Tag 1062 / Innere und äußere Haltungsschule
"Füße auf den Boden" und einen Schritt zurück in Gedanken sei für Realitätsüberprüfung eine gute Haltung.
Nachspüren.
Welches Gefühl gehört zu wem?
Steht der andere unter Druck oder ich?
Innere und äußere Haltung -
sich vor keinem und für keinen mehr krumm machen.
Nicht verbiegen!
Gerade bleiben.
Aufrecht bleiben.
Die eigene innere Haltung auch nach außen vertreten.
Hier, in der Rehabilitanden-Residenz, fällt es mir leicht, meine innere Haltung nach außen zu tragen. Dem Streben nach Sinnhaftigkeit, dem Wunsch, auf mein Innerstes zu hören, Ausdruck zu verleihen.
Wie komme ich da raus, ohne dass es sich wie Scheitern anfühlt? Da, aus dem jetzigen Praktikum. Wie komme ich da in aufrechter Haltung raus? Auch, ohne mich vor mir selbst klein zu machen.
Von außen klein gemacht empfand ich das "kann nicht nen Monat dauern mit der Liste". Hier bekomme ich heute eine Antwortmöglichkeit für diese oder ähnliche Drucksituationen:
"Ich habe meinen Arbeitsstil. Ich mache das auf meine Art und Weise."
Nach der Entwöhnungstherapie 2015 stand im Entlassungsbericht der Klinik für Abhängigkeitserkrankungen in der sozialmedizinischen Leistungsbeurteilung und Epikrise bei "Beurteilung des zeitlichen Umfangs, in dem die letzte sozialversicherungspflichtige Tätigkeit ausgeübt werden kann": unter 3 Stunden.
Und etwa ein Jahr später schrieben die von der Klinik mit Abteilung für Psychosomatik und Psychotherapie sowie einem auch in Sozial- und Suchtmedizin ausgebildeten Facharzt nach meiner stationären Belastungserprobung auf dem gleichen Formular der Deutschen Rentenversicherung das Gleiche bezüglich meiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit: "unter 3 Std. täglich".
Dieses Praktikum gab mir Gelegenheit, nüchtern nachzuspüren wie das war an den Feierabenden der letzten Anstellungsverhältnisse Ende der Nullerjahre, Anfang der Zehnerjahre. Nachzuspüren, was mich wochentags dazu getrieben hat, Bierflaschen aus dem Kiosk, Weinflaschen aus dem Drogerie- und Supermarkt mit nach Hause zu nehmen -
die Bestätigung der medizinischen Gutachten,
mein Realitätscheck im Jahre 2018.
Dieses Praktikum ist ein reiner Büroarbeitsplatz - ganztägig sitzend, Computer und Telefon sind die Hauptarbeitsmittel. Die schreibtischgebundene, steife äußere Haltung widerstrebt total meiner inneren Haltung.
Ich brauche Abwechslung, Vielfalt, Be- und Entlastung - auch körperliche.
Die Sehnsucht nach komplett geschütztem und rücksichtsvollerem Rahmen wird wieder größer: Werkstatt für Menschen mit Behinderung.
Vielleicht sei das ja zu meinem Schutz "Teilerwerbsminderungsrente", so ähnlich versuchte mir die Psychologin in der 2016er-Klinik deren Einschätzung zu erklären.
Es wäre ja eine Anerkennung meiner Erkrankung(en), meiner Beschwerden, meiner Behinderung.
Aber bevor ich dazu einige endgültige Haltung entwickele, bleibt mir noch Zeit und sogar Energie für weitere Realitätsüberprüfungen - mehrere Bewerbungen für Praktika und Berufsausbildungen abgeschickt.