Ende Juni 2026
Pulsuhr-Recherchen
Ich liege mit lädiertem Herz im Krankenhaus. Während meines einwöchigen Aufenthalts hänge ich Tag und Nacht an einem Gerät, das Herzfrequenz, Blutsauerstoff-Sättigung und Blutdruck misst. Obwohl Daten-Nerd, interessierte ich mich bisher nicht sehr für quantified self. Aber ich werde mich nach der Entlassung noch Monate schonen müssen, und so überlege ich, ob mir nicht doch eine Pulsuhr helfen könnte, besser zu verstehen, wann die Anstrengung zu groß wird.
Um 2001 besaß ich schon mal eine Pulsuhr. Man musste einen Brustgurt umschnallen, und es war in meiner Erinnerung sehr umständlich, unzuverlässig und unbequem. Zum Glück können moderne Uhren den Puls direkt über einen optischen Sensor am Handgelenk messen. Wobei das weniger zuverlässiger sei als ein Brustgurt, wie ich lese (noch unzuverlässiger? Oder hat es technischen Fortschritt gegeben, so dass Brustgurte inzwischen ziemlich okay sind, und die Handgelenksmessung ist auf dem Unzuverlässigkeits-Niveau von damals?).
Die Suche ist gar nicht einfach. Es gibt Sportuhren, die weit über 100€ kosten, über 40 Sportarten beherrschen (was immer das heißt) und zwischendurch motivierende Botschaften im Display einblenden. Das brauche ich alles nicht, ich muss nicht zum Sport animiert werden, ich brauche etwas, was mich von zu viel Aktivität abhält!
Dann gibt es eine Menge Lifestyle-Uhren, viele sehen nach Apple-Watch-Klon aus, selbst wenn es sich um Discounter-Eigenmarken handelt. Das ist mir zu viel Gepose am Handgelenk, ich möchte mit der Uhr weder bezahlen noch Telefongespräche annehmen.
Als Kompromiss zum Brustgurt bieten sich Armbänder ohne Display an, die man am Oberarm trägt. Schön diskret und angeblich recht präzise. Allerdings müsste ich dann ja immer erst mein Smartphone herausholen, um die Werte abzulesen. Das will ich nicht, ich habe mir vor Jahren extra eine Armbanduhr zugelegt, um weniger von Meldungen auf dem Smartphone-Display abgelenkt zu werden.
Es gibt dann auch noch Bauformen, bei denen es mich ĂĽberhaupt nicht wundert, dass sie sehr schnell wieder vom Markt verschwunden sind.
Zu guter Letzt finde ich doch noch ein schlichtes, günstiges Gerät. Es kam 2018 für ca. 50€ auf den Markt und ich beschließe einfach, dass damals die Pulsmesserei soweit ausentwickelt war, dass für meine niedrigen Ansprüche nichts Relevantes mehr nachkam. Anzeige des Pulses in farbiger Schrift etwa wie beim Nachfolgemodell brauche ich - Überraschung - nicht. Das Gerät ist doch schon so modern, dass ich damit Anrufe annehmen könnte, grr. Aber ich muss es ja nicht mit meinem Telefon koppeln.
Der erste Eindruck ist nicht gut, das Gerät zeigt wahllos Werte zwischen 60 und 160 an, während ich entspannt am Tisch sitze:
Nach ein paar Minuten werden die Werte plausibler. Jetzt möchte ich nur noch die aktuelle Uhrzeit auf dem Display sehen. Die lässt sich am Gerät allerdings nicht einstellen, dafür muss ich es mit dem Smartphone koppeln. Damit die Zeit übertragen wird, muss ich den "beurer Health Manager" installieren. Um den zu nutzen, muss ich mich anmelden. Um mich anzumelden, muss ich mich registrieren. Um mich zu registrieren, soll ich doch lieber den "Health Manager Pro" herunterladen. Der wird allerdings meine Uhr nicht mehr unterstützen. Da sitze ich kurz und denke mir: das ist nicht euer Ernst. Eine Registrierung, bei der potenziell Gesundheitsdaten in eine Herstellercloud übertragen werden, kommt überhaupt nicht in die Tüte. Aber selbst wenn ich mich darauf einließe, kann ich die Uhr nicht stellen, weil das Gerät zu alt ist?
Irgendwie geht es dann doch. Ich "melde mich an", ohne mich zu "registrieren", entscheide mich fĂĽr ein lokales Konto und lasse das falsche Geburtsdatum stehen. Danach landet die Uhrzeit auf der Uhr und ich kann die Bluetooth-Verbindung wieder trennen. Gerade noch mal davongekommen.
(Lennart SchĂĽtz)













