Heute Abend ist Super-Bowl: Man kann fĂŒr New England Patriots oder Los Angeles Rams sein. Einfach fĂŒr das bessere Team - oder es kann einem völlig egal sein.
Wichtig ist vor allem, SpaĂ zu haben, ob man schaut oder nicht. Oh: Und nicht Hass zu legitimieren. Was anscheinend gar nicht so leicht ist.
Man darf sich jederzeit freuen, wenn die eigene Mannschaft gewinnt, völlig klar. Aber die Gegner sind auch Menschen, haben auch GefĂŒhle und es gibt keinen Grund fĂŒr Hass.
Besonders gibt es keinen Grund zu versuchen, diesen Hass zu legitimisieren, wie Spiegel das versucht:
http://www.spiegel.de/sport/sonst/super-bowl-warum-die-new-england-patriots-um-tom-brady-so-unbeliebt-sind-a-1250958.html
Um zu begrĂŒnden, Warum Tom Brady und die Patriots âgehasstâ werden, reichen Spiegel 4 GrĂŒnde:
Ein zurĂŒckliegender Skandal - sicherlich der beste Grund, wenn auch fĂŒr âHassâ nicht ausreichend.
Brady und andere von den Patriots wÀhlen Trump
Sie wĂŒrden fĂŒr âWhite Privilegeâ und âRassismusâ stehen: Selbst Spiegel muss zugestehen, dass sie sich öffentlich klar gegen Rassismus einsetzen, und das wohl unfreiwillig ist. Woher kommt dann die Aussage? Von der Hautfarbe ...
Gute GrĂŒnde sind das fĂŒr Hass nicht. Wobei Hass natĂŒrlich allgemein nicht rational ist.
Was ist die Aufgabe von guten Journalismus an dieser Stelle?
Sachlage konkret und objektiv schildern
Extreme Gedanken oder Taten als solche benennen
Das ein signifikanter Bevölkerungsanteil der USA jeden âhasstâ, der eine Trump MĂŒtze besitzt, ist beispielsweise sicher richtig. Hier muss objektiver Journalismus darauf hinweisen, dass das nichts mit Tom Brady oder den Patriots zu tun hat, sondern mit Linksextremismus.
Genauso wie neutral darauf hingewiesen werden muss, das im Skandal die gerechte Strafe bereits ausgesprochen wurde, dass Hass auf Erfolg aus Neid gespeist wird, und das nicht jeder, der weiĂ ist, fĂŒr Rassismus steht.
Doch dem Artikel ging es nicht um eine Analyse und Einordnung der GrĂŒnde.
Er schlieĂt nicht mit einer klaren Stellungnahme gegen Hass und ruft Leser*innen auf, Empathie fĂŒr andere Menschen zu zeigen.
Stattdessen schlieĂt Spiegel den Artikel mit den folgenden Worten ab:
Doch auch Brady wird nicht ewig perfekt bleiben. "Du bist verdammt zu alt!", rief Teamkamerad Julian Edelman, ein Scherz, doch die Frage stellt sich langsam. Selbst seine Gattin, das brasilianische Supermodel Gisele BĂŒndchen - auch sie natĂŒrlich ein Neidreiz - drĂ€ngt ihn zum Ruhestand.
"Null" Chance, sagt Brady. Noch hat er zu viel SpaĂ daran, gehasst zu werden.
Im Styl von Relotius kann Spiegel hier wieder Gedanken lesen und unterstellt einfach mal, dass es einer Person SpaĂ macht, Morddrohungen zu bekommen und von tausenden gehasst zu werden.
Keine Sympathie, kein VerstĂ€ndnis. Stattdessen kommt eine BegrĂŒndung frei nach dem Motto: âWenn Sie sich so anzieht, dann wollte sie doch vergewaltigt werden.â
Ich bin kein Fan von den Patriots oder Brady, aber ein Mensch hat ein Recht, seine Karriere zu gestalten, ohne sie wegen Morddrohungen abbrechen zu mĂŒssen. Oder das Journalisten beim Spiegel âneutralâ darauf hinweisen, dass seine Frau âNeidreizâ ist und damit Hass provoziert. Das ist ĂŒbrigens auch sehr objektivierend.
Fazit: Heute Abend beim Superbowl einfach Spaà haben, vor dem Fernseher oder bei anderen AktivitÀten. Und nicht zum Hass aufrufen. Sollte eigentlich einfach sein. In diesem Sinne einen frohen Sonntag!
Kleines Extra: Ein interessanter Artikel zur Methode des Spiegel-Journalismus https://www.novo-argumente.com/artikel/suggestion_als_markenkern