ich fĂ€nde es auch vollkommen okay, wenn Milch teuer wĂ€re, unter der Vorrausetzung, dass mehr Geld bei den Bauern ankommt.
Quellen:
Doku â Das System Milch von 2017 (Netflix)
Quarks Artikel vom 24.09.2018
âSo stresst die frĂŒhe Trennung Kalb und Kuhâ
So stresst die frĂŒhe Trennung Kalb und Kuh - quarks.de
Artikel Planet Wissen veröffentlicht 2002, letzte Aktualisierung 01.03.2022
Die Milchkuh
Milch: Die Milchkuh - Trinken - Gesellschaft - Planet Wissen (planet-wissen.de)