Die Scheinheilige Dreieinigkeit
Trump wird 2020 gewinnen - und die Demokraten in Virginia werden ihm helfen.
Die Amtsinhaber der Top 3 Ămter im US-Staat Virgina sind in Skandale vertieft und könnten zurĂŒcktreten. Alles davon sind Demokraten. Der Skandal droht, die nĂ€chsten Wahlen zu ĂŒberschatten und Trump seine zweite Amtszeit zu schenken. Wie konnte es dazu kommen?
Es fing doch alles so schön an fĂŒr die Demokraten: Demokratischer Gouvernour Ralph Northam konnte seinen Republikanischen Gegner mit soliden 53.9% zu 45% besiegen. Das Jahr war 2017, und die Demokraten waren nach Trumps Wahl glĂŒcklich, hier einen ersten Wahlerfolg nach ihrem groĂen Trauma erringen zu können.
Der Wahlkampf war giftig, von beiden Seiten: Der Republikanische Kandidat Gillespie warf den Demokraten vor, Drogengangs wie MS-13 zu unterstĂŒtzen, und bekam mediale UnterstĂŒtzung dabei aus dem WeiĂen Haus.
Northam hingegen schaltete eine Werbung, in der Kinder panisch vor einem Truck flohen, auf dem eine Flagge der Konföderierten sowie ein Sticker fĂŒr Republikaner Gillespie zu sehen war.
Die ĂŒblichen Talking Points der Demokraten wurden verbreitet: âEs war ein klares Zeichen gegen Trump, gegen Rassismus, gegen eine Politik des Hasses, fĂŒr Einheit gegen Spaltung, ...â
Schon damals wussten Republikaner oder unabhĂ€ngige Beobachter der Wahl allerdings: Eine Partei, die sich selbst fĂŒr die Partei der Einheit und ihre Gegner fĂŒr die Partei der Spaltung hĂ€lt, ist selbst mindestens eine spaltende Partei.
Ein Gouverneur, der Werbung schaltet, in der er UnterstĂŒtzer seines politischen Gegners als Gefahr fĂŒr Kinder und Minderheiten darstellt, ist keiner, der fĂŒr âUnityâ steht und alle WĂ€hler des Staates vertreten kann oder will.
Kurz gesagt: NatĂŒrlich war da was faul.
Dann kam es Schlag auf Schlag: Ende Januar sprach sich Gouverneur Northam dafĂŒr aus, dass âAbtreibungenâ auch nach der Geburt noch legal sein sollen, wenn sich die Mutter (und auch wieder nur die Mutter, weil Gott bewahre, dass VĂ€ter reproduktive Rechte haben) dafĂŒr ausspricht.
Republikaner und Moderate Demokraten verurteilten diesen VorstoĂ, âInfantizid zu legalisierenâ; Umfragen zufolge sind 9 von 10 US-BĂŒrger gegen Late Term Abortions, also im letzten Trimester, was von Northam auch unterstĂŒtzt wurde.
Doch abgesehen von moderaten Demokratischen Stimmen, die immer mehr an den Rand einer sich immer stĂ€rker extremisierenden Partei rutschen, gab es innerhalb der Demokratischen Partei wenig kontroverse, und keinerlei RĂŒge oder Verurteilung aus der Parteispitze.
Erst am 1. Februar erkannte auch die Demokratische Partei, wie spaltend Northam tatsĂ€chlich ist: Ein Bild aus einem Jahrbuch von Northams Zeit in âMedical Schoolâ, abgedruckt auf seiner Seite, tauchte auf â links ein weiĂer Mann, schwarz angemalt, im sogenannten âBlackfaceâ also; und rechts jemand im KKK-KostĂŒm.
Der Gouvernour gab zu, in dem Bild zu sein, erklÀrte aber nicht, welcher von beiden er gewesen ist.
Halt. Moment mal. Sind nicht die Republikaner die Partei des Rassismus? Und die Demokraten die Partei der Minderheiten?
Tja, das wollen sie einem halt nur erzĂ€hlen. So wie die GrĂŒnen in Deutschland behaupten, sie wĂ€ren umweltbewusst, aber ihre WĂ€hler am meisten Flugstunden sammeln und âzufĂ€lligerweiseâ die Partei gegen eine Besteuerung von Flugbenzin ist, um die Preise möglichst gĂŒnstig zu halten.
Dieser politische Skandal war dabei, als klaffende Wunde das Narrativ der Partei zu zerschlagen.
Doch fĂŒr das Marketing der Partei gab es eine offensichtliche Lösung: Northam muss zurĂŒck treten, und Demokratischer Vize-Gouverneur Justin Fairfax wĂŒrde automatisch sein Amt ĂŒbernehmen. Der Vorteil: Aufgrund seiner Hautfarbe wĂŒrde Fairfax nicht als Rassist angreifbar sein, und so könnten die Demokraten ihr Narrativ retten.
Zuerst scheiterte der Plan an Northam: Der weigerte sich nĂ€mlich, zurĂŒckzutreten, nahm seine Entschuldigung zurĂŒck und behauptete jetzt, er hĂ€tte seine eigene Seite in seinem eigenen Jahrbuch nie gesehen. Er wĂ€re auch nicht in dem Foto.
