E-Books, das BĂŒcherregal und Serendipity
Da habe ich doch mit meinem letzten Beitrag zu den VorzĂŒgen von E-Books auf ein paar KanĂ€len einige ergiebige Diskussionen zu dem Thema hervorgerufen. Danke noch mal dafĂŒr, hat SpaĂ gemacht :-). Sehr schön, das Buch als eines unserer Ă€ltesten KulturgĂŒter ist den meisten noch nicht egal. Lesen ist anscheinend doch nicht uncool geworden â trotz YouTube, Fernsehen, Podcasts und Hörspielen. Hier mal ein paar interessante Punkte aus der Diskussion:
BĂŒcher sind gemĂŒtlich â E-Books sind anstrengend zu lesen, unhandlich, unsexy.
Auch in 100 Jahren werden noch BĂŒcher gedruckt, aber wie zuvor Pferde zum Transport, per Handarbeit erstellte Kleidung und Uhren werden diese zu Luxusartikeln, die sich durch beispielsweise besondere Verzierung hervorheben.
Es kann angenehm sein sich mit etwas anlogen in der Hand zurĂŒckzulehnen und kein empfindliches, teures elektronisches GerĂ€t zu benutzen.
Die Ăkobilanz von E-Books mit E-Readern ist bei Viellesern besser als beim normalen Buch.
E-Ink Displays sehen noch nicht so gut aus wie gedruckte BĂŒcher und E-Reader brauchen noch etwas Nachhilfe in Design und Bedienbarkeit.
Mit der Buchpreisbindung als Protektionismusinstrument werden sich die hiesigen Verlage höchstwahrscheinlich selbst schaden und es erst merken, wenn sie spĂ€ter von den amerikanischen E-Book Verlagen verdrĂ€ngt werden. Aber langfristig sind die Preise fĂŒr digitale BĂŒcher nicht auf dem jetzigen Niveau fĂŒr gedruckte BĂŒcher zu halten.
Es wird auch noch einige Zeit dauern, bis man E-Books unproblematisch verleihen kann und DRM nervt mal wieder â warum lernt hier eigentlich niemand von der Musikbranche?! Auch wenn die immer noch ziemlich viel Mist bauen ;-)
Aber einem Punkt will ich nun noch ein paar Zeilen widmen â dem Buch als Kulturgut ausgestellt im BĂŒcherregal. Das gut gefĂŒllte BĂŒcherregal ist so etwas wie der Schrein, der FlĂŒgel oder der Porsche fĂŒr das gebildete und kultivierte BĂŒrgertum. Er dient damit als Vorzeige- und Statussymbol â hier schaut her wie belesen ich bin â vorausgesetzt es stehen bei nĂ€herer Betrachtung die richtigen BĂŒcher im Regal. NatĂŒrlich kann man die Ă€sthetischen VorzĂŒge nicht absprechen, so ein BĂŒcherregal kann in der Tat ziemlich ansprechend aussehen. Persönlich sehe ich das aus mobilen Aspekten eher etwas unpraktisch, wenn man öfters mal umzieht, können Regale und vor allem Kisten mit BĂŒchern ganz schön schwer sein! Da habe ich lieber alle meine BĂŒcher digital in meiner Hosentasche oder der Cloud. AuĂerdem seid mal ehrlich, wie viele BĂŒcher gibt es, die ihr â wenn ĂŒberhaupt â mehrmals gelesen oder mal verliehen habt und die nicht im Regal rumstehen, verstauben und vergilben.
Aber es gibt in der Tat einen Aspekt am BĂŒcherregal den ich Ă€uĂerst schĂ€tze: Serendipity. Es gibt diesen Moment wenn man bei Freunden und Bekannten in der Wohnung rumstreunt, am BĂŒcherregal stehenbleibt und fasziniert die Buchtitel studiert. Die BĂŒcher die man dort vorfindet â oder auch nicht â sagen schon einiges ĂŒber eine andere Person aus. AuĂerdem ist das immer ein toller Ansatzpunkt um interessante neue LektĂŒre zu finden, auf die man eventuell sonst nie gekommen wĂ€re. Und natĂŒrlich ist dies auch immer ein groĂartiger GesprĂ€chsstoff. Wenn wir also in der Digitalisierung mit dem E-Book voranschreiten, darf dieser Aspekt auf jeden Fall nicht zu kurz kommen. AnsĂ€tze sehen wir auf jeden Fall bereits. Readmill und natĂŒrlich Facebook wollen zu unserem digitalen BĂŒcherregal im Internet werden. Anderen Leuten soll damit unsere BĂŒchervorlieben und damit ein Teil unserer Persönlichkeit prĂ€sentiert werden und ein Austausch auf sozialer Ebene auch ohne rĂ€umlich NĂ€he ermöglicht werden. Zur Zeit sind das noch kleine AnsĂ€tze, aber man kann sich vorstellen wohin die Reise geht. Der E-Reader kann auch seinen Teil zu Serendipity beitragen. In der Musik hat das Scrollen durch die iPod Musiksammlung von Freunden doch auch schon lĂ€ngst das Durchforsten der hĂ€uslichen CD Sammlung abgelöst â neuerdings geht das auch mit Musik Streaming Diensten wie simfy und spotify. Das macht ebenfalls SpaĂ und man kann die Musik sogar sofort anhören. Wahrscheinlich werden wir in Zukunft wohl durch die E-Reader â oder Online Dienste â von unseren Bekannten scrollen und deren LieblingsbĂŒcher und -zitate finden.
Jetzt bleibt aber noch ein Punkt ĂŒbrig â was passiert mit dem freien Platz in der Wohnung an dem mal das BĂŒcherregal stand. In einiger Zukunft geben uns OLED oder andere Technologien hoffentlich preisgĂŒnstig die Möglichkeit riesige, hauchdĂŒnne und biegsame Displays herzustellen. Diese kleben wir dann wie Poster oder Tapeten an die WĂ€nde kleben. Je nachdem was darauf die ganze Zeit flimmert, kann das auch sehr stressig werden. Aber man stelle sich mal vor dass wir die meiste Zeit etwas angenehmes und enstpannendes im Hintergrund haben, beispielsweise einen Kamin. Wenn nun aber jemand ankommt, werden die BĂŒchervorlieben auf diesen Displays dargestellt. Es springen dann auf einmal die Lieblingszitate auf diesen WĂ€nden hervor und Nebenstehende können damit interagieren: weiter eintauchen, Ă€hnliche Titel ausgeben oder gĂ€nzlich andere BĂŒcher darstellen lassen. Das wĂ€re doch mal eine faszinierende GesprĂ€chsvorlage und funktioniert sicherlich auch mit anderen Medien!