Jemand wĂŒnscht sich etwas ganz Einfaches und ich bin optimistisch
Schon seit einigen Monaten ist davon die Rede, dass ich mal bei I. vorbeischauen und ihr Tablet in Betrieb nehmen soll. Sie hat es geschenkt bekommen, es liegt aber ungenutzt herum, weil irgendwas noch fehlt. "Hast du denn ĂŒberhaupt WLAN?" frage ich, denn I. ist 75 und zwar ein aufgeschlossener Mensch, aber ich war schon öfter bei ihr zu Hause, in der KĂŒche gibt es noch einen Holzofen, und auch sonst kann ich mich nicht erinnern, Technik gesehen zu haben, die jĂŒnger als vierzig Jahre war. Abgesehen vom Handy eben. Und jetzt möchte sie, dass die Fotos vom Handy auch auf dem Tablet in gröĂer zu sehen sein sollen. Ich habe nicht laut "deshammaglei" gesagt, aber gedacht habe ich es, denn das klingt nicht nach einer historisch verfahrenen Situation, nur nach einer harmlosen GerĂ€t-Neueinrichtung. Was soll schon sein.
Das Tablet ist ein Android-GerĂ€t. Das Handy ist auch ein Android-GerĂ€t. Das Handy ist vermutlich von 2017, das Tablet könnte noch etwas Ă€lter sein, ein Familienmitglied hat es abgelegt. Beide GerĂ€te sind auf verschiedene Google-Konten angemeldet. Eines heiĂt so Ă€hnlich wie "[email protected]" und das andere so Ă€hnlich wie "[email protected]". Offenbar war bei der Ăbernahme des Tablets bereits in Vergessenheit geraten, dass ein Google-Konto fĂŒrs Handy existierte. Aber kein Problem, das Tablet ist ja bisher ĂŒberhaupt nicht genutzt worden, an seinem Google-Konto kann also nichts Wichtiges hĂ€ngen. Ich muss es nur abmelden und am Google-Konto des Handys anmelden, dann werden die beiden GerĂ€te ĂŒber Google Photos die Fotos synchronisieren.
Dazu braucht das Tablet Internet. Es lĂ€sst sich im Prinzip mit einer SIM-Karte betreiben, die ist aber nicht drin. FĂŒr das (ĂŒberraschenderweise wirklich existierende) WLAN fehlt dem Tablet das Passwort. Ich lasse mir "das Kastl, aus dem das WLAN kommt" zeigen, in der Hoffnung auf einen Aufkleber mit dem Passwort auf der RĂŒckseite des Routers. Das Kastl ist aber nur ein ReichweitenverlĂ€ngerer, der in einer Steckdose steckt. Das so verlĂ€ngerte WLAN kommt wahrscheinlich aus der Wohnung eines Verwandten im Nachbarhaus. Dort wird auch der Aufkleber mit dem WLAN-Passwort sein.
Ich habe zwar erst kĂŒrzlich von einem Neffen gelernt, dass und wie man bei Android einen QR-Code auf dem GerĂ€t erzeugen kann, das bereits im WLAN ist (in I.s Fall das Handy), mit dem man dann auch andere GerĂ€te ins WLAN bringen kann, ohne das Passwort zu wissen. Aber das geht nur bei neueren Android-Versionen (seit 2019 oder so). Das Handy ist dafĂŒr zu alt.
Ich verschiebe die Lösung dieses Teilproblems auf spĂ€ter, erzeuge einen WLAN-Hotspot mit meinem Handy und versuche, dem Tablet das Google-Konto des Handys beizubringen. Dazu brĂ€uchte ich das Passwort fĂŒr das Google-Konto des Handys.
I. bringt ein paar mit einer BĂŒroklammer aneinandergeheftete Zettelchen, auf denen handschriftlich verschiedene Zugangsdaten notiert sind. Ich bewundere, dass sie diese Zettelchen sofort gefunden hat und dass es möglich ist, ein Leben mit so wenigen Passwörtern zu fĂŒhren. Es sind kaum mehr als fĂŒnf! FĂŒr die aktuelle Aufgabe ist das aber ungĂŒnstig, denn das gesuchte Passwort steht auf keinem der Zettelchen. Auch ein weiteres Passwort, das I. aus ihrem GedĂ€chtnis hervorkramt und das einem Standardpasswort meiner Mutter auf (fĂŒr mich) peinliche Weise Ă€hnelt, hilft uns nicht weiter.
Ich sage, dass ich ohne die beiden Passwörter nichts ausrichten kann. Ich könnte zwar versuchen, das Passwort fĂŒrs Google-Konto des Handys zurĂŒckzusetzen, aber das ist mir zu riskant. Wer weiĂ, welche Daten Google als Beweis dafĂŒr verlangen wird, dass I. wirklich berechtigt ist, ein neues Passwort zu bekommen. Womöglich eine 2011 abgelegte Telefonnummer oder so was, und dann geht gar nichts mehr. Daran soll bitte jemand anders schuld sein, bevorzugt jemand aus I.s Verwandtschaft.
Ich schreibe meine Erkenntnisse ĂŒber das Problem auf einen Zettel und lege diesen Zettel zum Tablet in die die klappbare HĂŒlle. Auf die Art kann jemand anders â ich hoffe auf I.s Verwandtschaft â die Einrichtungsarbeit beim nĂ€chsten Versuch direkt an dieser Stelle fortsetzen. I. wirkt nicht enttĂ€uscht, wahrscheinlich hat sie den Schwierigkeitsgrad der Aufgabe korrekter als ich vorhergesehen. Gut, dass ich nicht "deshammaglei" gesagt habe.