Warum er es trotzdem zugegeben hat? Er hĂ€tte eine Nachahmung von Michael Jacksons âMoonwalkâ mal gemacht, mitsamt Blackface, und dachte, das Bild kĂ€me daher. Kam es aber wohl nicht.
âSind sie in den Aldi eingebrochen?â
âNein, Euer Ehren. Aber in den Rewe nebendran.â
Doch nicht nur Northam war ein Problem:
Es scheiterte auch an Vize Fairfax: Eine Lebenslange Demokratin ging an die Ăffentlichkeit mit dem Vorwurf, Fairfax habe sie bei einer Hauptversammlung der Demokratischen Partei vergewaltigt. Die Partei, die #believeallwomen und die These, Frauen wĂŒrden bei einem solchen Thema immer die Wahrheit sagen, gepusht hat, wurde plötzlich still.
Als damals Brett Kavanaugh wegen Anschuldigungen von Christina Ford Morddrohungen bekam, aber die von Ford genannten Zeugen allesamt gegen sie aussagten, waren Republikaner sexistisch, weil sie die Rechte eines (noch nicht mal) Angeklagten verteidigten. Dieselben Akteure mahnten plötzlich âsorgfĂ€ltige Analyseâ an oder sagten einfach gar nichts. Lediglich eine einzige (!) Demokratische Abgeordnete sagte: âIch glaube Dr. Vanessa Tysonâ.
In der politischen Optik bringt es nichts, einen Politiker mit Rassismus-Skandal durch einen Politiker mit Sexismus-Skandal zu ersetzen.
Als letzte Möglichkeit gab es noch die Nummer 3 im Staat â Attorney General Mark Herring, ebenfalls Demokrat. Wenn Top 1 und 2 freiwillig oder unfreiwillig ihr Amt niederlegen, wird der AG automatisch Gouverneur. Diese Idee hielt fĂŒr ungefĂ€hr einen Tag, bevor Herring mit einem GestĂ€ndnis an die Ăffentlichkeit trat: Auch von ihm existieren Bilder im âBlackfaceâ.
Positive Punkte fĂŒr Herring: Er war zum Zeitpunkt der Bilder jĂŒnger und noch in der Schule, es war in keinem Jahrbuch abgedruckt, und er trat freiwillig damit an die Ăffentlichkeit. Negativ: NatĂŒrlich stehen takische GrĂŒnde hinter seinem GestĂ€ndnis.
Trotzdem war der Skandal nun perfekt. US-Demokraten behaupten immer, Personen mit solchen Skandalen mĂŒssen zurĂŒck treten, doch abgesehen davon, dass wohl kaum alle 3 freiwillig zurĂŒck treten wĂŒrden -
Was wĂŒrde passieren, wenn alle zurĂŒcktreten mĂŒssten?
Der Sprecher des Unterhauses in Virginia, ein Republikaner, wĂŒrde Gouverneur. Ein Republikaner mĂŒsste eintreten, um die Spaltungen von drei Demokraten zu heilen. Falls erfolgreich, könnte er den âPurple Stateâ, der zwischen Demokraten und Republikanern bei Wahlen hĂ€ufig wechselt, permanent Rot, also Republikanisch, einfĂ€rben.
Das wird auch fĂŒr 2020 relevant: Nicht nur könnte Trump hier einen wesentlichen Zuwachs an Stimmen, potenziell wahlentscheidend, verzeichnen â jedesmal, wenn der Demokratische Gegenkandidate etwas ĂŒber âEinheit, Minderheiten, Spaltungenâ behauptet, wĂŒrde er einfach mit âVirginiaâ antworten.
Impeachment wird allerdings nicht passieren.
Virginias Sprecher des Unterhauses, Republikaner Kirk Cox, hat schon angekĂŒndigt, er werde bei keinem der âScheinheiligen Dreieinigkeitâ Impeachment, die Zwangsentfernung aus dem Amt, unterstĂŒtzen.
Das spricht fĂŒr die Prinzipientreue von Republikanern, denn Impeachment ist nicht dafĂŒr da, âWahlen nachtrĂ€glich zu korrigierenâ, sondern fĂŒr körperliche UnfĂ€higkeit, das Amt auszuĂŒben, oder schwere Vergehen im Amt. Beides ist nicht gegeben, und ohne seine UnterstĂŒtzung wird Impeachment damit praktisch unmöglich sein.
Wahrscheinlich also bleibt mindestens einer der Scheinheiligkeit im Amt. Und eine bleibende Wunde, die 2020 dominieren wird. Mit der Trump gewinnen könnte. Ăbrigens, die aktuelle Taktik der Partei, mit den Skandalen umzugehen? Abwarten. Und hoffen, dass es vorbei geht.
Fazit: Wer glaubt, nur eine Partei kann verteufelt werden, wĂ€hrend eine andere immer im Recht ist, sollte sich seine favorisierte Partei genau anschauen. Republikaner und Demokraten stehen beide auf dem selben moralischen Boden â und der ist wackelig.
Wenn also CNN oder auch Tagesschau das nĂ€chste Mal davon berichten, dass die Demokratische Partei fĂŒr âToleranz und gegen die Spaltung von Trumpâ eintreten wĂŒrde â einfach an Virginia denken.









